Hauptrollen: Dylan Winter: Er ist homosexuell und hegt Gefühle für seinen Mitschüler Emmet. Dylan ist ein talentierter Zeichner. Cosmo Winter (O:Evo-1570): Ein außerirdisches Wesen vom Planeten Neró. Er kann sich in andere Lebensformen verwandeln und tarnt sich dadurch als Dylans Cousin.
Nebenrollen: Emmet Harding: Mitschüler und Schwarm von Dylan; Zwillingsbruder von Tamara. Mika Stone: Mitschüler von Dylan; Klassenclown. Elijah Richfield: Mitschüler von Dylan; bester Kumpel von Mika. Dr. Archimedes Tibbet: Lehrer für Geschichte und Geografie. Mister Cage: Sportlehrer Herr Prokkowitch: Russischer Astronom; zu Besuch in Amerika. Frau Kovnikovo: Russische Astronomin; zu Besuch in Amerika.
P:Sportunterricht-17 Alle Augen waren nun gespannt auf Mika gerichtet. Cosmo und ich sahen uns für einen kurzen Moment in die Augen, ehe auch unser Augenmerk auf Mika lag. Was könnte er gesehen haben? Hat er etwa…? Kann es sein, dass…? Möglicherweise hat er gesehen, wie Cosmo in meinem Garten gelandet ist. Nein, das kann nicht sein! Sein Haus liegt am anderen Ende der Stadt und dass er sich zu so später Stunde in meiner Gegend herumtrieb, hielt ich doch für recht unwahrscheinlich. Ich warf einen kurzen Blick rüber zu den Astronomen. Frau Kovnikovo hat ihre Hände zu Fäusten geballt. Sie wirkte etwas angespannt, auch wenn sie dies mit einem Lächeln abzutun versuchte. Herr Prokkowitch hingegen setzte einen eiskalten Blick auf. Seine Augen waren leicht zusammen gekniffen und auf Mika gerichtet. Dieser Mann bereitete mir eine Gänsehaut. „Ich habe gesehen…“, setzte Mika schließlich zur Antwort an, auf die alle bereits ganz gespannt warteten, „… wie ein Raumschiff runterfiel und ein dreiäugiges Alien mit Tentakeln daraus empor stieg. Danach fiel es über meine Nachbarn her und verschlang sie mit einem Happs!“ Die meisten Schüler in der Klasse fingen zu lachen an, während Mika selbst frech zu grinsen anfing. Dr. Tibbet war alles andere als erfreut und ermahnte Mika. Frau Kovnikovo schien mehr als enttäuscht zu sein, aber auch eine große Anspannung schien von ihr abzufallen. Herr Prokkowitch hatte seine Augen geschlossen und sagte kein Wort. Elijah klopfte seinem besten Freund stolz auf die Schulter, so lustig fand er dessen Aussage. Auch Mika war zu Lachen zumute. Schade…, für einen kurzen Moment dachte ich wirklich, er hätte etwas gesehen. „Puuuh.“, atmete Cosmos erleichtert aus. „Da hab ich ja noch einmal Glück gehabt.“ „Nicht nur du, nicht nur du.“, erwiderte ich leise. Ich blickte ein letztes Mal zu Mika hinüber, als sonst keiner mehr zu ihm sah und für einen kurzen Augenblick konnte ich Unsicherheit bei ihm erkennen. Bildete ich mir das ein? Ich konnte nicht weiter darüber nachdenken, denn der Unterricht ging weiter und die Astronomen hielten uns einen ellenlangen Vortrag über das Universum und Sternschnuppen.
Ein Pfiff ertönte aus der Pfeife unseres Sportlehrers Mister Cage und alle Jungs versammelten sich im Zentrum der Sporthalle. Nachdem wir zwanzig Runden laufen durften, tropfte mir der Schweiß am Kopf herunter. Ich ging etwas in die Hocke und stützte mich mit meinen Händen an den Knien ab, indessen ich nach Luft zu schnappen versuchte. Meine Adern pulsierten und ich spürte einen leicht blutigen Geschmack in meiner Mundhöhle. Ich warf einen kurzen Blick zu Cosmo rüber, ob es ihm wie mir erging, doch stand er aufrecht, keine Schweißperle zu sehen und außer Atem schien er auch nicht zu sein. Super, kann er sich ja gleich als Alien zu erkennen geben. „Alle hergehört!“, rief Mister Cage mit sehr lauter Stimme, was durch den Hall in der Sporthalle nur noch verstärkt wurde. „Ihr seid wirklich gut gelaufen und jetzt wo ihr alle aufgewärmt seid…“ Macht der Witze? Ich bin nicht aufgewärmt, sondern schwitze wie eine Sau! „… werden wir noch ein kleines Match im Basketball austragen. Fünf gegen Fünf. Die zwei schnellsten Läufer des Tages treten gegeneinander an und dürfen sich immer abwechselnd ihre Teamkollegen aussuchen. Mika und Cosmo, dass seid ihr!“ In der Tat war Cosmo einer der schnellsten Läufer heute. Er hat mich mindestens zweimal überrundet und als er das zweite Mal überholte und mich dabei unverschämt angrinste, riet ich ihm dazu, einen Gang zurückzuschalten. Mister Cage war sehr erfreut, mit Cosmo eine neue Sportskanone in der Schule zu haben. Bisher war immer Mika die umstrittene Nummer Eins, aber das könnte sich jetzt vielleicht ändern. Mika schien zu spüren, dass Cosmo ihm den Titel „Sportlichster Schüler an der Schule“ streitig zu machen versuchte und so wollte er nur die Besten in seiner Mannschaft haben. Klar, dass ich nicht dazugehörte. Ebenso klar war es, dass Cosmo mich als Ersten in seine Mannschaft wählte. Einerseits freute es mich zwar, denn meistens gehörte ich mit zu den Letzten die gewählt wurden, andererseits war ich mir sicher, dass Cosmo die Spielregeln noch gar nicht kannte. Also war es meine Aufgabe, ihm diese schnell ins Ohr zu flüstern, ehe das Spiel in einem Desaster endete. Am Ende bestand Mikas Team aus den fünf besten Sportskanonen, zu denen auch Elijah gehörte. Cosmo hingegen musste sich mit dem üppigen Rest zufrieden geben. Er hatte ja keine Ahnung wen er sich da ins Team holte. Als Letztes wählte er Emmet in sein Team, der wie jedes Mal als Letzter gewählt wurde. Er war das bereits gewöhnt, so unbeliebt wie er bei allen war, aber ich konnte mir vorstellen, dass das ein ziemlich beschissenes Gefühl sein muss. Emmet und ich in einem Team…, mit Cosmo als Mannschaftsführer … Herr im Himmel steh mir bei! Beide Mannschaften stellten sich auf … mit etwas Hilfeleistung meinerseits bei Cosmo, Mister Cage blies in seine Trillerpfeife und das Match konnte beginnen! Es war mir von vornherein klar, dass das gegnerische Team schnell in Führung ging. Für Mika und Elijah war das nicht nur ein gewöhnliches Basketballmatch, denn sie spielten auch in der Schulmannschaft und waren ein auf sich abgestimmtes Team. So punkteten sie Korb für Korb und ließen ihre Gegner – das sind wir – wie Wachsfiguren hinter sich. „Hau ihn rein, Mika!“, rief Elijah seinem besten Freund zu, als er ihm den Ball zuwarf. Mika fing den Ball, blockte Emmets Parade ab und warf den Ball zielsicher in den Korb. Ein weiterer Punkt für Mikas Mannschaft. Damit stand es Sechs zu Null. Emmet lag nach seinem Angriff auf dem Boden und ich reichte ihm meine Hand. „Das war gar nicht mal so schlecht. Komm, ich helfe dir auf.“, sagte ich lobend zu ihm, doch fing ich mir nur einen bösen Blick seinerseits ein. Er war noch immer sauer auf mich, wie mir schien. Emmet rappelte sich von alleine wieder hoch und das Spiel ging weiter. Mika und Elijah waren nicht zu stoppen und kurz darauf stand es Acht zu Null. „Sieht nicht gut aus.“, meinte ich kurz darauf zu Cosmo, der mich jedoch gar nicht zu hören schien. Wie versteinert stand er auf dem Spielfeld. Ich wedelte einmal mit meiner Hand vor seinem Gesicht herum, als er endlich wieder zu blinzeln anfing. „Alles in Ordnung bei dir?“, fragte ich besorgt. „Ja, ich habe nur gerade das Spiel begriffen. Jetzt schlagen wir zum Gegenangriff!“ Cosmos Kampfgeist und Optimismus war ungebrochen. Doch hatte er wirklich eine Chance? Irgendwie bezweifelte ich das, aber auch ich schöpfte neuen Mut. Mika war wieder im Ballbesitz. Cosmo rannte auf ihn zu und stellte sich ihm entgegen. Meiner Meinung nach hatte er keine Chance, da Mika fast einen Kopf größer als er war und zudem auch kräftiger gebaut, doch dafür war Cosmo wendiger … und intelligenter! Cosmo gelang es, bei Mika einen erfolgreichen „Steal“ hinzulegen. Der Ball war nun in unserem Besitz und mit einer Dribbel-Bewegung bewegte sich Cosmo auf den gegnerischen Korb zu. Mit einem „Crossover“ trickste er Elijah aus, warf den Ball und … traf! Die ersten zwei Punkte für unser Team und wir brachen in Begeisterung aus. Cosmo kam jubelnd auf mich zugestürmt und ich wollte mit ihm abklatschen, doch stattdessen nahm er mich voller Freude in den Arm und hob mich in die Lüfte. Mir wurde ganz warm ums Herz und das kam nicht daher, dass ich so verschwitzt war. „Pah, das war ein lausiger Treffer. Wir gewinnen trotzdem!“, rief Elijah uns gekränkt zu. Das Spiel setzte sich fort und in Mika schien nun auch der Kampfgeist geweckt worden zu sein. So leicht würde er es Cosmo bestimmt nicht machen. Cosmo war im Ballbesitz und Mika stellte sich ihm entgegen. Dieses Mal wollte dieser einen „Steal“ ausführen, jedoch ohne Erfolg. Cosmo war clever genug den Ball abzugeben. Er warf ihn zu Emmet, der seine Chance kommen sah und den Ball erfolgreich in den Korb warf. Beim Basketball bezeichnete man das als einen „Assist“. Dass es nun sogar Emmet gelang, einen Treffer zu landen, machte Elijah so richtig stinkig. Er wollte zum Gegenschlag ausholen, doch da ertönte der Abpfiff von Mister Cage. „Klasse gespielt, Jungs! Cosmo, komm bitte noch kurz zu mir und alle anderen: Ab unter die Duschen mit euch!“
Fortsetzung folgt ... am Mittwoch, den 19.Oktober 2022!
Hauptrollen: Dylan Winter: Er ist homosexuell und hegt Gefühle für seinen Mitschüler Emmet. Dylan ist ein talentierter Zeichner. Cosmo Winter (O:Evo-1570): Ein außerirdisches Wesen vom Planeten Neró. Er kann sich in andere Lebensformen verwandeln und tarnt sich dadurch als Dylans Cousin. Philip "Phil" Winter: Er ist Dylans Vater und von Beruf der Sheriff einer amerikanischen Kleinstadt. Seine Frau verstarb vor etwa einem Jahr.
Nebenrollen: Emmet Harding: Mitschüler und Schwarm von Dylan; Zwillingsbruder von Tamara. Mika Stone: Mitschüler von Dylan; Klassenclown. Elijah Richfield: Mitschüler von Dylan; bester Kumpel von Mika. Mister Cage: Sportlehrer
Σ:Chance-18 Zurzeit wusste ich nicht, wo mir der Kopf stand. Erst der tragische Verlust meiner Mutter, dann mein wohl gehütetes Geheimnis, dass ich auf Jungs stand, dann mein „Kuss-Anschlag“ auf Emmet, den ich so sehr mochte und zu guter Letzt noch Evo, ein außerirdisches Wesen, das nun bei mir und meinem Vater wohnte. Da kann man schon einmal vergessen, dass sich gewisse Veränderungen am Körper nicht unterdrücken lassen, wenn man mit anderen Jungs beim Duschen ist. Nun gut, außer Emmet interessierte mich keiner wirklich, denn er war der Einzige für den ich schwärmte. Zu meinem Bedauern verzichtete er heute auf das gemeinsame Duschen. Da die Schule nun zu Ende war, beschloss er, bei sich zu Hause zu duschen. Dabei machte er sich natürlich wieder keine Freunde: „Hast du etwa was zu verbergen, was keiner sehen darf? Ach halt stopp, da ist ja nichts, was man sehen könnte!“, scherzte Elijah, was meiner Meinung nach an Mobbing grenzte. Ich konnte Elijah nicht ausstehen. Sein arrogantes Getue, seine große Klappe und sein Aussehen waren ihm wichtiger als alles andere. Lag vermutlich auch daran, dass er nicht von seinen Eltern großgezogen wurde, sondern von einem Butler und mehreren Hausmädchen. Seine Eltern waren nämlich industrielle Bauunternehmer und gehörten zu den einflussreichsten Leuten in dieser Stadt. Sie hatten nur sehr wenig Zeit für ihren Sohn, geschweige denn für dessen Erziehung und waren damit beschäftigt, Geld zu scheffeln und darin zu baden wie Goldesel. Vom Aussehen her war Elijah ohnehin nicht mein Typ, denn auf lockiges, dunkelblondes Haar stand ich nicht so. Anders verhielt es sich da schon bei Mika. Er besaß zwar auch eine sehr große Klappe, aber kannte zumeist seine Grenzen und behandelte sein Gegenüber mit Respekt und Fairness. Nur wenn es darum ging ein Spiel zu gewinnen und der Bessere zu sein, konnte er sehr ausfallend werden. Wenn er nicht immer so dumme Sprüche reißen würde und nicht mit Elijah befreundet wäre, könnte ich sogar Gefallen an ihm finden, denn schlecht sah er wahrlich nicht aus. Ich stand unter der Dusche und rieb mich gerade mit Seife ein, als ich ein paar verstohlene Blicke zu ihm rüber warf. Das warme Wasser plätscherte auf seinen durchtrainierten Körper herab, als er mir gerade seinen Allerwertesten zudrehte, der doch recht knackig war. Auf einmal drehte er sich zu mir um und ich konnte ihn in seiner vollen Pracht bestaunen. Natürlich wurde ich wieder rot, was denke ich normal war, wenn man als schwuler Junge mit anderen Jungs duscht, doch leider vergaß ich, dass ich keinerlei Kontrolle über mein bestes Stück besaß. Zu allem Übel schien Mika das auch noch zu bemerken, denn er sah zu mir rüber, ehe eine heiße Dampfwolke die Sicht versperrte. Nur noch sein blondes nasses Haar war sichtbar. Ich versuchte schnell wieder „runter zu kommen“, ehe noch jemand anderes bemerkte, was in mir vorging. Nur gut, dass wenigstens Cosmo gerade nicht hier war. Ich habe ihn bereits nackt gesehen… und einmal reichte völlig! Was Mister Cage wohl mit ihm zu besprechen hatte? Als ich die Dusche mit einem Handtuch um der Hüfte herum verließ, kam mir Cosmo endlich entgegen. Ehe ich ihm überhaupt eine Frage stellen konnte, meinte er zu mir, dass er gerne erst duschen würde und mir später von der Unterhaltung mit Mister Cage berichten würde. Ich ließ ihn also gewähren und wartete in der Umkleidekabine auf ihn, während alle anderen Jungs die Schule nach und nach verließen. Zum Schluss waren nur noch Cosmo und ich übrig. Wie hätte es auch anders sein können, kehrte Cosmo splitterfasernackt, aber immerhin bereits trocken gerubbelt in die Umkleidekabine zurück. Jetzt wusste ich also auch, wie er in seiner neuen menschlichen Gestalt nackt aussah. Ich sollte mir endlich abgewöhnen, bei nackten Männerkörpern jedes Mal in Panik zu fallen. Fünf Minuten später verließen auch wir die Sporthalle. „Erzählst du mir jetzt, was Mister Cage mit dir besprochen hat?“, fragte ich Cosmo, als wir die Treppe vom Schulgebäude hinab stiegen. „Er hat mich gefragt, ob ich nicht dem Basketball-Team beitreten möchte.“, erzählte er mir und ich riss erstaunt den Mund weit auf. „Vor kurzem hat sich ein Spieler das Handgelenk gebrochen, weshalb er für die nächsten Wochen ausfällt. Als Mister Cage mich vorhin spielen sah, kam er zu dem Entschluss, dass ich ein idealer Ersatz wäre. Wenn ich dem Team beitrete, würde ich zusammen mit Elijah als „Forward“ agieren.“ „Ach ja richtig…, Elijah und Mika sind ja auch in der Schulmannschaft. Bei Mika weiß ich nicht, aber Elijah dürfte nicht so begeistert sein, mit dir zusammen zu spielen.“, meinte ich etwas unsicher. „Warum nicht?“, harkte Cosmo nach. „Naja, du musst nur mal in den Spiegel gucken. Du bist nicht gerade der typische Basketballspieler, sondern eher klein und schmächtig. Beim Basketball kommt es auf eine gewisse Größe an.“, versuchte ich Cosmo zu erklären. Das Cosmo zudem ein Alien war, dürfte wohl jedem klar sein. „Mister Cage meinte, dass meine Statur nicht von Belang sei, solange ich nur gut spiele. Er meinte auch, dass ich eine ausgezeichnete Wurftechnik draufhabe und meine gegnerischen Spieler mit meiner Schnelligkeit leicht austricksen kann.“ Cosmo schien von seiner neuen Aufgabe sehr angetan zu sein. Ich wollte seiner Begeisterung dafür keinen Dämpfer versetzen, aber war ich mir ziemlich sicher, dass mein Dad nein dazu sagen würde…
„Du, im Basketball-Team?“ Mein Dad setzte ein verdutztes Gesicht auf, als wir abends in der Küche am Esstisch saßen, genüsslich über die Cannelloni herfielen und über den Schultag redeten. War klar, dass er davon nicht begeistert sein würde. Cosmo im Basketball-Team, stellte einfach eine zu große Gefahr dar, dass er auffliegen könnte, für uns alle. „Ja sicher darfst du im Basketball-Team mitspielen. Warum sollte ich was dagegen haben? Sport ist gesund und ich bin froh darüber, dass wenigstens einer hier im Haus etwas Sporteifer zeigt.“ „Daaaad!“, stieß ich laut entsetzt aus. Damit hatte ich nun wahrlich nicht gerechnet. Mein Dad und Cosmo starrten mich an – beide mit vollen Mündern und Tomatensauce an der Wange kleben. „Waf´n?“, fragte mein Dad mich mit vollem Mund. „Denkst du nicht auch, dass die Gefahr zu groß ist und Cosmo auffliegen könnte?“, fragte ich. „Die Gefahr war schon von Anfang an sehr groß.“, sagte mein Dad, als er seinen Bissen runter schluckte. „In der Schule gibt es tausend Gründe, dass er auffliegen könnte. Einmal eine dumme Aktion oder ein falsches Wort und es ist aus. Und bitte vergiss nicht, dass ich hier am meisten zu verlieren habe, da ich hier der Erwachsene und damit der Erziehungsberechtigte bin.“ „Ein Grund mehr, dem nicht zuzustimmen!“, entgegnete ich weiterhin etwas laut. „Du willst gar nicht, dass ich dem Basketball-Team beitrete?“, fragte Cosmo mich nun verwirrt. „Ich denke, dass wir unser Glück nicht überstrapazieren sollten.“, antwortete ich ehrlich. „Da hast du wohl Recht, Dylan.“, pflichtete mein Dad mir nun bei. „Letzten Endes kommt es wohl einfach auf einen Versuch an. Das Cosmo zur Schule geht, war ein genauso großes Risiko, aber den ersten Schultag hat er mit Bravour gemeistert. Er sollte also zumindest die Chance erhalten, sich beim Basketball beweisen zu können. Was denkst du darüber, Cosmo?“ „J-Ja! Ich würde es sehr gerne versuchen. Das Spiel macht Spaß!“, sagte Cosmo, der über beide Ohren strahlte. Damit war die Entscheidung auch gefallen und ich konnte nichts mehr entgegen setzen. Ich hielt es noch immer für einen Fehler, da ich mir nicht sicher war, ob Cosmo sich den Konsequenzen bewusst war, in die er mich und meinen Vater bringen könnte, sollte etwas schief gehen. Doch jetzt konnte ich nur noch anfangen ihm zu vertrauen und darauf zu hoffen, dass alles gut gehen würde. Vor lauter Nachdenken hatte ich das Essen beinahe vergessen, doch als ich mir Nachschlag holen wollte, war der Topf leer und Cosmo lächelte mich mit vollem Mund an.
Fortsetzung folgt ... am Freitag, den 21.Oktober 2022!
Heute fällt die Rollenliste mal aus, aber ihr kennt die aktuell wichtigsten Charaktere ja ohnehin und wenn nicht, findet ihr weiter oben die Rollenlisten.
T:Einladung-19 Nach Cosmos wundersamer Aufnahme ins Basketball-Team war inzwischen eine Woche vergangen. Eine Woche, das bedeutete fünf Tage Schule mit Cosmo, in dem er entweder etwas sehr kluges zum Unterricht beitrug, oder aber etwas sehr dummes von sich gab, weil er es einfach nicht besser wusste. Demnach wusste ich auch nicht so recht, ob ich ihn nun als intelligent einstufen sollte, oder nicht. Vielleicht kann ich das so stehen lassen: Er sagt und tut dummes, weil er intelligent ist! Es war wieder Montag und wie an jedem Morgen unter der Woche, tat ich mich unheimlich schwer aus dem Bett zu kommen. Nur gut, dass ich nun einen Mitbewohner hatte. Für Cosmo war das Wort „Morgenmuffel“ ein Fremdwort, denn er war immer total happy, selbst um sieben Uhr morgens. Und wenn einer glaubte, dass er Rücksicht auf mich nahm, dann irrte er sich gewaltig. Die Musik war wieder auf voller Lautstärke und dröhnte in meinen Ohren. Dabei wollte ich doch noch fünf Minuten pennen. Ich zog mich unter die Bettdecke zurück und legte mir mein Kopfkissen obendrauf. Dennoch konnte ich die Musik hören, auch wie mein Dad ins Zimmer rein kam. „Cosmo, ich sag dir das jetzt zum letzten Mal, mach endlich die verdammte Musik leiser. Du verscheuchst noch alle Vögel im Garten!“ Cosmo drehte die Musik leiser und entschuldigte sich brav bei meinem Vater, der sich nun an mich wandte: „Jetzt steh schon auf Dylan, ansonsten trage ich Cosmo auf, dass er dich ab sofort jeden Morgen aus dem Bett singt!“ „Nein, bitte nicht!“, schrie ich entsetzt auf und mit einem Mal stand ich auf zwei Beinen, während mein Kopfkissen zu Boden fiel. Cosmo grinste mich heiter an und auch meinem Dad stand das Lächeln im Gesicht geschrieben. Ich grummelte vor mich hin und begab mich anschließend ins Bad. Als ich zum Frühstück runter kam, war Cosmo bereits voll beschäftigt, besser gesagt vollgestopft mit Rührei und Speck. Mein Dad las noch in der Zeitung, während neben ihm eine heiße Tasse Kaffee stand. Als er einen Schluck davon nehmen wollte, verbrannte er sich versehentlich die Zunge und fluchte vor sich hin. Ich hingegen schmierte mir ein leckeres Butterbrot mit Kürbismarmelade. Als sich mein Dad wieder fing, sagte er: „Heute Abend wird es übrigens später, also wartet nicht auf mich mit dem Abendessen.“ „Ist okay.“, sagte ich. In seinem Beruf kam es öfters vor, dass er Überstunden schieben musste. „Aber morgen Abend bist du da, oder?“, fragte Cosmo plötzlich, der etwas nervös drein sah. Mein Dad und ich sahen Cosmo nur verwirrt an. „Basketball? Morgen ist mein erstes Spiel!“ „Mister Cage lässt dich nach nur einer Woche bereits aufs Spielfeld?“, fragte mein Dad perplex. Mit hochgezogenen Augenbrauen versuchte ich meinem Dad die Lage zu erklären: „Mister Cage ist der Meinung, dass Cosmo jetzt schon besser sei, als die meisten im Basketball-Team, aber wenn du mich fragst, ist er nicht besser als alle andere und zu viel Lob bekommt ihm nicht.“ „Du bist ja nur neidisch, dass ich im Team gelandet bin und nicht du.“, stichelte Cosmo, während er mir breit grinsend ein feuchte Geschirrtuch ins Gesicht warf. „Pff.“ Ich warf das Geschirrtuch im hohen Bogen ins Spülbecken. „Siehst du, was du kannst, kann ich schon lange. Ich interessiere mich nur nicht für Basketball, das ist alles.“ „Du musst wissen Cosmo, Dylan war noch nie derjenige, der sich für Sport begeistern konnte.“, klärte mein Vater ihn auf, was etwas Unbehagen in mir auslöste. „Er wird wohl nie in meine und die seines Großvaters Fußstapfen treten und Polizist werden.“ Zum Schluss hin klang mein Dad leicht enttäuscht, aber das wurde er immer, wenn sich das Thema in diese Richtung entwickelte. „Ja schlägt´s denn gleich zwölf, schon so spät? Los Jungs, Beeilung, ich fahre euch heute in die Schule!“
Es gab zwei Gründe, warum ich immer zu Fuß zur Schule ging: 1. Der Schulbus war immer gerammelt voll, so dass man kaum Luft bekam, erst dann nicht, wenn Kevin aus der Parallelklasse wieder seine Stinkbomben im Bus verteilte und alles nach verfaulten Eiern roch. 2. Andere Möglichkeit wäre mich von meinem Dad in die Schule fahren zu lassen, da er am Vorabend aber meistens mit seinem Dienstwagen nach Hause fährt, bringt er mich folglich auch mit diesem am nächsten Tag zur Schule und das war einfach nur megapeinlich! Ich konnte jedes Mal die Blicke meiner Mitschüler spüren, als wir am Schulgebäude vorfuhren, als wäre ich ein Krimineller, der ständig unter Beobachtung stand. Heute war es also mal wieder soweit und mein Dad fuhr mich mit seinem Dienstwagen zur Schule. Das einzig positive daran war, dass ich vorne saß und Cosmo auf der Rückbank, hinter den Gitterstäben, Platz nehmen musste. Dies schien ihm aber nichts auszumachen, denn er war frisch vergnügt wie eh und je. „Mister Winter könnten sie die Blaulichtsirene anmachen? Das wäre sooo cool!“ Er benahm sich wieder einmal wie ein kleines Kind, aber mir sollte es Recht sein. „Nein Cosmo, das wäre Missbrauch meines Amtes.“, sagte mein Dad entschieden. „Schade.“ Nach dieser enttäuschenden Absage, lümmelte Cosmo erst recht auf der Rückbank. Kurze Zeit später kamen wir an der Schule an und ich konnte beruhigt aus dem Auto aussteigen, denn die Augen der anderen Schüler waren nicht auf mich und den Dienstwagen meines Vaters gerichtet. Stattdessen gab es eine große Gruppenansammlung vor dem Schuleingang. „Was ist denn da los?“, fragte mich mein Dad aus dem Auto heraus durchs offene Fenster. „Keine Ahnung, aber wir werden das gleich in Erfahrung bringen.“, sagte ich zu meinem Dad und hievte meinen Schulranzen auf dem Rücken. „Danke fürs Fahren Dad. Bis heute Abend dann!“ Mein Dad fuhr im Dienstwagen wieder davon und Cosmo und ich stiegen nebeneinander die Stufen zum Schulgebäude hoch. „Kuscheln die miteinander?“, fragte Cosmo mich interessiert. Sicher nicht, antwortete ich in Gedanken, während wir dem Tumult immer näher kamen. An die zwanzig Schüler waren versammelt und in ihrer Mitte befanden sich Mika und Elijah. „Gibt´s hier was zu futtern?“, fragte Cosmo einfach einen Schüler, der gerade neben ihm stand. „Elijah schmeißt am Wochenende eine Halloween-Party bei sich Zuhause und da er in einer Villa wohnt, viel Kohle hat und seine Eltern ausgeflogen sind, wird das der Oberburner!“ „Oberburner?“, Cosmo schaute verdutzt drein, da ihm dieses spezielle Wort nichts sagte. „Aber gut, wenn er viel Kohle hat, kann er gleich ein Grillfest daraus machen.“ Der Schüler schaute Cosmo an, als käme er von einem anderen Planeten … was sogar stimmte, er aber zum Glück nicht wusste. Ich zog Cosmo von ihm weg und erklärte, dass das Wort Kohle nur ein anderes Wort für Geld darstellte. Danach ließ sich Cosmo wieder zu einer Bemerkung hinreißen: „Ihr seid völlig sprachverblödet!“ „Hey! Hey Cosmo, für dich hab ich auch eine Einladung!“, rief Elijah, der sich durch die anderen Schüler durchkämpfte und ihm einen Flyer entgegen hielt. „Du bist jetzt Mitglied unseres Basketball-Teams, also bist du bei mir herzlich Willkommen…, “ Elijah warf einen kurzen spöttischen Blick zu mir rüber, „…aber komm allein!“ Danach wandte er sich wieder den anderen Schülern zu. „Meinen Glückwunsch.“, sagte ich trocken. „Elijah hat dich als offizielles Team-Mitglied akzeptiert.“ „Ja, scheint so.“, erwiderte Cosmo etwas zwiespältig, denn einerseits freute er sich über die Einladung, aber andererseits wäre er wohl gerne mit mir gemeinsam dort hingegangen. „Ich muss nicht gehen.“, sagte er schließlich, was ich sehr korrekt von ihm fand … und auch ein wenig süß. „Quatsch, geh du nur!“, sagte ich locker. „Nur friss niemanden auf...!“ Ich erklärte Cosmo in kurzen Sätzen, was eine Halloween-Party eigentlich war und hinterher freute er sich nur noch mehr über die Einladung. „Wenn du wirklich gruselig aussehen willst, dann gib dich als ‚Glitzer-Eddy‘ aus.“ Ich spürte eine Hand, die mir von hinten auf die rechte Schulter klopfte und als ich mich umdrehte, stand zu meiner großen Überraschung Mika vor mir. Er lächelte mich an, was mich gleich noch mehr überraschte und drückte mir einen der Flyer in die Hände. „Hier.“, sagte er. „Mit diesem Flyer bist du auch ein eingeladener Gast.“ „Äh, okay?“ Nun war ich wirklich verwirrt. „Warum tust du das? Elijah will mich nicht dabei haben.“ „Ach was, dort sind so viele Leute, da wird es ihm gar nicht auffallen, wenn ein Partygast mehr dabei ist. Zumal es sich hierbei eh um eine Halloween-Party handelt, was bedeutet, dass sich alle verkleidet haben. Ihr habt doch hoffentlich zwei gruselige Kostüme?“ Es schien Mika ernst zu sein, aber warum? Wir hatten nie viel miteinander zu tun, geschweige denn, dass wir viel miteinander redeten. „Ich denke auf dem Speicher lässt sich da was finden.“, antwortete ich ihm schließlich. Da kam mir der Gedanke, dass er vielleicht doch etwas in der Sternschnuppen-Nacht gesehen haben könnte. „Also ich weiß bereits jetzt schon, als was ich mich verkleide.“, sagte Cosmo entschieden und grinste.
Fortsetzung folgt ... am Montag, den 24.Oktober 2022!
Hauptrollen: Dylan Winter: Er ist homosexuell und hegt Gefühle für seinen Mitschüler Emmet. Dylan ist ein talentierter Zeichner. Cosmo Winter (O:Evo-1570): Ein außerirdisches Wesen vom Planeten Neró. Er kann sich in andere Lebensformen verwandeln und tarnt sich dadurch als Dylans Cousin. Philip "Phil" Winter: Er ist Dylans Vater und von Beruf der Sheriff einer amerikanischen Kleinstadt. Seine Frau verstarb vor etwa einem Jahr.
Nebenrollen: Emmet Harding: Mitschüler und Schwarm von Dylan; Zwillingsbruder von Tamara. Tamara Harding: Mitschülerin von Dylan; Zwillingsschwester von Emmet. Mika Stone: Mitschüler von Dylan; Klassenclown. Elijah Richfield: Mitschüler von Dylan; bester Kumpel von Mika. Dr. Archimedes Tibbet: Lehrer für Geschichte und Geografie. Mister Cage: Sportlehrer Herr Prokkowitch: Russischer Astronom; zu Besuch in Amerika. Frau Kovnikovo: Russische Astronomin; zu Besuch in Amerika.
Y:Deal-20 „Und ich sag es dir jetzt noch einmal: Wir gehen nicht auf diese Halloween-Party.“, sagte ich entschieden zu Cosmo, während wir in der Pause auf den Schulkorridoren herum schlichen. Cosmo möchte unbedingt zu Elijahs Halloween-Party, aber die Idee fand ich inzwischen nicht mehr so gut. Was wenn Mika doch etwas in der Nacht gesehen hat, als Evo vom Himmel fiel? Dann wäre dessen neu entdeckte Freundlichkeit mir gegenüber und die darauffolgende Einladung bestimmt eine Falle. „Ich möchte aber unbedingt auf diese Party. Bitteeeee.“ Cosmo bettelte mich mehr schlecht als Recht an, was meine Entscheidung nicht umzustimmen vermochte. „Ich verspreche dir auch, mich nicht in mein ursprüngliches Aussehen zu verwandeln, womit ich eigentlich zur Party wollte. „Verrückt geworden? Das wäre ja noch schöner.“, sagte ich schockiert. „Schreib doch gleich bei uns Zuhause an die Hauswand ‚Hier wohnt Evo, das nette Alien aus der Nachbarschaft‘.“ Cosmo kniff seine Augen leicht zusammen und starrte mich nachdenklich an. „Da war dieser seltsame Sarkasmus wieder, was ihr Menschen gerne anwendet, nicht wahr?“ „Wow, ein Blitzmerker bist du inzwischen auch geworden. Meinen Glückwunsch!“, gratulierte ich weiterhin sarkastisch, denn ich wollte Cosmo die Halloween-Party unbedingt ausreden. „Was, ich merke mir Blitze?“ Cosmo starrte mich nun verwirrt an und ich rollte innerlich mit den Augen. Doch wurde ich abgelenkt, als ich ein paar Meter weiter Emmet entdeckte, wie er an seinem Spind stand und sich ein paar Schulbücher in den Rucksack steckte. Inzwischen quasselte Cosmo weiterhin auf mich ein und als er merkte, dass ich ihm schon gar nicht mehr registrierte, wedelte er mit seiner Hand vor meinem Gesicht herum. „Neró an Erde, bitte kommen. Hier spricht Evo!“ Genug! „Bist du verrückt geworden, sag das nicht so laut!“, zischte ich ihn an, während ich ihn etwas zur Seite zog, was jedoch nicht weniger auffällig war. „Kein Grund zur Sorge. Die ganzen Jungs und Mädchen hier, haben ihre Augen und Ohren gerade ganz bestimmt nicht auf uns gerichtet, denn momentan gibt es nur ein Thema…“, sagte Cosmo. „Und es bleibt trotzdem bei einem Nein.“, entgegnete ich. Für mich war das Thema damit auch vom Tisch, nur Cosmo war sowas von stur und hartnäckig, dass es einem unglaublich auf die Nerven ging. „Wie wäre es mit einem Deal? Wenn wir das morgige Spiel gewinnen, dann erlaubst du mir, zu der Party zu gehen.“, sagte Cosmo herausfordernd. „Wieso sollte ich mich auf so einen Deal einlassen? Was hab ich zu gewinnen?“, entgegnete ich fragend. „Zumal du mir gehorchen musst, weil ich die Verantwortung für dich trage. „Wenn du dem Deal zustimmst, dann verrate ich deinem Dad nicht, dass du insgeheim auf Jungs und nicht auf Mädchen stehst.“, antwortete Cosmo mir. Ich glaubte meinen Ohren nicht zu trauen. „Das ist Erpressung … und woher diese Vermutung?!“ „Ich bin weder blind noch blöd. Glaubst du, ich sehe nicht, wie du ihm ständig hinterher schmachtest wie ein verliebter Patíste?“ Ich blickte Cosmo fragend an. „Rosarote Außerirdische vom Planeten Záchari. Haben ständig Herzchen in den Augen und lieben einfach alles und jeden und wenn es nur Steine oder Regenwürmer sind.“ „Im Weltall gibt es Regenwürmer?“, stieß ich perplex aus, wollte aber auch vom Thema abweichen. Dies gelang mir jedoch nicht und ich musste mich mit Cosmo auseinandersetzten. „Du erpresst mich wirklich? Das du so ein Arsch sein kannst, hätte ich dir niemals zugetraut.“ „Ich bin kein Arsch, oder siehst du eine Po-Ritze in meinem Gesicht?“, entgegnete Cosmo naiv fragend, womit er mich nun leider auch wieder zum Schmunzeln brachte. Nach ein paar Sekunden atmete ich einmal kräftig ein und wieder aus. Dann sagte ich: „Du bist wirklich clever und das du mich erpresst nehme ich dir übel…, aber ich stimme dem Deal zu.“ „Ich hab nie behauptet immer lieb und nett zu sein.“, meinte Cosmo, womit er Recht hatte. „Stimmt, aber für jemanden der einmal behauptet hat, er wäre nur meinetwegen da und er möchte in meiner Nähe sein, verhältst du dich ziemlich absonderlich.“, erwiderte ich missgelaunt. „Du wirst schon sehen. Das ist alles nur zu deine Besten!“, entgegnete Cosmo von sich überzeugt. „Nein, du wirst sehen!“ Ich lächelte insgeheim in mich hinein. „Morgen Abend spielt ihr gegen die Schulmannschaft aus Indiana. Die haben starke Spieler in ihrer Mannschaft und haben zudem noch kein einziges Spiel in dieser Saison verloren. Ihr habt nie und nimmer eine Chance.“ „Sag niemals nie!“, entgegnete Cosmo daraufhin wieder. „Den Spruch hast du doch aus dem Fernsehen geklaut.“, merkte ich an. „Nein, den hab ich mir selber ausgedacht.“, log Cosmo, während er ein Pfeifen von sich gab. „Du musst auch immer das letzte Wort haben, oder?“
Am nächsten Abend war es dann endlich soweit: Cosmos erstes Basketballspiel in der Schulmannschaft stand an. Die Sporthalle war gefüllt mit Zuschauern aus unserer Kleinstadt, sowie einigen Freunden, Familienangehörigen und Fans der Mannschaft aus Indiana. Auch mein Dad und ich befanden uns unter den Zuschauern und feuerten unser Team an – mein Dad mehr als ich. Das dritte Viertel war im vollen Gange und es stand bereits 36 zu 30 für das Team aus Indiana. „Los geht´s! Zeigt es ihnen Jungs!“, hörte ich Mister Cage, den Trainer, von der Seite ins Spielfeld rufen. „Das wird ganz schön eng.“, meinte mein Dad zu mir. „Ja, Indiana führt zwar, aber leider steht uns noch ein Viertel bevor.“, entgegnete ich nervös. „Was? Wovon redest du?“, fragte mich mein Dad verwirrt. „Wir liegen zurück, da ist es nur gut, dass noch ein Viertel kommt, oder möchtest du, dass Cosmo in seinem ersten Spiel eine Niederlage erleidet?“ Im Grunde genommen wollte ich das natürlich nicht, aber wenn sie dieses Spiel gewannen, würde ich mit Cosmo auf die Halloween-Party gehen müssen und mich beschlich das ungute Gefühl, dass Mika etwas im Schilde führte. Das ich diesem absurden Deal von Cosmo zugestimmt habe, kam nur seiner hinterhältigen Erpressung zu Schulden. Allerdings … sollte ich meinem Dad wirklich mal reinen Wein einschenken. Wenn Cosmo und sein Team gewann, würde mein Dad in guter Stimmung sein und dann könnte ich mich vielleicht bei ihm outen. Jetzt wusste ich leider so gar nicht mehr, welches Team ich eigentlich anfeuern sollte. Dieses Problem hatte Tamara zwei Sitzbänke vor uns nicht. Sie feuerte unsere Mannschaft mit Leib und Seele an, was aber hauptsächlich daran lag, dass Dixon Waller in der Schulmannschaft als „Guard“, sprich als Verteidiger mitspielte. Dixon Waller war ein etwas größerer Kerl mit rotblondem Haar und einen verschmitzten Lächeln. Er war der Sohn der Bürgermeisterin, die heute Abend aber leider nicht zugeben war. Aufgrund ihrer vielen Verpflichtungen und Termine konnte sie sich noch nie ein Spiel ihres Sohnes ansehen. Dies hat Dixon wohl gegenüber Cosmo einmal erwähnt, weshalb heute Abend auch mein Dad zugucken sollte. Dixon und Tamara waren zwar kein Liebespaar, aber es ging das Gerücht um, dass sie eine Affäre miteinander hätten. Dixon macht ihr wohl regelmäßig Geschenke und umwirbt sie, aber aus irgendeinem Grund, wollte Tamara die Beziehung zu ihm wohl nicht vertiefen. Wenn ich genauer darüber nachdachte, dann waren Tamara und Emmet wohl beide einfach beziehungsgestört. Emmet war heute Abend leider nicht zugeben. Ich hatte mich bereits überall nach ihm umgesehen, aber wenn er hier wäre, säße er ohnehin bei seiner Schwester. Wie ich, interessierte er sich nicht viel für Sport. Wäre Cosmo nicht im Basketball-Team, dann wäre ich heute Abend auch nicht hier. Ein lauter Pfiff ertönte, das dritte Viertel war zu Ende. Aktuell stand es 40 zu 32 für das Team von Indiana. Ich hatte Cosmo ja gesagt, dass es gegen die nicht leicht werden würde zu gewinnen. Die Spieler verließen das Spielfeld und in der Halle herrschte ein reger Aufruhr. Zuschauer schritten die Bühnen entlang, um sich zu unterhalten, oder sich am Kiosk was zum Essen und zum Trinken zu besorgen. Meine Augen wanderten die Zuschauertribünen entlang und blieben schließlich bei drei Menschen auf der gegenüberliegenden Seite haften. Dort saß Dr. Tibbet und zwar in Begleitung der beiden Astronomen Herr Prokkowitch und Frau Kovnikovo. Was machten die denn hier? Ich dachte, die wäre schon längst abgereist. Frau Kovnikovo stand auf und verließ die Tribüne. Soll ich, oder soll ich nicht? „Ich besorg uns mal was zu Trinken. Das viele Anfeuern macht einen heiser.“, sagte ich zu meinem Dad. „Das glaub ich nur zu gerne. Es war kaum zu überhören, wie du unser Team angefeuert hast.“, erwiderte mein Dad ironisch zu mir. Ich ließ das auf mich sitzen, stand von meinem Platz auf, rannte die Tribüne runter und begab mich auf die Suche nach der Astronomin.
Fortsetzung folgt ... am Mittwoch, den 26.Oktober 2022!
Die Rollenliste fällt heute aus, da fast dieselben Charaktere auftreten, wie im vorherigen Kapitel.
Φ:Basketball-21 In den Gängen der Sporthalle herrschte reges Treiben. Überall befanden sich Zuschauer, die gerade auf dem Weg zum Kiosk oder zur Toilette waren, oder sich aber auch gerade wieder auf dem Rückweg zur Tribüne befanden. Es war nicht einfach Frau Kovnikovo unter all den Menschen wieder zu finden. Für einen kurzen Moment wartete ich sogar vor der Frauentoilette, was mir dann aber doch etwas zu peinlich war, weshalb ich zuerst am Kiosk suchte, bei dem sich eine lange Warteschlange gebildet hatte. Dort traf ich dann auch schließlich mit der Astronomin zusammen. Sie hatte sich gerade zwei Getränke besorgt und schon bezahlt, als sie mich sah und sogar auf mich zukam. „Du bist doch ein Schüler von Dr. Tibbet oder?“, fragte sie mich lächelnd. „Ja.“, antwortete ich ruhig. „Sie erinnern sich an mich?“ „Natürlich erinnere ich mich an dich.“, sagte Frau Kovnikovo lächelnd zu mir. „Du bist einer der zwei Jungs gewesen, die bis zum Schluss ihre Hände nach oben gehalten haben. Wobei nur du letzten Endes eine Sternschnuppe gesehen zu haben scheinst. Ist dein Wunsch denn schon in Erfüllung gegangen?“ „Ähm … naja … so ungefähr, denk ich.“, antwortete ich nun etwas verlegen und musste an Cosmo denken. Ich hatte mir ganz sicher keinen Alien gewünscht, der mich täglich an den Rand des Wahnsinns trieb und mich zu guter Letzt sogar erpresste. „Dieser andere Junge, Mika hieß er glaube ich, schien sich ja einen Spaß mit uns erlauben zu wollen.“, sagte Frau Kovnikovo, wobei ich mir noch nicht so ganz sicher war, ob das wirklich stimmte. Frau Kovnikovo schien meine Gedanken zu lesen… „Aber ich denke, dass dein Freund sehr wohl etwas in jener Nacht gesehen hat. Ich hab ein Gespür für sowas. Denkst du nicht auch?“ „Hm…, ja kann schon sein.“, pflichtete ich ihr nun doch etwas schüchtern bei. Frau Kovnikovo trat zwei Schritte näher an mich heran und ich bekam es unerwartet mit der Angst zu tun. Diese Frau, und auch ihr Partner dieser Herr Prokkowitch, schienen mir nicht ganz geheuer zu sein. „Wir wissen doch Beide, dass in jener Nacht nicht nur Sternschnuppen am Himmel zu sehen waren.“ Frau Kovnikovo lächelte mich geheimnisvoll an, dann schritt sie davon und ließ mich mit zitternden Knien und wildem Herzklopfen zurück. In der Ferne hörte ich einen Pfiff, der das vierte und letzte Viertel einläutete. Ich kehrte zu meinem Dad auf die Tribüne zurück, der mich nur verdutzt anstarrte. Erst kapierte ich nicht was er von mir wollte, doch als er sagte: „Du kehrst mit leeren Händen zurück?“, war alles klar. „Ach verdammt, die Getränke!“, fluchte ich und langte mir an die Stirn. „Wo warst du denn die ganze Zeit?“, fragte mein Dad mich verständnislos. „Ähm … äh also … auf der Toilette.“, log ich. „Du glaubst gar nicht wie lang die Schlange war…“ „Aha.“, kam es von meinem Dad, der mir mit Sicherheit kein Wort glaubte. Er war der Sheriff und bemerkte es sofort, wenn ihn jemand ins Gesicht log. „Du hast die erste Minute des letzten Viertels verpasst. Cosmo hat einen Treffer gelandet und nun liegen sie nur noch sechs Punkte zurück.“ Ich schaute runter zum Spielfeld und konnte sehen, wie unsere Mannschaft im Ballbesitz war. Mika schien vor neuer Energie nur so zu strotzen und ging in die Offensive. Cosmo und die anderen Spieler unterstützten ihn dabei natürlich nach Leibeskräften. Ich versuchte mich intensiv auf das Spiel zu konzentrieren, doch kam ich nicht umhin, noch einmal einen Blick auf die gegenüberliegende Tribüne zu werfen. Frau Kovnikovo saß wieder auf ihrem Platz neben Dr. Tibbet und Herr Prokkowitch. Auch sie starrte nun zu mir herüber und für einen kurzen Moment trafen sich unsere Blicke. „Jaaaa, das hast du super gemacht Dixon!“, schrie plötzlich Tamara zwei Reihen vor uns und ich wandte mich erneut dem Spiel zu. Dixon hatte gerade einen Treffer gelandet und somit stand es inzwischen 40 zu 36. Das Team aus Indiana lag noch immer in Führung, aber der Kampfgeist unserer Mannschaft schien geweckt worden zu sein. Elijah wandte einen „Steal“ beim gegnerischen Spieler an und gab den Basketball anschließend an Cosmo weiter. Doch dann geschah es: Cosmo wurde hinterrücks gefoult und ging zu Boden! Der Pfiff des Schiedsrichters ertönte und einige Buhrufe waren ebenfalls zu hören. „Das gibt einen Freiwurf. Ich hoffe Cosmo hat sich nicht verletzt.“, sagte mein Dad besorgt. Doch Cosmo stand schon wieder auf zwei Beinen und alles schien gut zu sein. Er atmete einmal kräftig ein und wieder aus, ehe er seinen Freiwurf ausführte. Er traf den Korb. Ein weiterer Punkt für unsere Schulmannschaft! Nun stand es schon 40 zu 37. So verlief das Spiel weiter und für unsere Schulmannschaft wurde die Zeit immer knapper. Von den letzten zehn Minuten war inzwischen nur noch eine Minute übrig. Mika hatte inzwischen einen weiteren Treffer erzielt und war zu Recht der Spielführer der Mannschaft. Doch das gegnerische Team ließ das nicht auf sich beruhen und startete einen Gegenangriff. Gerade als sie einen weiteren Treffer erzielen wollten, war es Elijah, der ein Foul beim Gegner ausübte. Es gab einen Freiwurf und Indiana blieb mit 41 zu 39 in Führung. „Strengt euch an Jungs!“, schrie Mister Cage seinen Spielern aufs Feld. „Es sind nur noch wenige Sekunden zu spielen. Bei einem gewöhnlichen Wurf erzielt ihr zwei Punkte, was ein Unentschieden bedeuten würde!“ Die Spannung stieg ins Unermessliche. Dixon gab den Basketball an Elijah weiter, der startete einen letzten gemeinsamen Angriff mit Cosmo, doch sie wurden geblockt und verloren den Ball. Das Team aus Indiana war am Zug, doch Mika gelang es, ihnen den Ball wieder abzunehmen und gab ihn an Cosmo weiter. Es waren nur noch zehn Sekunden zu spielen. Mein Dad und ich standen auf und fieberten mit Cosmo mit. Cosmo stand vor der Drei-Punkte-Linie. Wenn er jetzt warf, würde unser Team drei Punkte erlangen und somit den Sieg erringen. Cosmo stand wie angewurzelt da und ich glaubte schon, dass er es nun vermasseln würde, doch dann warf er. Der Basketball glitt durch die Lüfte, wie einst das Papierknäul das er im Klassenzimmer in den Mülleimer warf. Ein angespanntes Raunen ging durch die Sporthalle. Der Basketball näherte sich dem Korb der gegnerischen Mannschaft, nur noch wenige Zentimeter und … TREFFER! Drei Punkte und damit stand es 41 zu 42 für unsere Mannschaft. Mister Cage riss seine Arme in die Höhe und schrie vor Begeisterung. Der Jubel war riesengroß. Mika rannte auf Cosmo zu und bedankte sich bei ihm mit einer Umarmung. Auch die anderen Spieler waren überglücklich und feierten ausgelassen, während das Team aus Indiana betrübt das Spielfeld verließ. Ich warf meinem Vater einen Blick von der Seite zu. Dieser schien beinahe den Tränen nahe zu sein, so glücklich und stolz war er auf Cosmo. Auch ich war stolz auf Cosmo und freute mich mit ihm… bis mir wieder einfiel, dass ich jetzt mit ihm auf die Halloween-Party von Elijah gehen musste.
Es war bereits stockdunkel draußen und die Kälte hielt Einzug in der Kleinstadt. Cosmo war der letzte Spieler der die Sporthalle verließ. „Warum brauchst du immer am längsten zum Duschen?“, fragte ich ihn, als wir ins Auto meines Vaters einstiegen. Doch blieb er mir eine Antwort schuldig, denn er wurde mit Komplimenten und Lobgesängen meines Dads überhäuft. „Das war einsame Spitze! Dein letzter Wurf raubte mir regelrecht den Atem.“ „Nicht nur ihnen Mister Winter. Ich dachte ich sterbe.“, erzählte Cosmo ihm. Die Zwei diskutierten auch weiterhin über das spannende Spiel und auch ich versuchte mich in die Unterhaltung mit einzubringen. Da ich jedoch nur wenig Ahnung von Basketball hatte und mich nur wenig für Sport interessierte, fühlte ich mich ein wenig von den Beiden ausgeschlossen. Nach einer Weile sagte ich schließlich fest entschlossen: „Du Dad, ich wollte dir noch sagen, dass ich schwul bin!“ Nach diesen spontanen Worten folgte eine Vollbremsung.
Fortsetzung folgt ... am Freitag, den 28.Oktober 2022!
Hauptrollen: Dylan Winter: Er ist homosexuell und hegt Gefühle für seinen Mitschüler Emmet. Dylan ist ein talentierter Zeichner und steht kurz vor seinem Outing bei seinem Dad. Cosmo Winter (O:Evo-1570): Ein außerirdisches Wesen vom Planeten Neró. Er kann sich in andere Lebensformen verwandeln und tarnt sich dadurch als Dylans Cousin. Er tritt der Basketball-Schulmannschaft bei. Philip "Phil" Winter: Er ist Dylans Vater und von Beruf der Sheriff einer amerikanischen Kleinstadt. Seine Frau verstarb vor etwa einem Jahr.
Nebenrollen: Hannibal: Kater der Winters
X:Outing -22 Es befand sich eine sehr unangenehme Stille im Auto. Nur der Motor war zu hören, wie er auf Hochtouren lief, um uns so schnell wie möglich nach Hause zu befördern. Ich saß auf dem Beifahrersitz und traute mich nicht mehr, auch nur ein weiteres Wort von mir zu geben. Ich bevorzugte es lieber, rechts zum Fenster rauszuschauen und zu sehen, wie wir an Häuser, Gärten und anderen Autos vorbei fuhren. Selbst Cosmo hielt sich ausnahmsweise mal zurück und zog es vor zu schweigen. Mir war nie aufgefallen, wie weit der Weg von der Sporthalle zu uns nach Hause war. Jetzt wusste ich es, denn es fühlte sich wie eine Ewigkeit an! Schließlich erreichten wir doch noch unser Zuhause. Das Auto bog noch einmal rechts ab und fuhr schließlich langsam in die Hofeinfahrt ein. Die Scheinwerfer beleuchteten das Garagentor, vor dem gerade Hannibal herumlungerte. Schreckhaft rannte er auf seinen vier Pfoten davon und sprang über eine Hecke in unseren Garten. Mein Dad stellte den Motor ab und zog den Schlüssel heraus, doch keiner von uns verließ das Auto. Nach ein paar Sekunden sagte mein Dad zu Cosmo: „Geh doch schon einmal ins Haus rein. Wir kommen bald nach.“ Er reichte Cosmo den Schlüssel nach hinten, der ihn wortlos entgegen nahm. Als er ausstieg, sagte mein Dad noch zu ihm: „Cosmo?!“ Cosmo hielt inne und wartete darauf, was mein Vater ihm zu sagen hatte. Ich hingegen blieb nervös auf dem Beifahrerplatz sitzen. „Du warst heute wirklich großartig und ich bin sehr froh darüber, dass du dich an unsere Regeln gehalten hast.“ Cosmo warf meinem Dad einen dankbar sagenden Blick zu. Dann warf er mir noch einen kurzen aufmunternden Blick zu, ehe er die hintere Tür zuknallte und leise ins Haus verschwand. Da waren wir nun. Mein Dad und ich – ganz allein im Auto. Dies war denke ich der zweitschlimmste Moment in meinem Leben. Der schlimmste Moment in meinem Leben hingegen war der Tag, an dem meine Mutter ums Leben kam. Als der Arzt meinem Dad die traurige Nachricht mitteilte, fühlte er sich dazu gezwungen, nicht zu weinen, um mir zuliebe stark zu bleiben. Ich erinnere mich noch genau an diesen Tag, als wäre er gestern gewesen. Doch wieso muss ich gerade jetzt daran denken? Ich hab bereits meine Mutter verloren und nun hab ich vermutlich Angst davor, auch noch meinen Vater zu verlieren, wenn auch auf eine andere und weniger schlimme Art und Weise. Die Stille im Auto erreichte ihren absoluten Gefrierpunkt. Ich lag meine Hände in den Schoß und traute mich nicht, das erste Wort zu ergreifen. Mein Outing war auch alles andere als perfekt, es war unpassend und kam für meinen Dad wie aus dem Nichts geschossen. Ein Wunder, dass bei der Vollbremsung niemand zu Schaden kam. In der Obhut eines Sheriffs, ist aber natürlich jeder angeschnallt und so hatten wir noch einmal Glück gehabt. Ebenso, dass in dem Moment kein Auto hinter uns herfuhr. „Also…“ Mein Dad durchbrach als Erster die Stille. Jetzt ging es los und ich war auf alles gefasst! „…ich habe deiner Mutter immer gesagt, dass sie dir nicht die Puppe zu Weihnachten schenken soll.“ Okay, damit hatte ich nun am wenigstens gerechnet. „Du warst damals neun Jahre alt und hast im Spielzeuggeschäft diese Puppe gesehen. Du wolltest sie unbedingt haben.“ Nun fand auch ich meine Stimme wieder. „Das war keine Puppe, sondern eine Marionette und nur weil diese männlich war, hatte das nicht zu bedeuten, dass ich schwul werde.“ „Sag dieses Wort nicht.“, sagte mein Dad leise, was mir einen Stich versetzte. „Und ob nun Puppe oder Marionette ist egal, mit sowas spielen doch nur Mädchen.“ „Das ist Quatsch und das weißt du auch.“, erwiderte ich etwas säuerlich. „Und was ist dann mit deinen Tanzstunden? Nur Frauen wollen freiwillig tanzen lernen!“, sagte mein Dad, der offenbar versuchte einen Grund für mein jetziges Sein zu finden. „Ich wollte das lernen? Das war eine Aktion innerhalb der Schule und eine Mitschülerin hat mich damals gefragt, ob ich sie nicht begleiten würde, aber das hat doch nichts damit zu tun, dass ich schwul bin und auf Männer stehe!“ „Sag dieses Wort nicht!“, wiederholte mein Dad sich, nun etwas lauter, während seine Augen starr nach vorne gerichtet waren und er seine Hände immer noch am Lenkrad hielt. „Was? Das ich schwul bin? Ich bin es aber und je eher du dich damit abfindest, desto leichter wird es für uns Beide.“, sagte ich wütend, verletzt und doch noch klar bei Verstand. Das Outing lief gerade alles andere als geplant. Ich hatte nicht erwartet, dass mein Dad vor Freude in Tränen ausbrechen würde, aber mit solch einer Reaktion hatte ich wahrlich nicht gerechnet. „Aber es muss doch eine Ursache dafür geben, dass du…“, er hielt kurz inne und nun sahen wir uns erstmals gegenseitig in die Augen. Er wirkte völlig aufgelöst, ich hingegen konnte meine Gefühle gut in Zaum halten. „Es muss einen Grund geben, dass du so geworden bist.“ „Einen Grund? Es gibt keinen Grund, es ist nun einmal einfach so. Ich hab mich doch nicht einfach so dafür entschieden. Ich bin nicht so geworden, weil ich es wollte. Man wird nicht von heute auf morgen schwul. Ich fühle mich zu Jungs einfach mehr hingezogen als zu Mädchen.“, versuchte ich meinem Dad zu erklären, doch schien ich auf taube Ohren bei ihm zu stoßen. „Das Mädchen, mit der du bei diesen Tanzstunden warst. Ist sie dran schuld? Hat sie irgendetwas getan, was dich angewidert hat?“, fragte mein Dad, dessen Gedanken immer abstruser wurden. „Daaad! Das ist ein Jahr her und nein sie hat nichts dergleichen getan.“, antwortete ich entsetzt. „Was ist denn so schlimm daran, dass ich auf Männer stehe?“ „Denk jetzt bitte nicht, dass ich Vorurteile deswegen habe.“, reagierte mein Dad schnell. „Ich hab nur einfach nicht damit gerechnet, dass mein Sohn – mein einziger Sohn – einer von ihnen sein könnte. Ich hab immer erwartet, dass du eines schönen Tages mal heiraten würdest und Kinder bekämst.“ „Aber das kann ich doch trotzdem alles…, nur eben nicht mit einer Frau.“, erklärte ich meinem Dad, der daraufhin einfach nur den Kopf schüttelte und sein Gesicht in seinen Händen vergrub. „Genug davon. Es ist schon spät. Lassen wir es für heute gut sein.“, sagte er schließlich erschöpft. „Du willst das einfach so stehen lassen?“, fragte ich ihn enttäuscht. „Wovor hast du solch eine große Angst, ich bin nach wie vor dein Sohn!“ Mein Dad schien der Verzweiflung nahe zu sein, doch war er damit nicht der Einzige. Auch ich war verzweifelt. Das war auch eine verzwickte Situation, mit der er aber leben musste. „Nach dem Tod deiner Mutter hatte ich Angst dich auch noch zu verlieren.“, meinte mein Dad verängstigt. „Das wirst du nicht Dad.“, sagte ich nun einfühlsam und versuchte meine Hand auf die seine zu legen. Doch zu meinem Bedauern zog er diese reflexartig zurück. Traurigkeit breitete sich in mir aus. „Ich befürchte nur, dass ich das bereits habe.“ Mit diesen Worten verließ mein Dad schließlich das Auto und ich blieb regungslos zurück – enttäuscht, wütend, entsetzt und traurig zugleich.
Ich saß noch geschlagene zehn Minuten alleine im Auto, um über alles nachzudenken. Mit dieser Entwicklung der Ereignisse hatte ich nun wahrlich nicht gerechnet. Als ich später ebenfalls ins Haus ging, waren alle Lichter außer denen im Treppenhaus aus. Mein Dad schien sich bereits in sein Schlafzimmer zurückgezogen zu haben und ich wollte es ihm gleich tun. Als ich mein Zimmer betrat, schien Cosmo bereits am Schlafen zu sein. Zumindest war ein Schnarchen in Form eines Grunzens zu hören. Ich zog mein Schlafgewand an und verzichtete heute ausnahmsweise auf das Zähneputzen. Ich wollte nur noch ins Bett, schlafen und den heutigen Abend so schnell wie nur möglich aus meinem Gedächtnis streichen. Doch das war einfach unmöglich. Die Reaktion meines Vaters zeigte mir deutlich, warum ich so lange Bammel davor hatte, es ihm zu sagen. Wenn meine Mum noch leben würde, sie hätte Verständnis für mich und hätte meinem Dad auch die Leviten gelesen. In solchen Fällen war immer sie die Herrin im Haus. Von menschlicher Psyche hatte sie viel Ahnung, was wohl aber auch daran lag, dass sie als Psychologin tätig war. Ich war so wütend und enttäuscht von meinem Dad, dass ich dies gar nicht in Worte fassen konnte. Jedoch hatte ich meine Gefühle bisher sehr gut im Griff – bis jetzt! Es kam sehr schnell. Das Gesicht meines Vaters, seine Reaktion, unser Gespräch und mit einem Mal schossen mir Tränen ins Gesicht. Ich wollte aufhören, ich hasste es zu weinen, doch ich konnte einfach nicht aufhören! Die Tränen liefen meine Wangen herunter und landeten auf meinem Bettlaken. Ja super, jetzt nässe ich auch noch mein Bett ein. Doch im Grunde genommen war dies auch schon egal. Mein Dad meinte, er hätte mich als seinen Sohn verloren. Das hat mich so verletzt und fühlte sich wie ein brennender Schmerz im Herzen an. Scheiß darauf, wenn ich weinen muss, dann weine ich und nichts und niemand kann das aufhalten! Plötzlich spürte ich eine Bewegung hinter mir. Eine Person kam zu mir ins Bett gekrochen und legte sich zu mir unter die Bettdecke. Zwei Arme umschlangen meinen Körper und ich konnte den warmen Atem an meinem Ohr spüren. „Alles wird wieder gut. Ich bin ja bei dir.“, sagte eine leise Stimme zu mir, die keinem Geringeren als Cosmo gehörte. Er hatte mich offenbar weinen gehört. Seine Fürsorge und seine Wärme waren jetzt genau das Richtige für mich. Ich konnte zwar dennoch nicht zum Weinen aufhören, aber es tat gut, jemanden bei mir zu haben, der nun für mich da war.
Das FINALE von PART I im Doppelpack: Am Montag, den 31.Oktober 2022 - HALLOWEEN!
Hauptrollen: Dylan Winter: Er ist homosexuell und hegt Gefühle für seinen Mitschüler Emmet. Sein Outing bei seinem Dad lief nicht sonderlich gut. Dylan ist ein talentierter Zeichner. Cosmo Winter (O:Evo-1570): Ein außerirdisches Wesen vom Planeten Neró. Er kann sich in andere Lebensformen verwandeln und tarnt sich dadurch als Dylans Cousin. Er tritt der Basketball-Schulmannschaft bei. Philip "Phil" Winter: Er ist Dylans Vater und von Beruf der Sheriff einer amerikanischen Kleinstadt. Seine Frau verstarb vor etwa einem Jahr.
Nebenrollen: Emmet Harding: Mitschüler und Schwarm von Dylan; Zwillingsbruder von Tamara. Tamara Harding: Mitschülerin von Dylan; Zwillingsschwester von Emmet; führt eine geheime Beziehung mit Dixon. Mika Stone: Mitschüler von Dylan; Klassenclown; scheint etwas zu verbergen. Elijah Richfield: Mitschüler von Dylan; bester Kumpel von Mika, schmeißt eine Halloween-Party. Dixon Waller: Mitglied der Basketball-Schulmannschaft; führt eine geheime Beziehung mit Tamara. Jens Huge: Ein sehr großer Kerl und Mitglied der Basketball-Schulmannschaft. Herr Prokkowitch: Russischer Astronom; zu Besuch in Amerika. Frau Kovnikovo: Russische Astronomin; zu Besuch in Amerika. Hannibal: Kater der Winters.
Ψ:Halloween-23 Es war Samstagabend, Halloween! Heute fand die große Halloween-Party bei Elijah statt und Cosmo konnte es kaum noch erwarten, auf diese Party zu gehen und allen sein Kostüm zu präsentieren, dass er sich selbst überlegt hat. Da ich stark annahm, dass es bei Elijah nichts Vernünftiges mehr zu essen gab, nahmen wir Zuhause noch ein letztes Abendmahl zu uns. Ich schmierte mir und Cosmo ein paar Wurst- und Käsebrote. „Ich glaube Hannibal möchte auch was davon abhaben.“, sagte Cosmo, als der Kater in die Küche geschlichen kam, auf einen Stuhl sprang und sich gierig das Maul leckte. „Bloß nicht, der ist schon fett genug.“, erwiderte ich, kümmerte mich jedoch um das Katzenfutter für Hannibal. Kurz darauf hörte ich eine Tür zufallen und mein Dad kam von seiner Arbeit nach Hause. Er hatte noch seine Uniform an, demnach war das wohl nur ein kleiner Zwischenstopp. „Hey Dad, wie war die Arbeit?“, fragte ich ihn besonnen. Nach meinem Outing ging mein Dad mir stellenweise aus dem Weg, aber immerhin konnte er mir noch in die Augen sehen, was positiv zu vermerken war. „Stressig und jetzt geht es erst richtig los.“, antwortete mein Dad mir. „Bin nur kurz nach Hause gekommen, um ein wenig Nahrung zu mir zu nehmen.“ „Hier bitte.“, sagte Cosmo, der ihm ein überladendes Wurst-Käse-Brot reichte. Mein Dad nahm das Brot dankbar entgegen. „Wann müsst ihr los?“, fragte er anschließend, jedoch an Cosmo gewandt. „In etwa einer Stunde.“, antwortete Cosmo ihm, als es an der Tür klingelte. „Yeah, kleine Kinderchen. Ich geh schon!“ Cosmo war voller Tatendrang und rannte zur Tür. Ein lautes „Süßes sonst gibt´s Saures“ war vom Eingang zu vernehmen. Mein Dad starrte mich verwirrt an. „Der rennt schon den ganzen Abend zur Tür und kurz darauf hört man das…!“ Plötzlich war ein lautes Kreischen zu hören und als ich durch das Küchenfenster spähte, konnte ich drei kleine Jungs die Straße runter rennen sehen. Ein Grinsen breitete sich in meinem Gesicht aus. „Ich weiß nicht wie er das macht, aber es ist effektiv!“ „Er wird sich doch nicht etwa…?“, stieß mein Vater entsetzt aus und ich glaubte zu wissen, worauf er anspielte. Ich schüttelte sofort mit dem Kopf. „Evos Aussehen ist alles andere als beängstigend, eher im Gegenteil. Für einen Außerirdischen sieht er ausgesprochen cool aus!“ „Dankeschön.“, sagte Cosmo breit lächelnd, als er in die Küche zurück stolziert kam und sich wieder auf seinen Platz niederließ, um sein Käsebrot zu verdrücken. „Ach übrigens, ich hab für nächste Woche einen Sonderurlaub beantragt.“, erzählte mein Dad uns urplötzlich, ohne dass wir in Erfahrung brachten, wie Cosmo die Kinder immer davon jagte. „Dann können wir die Abstellkammer entrümpeln und Cosmo bekommt dann endlich sein eigenes Zimmer. Das ist schließlich keine Dauerlösung, ihr zwei … allein … zusammen in einem Zimmer.“ „Ich will aber bei Dylan bleiben.“, reagierte Cosmo daraufhin sehr trotzig. „Nichts da!“, entgegnete mein Dad streng. Der Grund für diese Veränderungen war mir klar. Er glaubte, dass ich Interesse an Cosmo hegte, was natürlich ausgemachter Blödsinn war. Jedoch war es zwecklos meinem Dad zu widersprechen, wenn er sich mal etwas in den Kopf gesetzt hatte. Ich nahm stark an, dass mich da noch schwierige Zeiten erwarteten…
Elijah lebte zusammen mit seinen Eltern natürlich in der wohlhabendsten Gegend unserer Kleinstadt. Die Villa der Richfields befand sich also auch ganz in der Nähe von der Villa unserer werten Frau Bürgermeisterin, deren Sohn heute Abend sicher auch auf der Party zugeben war. Cosmo und ich schlenderten in unseren Kostümen durch diese wohlhabende Gegend und bestaunten die vielseitige und außergewöhnliche Halloween-Deko an den einzelnen Gebäuden. Doch mit der Villa der Richfields konnte keiner mithalten. Elijah hatte keine Kosten und Mühen gescheut. Das Eisengittertor war mit Spinnweben versehen und auf zwei Steinsäulen saßen zwei unheimliche Wasserspeier. Als wir es öffneten, knarrte es unheimlich. Wir gingen auf einem gepflasterten Weg auf die weiße Villa zu, aus der laute Musik dröhnte und viele Stimmen zu hören waren. Links und rechts vom Weg befand sich ein sehr gepflegter Rasen, der heute jedoch von selbst errichteten Grabsteinen, Totenschädeln und Knochen, sowie ein Dutzend ausgehüllter Kürbisse, in denen helle Kerzen schimmerten, übersät war. Von der Hauswand hangelten sich zudem zwei Riesenspinnen herunter und als Türsteher wurde der Sensenmann höchstpersönlich engagiert. „Ich muss zugeben, dass ist ein ziemlich geiler Schuppen!“, sagte ich begeistert. „Geiler Schuppen?“ Cosmo starrte mich durch sein Kostüm hinweg an, doch schien er dann ganz schnell verstanden zu haben, dass das wieder eine Redewendung von uns Menschen war. „Ihr Menschen seid die absonderlichsten Wesen, denen ich je begegnet bin.“ „Und das erzählt mir ein Alien mit Reißzähnen, einer Antenne, einem langen Schwanz und keinerlei Essmanieren.“, erwiderte ich, als wir die letzten Stufen zur Villa empor stiegen. Dort wurden wir jedoch vom Sensenmann mit seiner Todessichel zurückgehalten. „Passwort!“ „Passwort? Ich weiß von keinem Passwort.“, meinte ich irritiert zu ihm. „Ohne Passwort darf ich euch nicht rein lassen. Befehl von Elijah.“, erklärte uns der Sensenmann. „Das Passwort lautet: „Totgesagte leben länger“.“, kam es plötzlich aus Cosmos Mund und ich starrte ihn überrascht an. „Hat mir Elijah noch gestern in der Schule mitgeteilt, als du auf dem Klo warst.“ Der Sensenmann ließ uns schließlich gewähren und so betraten wir die Villa der Richfields, das heute dem Schlund der Hölle glich. Es war ziemlich düster, nur hier und da brannten ein paar Kerzen oder gar richtige Fackeln. Mein erster Gedanke war, dass noch jemand das Haus abfackeln würde. Von der Decke hingen lauter selbst gebastelte Gespenster herunter, an den Wänden wurden gruselige Gemälde aufgehängt und das Haus war über und über mit Spinnweben übersehen. Wir betraten das große Wohnzimmer, in dem ein großer Kronleuchter von der Decke hing und ein prachtvolles Feuer im Kamin loderte. Möbel waren zur Seite geschoben worden, um eine Tanzfläche zu schaffen und in der Küche, die ungefähr dreimal so groß wie die bei mir Zuhause war, wurde ein Buffet errichtet. Wie bereits erwartet gab es nichts Vernünftiges mehr zu essen. Zumindest sah alles sehr unheimlich aus: Kürbispasteten, Wiener mit Ketchup die wie blutige Finger aussahen, Blutsuppe mit Augäpfel – vermutlich Erdbeersoße mit Apelstückchen – sowie grüne Götterspeise a la Blob. „Boah geil, sieht das alles lecker aus!“, rief Cosmo begeistert aus. „Freut mich über alle Maßen, dass es dir gefällt!“, kam es von hinten und als Cosmo und ich uns umdrehten, stand der gerissene Joker vor uns. Ich musste kurz überlegen und zweimal hingucken, erkannte unter all der Schminke dann aber doch noch Mika, der uns breit entgegen grinste. „Sehr schön, dass ihr Zwei gekommen seid. Dies wird ein Abend, den keiner von uns so schnell vergessen wird. Wenn ich mir die Bemerkung erlauben dürfte: Eure Kostüme sind der absolute Hammer!“ Das waren sie wohl, das von Cosmo mehr als das meinige. Ich hatte noch ein altes Werwolf-Kostüm bei mir im Speicher und war nun übersät mit Haaren. Jedoch trug ich keine traditionelle Wolfsmaske, da ich nicht den ganzen Abend damit rumlaufen wollte. Nun sah ich eher wie einer dieser Wölfe aus der Serie „Teen Wolf“ aus. Cosmos Kostüm hingegen war ein echter Hingucker. Dabei war gar nicht viel von Nöten. Er trug eine schwarze Hose, ein schwarzes ärmelloses Hemd und schwarze Schuhe. Seine Arme und sein Gesicht hat er vollständig mit roter Neonfarbe eingestrichen. An manchen Stellen stand sogar geschrieben: „Freitag der 13.“ oder „Monstaaa!“ oder eben „Halloween“. Dazu kamen eine neonfarbene Krawatte und hochgestylte Haare, die er sich weiß färben ließ. Er sah wirklich schräg aus und war in der Dunkelheit gut erkennbar. „Hey Cosmo, komm mit, die anderen Jungs aus der Basketball-Mannschaft sind auch hier. Sie werden ausflippen wenn sie dich so sehen!“, rief Mika Cosmo begeistert zu, packte ihn am Arm und zog ihn mit sich, ohne auch nur einen weiteren Gedanken an mich zu verschwenden. Also doch, Mika war die ganze Zeit nur hinter Cosmo her! Was führt dieser Kerl im Schilde? Hatte Frau Kovnikovo vielleicht Recht und er hat in der Sternschnuppen-Nacht doch etwas gesehen? Ich sollte ihn wohl besser im Auge behalten. Ich verfolgte die Beiden quer durchs Wohnzimmer. Am anderen Ende stand das Basketballteam aus unserer Schule, darunter auch Elijah, der sich als eleganter Teufel mit Cape verkleidet hatte. Jedes Team-Mitglied hatte ein Glas Bowle in der Hand und gemeinsam lachten sie ausgelassen. Elijah freute sich sehr, als er Cosmo sah und schenkte ihm zur Begrüßung eine Umarmung. Dann überreichte er auch ihm ein Glas Bowle und flüsterte ihm zudem etwas ins Ohr. Hat er etwa…? Ist in der Bowle etwa…? Wie aus Geisterhand griff ich nach dem nächstbesten Glas und roch daran – Alkohol! In der Bowle befand sich ohne jeden Zweifel Alkohol. Elijah, dieser Idiot! Auf der Party sind noch fast alle minderjährig und Cosmo hat bestimmt noch nie Alkohol zu sich genommen. Wer weiß was das für Auswirkungen auf ihn haben könnte. Ich sollte Cosmo packen und ihn aus diesem Haus zerren, aber dafür war es womöglich schon zu spät. Das würde zu sehr auffallen und ich dürfte mir einige Fragen anhören. „Ähm hallo? Das ist meine Bowle!“, entgegnete ein Zombie, in dessen Schädel eine Axt eingeschlagen hatte und Blut an der Schläfe runterlief. Ich ging ein wenig durch den Saal, aber behielt Cosmo und auch Mika nach wie vor im Blickfeld. Bei einem Fenster machte ich schließlich Halt. Ich konnte Tamara mit ihrem Freund Dixon und ihrem Bruder Emmet den Weg zur Villa entlang marschieren sehen. Emmet war also auch eingeladen? Doch sie waren nicht die Einzigen, die ich draußen entdecken konnte. Vor dem Eisengitter stand ein Mann in einem schwarzen Mantel. Ich musste etwas genauer hinsehen, bis ich Herrn Prokkowitch erkannte. Mir blieb die Luft zum Atmen weg. Was hatte der denn hier zu suchen?
Ω:Mondlicht-24 Was zum Teufel hatte der Astronom Herr Prokkowitch hier zu suchen? Waren er und seine Kollegin womöglich hinter Evo her? Ich sollte Cosmo davon besser in Kenntnis setzten, damit es kein Unheil gab und er sich nicht verdächtig verhielt. Doch genau dies dürfte sich als Problem erweisen, wenn Mika und Elijah ihn nun mit Alkohol abfüllten. Ich wandte mich wieder der Party zu und suchte mit meinen Augen nach Cosmo. Er, Mika und Elijah waren verschwunden! Oh nein! Erneut drehte ich mich um, diesmal sah ich wieder zum Fenster raus – Herr Prokkowitch stand nicht mehr vor dem Eisengitterzaun. Allmählich glaubte ich wirklich, dass es hier zu spuken anfing. „Hey Dylan.“, begrüßte mich eine sanfte weibliche Stimme und vor mir standen Tamara, ihr Freund Dixon und … Emmet! Tamara und Dixon hatten sich für einen Paar-Look entschieden und schwebten nun als Spukgestalten umher. Dabei trug Tamara ein zerfetztes, aber doch sehr wunderschönes weißes Kleid. Ihrem lockigen Haar hatte sie ein paar Weißtöne verabreicht und auch im Gesicht hat sie sich weiß anmalen lassen. Dixons Kostüm sah dabei etwas weniger glorreich aus, aber dafür auch unheimlicher. Er war in weiße Fetzen mit Kapuze gehüllt und auch er war im Gesicht weiß angemalt, ließ sich zusätzlich aber auch noch schwarze Augenringe verpassen. Emmets Kostüm hingegen gefiel mir am besten – natürlich! Er war als schaurige Vogelscheuche verkleidet mit Gummistiefel und einer Sense, die etwas kürzer als die vom Sensenmann war. Auf seiner Schulter saß zudem eine ausgestopfte Krähe. „Ich wusste gar nicht, dass Elijah heute Abend den Hund von der Leine lässt…“ Tamara lächelte mich unverschämt an und mir war natürlich klar, dass sie auf mein Kostüm anspielte. „Ich geh uns mal was zum Trinken holen.“, sagte Emmet kurz darauf, als er spürte, wie ich ihn quasi mit meinen Blicken auszog. Er war noch immer sauer auf mich… „Ich such die Jungs aus meinem Team.“, sagte Dixon, der Tamara einen Kuss auf die Wange drückte. „Nicht!“, entgegnete sie und blockte ihn ab. „Nicht hier und außerdem zerstörst du mein Make-up!“ Dixon warf ihr einen etwas angesäuerten Blick zu und ging von dannen. Tamara und ich standen uns kurz beschämend gegenüber, ehe sie ihrem Freund einfach hinterher marschierte … oder schwebte. Als ich wieder allein war, fiel mir wieder ein, dass Cosmo verschwunden war. Ich sollte ihn finden. Ich begab mich also auf die Suche nach ihm, doch wurde ich im Wohnzimmer nicht weiter fündig. Ich sah lediglich Tamara wieder, die auf ein paar Freundinnen traf, die sich als Hexen ausgaben. Ich war so geistesabwesend das ich mit einem anderen Partygast zusammen rumpelte. Der Junge war locker einen Kopf größer, wenn nicht sogar noch mehr. Er trug einen langen grauen Mantel und war im Gesicht komplett schwarz! Es war „der unheimliche Stalker“, oder besser gesagt Jens Huge, ein weiteres Mitglied unserer Basketballmannschaft. „Ähm… hast du Mika oder Elijah gesehen?“, fragte ich einfach drauf los, in der Hoffnung weiter zu kommen. Doch erhielt ich von Jens keinerlei Antwort. Er schien in seiner Rolle voll aufzugehen und starrte mich einfach nur stumm und mit großen Augen an. Dann streckte er seinen Arm in die Höhe aus und deutete mit seinem Finger in die Küche. „Äh danke.“, sagte ich schließlich, während mir ein kalter Schauer über den Rücken fuhr. Ich marschierte also schnurstracks zur Küche, doch blieb ich auf halbem Wege stehen. Kurz vorm Kücheneingang stand Emmet. Er hatte mir zwar den Rücken zugedreht, aber ich erkannte ihn natürlich an seiner Verkleidung. Er schien jemandem zuzuhören, der in der Küche stand. Ich spitzte also ebenfalls meine Lauscher und konnte die Stimmen von Elijah und Dixon vernehmen. „Ich kann nicht glauben, dass dieser Langweiler auch auf meiner Party ist.“, hörte ich Elijah sagen. „Tamara wollte das so, oder sie wäre nicht mitgekommen.“, erklärte Dixon seinem Kumpel. „Was hätte ich denn sonst tun sollen? Es ist sowieso schon so kompliziert zwischen uns, da wollte ich ihr wenigstens diesen Gefallen tun.“ „Du weißt doch aber ganz genau, dass ich ihren Bruder nicht ausstehen kann.“, meinte Elijah daraufhin zu seinem Freund. „Er ist langweilig, total schräg drauf, an Blödheit nicht zu übertreffen, eine absolute Null in Sport und wohl die schlimmste Plage auf Erden.“ Das war zu viel, selbst für einen Emmet, der immer alles in sich hineinstopfte. Er drehte sich um und wollte verschwinden, doch dann entdeckte er, dass ich ihn beobachtet hatte. Ich konnte Tränen in seinen Augen sehen, aber auch seinen Zorn spüren. Ich riss den Mund auf und wollte tröstend auf ihn einreden, doch brachte ich kein Wort heraus. Emmet und ich standen uns mehrere Sekunden gegenüber, ohne auch nur ein Wort zu sagen. Dann rannte er an mir vorbei, durchs Wohnzimmer und zur Haustür hinaus. Ich fühlte mich schuldig. Ich sollte ihm beistehen und ihm hinterher rennen, doch so leid er mir auch tat und so stark wie meine Gefühle immer noch für ihn waren, so war Cosmo zu finden im Augenblick wichtiger. Dann hörte ich Elijah etwas aus der Küche zu Dixon sagen: „Mika? Ich glaube der ist mit Cosmo in den ersten Stock rauf. Will ihm wohl die Villa zeigen oder so. Als Gastgeber wäre das ja eigentlich meine Aufgabe gewesen, aber Mika meinte, er möchte das so.“ Im ersten Stock also. Ich rannte zurück und stieg die Stufen in den ersten Stock hinauf. Oben angekommen, erwarteten mich ein langer Flur und an die zwanzig Türen. Na dann fang mal zu suchen an, dachte ich mir. Der Flur war mit einem weinroten Teppich ausgelegt und überall an den Wänden hingen Familienporträts der Richfields. Im ganzen Flur schimmerte ein gedämpftes Licht, aber an Halloween erinnerte hier nichts mehr, außer meinem billig aussehenden Kostüm. Ich ging auf Nummer sicher und klopfte vorher an jeder Tür. Die ersten zwei Zimmer waren Schlafräume, doch von Mika und Cosmo keine Spur. Das dritte Zimmer war das Badezimmer und die vierte und fünfte Tür waren abgesperrt. So ging es weiter und weiter und nach dem dritten Badezimmer und dem sechsten Schlafzimmer fragte ich mich, wie viele Leute hier überhaupt lebten. Wenn ich mich recht erinnerte, hatte Elijah keine Geschwister und wohnte mit seinen Eltern alleine hier. Das die Richfields reich waren okay, aber das war nun doch ein wenig zu viel des Guten. Die Suche aufzugeben war für mich keine Option, doch nachdem nur noch drei Türen vor mir lagen, breitete sich in mir doch ein wenig die miese Laune aus. Plötzlich öffnete sich die hinterste Tür und Mika kam in seinem Joker-Gewand zum Vorschein. Ich hatte das Gefühl, er würde mich heimtückisch angrinsen, aber das kam wohl einfach nur seinem Kostüm zu Schulden. Er schien sich zu freuen mich zu sehen, doch war er auch sichtlich verwundert. „Was machst du denn hier oben?“ „Ich suche nach Cosmo. Ist er da drin?“, fragte ich ihn, doch wollte ich nicht auf die Antwort abwarten und einfach selber nachsehen. Mika hielt mich jedoch zurück, indem er mich unterm linken Arm packte. „Da solltest du jetzt nicht reingehen. Dein Cousin hat etwas zu viel Bowle erwischt und muss sich jetzt ausruhen. Offenbar ist ihm der Alkohol etwas zu Kopf gestiegen.“ „Warst du das? Hast du ihn so abgefüllt?“, fragte ich Mika wütend. „Hey Mann, er hat gerade mal zwei Gläser getrunken. Davon bekommt man nicht gleich einen Rausch, dass man nicht mehr geradeaus gehen kann, geschweige denn auf den Beinen halten kann.“ Aus irgendeinem mir noch unempfindlichen Grund glaubte ich Mika das, was er mir sagte und trotzdem… „Was hast du da drinnen mit ihm gemacht? Was führst du im Schilde Mika?“ Ich haute die Fragen einfach so raus, denn ich wollte endlich Gewissheit. „Was ich im Schilde führe? Gar nichts. Ich wollte ihn nur etwas besser kennen lernen, das ist alles.“, antwortete Mika mir mit erhobenen Händen. „Was ist dein Problem Dylan? Ich hab schon lange den Verdacht, dass du mich nicht ausstehen kannst. Ist es weil ich immer das Maul soweit aufreiße? Ich weiß dass ich ein Idiot sein kann, aber ich kann auch ganz anders. Das wollte ich dir heute eigentlich auch zeigen. Deshalb hab ich dich ja eingeladen, um mich etwas mit dir zu unterhalten. Nur leider kam mir dein Cousin dazwischen… Man ich sag dir, der gibt komisches Zeug von sich, wenn er hacke ist. Erzählt mir da was von einem Wunsch den er erfüllen muss und von einer Geheimidentität.“ „Okay, okay, okay. Ich kümmere mich um ihn. Ich finde es sehr nett von dir, was du getan hast, aber an diesem Punkt übernehme ich.“, sagte ich und wollte in das Zimmer rein, egal was Mika dagegen einzuwenden hatte. Mika schien das auch nicht zu erfreuen, aber hinderte mich nicht mehr daran. Eigentlich schien er jetzt sogar etwas traurig darüber zu sein. „O-Okay. Ich geh dann mal wieder zur Party.“, sagte er und ging schließlich den langen Flur entlang, ehe er hinter der Treppe verschwand. Seltsam. Mika verhielt sich nach wie vor äußerst eigenartig, aber glaubte ich inzwischen, dass er keine bösen Absichten hegte. Doch was waren dann seine Beweggründe? Mehrere Möglichkeiten schossen mir durch den Kopf – eine absurder als die andere. Doch nun wollte ich mich erst einmal um Cosmo kümmern. Ich öffnete leise die Tür und betrat anschließend das dunkle Zimmer. Es brannte kein Licht, doch durch ein großes Fenster schien der helle Mond. Nur schade, dass heute kein Vollmond war. Durch das helle Mondlicht konnte ich auch klar und deutlich erkennen, dass Cosmo in einem Bett lag. Er schien seinen Rausch auszuschlafen, denn ich hörte wieder ein Grunzen, dass er von sich gab. Ich näherte mich dem Bett und kniete mich leise zu ihm. Er hatte mir den Rücken zugedreht, so dass ich mich etwas über ihn beugen musste, um zu erkennen, dass seine Augen auch wirklich geschlossen waren. Mika hatte also die Wahrheit zu mir gesagt. Armer Cosmo. Alkohol hat anscheinend eine besonders starke Wirkung auf ihn. Trotzdem musste ich ihn wieder munter kriegen, denn wenn mein Dad ihn so sah, würde er ausflippen. Als Sheriff der Stadt duldet er es natürlich keinesfalls, wenn Minderjährige sich volllaufen lassen. Zudem hatte ich schon genug Probleme mit ihm, da wollte ich mir nicht auch noch anhören, dass ich nicht besser aufgepasst hätte. „Hey Cos.“, sagte ich leise zu ihm, während ich etwas an seiner Schulter zu rütteln begann. Keine Reaktion. Eigentlich wollte ich ihn ja auch gar nicht wecken. Er schlief gerade so seelenruhig, aber er konnte hier ja auch schlecht übernachten. „Cosmo.“, sagte ich erneut und diesmal kam es zu einer Reaktion seinerseits. Mit einem Mal drehte er sich zu mir um, legte seine Arme um mich und zwang mich quasi dazu, mich aufs Bett zu legen. Seine Augen hatte er noch immer geschlossen. „Cosmo, was soll denn das?“, fragte ich ihn genervt, auch wenn mir natürlich klar war, dass er noch immer schlief. Doch dann sagte er etwas … und das irritierte mich: „Ich werde immer bei dir bleiben, ich muss, denn ich kann nie mehr nach Hause zurück. Sie werden mich jagen … und töten!“ „Was hast du gesagt?“, fragte ich ihn nun erschrocken. Evo hatte uns ja erzählt, dass sein Volk ihn verstoßen würde, weil er sich mit Menschen angefreundet hat, aber von töten war nie die Rede! „Cosmo, wach doch bitte auf!“, bat ich ihn erneut, doch es war zwecklos. Cosmo schlang seine Arme nur noch enger um mich und dann … spürte ich seine Beine an die meinigen. Sein Kopf näherte sich meinem Gesicht und sein Mund war nur noch wenige Zentimeter von mir entfernt. Ich konnte spüren, wie mein Herz zu pochen anfing. Er wird doch nicht etwa…? Und ob er wird! Cosmo drückte mir einen Kuss auf die Lippen. Ich fühlte mich völlig überrumpelt. Es schockierte mich, von einem Alien geküsst zu werden, aber irgendwie gefiel es mir auch. Es fühlte sich gut an. Und das war noch nicht alles, denn für einen Bruchteil einer Sekunde konnte ich in das Innerste von Evo blicken, als ob eine magische Verbindung aufgebaut wurde. Was ich dort sah, war unglaublich…!
Part I von insgesamt fünf Parts ist zu Ende. Danke an alle, die bis hierhin eifrig mitgelesen haben. Als Belohnung erhaltet ihr zugleich einen kleinen Vorgeschmack auf das, was euch in Part II alles erwartet. Für alle die sich nicht spoilern lassen wollen, hab ich das Ganze mal schön verpackt, damit sie es ganz einfach umgehen können, wenn sie wollen.
Vorschau auf Part II
1. In Dylan´s Straße ziehen neue Nachbarn ein: Ariana warf mir einen missbilligenden Blick zu, doch zum ersten Mal öffnete sie uns gegenüber den Mund und ihre Stimme war zu hören: „Danke, das ihr mir dabei geholfen habt, in dieses scheußliche Haus und in diese noch scheußlichere Gegend zu ziehen.“ Hat das Mädchen einen an der Waffel?
2. Cosmos größte Angst wird offenbart: Ein Schrei, der alles in den Schatten stellte. Mein Dad und ich blickten erschrocken zu Cosmo, von dem der Schrei ausging. Cosmo hatte sich die Hände über den Kopf gestülpt und seine Augen waren starr vor Schreck geweitet. Dann stand er plötzlich von seinem Stuhl auf und rannte aus dem Haus raus.
3. Cosmo erlebt seinen ersten Winter und erfährt was Schnee ist: „Auf meinem Heimatplaneten gab es so etwas nie.“, erzählte Cosmo mir auf dem Nachhauseweg, indessen er sich weiterhin verträumt in der Gegend umsah. Einmal streckte er sogar seine Zunge raus und fing damit ein paar Schneeflocken auf. „Hm lecker, schmeckt gut!“
4. In Rückblenden erfahren wir mehr über Dylan´s verstorbene Mutter: Meine Mum war überglücklich, als sie den Strauß Blumen entgegen nahm und mich zum Dank ganz fest an sich drückte. Auch über das Frühstück im Bett freute sie sich sehr und gab meinem Dad zum Dank dafür einen leidenschaftlichen Kuss auf die Lippen.
5. Die angespannte Lage zwischen Dylan und seinem Dad erreicht ihren Höhepunkt: „War das die Strafe dafür, wie ich dich behandelt habe?“, fragte er mich, während ich ihm angespannt zuhörte. „Deine Mutter würde sich im Grabe umdrehen, wenn sie dich heute so sehen könnte!“
6. Schlittschuhlaufen macht nicht nur Spaß ...: Auf einmal hörte ich ein leises Knacksen, gefolgt von einem dumpfen Schrei und dem Plätschern von Wasser. Erschrocken wandte ich mich um. Vor mir brach das Eis langsam in Stücke und an einer Stelle war bereits ein Loch zu sehen. Doch wo war Emmet?
7. Flaschendrehen: Mika war nun an der Reihe an der Flasche zu drehen und ich hielt gespannt den Atem an. Von mir aus hätte es Ariana sein dürfen. Hauptsache es war weder Cosmo noch… „Ich?!“, stieß ich entsetzt aus, als die Spitze der Flasche auf mich zeigte. „Da lass ich mich lieber von einer Kröte küssen!“
8. Dylan´s Großeltern kommen an Weihnachten zu Besuch: „Ja wo ist denn mein Dydi?!“ Ich war keine zehn Sekunden zu Hause, als meine Oma väterlicherseits aus der Küche auf mich zugestürmt kam. „Da ist ja mein Dydi!“ Mit ausgebreiteten Armen kam meine Oma auf mich zu und drückte mich an ihre doch recht üppige Brust.
9. Ärger zieht auf ...: Ich widmete mich wieder Cosmo, der mich nun verwirrt und besorgt ansah. „Was ist los Dylan?“ „Ein Evo-Hunter ist auf dem Weg hierher!“, antwortete eine Stimme, die mir zuvor kam und bei Cosmo für die nötige Klarheit sorgte.
10. Das Jahr endet mit einem großen Knall: Drei!“ Cosmo griff nach meiner Hand und hielt sie ganz fest. „Zwei!“ Völlig unvorhergesehen ging Mika auf Prokkowitch zu und sprach ihn an. „Eins!“ Cosmo zog mich näher an sich heran, damit meine Angst ein wenig verschwand. „Null!“
Willkommen zu Part II meiner Geschichte! Ich leg auch gleich ohne Umschweife los, denn ihr habt schließlich zwei Kapitel vor euch zu lesen.
A:Dylan-25 Mein Kopf brummte wie verrückt, als ich Freitagnachmittag von der Schule nach Hause kam. Jetzt ganz schnell eine Aspirin-Tablette einnehmen, damit meine Kopfschmerzen schnell wieder verschwanden. Ich ging in die Küche und fiel beinahe über unseren Kater Hannibal, der auf einmal meinen Weg kreuzte. „Pass doch auf Hannibal!“, schimpfte ich den Kater. „Das nächste Mal fall ich noch auf dich drauf, oder ich fall über dich drüber und breche mir das Genick.“ Na gut, dass war vielleicht etwas überspitzt ausgedrückt, aber der Kater verstand mich doch ohnehin nicht. Dennoch bekam ich ein Miauen als Antwort von ihm zu hören. Ich öffnete eine Schublade und zog mir eine Aspirin-Tablette heraus, dann füllte ich mir ein Glas mit klarem Leitungswasser und flößte mir beides ein. In der Zwischenzeit miaute Hannibal ein zweites und ein drittes Mal. „Ja, du bekommst ja gleich dein Fressi-Fressi.“, sagte ich zu ihm. Ich zog das Katzenfutter aus dem Schrank heraus und füllte Hannibals Fressnapf damit. „Wenn du weiter so dein Essen runterschlingst, dann wirst du noch fett!“ Nachdem der Kater und auch mein Kopf versorgt waren, stolzierte ich müde und erschöpft ins Wohnzimmer, ließ mich auf das Sofa fallen und schaltete den Fernseher ein. Auf dem ersten Kanal kamen gerade Sport-Nachrichten über ein Rugbyspiel, auf dem zweiten Kanal lief eine Doku-Soap über Tiere im Amazonas, auf dem dritten Kanal lief gerade eine Telenovela mit den schlechtesten Schauspielern aller Zeiten, auf dem vierten Kanal lief eine Zeichentrickserie über sprechende Kühe und so unterhaltungsarm ging es auch auf den nachfolgenden Kanälen weiter. Frustriert und gelangweilt schaltete ich den Fernseher wieder aus und griff nach einer Zeitschrift, die ganz in meiner Nähe lag. In der Zeitschrift stand der neuste Klatsch und Tratsch aus der Promiwelt. Auch Rezepte für Plätzchen und Lebkuchen waren darin vorzufinden. Sie sahen köstlich aus, doch hatte ich keine große Lust die selber auszuprobieren, zumal ich miserabel im Backen war. Mein letzter Versuch endete damit, dass es aus dem Ofen qualmte und ich nur noch schwarz sah… Ich blätterte ein paar Seiten weiter und entdeckte ein Kreuzworträtsel. Mich packte die Lust und nahm mir einen Stift zur Hand. „US-Präsident (Nachname). Hm…, mit dem O am Anfang kann das eigentlich nur Obama sein.“, sagte ich zu mir selbst, während ich über eine Frage nach der anderen nachgrübelte. Schließlich kam ich zu einer sehr interessanten Frage: „Planet hinter Uranus. Ich überlegte kurz und rief mir alle Planeten unseres Sonnensystems auf. Dann kam ich zu dem Entschluss, dass es nur Pluto oder Neptun sein konnten. Da das gesuchte Lösungswort allerdings sechs Buchstaben und nicht fünf hatte, musste es Neptun sein. Die Zeit verging und ich vollendete das Kreuzworträtsel nach und nach. Am Ende blieben mir jedoch noch sechs Fragen offen, auf die ich einfach keine Antwort wusste. Letzten Endes zog ich mich in mein Zimmer zurück, wo ich mich an meinen Schreibtisch setzte und an meiner Zeichnung weiter arbeitete, an der ich bereits die letzten zwei Tage gesessen habe. Mir war nicht ganz klar, was ich da überhaupt aufs Papier zeichnete, aber es sah cool, mystisch und irgendwie auch geheimnisvoll aus. Keine Ahnung woher mir die Inspiration dazu kam, aber so gut fand ich mich ehrlich gesagt noch nie. Auf dem Bild war eine Art Urwald zu sehen. Jedoch kamen darin keine natürlichen Pflanzen vor. Die Bäume waren massiver und größer, als die auf der Erde. Zudem stellte ich mir vor, wie einige von ihnen innen hohl wären und dort Lebewesen lebten. Dann gab es da auch noch viele Lianen, an denen diamantene Blumen wuchsen und auch fleischfressende Pflanzen gab es auf meiner Zeichnung zu bestaunen. Der Urwald war zudem nahe an einem Fluss gelegen, in denen es gefährliche Strömungen – gar Strudel gab, die einem den sicheren Tod brachten, sofern man nicht ein Fisch oder ausgezeichneter Schwimmer war. Wobei … ein Mensch konnte noch so gut im Schwimmen sein, spätestens im Strudel würde er hoffnungslos ertrinken. Ah verdammt, jetzt geht das wieder los… Ich griff mit meiner linken Hand nach meiner rechten Hand, die wie so oft in den letzten Tagen zu zittern begann. Was war nur los mit mir? Auch die starken Kopfschmerzen belästigten mich in letzter Zeit des Öfteren. Manchmal bekam ich das Gefühl, als ob die Aspirin-Tabletten gar keine Wirkung zeigten. Normalerweise sollte ich deswegen einen Arzt aufsuchen, doch ich hasste Ärzte, nachdem was mit meiner Mutter geschehen war. Stattdessen versuchte ich mehrmals tief ein- und wieder auszuatmen, denn das half meistens. Dem war auch heute so und meine rechte Hand hörte zu zittern auf. Dennoch legte ich den Stift wieder beiseite, denn mein Handy, das neben der Zeichnung auf meinem Schreibtisch lag, fing plötzlich zu vibrieren an. Es war eine Nachricht und auch wenn bei der Nummer kein Name dabei stand, so wusste ich dennoch, von wem diese Nachricht kam. „Alles in Ordnung. Sind gut angekommen und er schöpft auch weiterhin keinen Verdacht. Ich denke, ihr seid nun in Sicherheit. Viele Grüße!“ Das waren doch endlich mal wieder gute Nachrichten. Die letzten Wochen waren wahrlich nicht leicht für mich, um nicht zu sagen sehr stressig. Vermutlich war das auch der Grund für meine ständigen Kopfschmerzen, auch wenn mir das Zittern weiterhin Sorgen bereitete. Ich drehte mich einmal mit meinem drehbaren Stuhl im Kreis und sah mich in meinem Zimmer um. Endlich stand wieder alles auf seinem alten Platz. Mein Dad hatte seine „Drohung“ wahr gemacht und gleich in der Woche nach Halloween die Abstellkammer leer geräumt. Der ganze Ramsch, der sich darin befand, wurde auf verschiedene Art und Weise beseitigt. Die Spielzeuge aus meiner Kindheit beispielsweise wurden dem Waisenhaus gespendet, altes Mobiliar und Gegenstände die uns nicht mehr von Nutzen waren, wurden auf einem Flohmarkt verscherbelt und das Zeug, was noch im Takt war und wir später noch gebrauchen konnten, wurde entweder in der Garage oder im Speicher verstaut. Nachdem die Abstellkammer leer geräumt war, wurde das Zimmer gereinigt und die Wände neu gestrichen. Danach ging es ins nächste Möbelhaus, wo mein Dad mit Cosmo noch weitere Möbel für ihn kaufte, denn bis auf ein Bett und eine alte Kleiderkommode hatte er nichts. So bekam Cosmo nicht nur sein eigenes Zimmer, ich bekam auch mein altes Zimmer zurück, bevor Cosmo unerlaubterweise bei mir einzog. Es war eine Wohltat, seine vier Wände mit keinem anderen mehr teilen zu müssen und doch hatte ich nun hin und wieder das Gefühl, dass mir in meinem Zimmer etwas abging. War es Cosmos chaotische Veranlagung, oder sein dezentes Grunzen, wenn er schlief? Ich wurde aus meinem Tagtraum gerissen, als ich die Haustür zufallen hörte. Wenn man vom Alien sprach… Cosmo hatte heute noch Basketball-Training, weshalb er erst jetzt nach Hause kam. Ich blickte zur Uhr und erst jetzt bemerkte ich, dass es bereits dunkel draußen war. Im Winter nichts Ungewöhnliches. Ich stand von meinem Stuhl auf und wollte Cosmo entgegen laufen. Auf der Treppe trafen wir uns schließlich, doch er war nicht allein. Er war in Begleitung eines anderen Jungen, der in den letzten Tagen öfters bei uns ein und ausging. Mit einem lächelnden Gesicht begrüßte Mika mich.
B:Freunde-26 Es war einmal ein Junge in meinem Alter, der hielt sich stets für den allergrößten und coolsten aus unserer Klasse. Er war sportlich, besaß Humor und ganz dumm schien er auch nicht zu sein. Wenn da nicht seine große Klappe wäre, die ihn immer wieder aufs Neue Ärger einbrachte. Mir konnte er ja schon lange nichts mehr vormachen. Hinter dieser rauen Schale, steckte in Wirklichkeit ein weicher Kern. Der Junge von dem ich sprach hieß Mika Stone und aktuell warf er sich sehr an Cosmo heran. Nicht auf die romantische Art und Weise, aber auf freundschaftlicher Ebene. Seitdem sein bester Freund Elijah aufgrund seines unkorrekten Verhaltens von seinen Eltern auf ein Internat geschickt wurde, hatte Mika einen neuen Freund mehr als nötig. Wenn mich einer fragen würde, dann würde ich ihm sagen, dass Mika Cosmos Gutmütigkeit nur ausnutzte, aber mich fragte ja keiner und Cosmo schenkte mir diesbezüglich auch kein Gehör. Er sah in Mika etwas, was mir wohl bisher entgangen zu sein schien und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende. Wer glaubt denn noch an Märchen?! Inzwischen war Mika recht häufig bei uns zu Gast. Durch ihre gemeinsamen sportlichen Aktivitäten hatten Mika und Cosmo sehr viel miteinander zu tun und bereits vor der Halloween-Party zeichnete sich ab, dass Mika Interesse an Cosmo zu haben schien. Mein Verdacht, dass er etwas im Schilde führte und etwas über Cosmos wahre Identität zu wissen schien, entpuppte sich als Irrtum, dennoch hielt ich es für das Beste, ihn gut im Auge zu behalten. Man weiß ja schließlich nie. Immerhin konnte ich Cosmo davon überzeugen, dass sie sich immer nur bei uns trafen, nie aber bei ihm. In der Regel spielten die Beiden dann aber nur Videospiele auf der PlayStation, die Mika nach der Schule von sich Zuhause mit hierher brachte. Er war geschockt, als er hörte, dass ich keine Konsole besaß. „Dylan spielt keine Videospiele? In unserem Alter spielt doch eigentlich jeder Videospiele…!“ „Tut mir Leid für ihn, dass ich nicht ‚jeder‘ bin.“, sagte ich zu Cosmo, als er mir davon erzählte. „Ich kann Videospielen nun einmal nichts abgewinnen. Da stecke ich meine Zeit und Energie lieber ins Zeichnen. Das verblödet einen auch nicht so sehr, wie ständig vor dem Kasten zu sitzen.“ Im Endeffekt konnte man also sagen: Ich konnte Mika nach wie vor nicht ausstehen, auch wenn es inzwischen ein wenig besser wurde, nachdem er sich auf der Halloween-Party so nett um den betrunkenen Cosmo gekümmert hat. Doch mag ich ihn? Nie im Leben! Mika und Cosmo spielten immer im Wohnzimmer ihre Videospiele, da sich dort der einzige Fernseher befand, den es in diesem Haus gab. Zumeist spielten sie unterschiedliche Spiele, von Rollenspielen bis hin zu Rennspielen. Am Schlimmsten war dieses „Galaxy War“, an dem Cosmo sofort Gefallen fand. Im Spiel schlüpft der Spieler in die Rolle eines Space-Rangers, der vom Planeten zu Planeten reist um mystische Leuchtkristalle einzusammeln. Dabei stellten sich ihm natürlich eine Menge Aliens in den Weg, die er mittels einer Laserkanone den Gar ausmachen muss. Doch auch gegen andere Space-Ranger muss der Spieler antreten, da diese immer wieder versuchen, sich gegenseitig die Leuchtkristalle abzuluchsen. Mika spielte das Spiel bereits seit Monaten und war darin sehr gut. Er war sogar einer der besten Spieler weltweit. Nur ein gewisser „Prince“ war besser als er und kam ihm des Öfteren in die Quere. Wer immer das auch sein mochte. Doch zum Glück konnte Mika Cosmo nicht nur fürs Videospiele spielen begeistern, denn auch wenn Mika nicht danach aussah, so nahm er die Schule doch ernst. Manchmal zogen sie sich deshalb in Cosmos neues Zimmer zurück, um ihre Hausaufgaben zu machen und gelegentlich luden sie mich dazu sogar ein. „Mir schwirrt der Kopf vor lauter Zahlen.“, sagte Cosmo nach einer halben Stunde, in der wir die schweren Matheaufgaben zu lösen versuchten. „Ihr Menschen seid doch krank…“ „Ihr Menschen?“ Mika richtete sich auf und schaute Cosmo verdutzt an. Ich warf Cosmo heimlich einen warnenden Blick zu. „Bist du etwa kein Mensch? Ach ich verstehe. Du bist schon so spielsüchtig nach „Galaxy War“, dass du inzwischen schon selber denkst, du wärst ein Space-Ranger!“ Mika fing zu Lachen an, Cosmo und ich klickten uns ebenfalls ein, wenn auch mit einem etwas künstlichen Gelächter. Genau aus diesem Grund wollte ich, dass sich die Zwei immer nur bei uns trafen. Cosmo verplappert sich schneller, als er schauen kann und dann wäre es um ihn und auch uns geschehen. „Ich sollte dann mal langsam nach Hause gehen. Es wird sonst zu spät und meine Mum sieht es gar nicht gerne, wenn ich nicht pünktlich zum Abendessen zu Hause bin.“ Mika packte seine Sachen zusammen und Cosmo half ihm freundlicherweise dabei. „Wir sehen uns am Montag in der Schule.“, sagte er und winkte kurz zum Abschied. Nachdem Mika fort war, hatten Cosmo und ich das Haus ganz für uns alleine. „Ihr trefft euch gar nicht am Wochenende?“, fragte ich Cosmo erstaunt, da sie dies in letzter Zeit immer taten. „Nein, seine Eltern fahren dieses Wochenende in die Stadt zu seinen Großeltern und sie möchten, dass er sie begleitet.“, erklärte Cosmo mir, während ich nebenbei meine Schulhefte zusammen klaubte. „Das ist gut, denn so sind wir Zwei mal völlig ungestört.“ Wie aus dem Nichts schlangen sich zwei Arme von hinten um mich. Ich spürte Cosmos Körper sanft an meinen gedrückt. Sofort bekam ich ein Kribbeln am und im ganzen Körper. „Was soll das? Lass das gefälligst!“ Irritiert und nervös, befreite ich mich aus Cosmos Umarmung. „Erst mich die ganzen Wochen über links liegen lassen und dann kommst du mit sowas daher?“ „Bist du etwa eifersüchtig?“, fragte Cosmo mich, der mich daraufhin breit angrinste. „So ein Quatsch.“, antwortete ich vehement. Erinnerungen von Halloween stiegen wieder in mir hoch. Cosmo war sternhagelvoll als er mich zu sich ins Bett zerrte und mich küsste. Zum Glück konnte er sich tagdarauf aber nicht mehr daran erinnern. Ich wünschte fast, das wäre bei mir genauso. „Ich bin nur deinetwegen da Dylan, das weißt du doch. Doch wenn ich bei dir bleiben möchte, dann muss ich mich in die Gesellschaft einfügen, das hast du doch selber zu mir gesagt.“, erklärte Cosmo mir im vernünftigen Ton. „Mika braucht derzeit einfach einen Freund. Elijah ist fort und vermutlich kommt er auch nicht wieder, nachdem seine Eltern herausfanden, dass er auf der Halloween-Party Alkohol ausgeschenkt hat. Reiche Menschen sind noch seltsamer als normale Menschen.“ „Schon gut.“, sagte ich schließlich. „Pass einfach auf, dass deine Tarnung nicht auffliegt. Mehr verlange ich auch gar nicht von dir.“ Vielleicht war ich übervorsichtig, aber ich wollte lieber auf Nummer sicher gehen. Cosmo hat keine Ahnung, was sich die letzten Wochen alles abgespielt hat und wovon er gar nichts mitbekommen hat. In Gedanken rief ich mir noch einmal die letzte Nachricht auf dem Handy ins Gedächtnis: „Ich denke, ihr seid nun in Sicherheit.“ Ich hoffe das stimmte auch und Frau Kovnikovo behielt damit Recht. Sie würde mich nicht anlügen, da ich ihr inzwischen vertraute.
Fortsetzung folgt ... am Sonntag, den 20.November 2022!
Γ:Nachbarn-27 Ich hatte mir an diesem Samstag fest vorgenommen, bis Mittag durchzupennen. In den letzten Wochen wurde ich nämlich nicht nur von Kopfschmerzen und Zitteranfällen in meiner rechten Hand geplagt, ich schlief auch äußerst schlecht. Doch mein Plan an diesem Wochenende viel zu schlafen, fand ein jähes Ende, als ein Krachen von draußen vernahm. Ich öffnete widerwillig meine Äuglein und sah als erstes auf die Uhr: Viertel vor Zehn Uhr morgens! Möge den Krawallmacher auf der Stelle die Pest ereilen! Ich stieg aus dem Bett aus und stapfte todmüde in Cosmos Zimmer. Cosmo war bereits auf den Beinen. Natürlich war er das, denn er war ein Frühaufsteher und benötigte auch sonst nicht so viel Schlaf wie ein Mensch. „Na, gut geschlafen mein Großer?“, fragte er mich munter wie eh und je. „Ja, zumindest bis gerade eben.“, antwortete ich ihm mürrisch. „Was geht da draußen vor sich?“ „Ich hab keine Ahnung.“, sagte Cosmo. „Da steht ein großer Lastwagen am Straßenrand und ständig rennen ein paar Männer mit Möbeln hin und her. Gerade eben ließen sie versehentlich eine große Kommode fallen.“ Ich schlurfte zum Fenster und schaute hinunter auf die Straße. Vor dem Haus, neben unserem, stand ein großer Umzugswagen. Es sah ganz danach aus, als zogen neue Nachbarn ein. „Oh und da war eine Frau...“, erzählte Cosmo, dem das gerade erst wieder einfiel, „…und ein Mädchen. Sie sah hübsch aus. Ich glaube sie dürfte so in deinem Alter sein.“ Ich beobachtete das Geschehen auch weiterhin und tatsächlich … schon bald sah ich eine Frau und ein Mädchen in der Hofeinfahrt, wie sie gemeinsam eine Stehlampe ins Haus trugen. Mutter und Tochter? Meine Neugier war geweckt und so zog ich mir erstmal etwas Vernünftiges an und machte mich im Badezimmer ein wenig hübsch. Anschließend wollten Cosmo und ich unsere neuen Nachbarn willkommen heißen, doch einer schien uns da bereits zuvor gekommen zu sein. „Soll der Karton mit Büchern in den ersten Stock rauf?“, hörte ich eine sehr vertraute Stimme sagen und plötzlich sah ich meinen Dad aus dem Haus unserer neuen Nachbarn kommen. „Oh hey Jungs, ihr seid ja auch schon wach!“ „Zwangsweise…“, murmelte ich erstaunt vor mich hin. „Oh, ist das dein Sohn Phil?“, fragte die ältere Frau mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht. Die Frau hatte naturblondes Haar, das ihr bis zu den Schultern reichte. Auf den ersten Blick machte sie einen recht sympathischen Eindruck. Doch woher kannte sie meinen Vater? „Ja, der Größere der Beiden ist mein Sohn Dylan.“, klärte mein Dad die Frau auf. „Der andere Junge ist mein … äh Neffe. Er heißt Cosmo und wohnt vorübergehend bei uns.“ „Freut mich sehr eure Bekanntschaft zu machen Jungs.“, sagte die Frau lächelnd und streckte uns zur Begrüßung die Hand entgegen. „Ich bin Sydney Alister und das hier ist meine Tochter Ariana.“ Cosmo und ich blickten zu dem Mädchen, die des Mutters naturblondes Haar geerbt hatte. Sie sah wie die jüngere Version ihrer Mutter aus, wenn auch ihre Mimik eingefroren zu sein schien. Weder begrüßte sie uns freundlich, noch lächelte sie uns entgegen. Fast könnte man schon meinen, dass sie uns feindselig gegenüber stand. „Ariana, sei doch bitte nicht so unfreundlich. Bitte entschuldigt meine Tochter. Neuen Menschen gegenüber ist sie immer etwas zurückhaltender.“ „Ach ich bin mir sicher, dass wir alle noch gute Freunde werden.“, kam es von meinem Dad überaus optimistisch. „Du, mein Sohn und mein Neffe ihr werdet euch schon verstehen, nicht wahr Ariana?“ Das Mädchen erwiderte auch daraufhin nichts und allmählich wurde es mir wirklich zu blöd, mich mit der überhaupt abzugeben. „Sydney und ich haben uns gleich auf Anhieb verstanden!“ „Äh, ihr kennt euch? Woher?“, fragte ich nun neugierig. „Wir ziehen zwar erst heute hier in das Haus ein, aber in dieser Stadt arbeite ich bereits seit etwa gut einem Monat.“, antwortete Sydney mir. „Genau wie dein Vater bin ich nämlich eine ‚Hüterin des Gesetzes‘. Dein Vater und ich sind quasi Partner.“ „Ich hab nicht schlecht gestaunt, als ich nach meinem Urlaub Anfang November, eine neue Kollegin vor die Nase gesetzt bekam.“, meinte mein Vater dazu und allmählich bekam ich ein ungutes Gefühl dabei, wie gut die Zwei sich bereits verstanden. „Doch Sydney leistet bisher hervorragende Arbeit und irgendwie bin ich auch froh, eine so kompetente Frau an meiner Seite zu wissen.“ „Hey, so warte doch!“, rief Cosmo allgegenwärtig und eilte Ariana zu Hilfe, die mit eigener Kraft versuchte, einen der schweren Kartons aus dem Umzugswagen zu hieven. „Ein Mädchen mit zarten Händen wie die deinen, sollte nicht so schwer schleppen müssen.“ „Das ist ein hervorragender Gedanke, Cosmo!“, rief mein Dad unserem Hausgast zu. „Wir sollten weiter machen, sonst werden wir heute nicht mehr fertig. Dylan, sei heute einmal ein Gentleman und hilf Ariana ebenfalls, ihre Sachen in ihr Zimmer zu tragen!“ Ich grummelte etwas vor mich hin bezüglich Arianas Unhöflichkeit, doch wollte ich nicht nachtragend sein und ausnahmsweise mal den Gentleman spielen. Cosmo und ich schleppten demnach einen Karton nach dem anderen ins Haus, das wie ein Spiegelbild dem unseren glich. Arianas Zimmer besaß wie auch mein Zimmer einen kleinen Balkon, der hinten zum Garten hinausführte. Wenn wir also guter Dinge waren, könnten wir uns im Sommer auf unsere Balkons setzen und uns über den Zaun hinweg unterhalten. Doch aktuell sah es nicht danach aus, als könnten wir Freunde werden. Ariana war wie ein Eiszapfen und kein Dankeschön kam ihr über die Lippen, als Cosmo und ich den letzten Karton in ihrem Zimmer abstellten. Für mich hatte das nichts mehr mit Unhöflichkeit zu tun, eher mit akuter Missachtung und Abneigung uns gegenüber. Schließlich platzte mir auch der Kragen und ich sprach sie darauf an: „Bist du immer so scheiße gegenüber Menschen, die du gerade kennengelernt hast? Du könntest wenigstens Dankeschön zu uns sagen, oder ist das bereits zu viel verlangt?!“ Ariana warf mir einen missbilligenden Blick zu, doch zum ersten Mal öffnete sie uns gegenüber den Mund und ihre Stimme war zu hören: „Danke, dass ihr mir dabei geholfen habt, in dieses scheußliche Haus und in diese noch scheußlichere Gegend zu ziehen.“ Hat das Mädchen einen an der Waffel? Welcher Idiot hat das Gesetz verbreitet, dass ein Mann eine Frau nicht schlagen darf?! „Lass doch gut sein Dylan.“, sagte Cosmo schließlich zu mir und zupfte dabei an meinem rechten Ärmel, der ahnte, dass gerade dunkle Wolken aufzogen. Doch ich wollte dies einfach nicht auf mich sitzen lassen und blies zum Gegenangriff: „Deine Mum kann einem echt leidtun. So ein verzogenes und miesepetriges Mädchen wie dich zur Tochter zu haben. Du bist saurer als eine Zitrone in Essigsäure!“ „Und du kannst deinem Vater sagen, dass er die Finger von meiner Mum lassen soll, sonst kriegt er es mit mir zu tun! Ich will keinen neuen Stiefvater und noch weniger einen Stiefbruder, der so dumm ist wie du!“ Ariana starrte mich wütend an und ich kochte ebenfalls vor Wut. Als ob mein Dad sich je auf eine neue Beziehung einlassen würde. Cosmo stand zwischen uns und wusste nicht weiter.
Fortsetzung folgt ... am Dienstag, den 22.November 2022! (Dann auch wieder mit einer Rollenliste)
Hauptrollen: Dylan Winter: Er ist homosexuell und hegt Gefühle für seinen Mitschüler Emmet. Sein Outing bei seinem Dad lief nicht sonderlich gut. Dylan ist ein talentierter Zeichner. Cosmo Winter (O:Evo-1570): Ein außerirdisches Wesen vom Planeten Neró. Er kann sich in andere Lebensformen verwandeln und tarnt sich dadurch als Dylans Cousin. Er tritt der Basketball-Schulmannschaft bei. Ariana Alister: Sie ist die Tochter von Sydney. Philip "Phil" Winter: Er ist Dylans Vater und von Beruf der Sheriff einer amerikanischen Kleinstadt. Seine Frau verstarb vor etwa einem Jahr.
Nebenrollen: Sydney Alister: Mutter von Ariana und Kollegin von Phil
Δ:Advent-28 Es hätte ein ruhiger und beschaulicher Sonntag werden können, doch mein Dad machte dem einen Strich durch die Rechnung, als er mir Samstagabend erklärte, er hätte für morgen Sydney und Ariana zum Abendessen eingeladen. Nach dieser Ankündigung wusste ich, dass Ärger vorprogrammiert war. Ariana und ich hatten unseren Streit nicht beigelegt und ich hatte auch nicht das Verlangen danach, denn schließlich konnte sie mir egal sein. Doch mein Dad schien sich in den Kopf gesetzt zu haben, dass wir uns mit Ariana und ihrer Mutter befreunden müssen. Ich konnte ihn aber auch verstehen, denn schließlich war Sydney seine neue Kollegin und nun auch noch Nachbarin. Wenn ich genauer darüber nachdachte, dann wurde mir bewusst, dass mein Dad nicht sehr viele Freunde hatte und weibliche schon dreimal nicht. Doch Arianas Behauptung, dass mein Dad etwas von ihrer Mum wollte, wies ich als kompletten Humbug ab. Der Verlust meiner Mum war noch nicht so lange her und in den nächsten Wochen stand uns das erste Weihnachtsfest ohne sie bevor. Schwierige Tage kamen auf uns zu. Da denkt mein Dad ganz sicher nicht daran, sich nach einer neuen Frau in seinem Leben umzugucken. Meiner Meinung nach hatte diese Ariana einen an der Klatsche, aber vor meinem Dad riss ich mich natürlich zusammen. Cosmo hingegen verhielt sich unerwartet ruhig in dieser Sache und als ich ihn nach seiner Meinung fragte, antwortete er: „Ich hab diesbezüglich keine Meinung. Ich finde Ariana eigentlich ganz okay und in gewisser Weise ähnelt sie dir auch ein wenig.“ „Wir ähneln uns überhaupt nicht! Nicht das geringste bisschen!“, protestierte ich lauthals. „Ach nein? Genau wie du hat sie ein Elternteil verloren. Da ist es doch kein Wunder, dass sie leicht verkorkst ist. Du bist schließlich auch nicht immer einfach.“ Ich wollte erneut lauthals protestieren, doch Cosmo legte mir die Hand auf den Mund und erteilte mir damit Sprechverbot. „Doch nur weil du nicht immer ganz einfach bist, bist du doch noch lange kein schlechter Mensch. Ariana ist auch kein schlechter Mensch. Sie ist frustriert, verängstigt und vermutlich fühlt sie sich auch alleine. Gerade du müsstest das doch verstehen können. Sie lässt ihren Frust halt nur leider an anderen aus.“ Ich gab es nicht gerne zu, doch vermutlich hatte Cosmo Recht. Nachdem wir gestern mit meinem Dad zu Abend aßen, erzählte er uns von der traurigen Geschichte, wie Sydneys Mann ums Leben kam. „Er erlitt leider einen Herzinfarkt. Es geschah im Sommer, es war heiß und ihr Mann hatte sich viel zu viel Arbeit aufgehalst, was mit Stress verbunden war. Schließlich machte es sein Herz einfach nicht mehr mit. Das Leben ist manchmal kürzer als man denkt … und natürlich nicht immer gerecht.“ Nachdem ich also erfuhr, wie Arianas Vater ums Leben kam, hatte ich etwas mehr Mitgefühl für sie. „Doch ich schwör dir eins.“, sagte ich zu Cosmo leise, als wir Sonntagabend den Tisch deckten und mein Dad hinterm Herd stand und ein vorzügliches erstes Advent-Menü zubereitete. „Wenn sie mir heute wieder so unfreundlich und dumm daher kommt, garantiere ich für nichts!“ „Jungs beeilt euch ein wenig. Sydney und Ariana könnten jeden Augenblick hier sein.“, sagte mein Dad zu uns, während er gerade dabei war die Soße umzurühren. „Ach und bevor ich es vergesse. Ich muss euch glaube ich kaum daran erinnern, dass Cosmo sich unauffällig benehmen sollte. Sprich: Denk an deine Manieren … vor allem beim Essen! Kein Wort über Außerirdische oder dergleichen … und über deine ‚Orientierung‘ verlieren wir besser auch kein Wort, Dylan.“ Ich sah verletzt zu meinem Dad rüber, der sich bereits wieder voll dem Kochen widmete. Nicht nur, dass er noch immer nicht mit meiner Homosexualität klar kam, inzwischen bestand er auch darauf, dass es kein anderer jemals erfahren dürfte. Und wieso betont er das Wort „Orientierung“ so stark. Traut er sich nicht mal mehr das Wort Homosexualität laut auszusprechen? Es klingelte an der Tür. „Ich mach auf!“, rief Cosmo erfreut und rannte zur Tür. Kurz darauf kehrte er mit Ariana und ihrer Mutter in die Küche zurück. Sydney trug ein schönes rubinfarbenes Abendkleid und hatte sich auch sonst sehr fesch rausgeputzt. Ariana hingegen war schlicht gekleidet mit Jeans und Bluse. Ich würde jede Wette eingehen, dass ihre Mutter sie darum bat, sich für diesen Abend schön rauszuputzen, Ariana ihr aber diesen Wunsch verwehrte. „Einen fröhlichen ersten Advent und die hier sind für dich Phil.“ Sydney überreichte meinem Dad ein Strauß Blumen und umarmte ihn auch kurz darauf. Ariana und ich beobachteten das Geschehen mit argwöhnischen Blicken. „Ich dachte mir, dass in eurem Männerhaushalt etwas weiblicher Flair fehlen würde, deshalb die Blumen. Zumal ich mich auch noch wegen gestern bei euch bedanken möchte.“ „Das haben wir doch gern gemacht.“, erwiderte mein Dad glückselig. „So und nun nehmt Platz wo immer ihr wollt. Das Essen ist gleich fertig und es kann losgehen. Als Vorspeise gibt es einen kleinen Salat, als Hauptspeise gibt es Hähnchen mit Kartoffeln und Mais – alles frisch bei Farmer Woodstock besorgt – und als Nachspeise gibt es dann noch einen gedeckten Kürbiskuchen.“ „Oh, das klingt ja vorzüglich.“, schwärmte Sydney jetzt schon. „Findest du nicht auch, Ariana?“ „Ja.“, sagte Ariana lediglich, die noch genauso wortkarg wie gestern war. „Phil, hast du ein paar Streichhölzer da?“, fragte Sydney meinen Dad. „Dann zünde ich noch schnell eine Kerze an, damit es hier noch gemütlicher wird. Zumal heute ja auch der erste Advent ist.“ „Hey Dylan.“, zischte Cosmo, der links neben mir saß, leise ins Ohr. „Was bedeutet denn dieses Advent? Das Wort hab ich jetzt schon öfters gehört, weiß aber nicht was es bedeuten soll.“ Ich lächelte leicht, denn erst jetzt fiel mir ein, dass Cosmo nichts vom Advent, Weihnachten und all den Bräuchen wusste, die in den nächsten Wochen auf uns zukamen. Ich erteilte ihm also einen kleinen Exkurs, spürte nebenbei aber auch Arianas Blicke auf uns gerichtet. „Was tuschelt ihr denn da beide die ganze Zeit?“, fragte sie uns schließlich nach einer Weile. „Äh also … nicht weiter wichtig.“, log ich sie an. Als ob sie das auch was anginge… „Ah ich versteh schon!“, rief Sydney begeistert, die den Schluss mitangehört hatte. „Ihr habt bestimmt über ein Mädchen gesprochen. Gibt es da eine, die dir da ganz besonders gefällt Dylan?“ „Äh ich…, also ich … äh...“ Ich fing wie verrückt zu stottern an und mir wurde ganz heiß, da auf einmal alle Blicke auf mich gerichtet waren. Sydney sah mich neugierig und aufgeregt zugleich an, Arianas Blicke waren wie immer eiskalt, doch auch sie zeigte eine Spur von Neugier, mein Dad warf mir einen warnenden Blick zu und Cosmo blickte unruhig zwischen uns allen hin und her. Schließlich war es Cosmo, der die unangenehme Stille durchbrach und Sydney eine Antwort lieferte: „Es ging um ein Mädchen, dass MIR ganz besonders gut gefällt. Ist aber nicht der Rede wert, weil sie leider erst vor kurzem weggezogen ist.“ Eine aufgetischte Lüge, ohne auch nur einmal mit der Wimper gezuckt zu haben. Cosmo hatte es voll drauf! „Ach, das ist aber schade.“, reagierte Sydney daraufhin mitfühlend. „Das tut mir Leid für dich und ich weiß es hilft dir nicht über den Schmerz hinweg, aber es gibt noch genügend hübsche junge Mädchen auf Erden. Eine davon wird sicher für dich dabei sein.“ „D-Danke. Ganz sicher…“, erwiderte Cosmo und sah mich danach kurz lächelnd an. „Hier sind die Streichhölzer.“, sagte mein Dad zu Sydney, der damit auch wieder schnell vom Thema ablenken wollte. Sydney bedankte sich recht herzlich und beugte sich leicht über den Tisch, um mit einem Streichholz die Kerze anzuzünden, die sie kurz davor auf den Tisch stellte. Sekunden später fing der Docht Feuer und die Kerze brannte. Nun könnte es eigentlich ein schöner und besinnlicher Abend werden… „Aaaaaaah!“ Ein Schrei, der alles in den Schatten stellte. Mein Dad, Sydney, Ariana und ich blickten erschrocken zu Cosmo, von dem der Schrei ausging. Cosmo hatte sich die Hände über den Kopf gestülpt und seine Augen waren starr vor Schreck geweitet. Dann sprang er regelrecht von seinem Stuhl auf, der zugleich auch umfiel, und rannte panisch aus dem Haus. Wir waren alle zunehmend verwirrt, auch ich, da dies selbst für Cosmo ein unerwartetes Verhalten war. Mein Dad und ich warfen uns kurz einen Blick zu, ehe ich Cosmo hinterherrannte. Er stand draußen in der Hofeinfahrt. Es war dunkel und sehr kalt. Er schnappte panisch nach Luft, während ich besorgt hinter ihm stand und ihm über die Schulter streichelte. Inzwischen stand Ariana am Küchenfenster und beobachtete das Geschehen mit Neugier.
Fortsetzung folgt ... am Donnerstag, den 24.November 2022!
Na, Du machst es aber wieder spannend. Scheint so, als hätte Cosmo panische Angst vor offenem Feuer.
Dein Schreibstil mit den immer wieder neuen Überraschungen ist so toll, dass es mir einfach einfach ein Bedürfnis ist, Dir dafür nochmal zu danken, dass Du trotz Deiner viel zu wenigen Mitglieder weitermachst.
Könnte ich zaubern, würde ich Dir Unmengen neuer Leser bescheren, aber leider ist mein schwuler bzw. für alles offener Bekanntenkreis relativ klein.
Allerdings versuche ich immer wieder mal, anderen vor allem durch Hinweis auf "Der Tierflüsterer" (noch immer meine Lieblingsgeschichte, vielleicht weil es die erste war, die ich von Dir las) schmackhaft zu machen, sich doch einfach mal hier anzumelden und öfter mal reinzugucken.
Ich danke dir delfino! Es ist mir tatsächlich gerade gar nicht so wichtig, dass ich nicht so viele Leser habe. Ich lade die Geschichte auch für mich selber hoch, denn ich liebe diese Geschichte und ihre Charaktere einfach sehr. Aber wenn ich ehrlich bin, wäre "Der Tierflüsterer" nicht die eine Geschichte, die ich von mir empfehlen würde, weil mein Schreibstil da noch sehr einfach war :) . Trotzdem hast du natürlich Recht, es war meine erste Geschichte und hat einen besonderen Platz in meinem Herzen. Vielleicht mach ich mal ein persönliches Ranking meiner Geschichten :D . Wobei ich mich wahrscheinlich gar nicht entscheiden könnte, weil sie alle doch recht unterschiedlich sind.
Hauptrollen: Dylan Winter: Er ist homosexuell und hegt Gefühle für seinen Mitschüler Emmet. Sein Outing bei seinem Dad lief nicht sonderlich gut. Dylan ist ein talentierter Zeichner. Cosmo Winter (O:Evo-1570): Ein außerirdisches Wesen vom Planeten Neró. Er kann sich in andere Lebensformen verwandeln und tarnt sich dadurch als Dylans Cousin. Er tritt der Basketball-Schulmannschaft bei. Ariana Alister: Sie ist die Tochter von Sydney.
Nebenrollen: Emmet Harding: Mitschüler und Schwarm von Dylan; Zwillingsbruder von Tamara. Tamara Harding: Mitschülerin von Dylan; Zwillingsschwester von Emmet; führt eine geheime Beziehung mit Dixon. Mika Stone: Mitschüler von Dylan, der sich mit Cosmo anfreundet; Klassenclown; scheint etwas zu verbergen. Dixon Waller: Mitglied der Basketball-Schulmannschaft; führt eine geheime Beziehung mit Tamara. Jens Huge: Ein sehr großer Kerl und Mitglied der Basketball-Schulmannschaft. Dr. Archimedes Tibbet: Lehrer für Geschichte und Geografie. Frau Silly: Spanischlehrerin; Sie ist sehr streng, alt und bieder. Mister Cage: Sportlehrer und Trainer der Basketball-Schulmannschaft. Miss Giggles: Religionslehrerin; Hat eine Piepsstimme und kichert häufig. Mr. T: Der Schulrektor wird von all seinen Schülern nur „Mr. T“ genannt. Er unterrichtet Biologie.
Ε:Schultag-29 „Ariana ist erst dieses Wochenende zusammen mit ihrer Mutter in die Stadt gezogen. Heißt sie bei uns herzlich Willkommen und helft ihr dabei, sich bei uns einzuleben.“, sagte Mr. T, unser Schulrektor, zu uns, der Ariana kurz darauf ihren Platz zeigte. „Schon wieder eine neue Schülerin?“, hörte ich einen Mitschüler in der Klasse fragen. „Zuletzt kam Cosmo neu in unsere Klasse und jetzt sie.“, sagte eine andere Schülerin. Ariana setzte sich ganz hinten ans Fenster. Sehr gut. Schlimm genug, dass sie in meine Klasse kam, da muss sie nicht auch noch in meiner Nähe sitzen. „Mit etwas Glück, pisst sie die anderen in unserer Klasse genauso an, wie sie mich angepisst hat und sie wird zur unbeliebtesten Schülerin des Jahres gekürt … und das innerhalb eines Monats. Was denkst du darüber Cosmo?“ Stille. „Cosmo?“ Cosmo schien mir gar nicht richtig zuzuhören. Stattdessen krakelte er irgendwas auf ein leeres Blatt Papier und guckte dabei völlig geistesabwesend. Offenbar machte ihm der gestrige Abend noch immer schwer zu schaffen. Wer hätte auch ahnen können, dass Cosmo panische Angst vor Feuer hat? „Wieso hast du mir und meinem Dad nie von deiner Feuerphobie erzählt?“, fragte ich ihn später in der Pause, als wir uns in der Mensa an einen Tisch setzten und unser Pausenbrot aßen. „Ich hab es vergessen…“, sagte Cosmo, der schwer an seinem Brot zu knabbern hatte. „Vergessen? Aha…“ Dies befriedigte mich nicht wirklich, denn so langsam fragte ich mich, was Cosmo uns sonst noch so verschwieg. Höhenangst? Platzangst? Angst vor achtbeinigen Viechern? Okay, letzteres traf wohl eher auf mich zu, aber das bleibt bitte unter uns. Hm … bei genauerer Überlegung, offenbarten die Menschen allgemein ungerne ihre größten Ängste. Wieso sollte es bei Aliens also anders sein?! „Hey ihr Beiden.“ Ich wandte meinen Kopf zur Seite und auf einmal standen Emmet und Tamara vor uns, die uns beide freundlich anlächelten. Ich musste mich noch immer dran gewöhnen, dass Emmet nun wieder gut auf mich zu sprechen war. Die letzten Wochen haben auch ihr Gutes vollbracht. Die ungleichen Zwillinge setzten sich uns gegenüber und wir kamen ins Gespräch. „Schon gehört? Miss Giggles kommt später gemeinsam mit Dr. Tibbet zu uns in den Unterricht, um die Planungen mit dem Schulausflug voranzutreiben.“, erzählte Emmet uns, während er genüsslich einen saftigen Apfel aß. Tamara verdrehte die Augen, als sie den Namen unserer Religionslehrerin hörte. Miss Giggles war eine junge und strebsame Frau, die Kinder und Witze über alles liebte. Von Strenge war bei ihr keine Spur, weshalb die Schüler ihr auch gerne auf der Nase herumtanzten. Sie war eigentlich das glatte Gegenteil von Frau Silly und ehrlich gesagt wusste ich nicht, wen ich schlimmer fand. Frau Silly, die mir erst letzte Woche wieder an den Ohrwascheln zog, weil ich meine Hausaufgaben vergessen hatte, oder Miss Giggles, deren Kichern klang, als wäre sie auf Drogen. „Ich freu mich schon auf den Schulausflug. Endlich mal raus hier … und weg von gewissen Leuten.“ Nach diesen Worten warf Tamara einen Blick zum Nachbarstisch rüber, an dem ihr „Freund“ Dixon zusammen mit seinem Kumpel Jens aus der Basketball-Schulmannschaft saß, mit dem sie eine Art Beziehung führte. Momentan gab es aber wohl dunkle Wolken am Liebeshimmel, denn Tamara warf Dixon wütende Blicke zu. Dieser wiederum starrte frustriert auf sein Essen, als könnte er es hypnotisieren. „Hey, hey Cos!“, rief eine Stimme und kurz darauf setzte sich Mika zu uns und zwar genau neben Cosmo, der sich nur geringfügig über das Auftauchen von Mika zu freuen schien. „Freust du dich denn gar nicht mich zu sehen, wo ich doch das ganze Wochenende nicht hier war?“ „Nicht jeder mag die Gesellschaft eines Ochsen.“, meinte Tamara darauf zynisch und sie sollte mit ihrer Meinung über Mika Recht behalten. Emmet stand samt seinem Essen still vom Tisch auf und setzte sich an einen anderen Tisch. Seine Schwester Tamara folgte ihm kurze Zeit später, nicht aber ohne sich vorher bei mir und Cosmo für ihr Verhalten zu entschuldigen. „Du bist ein echter Stimmungskiller.“, sagte ich zu Mika trocken. „Kann ich doch nichts für, wenn die Zwillinge mich nicht abkönnen.“, entgegnete Mika daraufhin. „Du solltest vielleicht mal überlegen, woran das liegen könnte.“, gab ich daraufhin zurück. „Jungs bitte, nicht streiten!“, bat Cosmo uns, der zwischen mir und Mika saß und somit auch als Schiedsrichter agieren durfte. „Ich fühl mich schwach und mag es nicht, wenn die zwei Menschen, die mir am Wichtigsten sind, sich ständig streiten.“ „Was ist denn los, geht es dir nicht gut?“, fragte Mika ihn nun besorgt, womit er ausnahmsweise mal die richtige Frage stellte. „Schon gut, das wird wieder. Macht euch keine Sorgen um mich.“, antwortete Cosmo, doch so ganz wollte mich das nicht zufrieden stimmen. Die brennende Kerze schien mehr bei ihm ausgelöst zu haben, als ich bisher annahm. Mika hingegen schien zugleich weniger besorgt zu sein und haute sich seinen Wanst mit seinem Pausenessen voll.
Wie von Emmet bereits angekündigt, erwartete uns in der nächsten Unterrichtsstunde nicht nur unser allseits beliebter Dr. Tibbet, sondern auch unsere Religionslehrerin Miss Giggles. Sie war es, die den Schulausflug überhaupt ins Rollen brachte und so konnte sich unsere Klasse nun über ein paar schöne Tage in den Bergen freuen, wo wir uns beim Skifahren und Snowboarden austoben konnten. „Es freut mich über alle Maßen euch eine frohe Botschaft verkünden zu können.“, sagte sie lächelnd und auf sich selber stolz. Mir bluteten bereits nach kurzer Zeit die Ohren, denn ihre Stimme war so piepsig wie die einer Maus. „Dr. Tibbet und ich haben uns mit dem Schulrektor zusammengesetzt und gemeinsam haben wir beschlossen, dass bei dem Schulausflug die Parallelklasse ebenfalls mit von der Partie sein darf.“ Helle Begeisterung durchflutete den Raum, denn die meisten Schüler glaubten wohl, sie könnten in der Nacht wilde Partys feiern. Ein paar Sitzplätze weiter vorne hörte ich Tamara leise jammern und fluchen, denn mit dieser Meldung würde Dixon ebenfalls mit von der Partie sein. Miss Giggles war mit ihrer Ankündigung jedoch noch nicht fertig und fügte hinzu: „Natürlich sind so viele Schüler für zwei Lehrer viel zu viel, weshalb sich Mister Cage und Frau Silly unserem Schulausflug ebenfalls anschließen werden. Oh das wird so funny!“ Mir lief ein kalter Schauer über den Rücken. Frau Silly? Da kann ich mich ja gleich unterm Schnee begraben lassen! Die Stimmung war dennoch allgemein sehr gelassen im Klassenzimmer. Die Vorfreude auf den bevorstehenden Schulausflug war groß und so lag es an Dr. Tibbet, für ein wenig Ruhe zu sorgen. „Ich bitte um Ruhe und Aufmerksamkeit! Miss Giggles möchte noch etwas verkünden!“ Noch was? Was hat Minnie Maus denn jetzt noch zu sagen? „Wie ihr ja zudem alle wisst, hat gestern die Adventszeit begonnen und dieses Jahr möchte ich mit euch etwas ganz Besonderes veranstalten: Wir werden Wichteln! Ich habe hier eine Box mit Zetteln, die all eure Namen enthält. Jeder einzelne von euch kommt bitte vor und zieht einen Zettel heraus, ohne diesen den anderen zu zeigen. Die Person, dessen Name auf dem Zettel steht, bekommt von euch zu Weihnachten ein Geschenk. Ist das nicht prima?!“ Prima, absolut geil, absolut … scheiße! Wieso musste Miss Giggles nur immer mit solch bescheuerten Spielen daher kommen. So langsam verging mir die Lust an Weihnachten. Alle Schüler traten nacheinander vor und zogen einen Zettel aus der Box. Auf Mikas Gesicht bildete sich ein Grinsen, als er seinen Zettel las, Ariana wirkte missgelaunt wie eh und je und als ich endlich an der Reihe war und meinen Zettel im Verborgenen las … fluchte ich innerlich.
Fortsetzung folgt ... am Samstag, den 26.November 2022!
Hauptrollen: Dylan Winter: Er ist homosexuell und hegt Gefühle für seinen Mitschüler Emmet. Sein Outing bei seinem Dad lief nicht sonderlich gut. Dylan ist ein talentierter Zeichner. Cosmo Winter (O:Evo-1570): Ein außerirdisches Wesen vom Planeten Neró. Er kann sich in andere Lebensformen verwandeln und tarnt sich dadurch als Dylans Cousin. Er tritt der Basketball-Schulmannschaft bei.
Nebenrollen: Mika Stone: Mitschüler von Dylan, der sich mit Cosmo anfreundet; Klassenclown; scheint etwas zu verbergen. Mister Cage: Sportlehrer und Trainer der Basketball-Schulmannschaft.
Z:Schnee-30 „Wen hast du gezogen?“, hörte ich Cosmo mich inzwischen das dritte Mal fragen. Ich hatte nicht das Bedürfnis, ihm den Namen zu verraten, der auf dem Zettel stand. „Bin ich es? Sag schon. Ich will es wissen! Wenn ich es bin, schenkst du mir dann einen von diesen abgefahrenen Vierrädern.“ „Ein Auto?“, gab ich verwirrt zurück. „Ich hab dich nicht gezogen und wenn, dann würde ich dir mit Sicherheit kein Auto schenken! Hast du überhaupt den Sinn vom Wichteln verstanden?“ „Keine Ahnung. Du hast es mir zwar erklärt, aber da schossen mir schon all die großartigen Dinge durch den Kopf, die ich gerne haben würde.“, erklärte Cosmo mir mit bittersüßer Stimme, während wir im Sportunterricht nebeneinander herliefen. Ich hatte heute so gar keine Lust auf Sport, aber zum Glück war der Unterricht gleich vorbei und wir konnten nach Hause gehen. „Glaubst du, derjenige der mich gezogen hat, wird mir ein Au-dingsbums schenken?“ „Mach dir keine allzu großen Hoffnungen, denn ich denke, dass wird das Budget desjenigen überschreiten.“, antwortete ich Cosmo schwer atmend, während dieser wieder einmal gar nicht außer Puste zu sein schien. Wenigstens drosselte er seine Geschwindigkeit, denn ansonsten würde er mich wieder dreimal oder öfters überrunden. Auf einmal spürte ich eine verschwitzte Hand auf meiner linken Schulter und kurz darauf hörte ich auch Mikas Stimme hinter uns. Mika war bereits eine Runde voraus und war gerade dabei, uns das erste Mal zu überrunden. Er griff sowohl nach meiner als auch nach Cosmos Schulter und sagte: „Na ihr zwei Hübschen, was gibt es denn da zu tuscheln? Sagt bloß, einer von euch hat beim Wichteln meinen Namen gezogen?! Sollte dem wirklich so sein, dann solltet ihr wissen, dass ich schon immer mal eine Laserlampe haben wollte.“ Mika erzählte uns seinen dringlichsten Wunsch und grinste dabei dreist. Danach rannte er zwischen uns hindurch und lief weiter seine Bahnen. Ich rollte mit den Augen. Ich konnte bei bestem Willen nicht verstehen, wie Cosmo nur mit diesem Lackaffen befreundet sein konnte. Ich war heilfroh, dass ich Mika nicht gezogen habe. Doch was wenn Cosmo ihn gezogen hat? Viel Zeit um darüber nachzudenken blieb mir Gottseidank nicht, denn nach wenigen Sekunden hörte ich Mister Cage in seine Trillerpfeife blasen und der Sportunterricht war beendet.
Cosmo und ich waren wieder einmal die letzten Schüler, die sich in der Schule herumtrieben. Ich hatte mich inzwischen ja dran gewöhnt, dass Cosmo immer der letzte beim Duschen war, aber komisch war es schon ein wenig. Doch immer wenn ich ihn diesbezüglich zur Rede stellte, hatte er eine andere plausible Ausrede parat. Heute lautete die Ausrede: „Was kann ich denn dafür, dass ich so dringend aufs Klo musste und mit einer Verstopfung zu kämpfen hatte. Wenn du mir nicht glaubst, dann schau mir doch das nächste Mal zu!“ „Iiih du bist so widerlich.“ Ich verzog mein Gesicht vor Abscheu, musste jedoch kurz darauf lachen, als auch Cosmo zu lachen anfing. Dann verließen wir die Sporthalle und traten hinaus ins Freie. Dort erwartete uns eine dicke, fette und sehr weiße Überraschung! Die ganze Umgebung war mit Schnee bedeckt. Von Wiesen war nichts mehr zu sehen und die Straßen konnte man nur noch anhand der Autos, Schilder und Laternen erkennen. Es musste schon eine ganze Zeit lang über kräftig geschneit haben und ein Ende schien noch nicht in Sicht. Vom Himmel fielen auch weiterhin weiße Schneeflocken herunter und kleideten unsere Kleinstadt in ein weißes Wunder ein. Der erste Schnee war für mich immer etwas ganz Besonderes, denn es wirkte so wunderschön und rein. Als tauchte es unsere Welt in eine Unschuld, wobei unter dem Schnee natürlich noch all das Übel dieser Welt lag. Weiße Weihnachten standen uns bevor und das freute mich ungemein. Nur einer schien sich noch viel mehr darüber zu freuen: Cosmo stand neben mir und schaute sich wie ein kleines neugieriges Kind in der ganzen Gegend um. Seine Augen leuchteten strahlend hell und er wusste gar nicht, wo er zuerst hinblicken sollte. Zu den drei Kindern in der Ferne, die sich zugleich eine Schneeballschlacht lieferten, zu den Bäumen, an denen zwar keine Blätter mehr hingen, aber auf denen dafür jede Menge weißer Schnee lag, oder zu den Laternen, von denen ein paar eisige Eiszapfen herunter hingen. Der Winter war da und Cosmo sah das erste Mal in seinem Leben Schnee und Eis! „Auf meinem Heimatplaneten gab es so etwas nie.“, erzählte Cosmo mir auf dem Nachhauseweg, indessen er sich weiterhin verträumt in der Gegend umsah. Einmal streckte er sogar seine Zunge raus und fing damit ein paar Schneeflocken auf. „Hm lecker, schmeckt gut!“ „Das ist nicht zum Essen geeignet!“, lachte ich lauthals. „Schnee besteht nur aus Wasser.“ „Na ist doch gut. Wasser ist schließlich wichtig.“, erwiderte Cosmo daraufhin breit lächelnd. „Du kannst von mir aus so viel Schnee futtern wie du magst, aber wenn er braun oder gelblich ist, dann lass bitte die Finger davon.“, erklärte ich ihm warnend. „Gelber Schnee? Was ist damit? Ist der mit Zitronengeschmack?“, fragte Cosmo mich unwissend. „Och Cosmo…“ Ich schmunzelte, denn seine Unwissenheit war zwar süß, aber auf Dauer auch anstrengend. „Gelber Schnee ist pfui … und mehr gibt es dazu nicht zu sagen.“ Wir gingen weiter, bis Cosmo vor einem Haus stehen blieb, in dessen Garten bereits ein dreikugeliger Schneemann stand. „Das ist ein Schneemann.“, erklärte ich Cosmo zugleich. „Ich nehme mal an, dass ein paar Kinder den gebaut haben. Jedoch haben sie die Nase vergessen.“ „Der Arme. Wie soll er denn ohne Nase riechen können?“ fragte Cosmo mich traurig und ich rollte lächelnd mit den Augen. „Hey du lieber Schneemann!“ Cosmo winkte dem Schneemann zu, als gerade eine alte Dame vom Haus nebenan zu ihrem Auto lief. Die alte Dame warf uns einen verwirrten Blick zu, als ob wir geistig nicht ganz beim Trost wären, da wir mit einem Schneemann redeten. Doch Cosmo redete unbeirrt weiter auf den Schneemann ein: „Das du keine Nase hast, ist echt eine Schande. Ich bin auch schon einmal ohne Nase herumgelaufen, einfach so aus Spaß, aber am Ende war das gar nicht so spaßig, weil ich nicht mehr genügend Luft bekommen habe.“ „Ja ist gut jetzt.“, sagte ich ganz schnell und versuchte Cosmo von dem Schneemann wegzuzerren. „Und was ist, wenn der arme Mann schon gar nicht mehr atmet?“, fragte Cosmo mich erschrocken, während ich ihn am Ärmel mit mir zog und er besorgt zum Schneemann zurückblickte. „Willst du, dass wir auffliegen? Die alte Dame hat uns schon ganz schief angeguckt. Außerdem ist ein Schneemann kein Lebewesen und dessen Nase besteht lediglich aus einer Karotte!“ „Häh? Jetzt komme ich nicht mehr mit. Ich dachte Karotten sind für Hoppellöffel da.“, sagte Cosmo. „Hasen! Argh, ich wusste das es ein Fehler sein würde, dir die Ohren der Hasen wie lange Löffel zu beschreiben.“, sagte ich wütend auf mich selbst. „Die Karotte dient auch als Deko zur Nase für einen Schneemann und den wiederum bauen die Menschen hin und wieder nur aus Spaß. Es ist nur eines der vielen Dinge, was sich mit Schnee machen lässt. Mit Schnee lässt sich zum Beispiel auch eine Schneeballschlacht veranstalten. Andere benutzen Schnee, um darauf mit ihren Schlitten einen Abhang hinunter zu fahren. In erster Linie ist Schnee aber kalt und bei Kontakt mit Hitze schmilzt er. Sag mal, hörst du mir überhaupt zu?!“ Cosmo schien schon vor einer ganzen Weile erneut stehen geblieben zu sein, doch als ich mich zu ihm umdrehte, flog mir ein eiskalter Schneeball ins Gesicht! „Ha! Das funktioniert ja wirklich!“, rief Cosmo mir begeistert zu, während ich mir den kalten Schnee aus dem inzwischen rotgewordenen Gesicht wischte. Ich grummelte vor mich hin und hatte nur noch einen einzigen Gedanken: Rache! Kurz darauf flogen Schneebälle kreuz und quer umher. Cosmo und ich warfen einen Ball nach dem anderen gegenseitig auf uns zu. Klar, dass Cosmo der bessere Werfer war, aber ganz so schlecht war ich auch nicht. Auf jeden Fall hatten wir irre viel Spaß!
Fortsetzung folgt ... am Dienstag, den 29.November 2022!
Es ist mal wieder soweit: Zeit für eine Rückblende! Ich benutze dieses Stilmittel sehr gerne, um mal ganz andere Seiten von Charakteren zu zeigen, bevor sie wie in diesem Fall ein Schicksalsschlag ereilte. Außerdem gibt es mir die Möglichkeit, verstorbene Charaktere auftreten zu lassen - in diesem fall Dylan´s Mutter. In den nächsten Kapiteln werde ich immer wieder auf sie zurückkommen, gerade im Hinblick auf Vater und Sohn, aber keine Sorge, Cosmo mischt natürlich weiterhin eifrig mit.
H:Mutter-31 Es war Freitagnacht und mit jeder Sekunde kam der uns bevorstehende Samstag näher. Um mich herum war es still. Lediglich mein leiser Atem und das Ticken der Uhr war zu hören. Obwohl ich müde war, wollte es mir einfach nicht gelingen einzuschlafen. Ich stand schließlich von meinem Bett auf und schlenderte barfuß zum Fenster. Ich schob den rechten Vorhang zur Seite und blickte in die eiskalte Winternacht hinaus. Bereits die ganze Woche fiel Schnee vom Himmel und auch heute Nacht flogen kleine Schneeflocken durch die Gegend. Unser Garten war mit Schnee bedeckt und in einer Ecke stand ein Schneemann, den Cosmo heute Nachmittag mit meiner Hilfe baute. Dieser Schneemann trug aber eine Karottennase, was ihn wohl glücklich stimmte, denn mit schwarzen Steinen zeichnete sich ein Lächeln bei ihm ab. Mir hingegen war nicht nach Lächeln zumute. Hinter mir tickte die Uhr unentwegt weiter. Nur noch drei Minuten bis Mitternacht. Ich verließ mein Zimmer leise, damit Cosmo mich auch ja nicht hörte. Cosmo besaß ein sehr gutes Gehör und hatte mich schon einmal ertappt, wie ich mich auf Zehenspitzen aus meinem Zimmer schlich, nur um mir einen kleinen Nachtimbiss zuzunehmen. Die Chance für ihn, sich ebenfalls noch einmal den Wanst voll zu schlagen. Heute Nacht weckte ich ihn jedoch nicht auf und ich schloss leise die Tür hinter mir, nachdem ich das Schlafzimmer meines Dad betreten hatte. Das Bett war leer und unbenutzt. Demnach war mein Dad noch nicht von der Arbeit wieder gekehrt. Ob er heute Nacht absichtlich Überstunden schob, weil er wusste, dass er womöglich auch nicht schlafen konnte? Ich ging um das Bett herum und ließ mich schließlich auf der Matratze nieder. Meine Augen waren auf ein Bild gerichtet, dass auf dem Nachtkästchen meines Dad´s stand. Ich nahm das Bild vorsichtig in die Hand und begutachtete es mit einem traurigen Blick. Das Bild zeigte meine Mutter mit einem sanften Lächeln, während sie in die Kamera zu winken schien. Ein trauriges Lächeln breitete sich in meinem Gesicht aus und als die Uhr endlich Mitternacht schlug, flüsterte ich: „Alles Gute zu deinem Geburtstag, Mum!“
Vor genau einem Jahr am frühen Morgen: „Happy Birthday to you, Happy Birthday to you, Happy Birthday dear Darling / dear Mum, Happy Birthday to you!“ Mein Dad und ich sangen meiner Mum ein Geburtstagsständchen, als wir am frühen Morgen ins Schlafzimmer geschlichen kamen und ihr eine kleine Überraschung bereiteten. Mein Dad trug ein Tablett in seinen Händen, auf dem ein vorzügliches Frühstück vorbereitet war, während ich einen Strauß Blumen in meinen Händen hielt, den ich gestern für sie besorgt hatte. „Oh ihr seid ja lieb. Vielen Dank!“ Meine Mum war überglücklich, als sie den Strauß Blumen entgegen nahm und mich zum Dank ganz fest an sich drückte. Auch über das Frühstück im Bett freute sie sich sehr und gab meinem Dad zum Dank dafür einen leidenschaftlichen Kuss auf die Lippen. „Aaaah, könnt ihr nicht warten, bis ich wieder draußen bin?!“, schrie ich peinlich berührt. „Du kleiner Frechdachs!“, rief meine Mutter und bewarf mich mit einem Kissen. „Warte nur bis du irgendwann einmal verheiratet bist. Dann wirst du jemanden küssen, während du Zuschauer hast.“ „Jaja, bis ich heirate, werden noch viele Jahre ins Land vergehen.“, sagte ich unbekümmert, nachdem das Kissen in meinem Gesicht landete und ich es anschließend mit meinen Händen auffing. „Solange ich es noch miterlebe, ist es mir egal wann du heiratest.“, sagte meine Mum daraufhin. „Jetzt mach aber mal halblang Natalie.“, mischte sich mein Dad nun mit ein. „Unser Sohn ist gerade mal vierzehn Jahre alt. Da redet man doch noch nicht übers Heiraten bei ihm.“ „Wieso denn nicht? Sowas kann manchmal früher kommen als man denkt.“, meinte meine Mum dann und fügte hinzu: „Wenn Dylan die große Liebe gefunden hat und er sich sicher ist, wieso dann warten?“ Ich schaute meine Mum überrascht an und auch mein Dad hörte aufmerksam zu. „In der heutigen Zeit kommt es einem so vor, als würden die Uhren viel schneller ticken. Ständig kann irgendwas passieren und hinterher bereut man vielleicht, wieso man bestimmte Dinge nicht schon viel eher in die Tat umgesetzt hat. Doch dann ist es vielleicht zu spät und die Zeit zurückdrehen ist leider nicht. Natürlich will ich unseren Sohn nun auch nicht zu unüberlegten Handlungen anstacheln. Zumal er ohnehin schon sehr impulsiv handelt, aber das hat er von dir Schatz!“ „Von mir?!“ Mein Dad schien über diese Tatsache sehr überrascht zu sein. „Natürlich von dir.“, erwiderte meine Mum daraufhin. „Er hat viele deiner Charaktereigenschaften, aber den Glauben an das Gute und das gute Aussehen hat er von mir.“ „Da pflichtete ich dir bei Mum!“, rief ich hocherfreut durchs Zimmer und grinste dabei keck. „Sei still, du hast hier jetzt mal Sendepause.“, zischte mein Dad. „Musst du dich nicht ohnehin für die Schule fertig machen?“ „Ist ja schon gut, ich geh ja schon…“ Langsam schlurfte ich aus dem Zimmer, doch bevor ich die Tür schloss, sagte ich noch schnell: „Es ist immer wieder eine Freude zu sehen, dass du Dad, als Sheriff unterm Pantoffel von Mum steckst. Soviel zum Thema Herr im Haus!“ Mein Dad warf mir ein Kissen hinterher, doch prallte es an der Tür ab, die ich zugleich hinter mir zuzog.
Als ich meine Augen öffnete, musste ich mich zunächst einmal an die Helligkeit gewöhnen, die mir nun entgegen kam. Ich befand mich noch immer im Schlafzimmer meines Vaters. Die Vorhänge waren nicht zugezogen und so sah ich weiß über weiß. Allmählich könnte es wieder aufhören zu schneien. Ich drehte mich zur Seite. Keine Spur von meinem Dad. War er etwa die ganze Nacht über nicht nach Hause gekommen? Vielleicht hat er auch unten auf der Couch geschlafen, wie er es nach dem Tod von meiner Mum des Öfteren tat. Ich drehte mich erneut um und blickte zu dem Bild, auf dem meine Mum zu sehen war. Ich vermisste sie, manchmal sogar sehr, manchmal aber auch weniger und das rief zugleich Schuldgefühle in mir hervor. Das hing immer damit zusammen, mit was ich so beschäftigt war. Cosmo raubte mir die letzten Wochen viele Nerven, weshalb ich weniger an sie denken musste – doch ich würde sie niemals vergessen! Als ich schlief, träumte ich von ihrem letzten Geburtstag: „Solange ich es noch miterlebe, ist es mir egal wann du heiratest.“ Das sagte sie damals zu mir. Hätte ich doch nur gewusst … dann hätte ich … ich hätte natürlich nicht auf die Schnelle geheiratet, aber keine Ahnung … dann hätte ich noch mehr schöne Stunden mit ihr verbracht. „Ständig kann irgendwas passieren und hinterher bereut man vielleicht, wieso man bestimmte Dinge nicht schon viel eher in die Tat umgesetzt hat.“ Wie Recht sie damals doch hatte. Nun ist es zu spät. Sie ist fort … und sie kehrt nie mehr wieder zu uns zurück!
Fortsetzung folgt ... am Donnerstag, den 1.Dezember 2022!