Flo – Teil 18 Flo unternahm mit ihrem Freund Sebastian einen Spaziergang durch den Park. Es war schönstes Oktoberwetter. Ein goldener Herbst sozusagen. „Ist das nicht herrlich?“, fragte Sebastian seine Freundin. „Meinetwegen könnte es das ganze Jahr über Herbst sein. Nicht zu heiß, nicht zu kalt und all die vielen bunten Farben in der Natur. Ein Traum! Nur eine Sache stört mich irgendwie ein wenig: Warum in Herrgottsnamen bist du eingepackt, wie im tiefsten Winter?“ „Mich friert es eben leicht.“, meinte Flo, was aber gelogen war. Sie versuchte lediglich die Narben an ihrem Arm zu verdecken. Sebastian würde es nicht gutheißen, was Flo tat. Sie war ja selbst darüber besorgt gewesen, was sie getan hatte, aber es war irgendwie wie ein Zwang. Flo hörte ein Rascheln hinter sich und drehte sich schlagartig um. Zwei Jungs tollten im Herbstlaub umher. Flo atmete erleichtert aus. „Was ist denn los? Das ist jetzt schon das dritte Mal heute, dass du dich schreckartig umdrehst. Glaubst du, dich verfolgt irgendjemand?“ Flo täuschte ein Lächeln vor. „Sei nicht albern. Ich bin eben nur ein wenig schreckhaft. Schließlich ist auch bald Halloween. Dieses Fest mochte ich noch nie!“ „Dich friert`s leicht und du bist schreckhaft. Ist notiert.“, sagte Sebastian, wenngleich auch skeptisch. Die beiden Freunde setzten ihren Spaziergang unbeschwert fort, ungeahnt dessen, dass Flo sich nicht getäuscht hatte und sie tatsächlich verfolgt wurden. Hinter einem Baum lauerte eine Person. Genauer gesagt ein Mann. Es war Alexander!
Ricardo – Teil 21 „Danke, dass du mich hierher begleitest hast.“, sagte Ricardo zu Martin, während sie im Wartezimmer des Gesundheitsamtes saßen und Martin in einer Zeitschrift blätterte. „Wenn du aber was Dringenderes vorhast, dann kannst du mich gerne alleine lassen.“ Martin warf die Zeitschrift zurück auf den Stapel und blickte Ricardo mit runzelnder Stirn an. „Mach jetzt nicht auf taff Kleiner. Du bist allein. Du hast nur mich, denn außer mir weiß schließlich keiner was du getan hast… oder in diesem Fall nicht getan hast.“ Ricardo blickte beschämt zu Boden. „Du willst, dass ich gehe? Dann gehe ich, aber dann hätte ich ein schlechtes Gewissen, weil ich genau weiß, wie du dich gerade fühlst und dieses Gefühl wird nicht vorübergehen, bis du das Testergebnis in deinen Händen hältst. Glaub mir, ich war schon einmal in derselben Lage wie du.“ „Und was kam bei dir raus?“, fragte Ricardo nun neugierig.“ Martin antwortete zunächst nicht und blickte Ricardo aufmunternd an. Doch dann: „Nicht dein Alter war damals der Grund, warum ich nicht mit dir Sex haben wollte. Genügt dir das als Antwort?“ Ricardo war von dieser Erkenntnis sichtlich betroffen. Martin hatte also HIV?! „Und? Wirst du noch einmal einen Porno drehen? Wirst du der neue Star am Pornohimmel?“ Ricardo schüttelte den Kopf. „Ich denke nicht. Das ist doch nicht so mein Ding.“ Martin wirkte erleichtert. „Da bin ich ehrlich gesagt froh darüber. Du bist ein lieber Kerl und noch sehr jung…, mach dein Leben nicht mit so etwas kaputt.“ „Ricardo Vasquez!“, rief eine Assistentin ihn auf. Ricardo atmete ein und wieder aus. „Vielleicht hab ich das schon…“
Leonas – Teil 20 Leonas war so überrascht von der Aussage von Frau Schumann, dass er zunächst kein Wort aus sich herausbrachte. Vermutlich ein Fehler, da Kais Mutter dies als Bestätigung ihrer Aussage ansah. Doch das was folgte, schockiert Leonas nur noch mehr: „Jetzt hör mir gut zu, denn ich werde dir das nur einmal sagen.“ Frau Schumann kam Leonas bedrohlich nah und sah ihn mit einem Blick an, der so hasserfüllt war, dass Leonas richtig Angst bekam. „Mein Sohn… will mir dir und deinesgleichen nichts mehr zu tun haben. Was auch immer du ihn eingeredet haben magst, wir werden dafür Sorge tragen, dass er nicht so wird. Notfalls wird sein Vater es schon aus ihm herausprügeln.“ Leonas klappte der Mund auf, doch noch ehe er ein Wort sagen konnte, schlug Frau Schumann ihm die Tür wieder vor der Nase zu. Leonas stand starr vor dem Haus. Was sollte er tun? Er konnte doch jetzt nicht einfach nach Hause gehen und Kai seinem Schicksal überlassen. Leonas blickte sich hilfesuchend um, als er ein Abflussrohr an der Hauswand entdeckte, welches an Kais Zimmerfenster vorbei lief. Leonas sah sich um, ob ihn keiner sah und als er seinen Schulranzen auf dem Beet der Schumanns abgelegt hatte, machte er sich an den Aufstieg. Leicht fiel es ihm nicht, aber für Kai brachte er eine noch nie dagewesene Kraft auf, die ihn bis nach oben brachte. Leonas klopfte vorsichtig an Kais Fenster, denn die Gefahr, dass er von seiner Mutter entdeckt wurde, bestand noch immer. Zunächst tat sich nichts und Leonas klopfte ein weiteres Mal. Dann jedoch mit Erfolg, denn Kai zog den Vorhang zur Seite. „Le-Leonas!“, rief er mehr als überrascht. „Lass mich rein.“, sagte Leonas bettelnd. „Geht nicht. Mein Dad hat die Fenster verriegelt.“, erklärte Kai ihm. „Und bevor du fragst: Mit einem sehr starken Kleber. Sie haben mir auch meinen Computer und mein Handy weggenommen und mich hier eingesperrt. Ich… ich hab mich heute Morgen bei ihnen geoutet.“ Leonas sah Kai mitfühlend an und als er Kummer und Leid in seinen Augen sah, brach es ihm das Herz ihn so zu sehen. „Hey.“, sagte Kai plötzlich. „Bist du etwa aus eigener Kraft hier hochgeklettert?“ Leonas lächelte. „Ich mag ´ne Niete in Sport sein, aber für dich würde ich alles tun.“ Kai ließ sich zu einem Lächeln durchringen, was jedoch nur von kurzer Dauer war. „Meine Eltern meinten ich sei krank! Kannst du dir das vorstellen? Meine eigenen Eltern!“ „Ich werde dich hier rausholen. Ich weiß noch nicht wie, aber ich hol dich hier raus, versprochen!“ Leonas legte seine rechte Hand an Kais Fenster, während er sich mit seiner linken Hand am Rohr festklammerte. Kai legte seine Hand ebenfalls an die Fensterscheibe. Zwischen den Beiden lag eine Barriere, aber Leonas nahm sich fest vor, auch diese Hürde zu meistern.
Nils – Teil 22 Nils lag in seinem Bett und konnte an nur eines denken: Valentin. Sein Unfall und seine Verletzungen interessierten ihn gar nicht. Er wollte einzig und allein wissen, wie es Valentin ging. Ob er schon von seinem Unfall gehört hatte? Vielleicht war er schon auf dem Weg zu ihm. „Wo ist mein Handy?“ „Hm? Ach so, nun das ist bei deinem Unfall kaputt gegangen.“, antwortete Ralf ihm. „Oh Mann, ich halt´s nicht mehr aus. Meine Blase. Ich benutz mal kurz deine Toilette hier.“ Ralf verzog sich auf die Toilette und ließ Nils für einen Moment alleine im Zimmer. Dies sollte sich als Fehler erweisen, denn sein kleiner Bruder stürzte sich in die Erinnerungen mit Valentin: „Du bist süß, wenn du peinlich berührt bist, aber jetzt sollten wir uns trennen.“, sagte Valentin bei einem ihrer ersten Dates zu Nils und drückte ihm einen zarten Kuss auf die Wange. „Trennen? Schade…, aber sehen wir uns denn mal wieder?“, fragte Nils leicht enttäuscht, obwohl der kleine Kuss auf seine Wange seine Glückshormone enorm in Wallung brachten. „Ich denke schon…, wenn du es willst.“, antwortete Valentin ihm lächelnd. „Ich will.“ Nils blickte auf sich herab. Er war eigentlich bewegungsunfähig und zudem an allerlei Schläuchen angeschlossen, doch wurde ihm das alles zunehmend egal. Er wollte Valentin wiedersehen. Er musste Valentin wiedersehen. „Dein Freund ist ein richtiger Kavalier… und so gutaussehend.“, sagte Nils Mutter heute Abend beim Dinner zu ihm. „Den musst du behalten!“ „Das werde ich Mum. Valentin und ich bleiben für immer zusammen!“, entgegnete Nils stolz. Nils bewegte seine Muskeln. Tausende Schmerzen ereilten ihn, doch dies war ihm schlichtweg egal. Nils löste sich von den Schläuchen und versuchte aufzustehen. Dies ging jedoch gründlich schief und Nils stürzte zu Boden. „Hey Nils, was ist da draußen bei dir los?!“, hörte er Ralf laut rufen. „Weißt du was ich glaube? Deinen Valentin gibt es gar nicht. Du hältst uns hier alle nur zum Narren.“, sagte Ralf beim Dinner, als Valentin zunächst nicht erschienen war. „Valentin existiert!“, schrie Nils. „Es ist mir egal, was du oder alle anderen glauben. Valentin ist mein Freund und wir werden auf ewig zusammen bleiben!“ Nils` Träume vermischten sich mit der Realität. Er konnte nicht mehr auseinanderhalten was Fiktion und was der Wirklichkeit entsprach. Nils Wille, Valentin wiederzusehen, gab ihm eine noch nie dagewesene Kraft. Nils versuchte vom Boden aufzustehen. In seinen Gedanken rief er immer wieder „Valentin, ich komme zu dir!“, bis er es irgendwann auch laut aussprach. Das Herz pochte, jeder Muskel schmerzte und Nils drohte die Besinnung zu verlieren, doch er versuchte es weiter und gelangte sogar zur Tür. Da tauchte Ralf wieder im Zimmer auf und hielt ihn zurück, auf den Flur zu kriechen. „Verdammt Nils, was tust du denn? Bist du verrückt geworden?!“ Und in diesem einen Moment erlitt Nils einen Nervenzusammenbruch. „Lass mich los! Ich muss zu Valentin! Er wartet doch auf mich! Du sollst mich loslassen!“, schrie er und Tränen rannen ihm ins Gesicht. Nils schlug mit seinen Armen umher, was ihm nur noch mehr Schmerzen einbrachte. Nils Geschrei sorgte dafür, dass zwei Krankenschwestern, der Arzt und seine Mutter angerannt kamen. Seine Mutter war fassungslos und hielt sich die Hände vor den Mund, während das Krankenhauspersonal seine Arbeit vollrichtete. Doch Nils schrie immerzu: „Lasst mich los! Ihr versteht das nicht. Valentin braucht mich – ich brauche ihn!“ „Bitte versprich mir, dass du mich nie – nie wieder verlässt! Bitte bleib für immer bei mir!“ „Ich verspreche es.“, sagte Valentin, was Nils selig stimmte. Nils hatte keine Chance. All seine Kraft war vergebens. Sein einst so wunderschöner Traum, hatte sich zu einem Albtraum entwickelt.
Fortsetzung folgt ... am Dienstag, den 25.April 2023!
Moritz – Teil 23 Moritz saß allein in seinem Zimmer… und langweilte sich. Seitdem Jacob ihn nicht mehr besuchte, war jeder Tag wie der andere: Lang und unfassbar öde! Dabei bot das Waisenhaus eigentlich so viele tolle Möglichkeiten, um ein wenig Spaß zu haben. Nur hatte er irgendwie keine Lust drauf… Die anderen Kinder… waren okay, ja sie waren okay. Moritz hatte sich tatsächlich bemüht, den anderen Jungs etwas näher zu kommen, aber keiner von ihnen war wie Jacob und außerdem hatte es den Anschein, als wollten die anderen Jungs gar nichts mit ihm zu tun haben wollen. Sobald Moritz ihnen den Rücken zuwandte, tuschelten sie untereinander über ihn. Glaubten sie etwa, das bekäme er nicht mit? Er bekam jedes einzelne Wort mit! „Ich weiß nicht wie ihr das seht Jungs, aber dieser Moritz ist irgendwie eigenartig.“, sagte ein dunkelhaariger Junge, der einen Kopf kleiner als Moritz war. „Ich glaube, der will gar nicht gemocht werden. Der gehört zu der Sorte Einzelgänger.“ Moritz konnte es nur schwer begreifen, aber allem Anschein nach, hatte er hier nur einen einzigen wirklichen Freund und der war klein, ein Rumtreiber und sehr haarig. „Na Max, hast du wenigstens schon einen Freund hier gefunden? Vielleicht eine Maus namens Jerry?“, fragte Moritz seinen Kater, als dieser durchs Fenster sprang und ihn mit einem freudigen Miau begrüßte. „Ja, das dachte ich mir. Da geht es dir nicht anders wie mir. Oh man… mein einziger Gesprächspartner ist ein Kater.“ Moritz stand auf und verließ sein Zimmer, um den anderen Kindern im Aufenthaltsraum ein wenig Gesellschaft zu leisten. Er hatte gehofft, Lara hier anzutreffen, doch konnte er sie nicht erspähen. Dafür aber die Jungs, die ständig über ihn tratschten. „Hey, seht mal wer da ist.“, sagte der kleine, dunkelhaarige Junge, der gerade mit drei anderen Jungs Billard und Darts spielte. „Scheint so, als hätte er endlich herausgefunden, wie er seine Zimmertür öffnen kann.“ Die anderen Jungs lachten über diese dumme Bemerkung. Moritz ignorierte die Vier und setzte sich auf das Sofa. Er zog ein paar Zeitschriften zu sich heran und blätterte sie durch. Doch die Langeweile war einfach nicht zu vertreiben. Bis Herr Hendricks im Aufenthaltsraum erschien und nach ihm suchte. „Ah, wie ich sehe, hast du dich hier inzwischen ein wenig besser eingelebt.“, meinte er, was aber eigentlich so gar nicht stimmte. „Moritz, das ist jetzt vielleicht der falsche Zeitpunkt, aber ich muss dich dennoch bitten, mich in mein Büro zu begleiten.“ „Was gibt es denn?“, fragte Moritz irritiert. „Hat Max wieder etwas angestellt?“ „Max?“ Nun war es Herr Hendricks, der irritiert guckte. „Oh Max, dein Kater, nein, der benimmt sie genauso vorbildlich wie sein Herrchen. Nein, es geht um etwas ganz anderes. Frau Hoffman ist hier, die kann dir alles viel besser erklären als ich.“
Flo – Teil 19 Flo saß unruhig im Wohnzimmer und spielte an ihren Fingern herum. Eine innere Unruhe hatte sie heimgesucht, denn Flo glaubte, dass Alexander sie heimlich beschattete. War er etwa einer dieser irren Stalker? Flo packte mit ihrer rechten Hand ihr linkes Handgelenk, wo sie sich zuletzt Wunden zugefügt hatte. Die Unruhe in ihr, sorgte dafür, dass sie sich zunächst leicht und dann immer mehr zu kratzen begann. Irgendwann hielt es Flo nicht mehr länger aus und sie ging ans Fenster, um einen Blick auf die Straße zu erhaschen. Von Alexander war nichts zu sehen, doch konnte er sich genauso gut verstecken und nur darauf warten, ihr in einem unachtsamen Moment aufzulauern. Sein Motiv war ihr aber nicht ganz klar. Er hatte schließlich sie abserviert und nicht umgekehrt. Flo ließ ihr Handgelenk los und griff sich mit beiden Händen an die Brust, um durchzuatmen, aber vergebens. Flo rannte ins Badezimmer, schloss hinter sich die Tür ab und kramte in ihren Kosmetik-Utensilien nach etwas Bestimmten. Je länger ihre Suche anhielt, desto unruhiger und panischer wurde sie und als ihre Suche zunächst erfolglos verlief, schüttete sie den ganzen Inhalt ihres Beutelchens ins Waschbecken. Schließlich fand sie doch noch das, wonach sie gesucht hatte: Eine Nagelfeile. Flo setzte sich mit dem Rücken zur Badewanne und ließ die Nagelfeile über ihr Handgelenk wandern. Angst. Panik. Verzweiflung. Flo sah nur einen Ausweg, auch wenn er falsch war. Sich selbst Schmerzen zuzufügen, lähmte sie und verbannte ihre Angst für eine gewisse Zeit hinter eine Barriere. Doch was würde passieren, wenn diese Barriere für immer verschwand?
Felix – Teil 23 In wenigen Tagen war die Hochzeit. Familie Brecheisen und die Eltern von Amadeus überließen nichts dem Zufall und planten jedes einzelne Detail. Am 3.November sollte die Hochzeit steigen. Die Trauung und die anschließende Hochzeitsfeier sollten auf dem Grundstück der Brecheisens erfolgen. Frau Brecheisen schien die Hochzeit bereits von langer Hand geplant zu haben, denn als sie an einer Rose in ihrem Rosengarten schnupperte, sagte sie: „Ich wusste bereits damals, dass es sich lohnen würde, die alle hier anzupflanzen. Das wird eine Traumhochzeit!“ Felix war sich sicher, dass ihr Traum schon bald ein jähes Ende fand, wenn Amadeus „nein“ sagen würde, aber das behielt er natürlich für sich. Stattdessen spielte er vorerst mit und gab sich als den perfekten Bräutigam aus. „Ich hab mein Ehegelübde fertiggeschrieben. Darf ich es euch vorlesen?“ „Aber natürlich. Nur keine falsche Bescheidenheit.“, sagte Frau Brecheisen, während sie gemeinsam im Wohnzimmer saßen. Auch Lucas war zugeben, der sich gelangweilt die Fingernägel schnitt. Felix stellte sich vor den Beiden auf und las laut vor, was er sich auf einem Zettel notiert hatte: „Lieber Amadeus. Völlig unerwartet bist du in mein Leben getreten und völlig unerwartet hast du Besitz von meinem Herz ergriffen. Es schlägt so laut, wenn du in meiner Nähe bist, es schlägt für immer, solange ich an dich denke und es wird nie aufhören zu schlagen, auch wenn einer von uns nicht mehr da ist. Meine Vergangenheit ist von Trauer und Schmerz erfüllt, doch dank dir, ist meine Zukunft mit Hoffnung und viel Liebe erfüllt. Du bist mein leuchtender Stern am Nachthimmel, der mir den Weg weist, damit ich nicht verloren geh. Ich werde bei dir sein – für immer und ewig!“ Felix hörte auf zu lesen. Ganz unerwartet stand Frau Brecheisen auf und klatschte gerührt in ihre Hände. „Fabelhaft! Wunderschön! Das ist einfach hinreißend!“ Felix lächelte kurz beschämt und blickte zu Lucas, der zwar überrascht wirkte, aber auch aussah, als müsste er sich übergeben. Felix lächelte dennoch in sich hinein, obwohl ihm gar nicht nach Lächeln zumute war. Als er das Ehegelübde schrieb, musste er nämlich nicht an Amadeus, sondern an Jacob denken. Er vermisste ihn so sehr, wie keinen anderen und hoffte, dass er noch immer auf ihn wartete.
Ricardo – Teil 22 Ricardo stand vor dem Gebäudekomplex, was nach außen hin eigentlich nichts hergab. Doch innen drin ging es turbulent zu. Die meisten Menschen wussten vermutlich gar nicht, dass in dem Gebäude Pornos gedreht wurden. Die Nachbarschaft würde dies vermutlich nicht gutheißen, auch wenn sie sich hier im Industriegebiet befanden. „Freut mich, dass du hier bist. Ich hab schon geglaubt, wir hätten dich beim ersten Mal vertrieben.“, begrüßte Dennis Garson ihn und begleitete ihn daraufhin in dessen Büro. „Der Regisseur meinte, du wärst sehr aufgeregt gewesen, aber das ist normal. Jedem Neuling ergeht es so.“ „Ich hoffe, dass Video taugt wenigstens zu was.“, meinte Ricardo etwas beschämt. „Ach du hast es noch gar nicht gesehen? Es ist bereits auf der Plattform anzusehen. Du musst dich nur einloggen. Warte, ich zeig es dir…“ Mr. Garson tippte in seinen Laptop, doch Ricardo winkte ab. „Nicht nötig. Ich kann es mir Zuhause genauso gut ansehen. Als Darsteller hab ich ja freien Zugang darauf.“, meinte Ricardo, der zwar daran interessiert war, sein erstes Werk zu bestaunen, aber nicht in der Gegenwart von Mr. Garson oder sonst irgendjemanden. „Barry hat von dir geschwärmt.“, sagte Mr. Garson plötzlich, was Ricardo überraschte. „Er meinte für einen Jungspund wie dich, hast du dich sehr vorbildlich und gut geschlagen und er muss es wissen. Er hat im selben Alter wie du mit dem Drehen von Pornos angefangen. Jetzt ist er mitte zwanzig und ein echter Pornostar. Wer weiß, vielleicht wirst du ja sein Nachfolger?!“ „Ja also was das anbelangt…“ Ricardo versuchte die richtigen Worte zu finden, denn ein wenig unangenehm war ihm das schon. „Ich glaube das war mein erster und zugleich auch letzter Dreh zu einem Porno. Verstehen Sie mich nicht falsch, es war toll und so, aber nicht so meins, glaube ich.“ Dennis Garson atmete frustriert aus. „Schade, aber da kann man nichts machen. Du hast Talent Junge und hättest eine rosige Zukunft vor dir gehabt, aber ich will dich schließlich zu nichts zwingen.“ „Also ist unser Vertrag passé?“, harkte Ricardo vorsichtig nach. „Aber sicher doch. Natürlich!“, antwortete Mr. Garson euphorisch. „Schade nur, dass ich nun den geplanten Dreh mit Sanchez Gutierrez absagen muss. Er hatte sich schon so auf dich gefreut. Er meinte, er kenne dich bereits und du wärst ein klasse Typ.“ „Sanchez?“, wiederholte Ricardo nun verblüfft. „Sanchez aus Spanien?“ Mr. Garson nickte und Ricardo biss sich auf die Unterlippe. „Nun…, ich glaube ich habe meine Meinung geändert. Wenn es nicht zu spät ist, dann würde ich beim nächsten Videodreh doch gerne dabei sein wollen…!“
Fortsetzung folgt ... am Donnerstag, den 27.April 2023!
Heute gibt es vorerst das letzte neue Kapitel, denn am Samstag geht es mit Part IV von "O:Evo-1570" weiter! Ich kann euch jetzt schon sagen, dass wir uns bei "Queer durchs Leben" auf der Zielgeraden befinden. Nach Kapitel 56 kommen nur noch zwölf weitere Kapitel! Da die einzelnen Geschichten heute allgemein etwas länger ausfallen, gibt es heute nur 3 Geschichten im Kapitel. Ich wünsch euch aber viel Spaß beim Lesen und wir sehen uns im Juli hier wieder zum großen Finale!
Damian – Teil 24 Damian saß in der Universitäts-Bibliothek, um sich ein paar Notizen über ein Thema zu machen. Als er jedoch damit fertig war, stand er nicht sofort auf. Er blätterte noch ein wenig in ein paar anderen Büchern rum, nur aus dem Grund, um nicht so schnell nach Hause zu müssen. Er hatte Angst, dort seinem Freund Timo über den Weg zu laufen. Er war ihm noch immer eine Antwort schuldig. Liebte er ihn noch immer so wie früher, oder hatten sich seine Gefühle ihm gegenüber inzwischen verändert? Und wie stark waren seine Gefühle für Marcus wirklich? Damian versuchte wirklich auf sein Herz zu hören, aber gerade hatte er das Gefühl, dass dieses ihn einfach nur quälen möchte. „Ist das Buch interessant? Wohl eher nicht, denn du starrst seit fünf Minuten dieselbe Seite an.“, sagte plötzlich eine Stimme hinter Damian. Damian neigte seinen Kopf zur Seite und blickte in das Gesicht eines Jungen, von dem er glaubte, ihn schon einmal gesehen zu haben. „Entschuldigung, kennen wir uns?“ Der Junge verzog das Gesicht. „Ja, aber das du dich nicht an mich erinnerst, zeigt mir nur, dass du damals wirklich kein Interesse an mir hattest. Sebastian. Sebastian Schmitz. Wir haben uns in einer Bar kennengelernt. Zuerst hatte es den Anschein, als würdest du mit mir flirten, aber dann schienst du mit deinen Gedanken ganz woanders gewesen zu sein und ich bin leicht wütend abgedampft.“ „Oh… ich erinnere mich.“, sagte Damian. „Tut mir Leid. An dem Abend war ich mit meinen Gedanken woanders.“ „Liebeskummer?“, fragte Sebastian frei heraus. „Was? Wie kommst du drauf?“, fragte Damian irritiert. „Ist das nicht meistens so? Was ist es diesmal? Hat der Typ dich betrogen oder du ihn? Ich würde ja eher auf letzteres tippen, wenn ich bedenke, was zwischen uns war. Oder weißt du nicht, ob du in ihn verliebt bist oder nicht? Hat er einen anderen? Ist eine dritte Person im Spiel?“ Sebastian stellte unzählige Fragen. Damian war leicht genervt, wenngleich Sebastian auch Recht behielt. „Ich habe einen Freund und weiß nicht, ob ich ihn noch genauso liebe wie früher.“, erzählte Damian ihm schließlich. „Er wollte eine offene Beziehung. Nur deshalb war ich damals in der Bar, aber ich war nicht glücklich damit. Inzwischen hat mein Freund zwar seinen Fehler eingesehen, aber leider hab ich mich inzwischen auch in einen anderen verknallt – seinen Bruder!“ „Oha…, das stellte jede Liebesschnulze in den Schatten.“, gab Sebastian zu Gemüte, während er sich neben Damian auf den freien Stuhl setzte. „Und nun weißt du nicht, für wen du dich entscheiden sollst?“ Damian nickte lediglich. „Nun wenn dir dein Herz nicht sagen kann, wie du dich entscheiden sollst, dann gibt es nur eine Lösung: Du erstellst eine Pro-und Kontra-Liste!“
Flo – Teil 20 „Seit einiger Zeit hab ich ständig das Gefühl, dass mich jemand heimlich verfolgt. Ich erwische mich immer öfters dabei, wie ich mich umdrehe, weil ich glaube, Schritte gehört zu haben. Meine Angst wächst ins Unermessliche. Ich glaube es ist Alexander, der mich heimlich beschattet, aber sobald ich einmal geblinzelt habe, ist er nicht mehr da. Er ist wie ein Geist, der umherwandert und mich einfach nicht in Ruhe lassen will. Ich kann deswegen nicht zur Polizei gehen. Die würden mich für verrückt halten und könnten ohnehin nichts unternehmen, solange nichts Ernsthaftes vorgefallen ist. Ich weiß wirklich nicht mehr, was ich tun soll. Ich hab Angst, wenn ich in der Früh aus dem Haus gehe und ich hab Angst, wenn ich abends nach Hause komme und ins Bett gehe. Die Tage sind für mich nur noch düster und grau. In der Arbeit läuft es auch nicht so gut. Die Leute um mich herum, sehen mich an, als wäre ich keine von ihnen, aber ich bin immer noch ein Mensch! Nur weil ich mich operieren lassen habe, um das zu werden, wie ich mich fühle, bin ich doch nicht weniger wert als sie. Aber sie geben mir eben das Gefühl nichts wert zu sein. Mein Selbstwertgefühl hat darunter zu leiden und ich verlier mehr und mehr die Kontrolle über mich und meinen Körper. Die Angst hat aus mir einen Menschen gemacht, der ich eigentlich gar nicht sein möchte. Dabei weiß ich gar nicht mehr richtig, wer ich eigentlich wirklich bin. Bin ich immer noch Florentine Neumann? Vielleicht war ich das auch nie und ich bin noch immer Florian Neumann, der nun im falschen Körper steckt, von dem er glaubte, es wäre das Richtige. Was ist richtig und was ist falsch? Ich weiß mir einfach nicht mehr weiterzuhelfen und deshalb hab ich mich Hilfesuchend an dich gewendet. Bitte hilf mir!“ Flo blickte die ihr gegenübersitzende Person verzweifelt an. Vor dieser Unterhaltung hatte sie Angst, aber das war nichts zu der Angst, die sie sonst derzeit verspürte, wenn sie allein unterwegs war. „Ich bin froh, dass du zu mir gekommen bist.“ Die Person reichte Flo ihre Hände, damit sie erkennen konnte, dass sie nicht allein war und sich wirklich jemand um sie sorgte. „Wir kriegen das wieder in den Griff Flo. Du leidest offensichtlich an einer schweren Depression und hast mit einer Identitätsstörung zu kämpfen. Das ist völlig normal bei dem, was du durchgemacht hast. Ich kenne da aber einen guten Therapeuten, der dir helfen kann. Ich selber war schon bei ihm und er hat mir wirklich sehr geholfen. Und was diesen Dreckskerl Alexander angeht…, um den kümmern wir uns ab sofort gemeinsam, aber dazu werden wir die Hilfe deines Freundes Sebastian benötigen.“ „Danke Patrick.“, sagte Flo, die ihrem Freund aus Kindertagen das erste Lächeln seit Tagen entgegen brachte. „Ich wusste, dass ich dir vertrauen kann und du mir helfen wirst.“
Moritz – Teil 24 Moritz begleitete Herr Hendricks in dessen Büro, wo Frau Hoffman bereits auf ihn wartete. Als Moritz das Büro betrat, musste er an seinen kleinen nächtlichen Ausflug mit Jacob von vor einer Woche zurückdenken. Auch wenn er damals reichlich Schiss hatte, so musste er sich dennoch eingestehen, dass es irrsinnig viel Spaß gemacht hatte. Nun war er also wieder in diesem Büro, doch der heutige Anlass gab ihn Grund zur Sorge. Frau Hoffman hatte zwar damals angekündigt, ihn des Öfteren hier zu besuchen, aber allem Anschein nach, gab es heute auch einen sehr triftigen Grund dazu. „Hallo Moritz, es ist schön dich wiederzusehen. Wie geht es dir denn?“, fragte die Frau ihn. „Danke, recht gut eigentlich.“, antwortete Moritz ihr, was sogar stimmte. Im Augenblick fühlte er sich recht wohl, wenngleich ihm auch langweilig war. „Das ist schön.“, sagte Frau Hoffman und die beiden setzten sich auf zwei Stühle, während auch Herr Hendricks hinter seinem Pult seinen Platz einnahm. „Ich besuche dich heute nicht ohne Grund. Es gibt da ein paar neue Entwicklungen, über dich ich dich informieren möchte. Bitte verzeih, wenn ich mit der Tür ins Haus fallen sollte, aber es länger aufzuschieben, wäre unverantwortlich von mir. Du bist zwar noch nicht volljährig, aber ich denke du bist alt genug, um gewisse Dinge zu erfahren.“ „Um was für Dinge geht es denn?“, fragte Moritz nun umso neugieriger. „Nun, zunächst einmal kann ich dir mitteilen, dass ein Testament deiner Eltern gefunden wurde.“, sagte Frau Hoffman, die einen Zettel aus ihrer Aktentasche herauszog. „In diesem steht, im Falle unseres Todes vererben wir all unser Hab und Gut unserem einzigen Sohn Moritz Hanssen. Anbei sind ein paar dieser Dinge aufgelistet worden, unter anderem das zurzeit leerstehende Haus. Hinzu kommen einige tausende Euros, die dir deine Eltern auf ihren Kontos hinterlassen haben.“ Moritz hörte Frau Hoffman aufmerksam zu, aber es kam ihm wahnwitzig vor, irgendwann in das alte Haus zurückzukehren, das allerlei Erinnerungen an seine Eltern und die glücklichen Momente mit ihnen in sich trägt. „Ich weiß, dass das gerade sehr schmerzhaft für dich sein muss, Moritz. Dies ist sicherlich nur ein geringfügiger Trost für dich.“, sagte Frau Hoffman. „Die weitaus wichtigere Information aber folgt jetzt erst noch.“ Frau Hoffman hielt kurz inne und zog einen Brief aus ihrer Aktentasche, den sie Moritz überreichte. „Verzeih, dass ich ihn geöffnet habe, aber du bist nun einmal minderjährig und wir mussten den Nachlass deiner Eltern sehr genau überprüfen.“ „Was steht in dem Brief?“, fragte Moritz, während er den Umschlag musterte. „Du hast mir doch erzählt, dass du keine weiteren lebenden Verwandten mehr hast, außer deiner Großtante Doris, oder?“ Moritz nickte langsam. „Nun ja…, wie sich nun herausgestellt hast, ist das nicht ganz korrekt. Du hast noch einen weiteren lebenden Verwandten!“
Willkommen zurück, zum großen Finale von "Queer durchs Leben"! Euch erwarten nun die letzten zwölf Kapitel, in denen alle zehn Geschichten abgeschlossen werden. Viel Spaß!
Eric – Teil 18 „Beim Amoklauf in der Schule kamen viele Menschen zu schaden.“, sagte Eric, der noch immer die Bilder vor seinen Augen hatte. „Zwei Menschen kamen ums Leben, neun weitere Menschen wurden schwer verletzt und so ziemlich jeder Schüler, Lehrer oder Elternteil hat im darauffolgenden psychische Schäden davongetragen, die vermutlich ein Leben lang anhalten werden. Man könnte zurecht sagen, dass dies der schrecklichste Tag in meinem ganzen Leben war, aber im Grunde genommen hält dieser Tag nach wie vor an. Mir gehen diese schrecklichen Dinge einfach nicht mehr aus dem Kopf. Vor allem aber glaube ich, dass das meine alleinige Schuld war!“ Eric beugte sich nach vorne und vergrub sein Gesicht in seinen Händen. Er konnte die Tränen nicht stoppen, die sich ihren Weg nach draußen bahnten. Zu groß waren die Schuldgefühle seitens Erics. „Eric.“ Dr. Böhmer legte sein Klemmbrett und seinen Stift zur Seite, beugte sich ebenfalls nach vorne und versuchte dem Jungen auf seine Art und Weise zu helfen. „Was geschehen ist, ist in der Tat furchtbar, aber dir die Schuld an alledem zu geben, bringt keinem etwas. Auch du wurdest ein Opfer der Umstände und hast viel Leid ertragen müssen. Schließlich bist du deshalb bei mir, weil du es nicht mehr länger ertragen konntest und weil du daran zu zerbrechen drohst.“ Eric hörte auf zu weinen und blickte Dr. Böhmer mit verweinten Augen an. „Eigentlich war es der Wunsch meiner Väter, dass ich zu ihnen komme. Von alleine wäre ich vermutlich nie auf die Idee gekommen, einen Seelenklempner… pardon, Therapeuten aufzusuchen.“ „Papperlapapp und wenn schon.“, sagte Dr. Böhmer und winkte ab. „Du bist aus zwei ganz wichtigen Gründen hier: Erstens weil du deine Väter liebst und du weißt, dass wenn es dir miserabel geht, dann geht es ihnen ebenfalls miserabel. Und Zweitens, weil du nicht mehr in den Spiegel gucken kannst, ohne von Selbstvorwürfen geplagt zu werden. Mal ganz davon abgesehen, dass du seit Monaten nicht mehr zur Schule gegangen bist. Also kommen wir zum entscheidenden Erlebnis!“ Eric nickte, während er kurz ein Taschentuch aus einer Box zog und schniefte. „Also schön… kommen wir zu dem Tag, wo die Erde mit einem Mal für viele Menschen stillstand.“
Damian – Teil 25 Damian beherzigte Sebastians Ratschlag und erstellte eine Pro- und Kontra-Liste von Timo und Marcus. Zunächst kam ihm die Idee dumm und albern vor, aber da er einfach nicht mehr weiter wusste und sich seit Tagen den Kopf zermarterte, für wen er sich entscheiden soll, befolgte er den Tipp doch noch. Also zog Damian ein Blatt Papier herbei, legte zwei Spalten an und legte los: „Pro Timo. Na das ist einfach, er ist super. Pro Marcus. Hm… er ist auch super.“ Damian blickte ungläubig auf das Blatt Papier und strich beide Male das Wort „super“ durch. „Okay jetzt ernsthaft Damian, konzentrier dich. Pro Timo: Er ist sehr groß, dass mag ich an ihm, weil ich mich dadurch bei ihm sicher fühle. Er sieht teuflisch gut aus. Er ist süß, wenn er dumm aus der Wäsche guckt. Er ist ein kleiner Tollpatsch und er bringt mich immer zum Lachen. Negativ: Er kann ein richtiger Arsch sein und das ohne jeden Grund. Er hat mich zu dieser bescheuerten offenen Beziehung überredet. Kann ich mir sicher sein, dass ich ihn glücklich mache und auch umgekehrt?“ Damian betrachtete die Liste und glaubte, die wichtigsten Punkte notiert zu haben. Also ging er zu Marcus über: „An Marcus gefällt mir, dass man sich mit ihm gut unterhalten kann. Er ist sehr reinlich, was man von Timo nicht gerade behaupten kann. Er hat gute Manieren und sieht in seinen Jeans zum Anbeißen gut aus. Was geht nicht: Er ist der Bruder meines aktuellen Freundes!“ Klar, dieser Punkt musste ganz oben auf die Liste, denn wenn sich Damian tatsächlich für Marcus entscheiden sollte, dann wären Probleme vorprogrammiert. „Er ist nicht Timo…“ Mehr fiel Damian zu Marcus eigentlich gar nicht ein, weil er ihn noch nicht so sehr kannte, wie Timo. Vielleicht sollte er ihn einfach mal daten und dann weitersehen? Damian überlegte kurz und schrieb dann noch zwei Punkte bei beiden Jungs in die Pro-Liste dazu: „Der Sex ist der Hammer!“ Damian las sich noch einmal alles genau durch, aber er kam zu der Erkenntnis, dass ihm die Liste nicht wirklich weiterhalf. Am Ende war es eben doch eine Entscheidung des Herzens. Er zerknüllte das Papier also und warf es im hohen Bogen in den Papiereimer.
Moritz – Teil 25 „Soll das ein Witz sein?“, fragte Moritz und blickte sowohl Frau Hoffman, als auch Herr Hendricks ungläubig an. „Wenn das ein Scherz sein soll, dann ist er nicht besonders komisch.“ „Tut mir Leid dir das sagen zu müssen Moritz, aber das ist alles andere als ein Witz.“, entgegnete Frau Hoffman, die ihm nun Unterlagen zuschob, bei dem ein Foto von einem jungen Mädchen angehängt war. Sie hatte langes braunes Haar und Sommersprossen im Gesicht. Sie konnte nicht älter als zwölf sein. „Das ist Emilia, deine Halbschwester.“, sagte Frau Hoffman schließlich zu ihm. Moritz schüttelte den Kopf. „Das kann nicht sein. Unmöglich. Sie ist jünger als ich. Dann müsste ja mein Vater fremdgegangen sein, denn ich kann mit Gewissheit sagen, dass meine Mutter nach mir nicht mehr schwanger war. Aber mein Vater wäre meiner Mutter nie fremdgegangen!“ Frau Hoffman verzog das Gesicht leicht. „Leider irrst du dich schon wieder. Ich habe mit Emilias Mutter gesprochen und sie hat mir bestätigt, dass sie vor zehn Jahren eine Affäre mit deinem Vater gehabt hatte. Dein Vater hat die Affäre aber von sich aus beendet, vermutlich aus Schuldgefühlen gegenüber deiner Mutter, und Emilias Mutter hat es vorgezogen, ihm nicht von ihrer Schwangerschaft zu erzählen. Sie wollte ihn nicht in eine unangenehme Lage bringen, oder das er sich zwischen ihr und seiner Tochter oder deiner Mutter und dir entscheiden müsste.“ „Bullshit!“, schrie Moritz nun. „Das ist doch alles ausgemachter Blödsinn! Mein Vater hatte keine Affäre. Diese Frau lügt!“ „Warum? Warum sollte sie so etwas tun?“, fragte Herr Hendricks nun. Moritz musste kurz überlegen, aber dann war er sich sicher: „Na um an dem Testament beteiligt zu werden. Sie will an das Erbe meines Vaters ran.“ „Moritz…“, Frau Hoffman hielt kurz inne. „Dein Vater hat ihr in der Tat was vererbt, aber nur seiner Tochter Emilia, die erst darauf zugreifen kann, wenn sie volljährig ist.“ „W-Was? Moment, sie sagten doch, mein Vater wusste nichts davon.“, sagte Moritz nun irritiert. „Das hat Emilias Mutter gesagt, aber es scheint so, als wusste dein Vater doch davon.“, sagte Frau Hoffman und Moritz verstand immer weniger. „Vielleicht hatte er es aber auch erst sehr viel später herausgefunden. Wir wissen es leider nicht, aber Tatsache ist, dass dein Vater Emilia mit im Testament bedacht hat. Nur deshalb wissen wir auch von alledem.“ Moritz schüttelte den Kopf. „Das ist doch irre…“
Leonas – Teil 21 Leonas drückte auf die Klingel und wartete. Kurze Zeit später wurde ihm die Tür geöffnet, doch Kais Mutter sah alles andere als erfreut aus. „Du schon wieder. Hab ich dir nicht gesagt, dass mein Sohn nichts mehr mit dir zu tun haben möchte?“, fauchte sie Leonas an. „Jetzt verschwindet hier!“ Leonas wurde die Tür erneut vor der Nase zugeschlagen und er drehte sich zu seiner Freundin Sarah um. „Naja…, das erklärt zumindest, von wem Kai das Arschloch-Gen hat.“, sagte sie verstört. Leonas lächelte, denn er hatte einen Plan. Also klingelte er aufs Neue. „Machen Sie bitte auf, oder ich sehe mich gezwungen die Polizei einzuschalten!“, rief er laut und deutlich Es dauerte nur wenige Sekunden, da öffnete Frau Schumann die Tür aufs Neue. Mit einem verächtlichen, aber auch leicht nervösen Gesichtsausdruck starrte sie Leonas an. „Die Polizei? Was willst du Ihnen denn sagen? Das ich meinen Sohn gegen seinen Willen hier festhalte? Das ist doch Blödsinn. Die Polizei wird nichts unternehmen, ohne handfeste Beweise.“ „Sie haben Recht. Wie dumm von mir.“, sagte Leonas cool, woraufhin Frau Schumann siegessicher nickte und die Haustür wieder zuknallen wollte, doch soweit kam es nicht. „Aaaaber…“, fing Leonas von neuem an, „… die Jugendschutzbehörde wird sich sicherlich brennend für den Fall interessieren.“ „Du kleine miese Ratte.“, sagte Frau Schumann abfällig. „Nur zu, tu was du nicht lassen kannst, aber bedenke die Konsequenzen. Schaltest du das Jugendamt ein, kann es sein, dass du Kai für längere Zeit nicht mehr wiedersiehst.“ Nun war es Leonas der nickte und dabei traurig, aber auch entschlossen wirkte. „Dieses Opfer bin ich bereit einzugehen. Wichtig ist nur, dass Kai nicht mehr länger von ihnen misshandelt wird. Sie haben ihn eingesperrt, halten ihn gegen seinen Willen fest. Das ist Kindesmisshandlung!“ „Du dummer kleiner Junge.“, sagte Frau Schumann kopfschüttelnd. „Keiner wird dir, oder deiner kleinen Freundin hier Glauben schenken. Du hast keine Beweise.“ Nun war es Sarah die verstört lachte. „Wenn hier einer dumm ist, dann ja wohl sie. Vielleicht mag man uns keinen Glauben schenken, aber Kai wird man auf jeden Fall glauben!“ Frau Schumanns Gesichtszüge fielen zunehmend aus der Fassung. Doch sie gab sich weiterhin nicht kampflos geschlagen. „Ich lasse mir nicht drohen. Ihr seid Kinder… und jetzt verschwindet!“ „Keiner wird hier gehen, denn die Kinder sind im Recht und sie im Unrecht, Frau Schumann.“, sagte plötzlich eine erwachsenere Stimme. Ein Mann trat hinter der Mauer vor, hinter der er sich bis jetzt bedeckt hielt und alles mitangehört hatte. „Madam, mein Name ist Edward Großfürst und ich bin von der Jugendschutzbehörde. Vielleicht wäre es besser, wenn sie ihren Mann nach Hause konsultieren…, ach und Kai, den lassen sie auf der Stelle aus seinem Zimmer frei. Hab ich mich klar und deutlich ausgedrückt?!“ Frau Schumann fiel die Kinnlade herunter, während Leonas siegesgewiss lächelte.
Fortsetzung folgt ... am Samstag, den 8.Juli 2023!
Leonas – Teil 22 Leonas war überglücklich, dass er Kai aus den Fängen seiner Eltern befreien konnte. Dabei war es vor allem Sarahs Verdienst, als er sie über die Verhältnisse bei Kai Zuhause aufklärte und sie kurz darauf auf die glorreiche Idee kam, den Vater eines Mitschülers um Hilfe zu bitten. Glücklicherweise hatten sich Leonas Eltern dazu bereit erklärt, Kai fürs Erste bei sich wohnen zu lassen, bis die Jugendschutzbehörde den genauen Sachverhalt mit Kais Eltern geklärt hatte. Für Leonas ging damit quasi ein Traum in Erfüllung. „Juhu! Wir schlafen das erste Mal zusammen in einem Zimmer!“, rief er voller Begeisterung und hüpfte auf seinem Bett rum, während Kai ihn nur grinsend ansah. Etwas ungewohnt, aber seitdem Kai das Haus der Familie Kaczor betrat, legte er ein bislang ungeahntes schüchternes Verhalten an den Tag, was ihn zunehmend wortkarg erschienen ließ. Außer einem „Danke“ und „Sehr nett von Ihnen“ brachte er kaum ein Wort heraus. „Junger Mann, was haben wir übers Hüpfen auf dem Bett gesagt?“, fragte Leonas` Mutter ihren Sohn mahnend. Frau Kaczor war zwar eine ordentliche Hausfrau, sehr streng, aber mit dem Herz am rechten Fleck, die ihren Sohn über alles liebte. Sich bei ihr zu outen, fiel Leonas deshalb besonders leicht. Doch auch bei seinem Vater fiel es angenehm aus. Er war zwar ein wenig traurig, dass er nie Enkelkinder haben würde, aber er verdeutlichte Leonas, wie stolz er dennoch auf ihn sei. „Und nur damit das klar ist.“, sagte Frau Kaczor, die für Kai das Bettzeug vorbereitete. „Ihr schlaft nicht in einem Bett und um zehn Uhr ist Schicht im Schacht. Wenn ich auch nur ein Flüstern von euch im Gang höre, dann fliegt hier einer schneller raus, als er bis Drei zählen kann!“ „Aber Mum…, dass kannst du Kai doch nicht antun.“, meinte Leonas erschrocken. „Ich rede ja auch nicht von Kai, mein kleiner, rebellischer Löwe!“, entgegnete Frau Kaczor augenzwinkernd, woraufhin Leonas erst recht die Kinnlade runterfiel. Unterdessen konnte sich Kai ein Lächeln nicht verkneifen. Als die Beiden dann schließlich alleine waren, rächte sich Leonas bei ihm, indem er ihn mit einem Kissen bewarf. Daraufhin stürzte sich Kai auf seinen Freund, sie fielen in dessen Bett und Kai dankte Leonas für alles, indem er ihm einen zärtlichen Kuss schenkte.
Jannik – Teil 22 Jannik stand hinter einem Baum und kam sich dabei eigentlich richtig bescheuert vor. Er war gerade auf dem Weg zur Schule, als er Herrn Kronthaler mit dem Auto vorfahren sah und er sich reflexartig hinter einem nahegelegenen Baum versteckte. Er kam sich dabei so bescheuert vor, aber inzwischen war es ihm peinlich, was sich bei ihm Zuhause zugetragen hat. Den Kuss bereute er zwar keineswegs, aber die Art und Weise wie es dazu gekommen ist – Wasser übers Hemd ausschütten – und wie es geendet hat – Herr Kronthaler verließ augenblicklich das Haus – waren ihm einfach unangenehm. Dabei glaubte Jannik tatsächlich, dass Herr Kronthaler seinen Kuss erwidert hatte, aber ganz sicher war er sich diesbezüglich auch nicht und er wollte sich auch nicht zu sehr dahin hineinsteigern. Doch sein Herz sagte ihm etwas anderes. Während Jannik also hinter dem Baum stand und Herrn Kronthaler beim Aussteigen beobachtete, klopfte sein Herz ganz stark. Ein Glücksgefühl breitete sich aus, wenn er an den Kuss zurückdachte. Zeitgleich bereitete es ihm aber auch ein Stich, dass Herr Kronthaler wohl nicht dasselbe fühlte wie er und die Frage, was nun als nächstes geschah, stand unausweichlich im Raum. Herr Kronthaler ging in die Schule und Jannik konnte endlich aus seinem „Versteck“ hervorkriechen. Wie bescheuert, dachte sich Jannik, während auch er das Schulgebäude betrat. Jannik näherte sich ganz vorsichtig seinem Klassenzimmer. Ein kurzer Blick genügte, um festzustellen, dass Herr Kronthaler noch nicht da war. Vermutlich hielt er sich noch im Lehrerzimmer auf. Jannik setzte sich also an seinen Platz und war so in seinen eigenen Gedanken versunken, dass er die Gespräche seiner Mitschüler überhaupt nicht mitbekam. „Hey, habt ihr schon gehört. Nils wurde von einem Auto angefahren und soll nun im Koma liegen.“, verbreitete ein Schüler das Gerücht. „Bei dem Fahrer muss es sich um denselben handeln, der auch Jannik beinahe angefahren hat. Hey Jannik, hörst du mir überhaupt zu?“ Jannik hörte nicht zu, denn Herr Meier betrat zusammen mit Herrn Kronthaler das Klassenzimmer. Janniks Blick war starr auf den Referendar gerichtet, wohingegen dieser den Blickkontakt tunlichst zu vermeiden schien. „Guten Morgen alle miteinander!“, rief Herr Meier, der heute alles andere als erfreut aussah. „Bevor wir beginnen, möchte ich noch kurz eine wichtige Mitteilung machen, die ich selber sehr bedauerlich finde. „Herr Kronthaler hat mir soeben mitgeteilt, dass er Rektorin Kirchberger darum gebeten hat, sich an eine andere Schule versetzen zu lassen.“ Mit einem Mal brach ein wildes Durcheinandergerede aus. Jannik hingegen war geschockt und konnte nur Herrn Kronthaler anstarren, der nun erstmals seinen Blick erwiderte. Janniks Herz brach entzwei.
Eric – Teil 19 „Ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen, dabei ist es jetzt schon zwei Monate her. Es war ein Freitag, der 3.November. All meine Mitschüler freuten sich bereits auf das bevorstehende Wochenende. Es war traumhaftes Herbstwetter, ideal um abzufeiern, oder zu heiraten. Nur mir war nicht nach Feiern zumute, denn ich hatte Levin ein Versprechen gegeben. Das Versprechen, Adam reinen Wein einzuschenken. Ich hatte es viel zu lange hinausgezögert. Adam war noch immer im Liebesrausch und ahnte nichts von meinen Gefühlen für Levin, den er nebenbei bemerkt, vom ersten Tag nicht sonderlich mochte. Irgendwie schaut der mich immer so komisch an, hat er gesagt und dass er ihm suspekt sei. Er hat mich auch darum gebeten, mich lieber von Levin fernzuhalten. Er hatte mich und Levin mal auf der Jungentoilette erwischt, wie wir miteinander getuschelt haben. Ich konnte gerade noch Schlimmeres verhindern, indem ich ihm erklärte, dass Levin mich lediglich gefragt hätte, was denn die Antwort bei einer Frage in der Geschichtsklausur gewesen sei. Adams Misstrauen gegenüber Levin war jedoch nicht vom Tisch. Er mochte es gar nicht, wenn ich mich allein mit anderen Jungs unterhielt. Was das anging, war er sehr eifersüchtig, um nicht zu sagen besitzergreifend. Nun jedenfalls… kam dann der Moment, wo ich Adam die Wahrheit über mich und Levin sagte. Auch diesen Augenblick werde ich wohl nie wieder vergessen, denn eigentlich dachte ich, Adam hätte es sehr gut aufgenommen. Er reagierte zunächst natürlich geschockt und wirkte verletzt, aber als ich ihm zu erklären versuchte, wie es dazu kam und wie leid es mir täte, da schien er sich damit abgefunden zu haben. Hätte ich nur gewusst…, hätte ich damals nur gewusst, wie es in seinem Inneren aussah. Er hat sich kurzum beim Lehrer krankmelden lassen und ist nach Hause gegangen.“ Eric hielt einen Moment inne, um sich zu vergewissern, kein wichtiges Detail vergessen zu haben. „Adam musste voller Hass auf mich und Levin gewesen sein. Anders kann ich es mir nicht erklären, warum er zwei Stunden später mit einer Waffe in der Hand wieder in der Schule aufkreuzte und wie ein Irrer umherballerte. Der schöne Tag, wurde zu einem blutigen Albtraum!“
Manuela – Teil 22 Es klingelte an der Haustür. Manuela begab sich zur Tür, blieb jedoch noch einmal kurz vor einem Spiegel stehen, um sich in ihrem lilafarbenen Kleid zu mustern, ob auch alles richtig saß. Das Kleid war top, die Haare schön gestylt und ihr Make-up saß auch perfekt. Es klingelte erneut. „Ich komme schon!“, rief sie derjenigen Person zu, die noch vor der Haustür stand. Manuela flitzte zur Tür und öffnete sie. Eine Frau mit schönem, lockigem Haar, in einem weinroten Kleid und einer Perlenkette um den Hals, stand davor und lächelte sie nun breit an. „Hallooo Manu.“, sagte die Frau. „Hallo Andrea.“, begrüßte Manuela die Frau ebenfalls und die beiden Damen fielen übereinander her und schenkten sich einen leidenschaftlichen Kuss, als wäre es der erste seit Wochen gewesen. Andrea war Manuelas Freundin. Nicht irgendeine Freundin – DIE Freundin! Sie kamen zusammen, nachdem sich Manuela von ihrem Mann getrennt hatte, die Gefühle füreinander waren aber schon vorher da und kennengelernt hatten sie sich sogar schon noch früher. Andrea war nämlich keine geringere als… „Und? Hat Marie neulich irgendwas gemerkt?“, fragte Andrea ihre Freundin. „Das ich mit ihrer Schulrektorin liiert bin? Nein, zum Glück nicht. Sie hätte mir sonst im selben Moment den Kopf abgerissen. Dabei läuft es endlich wieder gut zwischen uns.“, erzählte Manuela ihrer Freundin. „Früher oder später, werde ich ihr aber die Wahrheit sagen müssen.“ „Du kennst meinen Standpunkt.“, sagte Andrea. „Von meiner Seite aus eher früher als später. Ich mag diese Geheimnistuerei nicht und will endlich richtig mit dir zusammen sein.“ „Und das von einer Frau, die eine ganze Schule leitet?“, gab sich Manuela überrascht. „Ach. Wir leben im 21.Jahrhundert.“, sagte Andrea, die für Klatsch und Tratsch nicht sonderlich viel übrig hatte. „Ich bin da sehr viel aufgeschlossener. Die Leute geht es eigentlich nichts an, mit wem ich meine Freizeit verbringe und wenn jemand ein Problem damit hat, dann ist das deren Angelegenheit. Wieso müssen unseresgleichen sich immer verstecken müssen?!“ Manuela lächelte. „Weißt du eigentlich, dass ich dich für diese Einstellung so liebe?“ Andrea lächelte nun ebenfalls und küsste ihre Freundin aufs Neue. Doch ihr Liebesglück wurde gestört…
Manuela – Teil 23 Manuela ignorierte zunächst das Läuten an ihrer Haustüre, aber als es noch weitere zweimal klingelte, konnte sie es nicht mehr länger ignorieren. „Wer so hartnäckig ist, der muss ein dringendes Anliegen haben.“, meinte Andrea, die sich widerwillig von Manuela löste. „Tut mir Leid.“, entschuldigte sich Manuela bei ihrer Freundin und stand auf. „Ich bin gleich wieder da.“ Manuela eilte zur Tür, in dem Vorhaben, den ungebetenen Gast schnell abzuwimmeln. Doch… „Manuela!“ Charlotte Brecheisen stürmte wie ein Orkan in Manuelas Haus und bot ihr keine Gelegenheit, sie zu begrüßen, sie herein zu bitten, oder sonst irgendetwas zu tun. „Ma-nu-e-la!“, wiederholte Charlotte erneut sehr langsam. Offenbar schien sie sehr aufgeregt zu sein. „Du musst mir helfen! Du musst einfach, je te demande!“ „Äh… okay.“, gab Manuela verwirrt von sich. „Ich würde dich ja zunächst einmal hereinbitten, aber du bist ja schon drin, wie ich sehe, auch wenn ich glaube, dir und Petra mitgeteilt zu haben, dass ich heute Abend nicht gestört werden möchte.“ Manuela wollte keinesfalls unhöflich wirken, aber sie und Andrea verbrachten ohnehin schon recht wenig Zeit miteinander. Heute Abend war ihr Sohn Florian aber bei Marie und ihrer Schwiegermutter über Nacht, weshalb sie endlich die Chance nutzen wollte, ein wenig Zeit mit Andrea zu verbringen. Dies hatte sie ihren Freundinnen zuvor mitgeteilt. „Sacrebleu, dein Honeybärchen ist hier, nicht wahr?“, fragte Charlotte erschrocken, was sie aber nicht davon abhielt, zu bleiben. „Tut mir wirklich extraordinairement Leid, aber es geht ganz rapidement. Promis! Du musst mir nur einen Gefallen tun und deinen Chef dazu überreden, dass sein Personal auf der Hochzeit übermorgen für uns kocht. Clair?“ „Woho, Charlotte langsam. Erstens, wenn du so schnell sprichst, dann vermischt sich dein Deutsch mit deinem Französisch und ich versteh nur Bahnhof und zweitens, ist nichts „clair“!“, entgegnet Manuela entrüstet. „Wieso sollen wir auf einmal auf der Hochzeit deines Adoptivsohnes kochen? Ihr habt doch einen französischen Koch engagiert, dachte ich.“ „Ja, aber der liegt krank im Bett. Die Muscheln, die er gekostet hat, waren pas plus frais.“, erklärte Charlotte, woraufhin Manuela sie böse anstarrte. „Nicht mehr frisch!“, klärte Charlotte auf. „Er kann nicht kommen und jetzt stehen wir ohne Koch da. Das ist ein Desaster!“ „Okay, ich verstehe wo das Problem liegt, aber die Hochzeit findet in zwei Tagen statt. Also selbst wenn es mir gelingen sollte, meinen Chef dazu zu überreden einzuspringen, weiß ich nicht, wie wir das innerhalb zwei Tage jetzt noch bewerkstelligen sollten. Es müssen Lebensmittel besorgt werden, eine Speisekarte muss erstellt werden, das Restaurant müsste für den Tag schließen und…“ Manuela konnte ihren Satz nicht beenden, denn Charlotte legte ihre Hand auf Manuelas Mund. „Das weiß ich doch alles und stellt überhaupt kein Problem dar!“, meinte Charlotte zuversichtlich. „Sag deinem Chef, Geld spielt keine Rolle. Wir zahlen, was er verlangt, okidoki?“ Charlotte grinste breit, als wäre die Sache bereits geritzt. „Oh und selbstverständlich sind du und dein Honeybärchen auch zu der Hochzeit eingeladen.“ Manuela fühlte sich völlig überrumpelt und war sprachlos. Doch noch bevor sie etwas sagen konnte, war Charlotte bereits wieder zur Tür hinaus.
Leonas – Teil 23 „Bist du bereit?“, fragte Leonas Kai, während sie im Auto von Leonas Mutter saßen. „Nein.“, antwortete Kai sofort. „Aber ich werde es tun. Versprochen!“ Leonas schaute noch ein wenig skeptisch. „Du weißt, dass du das nicht tun musst…“ „Doch muss ich. Für mich selbst, aber vor allem auch für uns beide!“, entgegnete Kai, der inzwischen fest entschlossen war, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen. „Los ihr Beiden, jetzt steigt schon aus.“, meinte Leonas Mutter im leichten Befehlston. „Ich hol euch dann nach der Schule wieder ab. Versucht auch ein wenig Spaß zu haben.“ „Oh glaub mir Mum. Bei dem was uns gleich bevorsteht, wird es sehr spaßig zugehen.“, gab Leonas sarkastisch zurück und er stieg aus dem Auto aus. Kai folgte ihm zugleich und war sichtlich nervös. Leonas stellte sich neben Kai und blickte ihn besorgt an. Kai atmete einmal kräftig durch und griff dann nach der Hand seines Freundes, wodurch er Leonas ein Lächeln abgewinnen konnte. Dann marschierten sie los – Hand in Hand – über den gesamten Schulvorhof. Zunächst schien keiner ihrer Mitschüler etwas zu bemerken, bis das erste Mädchen mit einem Finger auf sie zeigte und die ersten Köpfe sich zu ihnen umdrehten. Ein Tuscheln ging durch die Schülerschar und es verbreitete sich wie ein Lauffeuer, dass der beliebteste Junge der ganzen Schule zusammen mit dem Jungen hier auftauchte, den er monatelang gemobbt hatte. Schon bald bekamen es auch Kais Freunde mit, denen regelrecht die Augen ausfielen. Mit offenen Mündern starrten sie Kai an. Kai wurde zunehmend bang ums Herz, doch hielt er den Blicken tapfer stand, denn ihm war klar, dass er den besten Freund an seiner Seite hatte. Ein Kreis aus Schülern umgab die Zwei. Kai griff fester nach der Hand von Leonas und rief dann ganz laut: „Was starrt ihr denn alle so? Seid ihr etwa neidisch auf mich, weil ich den liebsten und besten Freund auf der ganzen Welt habe?!“ Plötzlich fiel jegliche Anspannung von Kai ab. Er drehte sich zu Leonas und küsste ihn vor versammelter Mannschaft. Viele ihrer Mitschüler waren überrascht, andere schockiert und wieder andere wiederum, fingen zu Kichern an. „Tja…, jetzt weiß jeder Bescheid.“, sagte Leonas im Nachhinein. „Ja… und das ist auch gut so.“, pflichtete Kai bei, der nun glücklich lächelte. Von hinten stürmte Sarah auf die Beiden zu und legte ihre Arme um sie. „Ach wie süß ihr doch seid. Wer hätte das gedacht? Ach richtig: Niemand!“ Sarah strahlte vor Freude, warf Kai aber dennoch einen letzten drohenden Blick zu. „Denk immer daran, brichst du ihm noch einmal das Herz, dann breche ich dir jeden einzelnen Knochen deines Körpers!“ Kai wirkte verängstigt, doch Leonas lachte.
Jannik – Teil 23 Die Schule war Jannik heute völlig egal. Sein Gehirn konnte nur noch an eines denken: An Herrn Kronthalers Schulwechsel. War dies seinetwegen? Weil er ihn geküsst hat? Ein Schulwechsel mitten im Schuljahr…, dass musste der Grund sein! Jannik zappelte ungeduldig mit den Füßen hin und her. Er wollte unbedingt mit Herrn Kronthaler sprechen, doch schien dieser ihm kontinuierlich aus dem Weg zu gehen. Sowohl im Klassenzimmer, als auch in der Pause. „Was ist heute eigentlich los?“, fragte sein bester Kumpel ihn, doch hörte Jannik so gut wie gar nicht hin. „Erst die Nachricht, dass Nils angefahren wurde, dann das Outing von Kai Schumann und jetzt verlässt uns auf einmal Herr Kronthaler. Voll krass das Ganze!“ Jannik blickte Herrn Kronthaler nach, wie dieser im Lehrerzimmer verschwand, während sein Kumpel unentwegt weiterredete. „Oh sieh mal… Adam geht nach Hause. Ob es ihm nicht gut geht? Mir fällt gerade auf, dass unsere Schule auffällig viele Schwule hat. Hm… ob Herr Kronthaler nun schwul ist, wissen wir immer noch nicht. Was meinst du Jannik? Hey Jannik, hörst du mir überhaupt zu?“ Der Schultag verlief in Janniks Augen wie in Zeitlupe, doch als der Schulgong ertönte, konnte er gar nicht schnell genug zum Lehrerpult sprinten, wo Herr Kronthaler seine letzten Unterlagen einsammelte. „Kann ich bitte mit Ihnen reden?“ „Tut mir Leid Jannik, aber ich hab es eilig.“, meinte der Referendar zu ihm. „Bitte gehen Sie nicht.“, sagte Jannik ganz schnell. „Sie dürfen nicht gehen. Ich liebe Sie!“ Jannik sprach diesen Satz aus, ohne darauf zu achten, ob Herr Meier oder seine Mitschüler noch in der Nähe waren. In diesem Moment war ihm das schlichtweg egal. Zum Glück war Herr Meier bereits gegangen und die anderen Schüler wollten nur noch raus und den schönen Tag genießen. Jannik war klar, dass er es hinterher sehr bereut hätte, wenn jemand sein Liebesgeständnis mitangehört hätte. „Jannik…“, sagte Herr Kronthaler überrascht. „Sowas darfst du nicht sagen und erst recht nicht empfinden.“ „Ich weiß, dass das verboten ist, aber, aber… ich will meine Gefühle für Sie nicht mehr länger verbergen müssen. Sie bedeuten mir so unglaublich viel und ich will, dass Sie bleiben – bitte!“ Jannik flehte Herrn Kronthaler an und versuchte dabei nicht in Tränen auszubrechen. Es fiel ihm schwer, aber er blieb tapfer. „Ich weiß, dass Sie dasselbe wie ich empfinden. Sie haben meinen Kuss erwidert. Das hab ich gespürt und schließlich muss es ja keiner erfahren.“ „Jannik… nein…!“, entgegnete Herr Kronthaler entschieden. „Was glaubst du, wäre jetzt passiert, wenn das jemand mitangehört hätte? Das hätte meinen Ruf, meine Karriere, mein Leben zerstört. Mal ganz davon abgesehen, dass du dich irrst. Ja, vielleicht habe ich den Kuss erwidert, aber dann nur, weil ich selber unter großen Liebeskummer leide.“ Jannik glaubte nicht, was er da zu hören bekam. „Ich liebe einen anderen und es tut mir Leid, dass ich dich in die Sache mithineingezogen habe und dir offenbar falsche Signale gesendet habe.“ Jannik war wie gelähmt. Sein Herz brach in tausend Einzelteile. „Ich muss jetzt wirklich gehen. Es tut mir Leid, Jannik. Pass gut auf dich auf!“
Fortsetzung folgt ... am Donnerstag, den 13.Juli 2023!
Ricardo – Teil 23 Eigentlich wollte Ricardo ja gar keinen Porno mehr drehen, aber die Aussicht, einen mit Sanchez drehen zu können, reizte ihn über alle Maßen. So kam es auch, dass er ihn endlich wieder traf. Ricardo freute sich, als er den Spanier im Studio erblickte und noch mehr, als dieser ohne zu Zögern auf ihn zukam und ihn in die Arme nahm. „Es ist schön, dich wiederzusehen!“ „Es ist auch schön, dich wiederzusehen!“, entgegnete Ricardo ebenfalls erfreut. „Ja, auch wenn ich nicht damit gerechnet habe, dich HIER anzutreffen.“, gab sich Sanchez positiv überrascht. „Martin hat mir zwar erzählt, dass du bei einem Pornodreh zugegen warst, aber auch, dass dieses Geschäft nichts für dich sei. Woher der Sinneswandel?“ Ricardo zuckte mit den Schultern. Er wollte Sanchez nicht auf die Nase binden, dass er sich nur seinetwegen umentschieden hatte. Denn dann käme er wie ein verliebter Gockel daher. Also versuchte er möglichst lässig rüberzukommen. „Ach ich dachte mir, warum eigentlich nicht. Bringt schließlich reichlich Kohle. Ich kann mir inzwischen Dinge leisten, auf die ich viele Jahre hätte sparen müssen. Das ist schon cool…“ „So Jungs, jetzt kommt mal beide her, damit ich euch den genauen Vorgang der heutigen Szene erklären kann.“, sagte Herr Garson, der beim heutigen Dreh selbst die Regie übernahm. „Sanchez, dir hab ich ja bereits ein wenig erklärt, was dich erwartet, aber Ricardo ist noch neu in dem Geschäft. Er hat also keine Ahnung was heute auf ihn zukommt.“ Ricardo schluckte kurz. Was heute auf ihn zukommt? „Also.“, setzte Herr Garson an. „Ihr beide kommt in das Schlafzimmer, bereits eng umschlungen und küssend. Sanchez reist dir Ricardo die Kleider vom Leib und stößt dich mit einem Gefühl der Sexhungrigkeit rücklings auf das Bett. Ihr beginnt, den Körper des jeweils anderen zu ergründen, von Hals abwärts, bis zum Bauchnabel und dann ganz nach unten. Sanchez ist demnach der aktive Part und du der passive Ricardo. Dann folgt das Übliche: Blasen, Fingern, Ficken. Und wenn ihr dann fertig seid, kommt Sanchez Freund ins Zimmer, der natürlich überrascht und schockiert gleichermaßen ist.“ Sanchez` Freund? Ricardo stutzte, doch horchte weiter zu, denn Herr Garson sah es nicht gerne, wenn man ihn unterbrach. „Dein Freund wird außer sich vor Wut sein und sich an euch beiden rächen wollen, indem er euch quasi zu seinen Sexsklaven macht. Er wird also folglich etwas härter zur Sache gehen und vor allem dich Ricardo, drangsalieren.“ „Ähm… okay…“, gab sich Ricardo nun leicht nervös. „Und wer wird diesen besagten Freund spielen?“ „Barry Gold.“, antwortete Herr Garson knapp, bevor er von einem Kameramann zu sich gerufen wurde, um eine Einstellung zu überprüfen. Sanchez beugte sich schmunzelnd zu Ricardo rüber. „Genaugenommen ist er nicht nur ein besagter Freund – er IST mein Freund.“
Nils – Teil 23 Nils öffnete seine Augen nicht. Er musste nicht sehen, was um ihn herum geschah. Seine Ohren übermittelten ihm genug Informationen. „Ihr Sohn leidet womöglich an einem Realitätsverlust.“, sagte der behandelnde Art zu seinen Eltern und aller Wahrscheinlichkeit nach war auch sein großer Bruder Ralf im Raum zugegen. „Er kann Realität und Fiktion nicht mehr auseinanderhalten. Nach allem, was ich bisher von ihnen gehört habe, glaubt Nils, dass Valentin wahrhaftig existiert. Er weiß nicht, dass Valentin nur ein Produkt seiner Fantasie, entstanden durch seine Träume, ist. Er glaubt, er sei Valentin wirklich begegnet, dass er wirklich mit ihm zusammen ist. Die Hoffnung mag bestehen, dass Nils weiß, dass Valentin nicht wirklich real ist, aber um das einzusehen, wird es noch einige Zeit in Anspruch nehmen.“ „Was können wir tun? Wie können wir ihm helfen?“, fragte Nils` Vater den behandelnden Arzt. „So schwer das für Sie klingen mag, aber mehr als abwarten können Sie nicht. Vertrauen Sie uns. Wir haben die entsprechenden Experten, die ihrem Sohn helfen können. Nils ist bei uns gut aufgehoben.“, antwortete der Arzt meinen Eltern. „Muss das sein? Das er gefesselt ist meine ich.“, mischte sich Ralf nun in die Unterhaltung mit ein. „Das dient lediglich seinem eigenen Schutz. Sie haben ja mit eigenen Augen gesehen, dass Nils sich selbst in Gefahr gebracht hat, nur um bei Valentin sein zu können.“, erklärte der Arzt meinem Bruder. „Wir halten Nils nicht gefangen, aber wir müssen ihn vor sich selbst schützen. Wir wollen alle nicht, dass ihm noch mehr Leid widerfährt. Sobald es ihm besser geht, werden wir ihn davon befreien.“ „Mir gefällt das auch nicht Ralf.“, sagte Nils` Mutter. „Aber die Ärzte wissen, was sie tun…“ „Bitte folgen Sie mir in mein Büro. Dort werden wir alles Weitere besprechen. Ihr Sohn schläft gerade. Hoffen wir, dass er nicht von Valentin träumt…“, sagte der Arzt und Nils` Familie folgte ihm aus dem Behandlungszimmer. Nils fühlte sich allein und in Stich gelassen. Seine Familie lässt ihn hier gefesselt zurück und Valentin… er ließ sich auch nicht blicken. Valentin soll nicht real sein? Nein, das war Schwachsinn! Er hat ihn schließlich geküsst. Nils öffnete seine Augen und fing zu weinen an.
Manuela – Teil 24 Kannst du die letzte Getränkekiste nehmen? Die ist zu schwer für mich.“, fragte Manuela einen ihrer Kollegen, als sie einen der Restaurant-Lieferwägen entluden. Manuela hatte es tatsächlich geschafft, ihren Chef davon zu überzeugen, das Catering für die Hochzeit zu übernehmen. Nun ja… letztendlich hat ihn die vereinbarte Summe an Geld überzeugt, die wirklich beachtlich zu sein schien. „Beeilen Sie sich, dass Essen darf nicht kalt werden!“, rief Irina einem Kollegen bei einem anderen Lieferwagen zu, als ob sie das Kommando übernommen hätte. „Diese Villa ist der Hammer!“, rief Flo Manuela zu, die aus der Villa gestürmt kam, nachdem sie die Salate reintragen geholfen hat. „Deine Freundin scheint ein Leben in Saus und Braus zu leben. Wirklich beneidenswert. Hey was machst du denn? Du bist doch hier als Gast eingeladen.“ „Ja, aber mir ist das irgendwie unangenehm, zusehen zu müssen, wie ihr euch jetzt abrackern dürft, während ich ausgelassen feiere.“, meinte Manuela, die sich ihren Kollegen verpflichtet fühlte. „Manuela, lass gut sein. Wir kommen schon klar.“, entgegnete Flo lächelnd. „Oh ich danke dir…“ Manuela biss sich dezent auf die Unterlippe. „Ich muss ohnehin gleich los. Ich hab meiner Freundin versprochen, sie heute zu der Hochzeit mitzunehmen. Sie ist die Rektorin an der Schule meiner Tochter. Ein Lehrer wurde krank und sie musste kurzfristig einspringen. Jetzt wollte ich sie abholen, da sie den Weg hierher nicht kennt.“ „Ich wusste gar nicht, dass du auf Frauen stehst.“, sagte Flo überrascht. „Wir haben alle unsere kleinen Geheimnisse, nicht wahr?“, erwiderte Manuela augenzwinkernd. „Wem sagst du das…“, erwiderte Flo nachdenklich. „Ich hoffe nur, wir überleben alle den heutigen Tag – insbesondere hoffe ich, wir überleben alle Irina.“ Manuela konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. „Mach dir wegen ihr mal nicht allzu viele Gedanken. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass der Chef ihr Verhalten nicht mehr länger dulden wird. So und jetzt fahr ich mal schnell los. Ich will ja nicht die Trauung verpassen. Das wird sicherlich ein Spektakel!“
Felix – Teil 24 „Kennst du eigentlich auch nur einen Menschen da unten?“, fragte Lucas seinen Adoptivbruder Felix, als er von ihrem Zimmerfenster aus, nach unten in den Garten blickte, wo nach und nach die ersten Gäste eintrudelten. „Das sind im Grunde genommen fast ausschließlich Geschäftspartner von meinen und Amadeus Eltern. Das ist doch krank, ey!“ Dass selbst Lucas das alles hier missbilligte, beruhigte Felix zwar keineswegs, aber dennoch stimmte es ihn ein klein wenig heiter. „Tja, wer sollte auch schon kommen, um mich heiraten zu sehen?“, entgegnete Felix, während er seine Krawatte zurechtrückte. „Ich hab keine Verwandten mehr und nur einen Freund, aber der weiß vermutlich gar nicht, wo ich bin. Ich hoffe ihm geht es gut.“ „Du hast einen Freund?“, gab sich Lucas überrascht. „Und dennoch heiratest du Amadeus?“ „Tja…, was tut man nicht alles für die Familie…“, log Felix, denn etwas anderes fiel ihm gerade nicht ein. Er hoffte sehr, den heutigen Tag schnell über die Bühne bringen zu können, damit er endlich aus diesem Schuppen herauskam und zu Jacob zurückkehren konnte. Er hoffte nur, dass nichts schief ging und Amadeus hinterher kein Ärger drohte, wenn dieser „Nein“ sagte. Butler Clément betrat den Raum. „Entschuldigen Sie vielmals, aber ihre Mutter lässt anfragen, ob die jungen Gentlemen dann soweit wären.“ „Wir sind soweit, oder?!“, antwortete Lucas und gab die Frage an Felix weiter. Felix atmete noch ein letztes Mal ein und aus. „Ich bin soweit. Lasst uns heiraten!“
Fortsetzung folgt ... am Samstag, den 15.Juli 2023!
Nils – Teil 24 Es war Nacht und alles schlief. Auch Nils schlief irgendwann wieder ein und fand sich an dem Ort wieder, wo er Valentin das erste Mal begegnete. „Sei froh, dass du nicht in der Schule warst.“, sagte eine Stimme aus dem Dunkeln heraus und Valentin trat in das Licht einer Straßenlaterne. „Wo warst du? Ich hab mir Sorgen gemacht. Weißt du, was mir widerfahren ist?!“, fragte Nils seinen Freund aufgebracht. Valentin nickte betrübt. „Ich kann mich nur wiederholen. Sei froh, dass du nicht in der Schule warst. Dort fand heute der reinste Albtraum statt!“ „Der reinste Albtraum? Verdammt Valentin, ich wurde von einem Auto angefahren, mein ganzer Körper schmerzt wie Sau, ich bin festgebunden und meine Familie sieht mich an, als hätte ich nicht mehr alle Tassen im Schrank!“, schrie Nils Valentin nun an. Er war wütend. Dabei war er eigentlich gar nicht wütend auf seinen Freund, sondern vielmehr auf sich selbst. „Bitte sag mir, dass sie sich alle irren. Bitte sag mir, dass du wirklich existierst.“ Valentin blickte Nils weiterhin betrübt an. „Sag du es mir. Sieh dich um. Sieht hier irgendetwas für dich real aus?“ Nils sah sich um und bemerkte erst jetzt, dass nur eine einzige Straßenlaterne leuchtete und zwar genau die, unter der er und Valentin standen. Des Weiteren waren sie ganz allein. Kein Auto, keine Menschenseele. Nicht ein Geräusch war zu hören, nicht einmal der Klang eines Tieres. Der Himmel war pechschwarz und da wusste es Nils endlich. „I-Ich träume…, oder?“ Valentin nickte und sagte: „Es tut mir Leid, dass du meinetwegen so viel Leid ertragen musstest. Dabei wollte ich dich eigentlich von eben jenem Leid befreien. Nur habe ich alles noch viel schlimmer gemacht. Ich dachte, wenn ich dich küsse und du dadurch glücklich wirst, dann habe ich mein Ziel erreicht und ich könnte gehen, aber du hast mich so sehr vermisst, dass du beinahe durchgedreht bist, weshalb ich dir immer wieder erschienen bin. Ich konnte dich einfach nicht im Stich lassen. Ich hab mich für dich verantwortlich gefühlt. Schließlich bin ich ein Teil von dir…!“ Endlich wurde Nils alles klar. Alles wovon er glaubte, wirklich erlebt und gefühlt zu haben, war eine einzige Täuschung. Tränen kullerten Nils´ Wangen hinunter. „Verschwinde…“ „Nils…“ „Hau ab! Verschwinde!“, schrie Nils unter Tränen. Valentin war nicht im Stande zu weinen, aber man sah ihm an, wie leid es ihm tat. Er gehorchte Nils, denn es war sein Traum. So plötzlich wie Valentin in Nils´ Leben trat, so plötzlich verschwand er auch wieder… und kehrte nie mehr zurück.
Felix – Teil 25 Felix und Lucas betraten gemeinsam den Rosengarten und wurden zugleich von mehreren Leuten nett begrüßt. Männer und Frauen, die Felix gar nicht kannte, schüttelten ihm lächelnd die Hand und machten ihnen Komplimente, wie gut sie doch in ihren Smokings aussehen. „Für was so ein Anzug für schlappe 800 Euro alles gut sein kann. Die Frauen himmeln uns an!“, meinte Lucas sehr erfreut. „In der Tat…, ein Schnäppchen.“, gab Felix weniger erfreut zurück und legte noch einen obendrauf. „Aber gib´s zu. Die Frauen, die dich anhimmeln, interessieren dich weitaus weniger, als die Männer, die das tun.“ „Halt die Klappe, oder ich stopf dir dein Maul mit einer Serviette.“, entgegnete Lucas, der wütend über diese Bemerkung war. Felix sagte kein Wort mehr, wenngleich er trotzdem lächelte, weil er wusste, wie Recht er mit seiner Vermutung behielt. „Aaaaah, mein zukünftiger Bräutigam!“, rief Amadeus stolz, der sich durch die Menschen zu Felix und Lucas durchkämpfte und Felix zugleich umarmte. Er nutzte die Gelegenheit und flüsterte ihm ins Ohr: „Mach dir keine Sorgen. Unsere Abmachung gilt auch weiterhin.“ Danach begrüßte Amadeus auch Lucas und Felix entging nicht, wie es nun Lucas war, der Amadeus anhimmelte. Plötzlich wurde Felix alles klar. Nur gut, dass er nicht wirklich vorhatte, Amadeus heute zu heiraten. „In einer Stunde beginnt die Trauung. Wenn ihr mich aber kurz entschuldigen würdet. Ich würde gerne noch ein paar Worte mit meinem zukünftigen Schwiegervater wechseln.“ Amadeus schritt davon, zu Herrn Brecheisen, der ihn bereits am Eingang zum Tanzsaal erwartete. Die beiden Männer zogen sich in die Villa zurück und Felix fragte sich, was die Zwei zu besprechen hatten, was nicht länger auf sich warten konnte. „Ähm… entschuldigt ihr beiden, aber könnt ihr mir zufällig sagen, wo ich die Mädchentoilette finde?“, fragte eine junge Frau die Jungs. „Diese Villa ist wie ein überdimensionaler großer Irrgarten.“ Felix fing zu lachen an. „Das kommt mir bekannt vor. Ich lebe seit über drei Monaten in dieser Villa und kenne noch immer nicht alle Räume darin.“
Ricardo – Teil 24 Ricardo sah dabei zu, wie die Filmcrew alles für den nötigen Dreh vorbereitete. Sanchez unterhielt sich zwischenzeitlich mit Barry – seinem Freund. Barry war also Sanchez` Freund. Plötzlich fühlte sich Ricardo so unsagbar dämlich, wenngleich dies nicht vorherzusehen war. Eigentlich war er nur noch hier, um Sanchez wiederzusehen, ja ihm gar nahe zu sein. Doch nun… „Sind alle bereit? In ein paar Minuten fangen wir an!“, rief Herr Garson durch den Raum. Ricardo blickte zu Herr Garson und dann zu Sanchez. Die letzten Monate spielten sich vor seinen Augen noch einmal wie im Zeitraffer ab und dann sagte er: „Ich kann das nicht.“ Es war nur ein Flüstern und kaum wahrnehmbar, also sagte er es noch einmal, nur kräftiger. „Ich kann das nicht!“ Nun sahen sowohl Herr Garson, als auch Sanchez und Barry zu ihm auf. „Ich kann das nicht.“, wiederholte Ricardo abermals. „Ich steige aus. Ich will kein Pornostar werden.“ Herr Garson wirkte auf Ricardo bislang wie ein Mann mit dem man vernünftig reden konnte, doch nun zeigte er eine Seite von sich, die Ricardo bisher noch nicht an ihm gesehen hatte. „Du hast einen Vertrag unterschrieben Ricardo. Ich hab dir einmal die Chance gegeben auszusteigen. Ein zweites Mal gebe ich sie dir nicht.“, sagte er und sein Gesicht verfinsterte sich. „Ja was glaubst du denn, was wir hier tun? Glaubst du, dass alles dient nur dem Spaß? Das ist unsere Arbeit. Damit verdienen wir unsere Brötchen. Einen Jungen, der alle zehn Minuten seine Meinung ändert, können wir hier nicht gebrauchen. Das ist einfach nur unprofessionell.“ „Dann entlassen Sie mich bitte aus meinem Vertrag.“, erwiderte Ricardo noch möglichst höflich. „Nein.“, antwortete Herr Garson knapp. „Du willst raus? Bitte, geh wohin du möchtest, aber dann zahlst du die Konventionalstrafe. Ich lasse mich von dir doch nicht für dumm verkaufen. Ich hab dich im ersten Video bereits als großen neuen Pornostar Ricardo Vasquez angekündigt und…“ „Was? Sie haben meinen richtigen Namen benutzt?!“, schrie Ricardo nun erschrocken, denn so konnte ihn nun natürlich jeder finden. Herr Garson lachte irritiert. „Du hast nie nach einem Berufsnamen verlangt, so wie Barry es einst tat. Ich bin nicht dazu verpflichtet, dir deinen gesamten Arbeitsvertrag vorzulesen. Wenn du so dumm bist und einfach unterschreibst, ohne vorher an die möglichen Konsequenzen bei einem Vertragsbruch zu denken, dann ist dir nicht mehr zu helfen.“ Herr Garson zeigte keine Gnade. Ricardo war entsetzt und sah Hilfesuchend zu Sanchez, der sich zu seiner großen Überraschung aber im Hintergrund hielt und sich nicht einmischte. „Also was wirst du tun, Ricardo?“, fragte Herr Garson. „Bist du nun bei dem Dreh dabei, oder ziehst du deinen jämmerlichen Schwanz ein?“
Flo – Teil 21 Obwohl es Flo in der letzten Zeit nicht sonderlich gut ging, war sie heute bester Laune. Vielleicht lag das an ihrer Unterhaltung mit Patrick neulich. Sie hatte das Gefühl, mit ihm über alles reden zu können, weil er sie verstand. Diesen Halt hatte Flo gerade bitter nötig, denn Personen wie Alexander oder Irina Moustaki konnten ihr Leben manchmal zur Hölle machen. Auch heute war Irina wieder einmal unausstehlich. „Ich sagte Salz und nicht Pfeffer, Anóitos!“, schimpfte sie wieder einmal mit einem ihrer Kollegen. Allerdings empfand Flo kein Mitgefühl für ihren Kollegen, denn es war derselbe, der Flo schon des Öfteren niedergemacht hat. Die Gerechtigkeit siegte! Plötzlich verspürte Flo das dringliche Bedürfnis, mal kurz auf die Toilette zu müssen. Jedoch hatte sie nicht den blassesten Schimmer, wo sich diese in der Villa befanden. Also fragte sie zwei Jungs, die sich ganz in ihrer Nähe miteinander unterhielten. „Ähm… entschuldigt ihr beiden, aber könnt ihr mir zufällig sagen, wo ich die Mädchentoilette finde? Diese Villa ist wie ein überdimensionaler großer Irrgarten.“ Einer der beiden Jungs fing zu lachen an. „Das kommt mir bekannt vor. Ich lebe seit über drei Monaten in dieser Villa und kenne noch immer nicht alle Räume darin.“ „Oje, du bist der Bräutigam, richtig?“, fragte Flo überrascht. „Tut mir leid, ich hab dich gar nicht erkannt.“ Felix verzieh Flo natürlich und erklärte ihr, wo sie die Toiletten finden konnte. Flo bedankte sich recht herzlich und folgte seiner Beschreibung. Nachdem sie die Toilette gefunden hatte, kam sie an einem Raum vorbei, dessen Tür nur leicht angelehnt war. Flo konnte dadurch das Gespräch eines Jungen und eines Mannes mitanhören, die sich gerade in einem Büro verschanzt hatten. „Und denk an unser Abkommen.“, sagte der Mann ernst. „Selbstverständlich.“, antwortete der andere Junge knapp. „Dieser Dummkopf von Felix ist auf meine liebliche Tour reingefallen und glaubt doch tatsächlich, dass ich bei der alles entscheidenden Frage „nein“ sage. Er wird große Augen machen, wenn wir auf einmal vermählt sind und er aus der ganzen Sache nicht mehr rauskommt. Ich will ihn zwar nicht heiraten, aber er ist nun einmal der Bauer, der für unsere gemeinsame Zukunft geopfert werden muss.“ „Sehr gut.“, sagte der Mann süffisant lächelnd und Flo klappte erschrocken der Mund auf. Nicht nur aufgrund dessen, was sie gehört hatte, sondern auch, weil sie den Mann kannte.
Fortsetzung folgt ... am Dienstag, den 18.Juli 2023!
Flo – Teil 22 Flo befand sich in einer unangenehmen Lage. Sollte sie Felix über das, was sie soeben mitangehört hatte, Bericht erstatten. Im Grunde genommen ging sie das Ganze schließlich nichts an und sie kannte ihn ja auch gar nicht wirklich. Doch ihr Gewissen meldete sich zu Wort. Flo konnte es nicht zulassen, wenn ein anderer Mensch in sein Unglück rannte. „Entschuldige, Felix richtig?“ Flo griff behutsam nach der Schulter von Felix, der sich nun an sie wandte. „Verzeih, wir kennen uns noch gar nicht. Ich bin Florentine Neumann und ich muss dir etwas von enormer Wichtigkeit sagen. Ich weiß, das hört sich jetzt vielleicht schräg an, weil du mich gar nicht kennst, aber du darfst heute nicht heiraten!“ Felix lächelte Flo etwas verwirrt an. „Warum nicht? Amadeus und ich… wir lieben uns.“, sagte er, doch sein kurzes Zögern säte Misstrauen in Flo, ob er das wirklich selbst glaubte. „Ma-mag sein, aber ich hab da geradeeben etwas mitangehört...“, entgegnete Flo unbeirrt. „Was haben Sie denn gehört, wenn mir die Frage gestattet ist?“, fragte auf einmal eine Stimme hinter den Beiden und als Flo sich umdrehte, erblickte sie den Mann aus dem Büro. Als der Mann Flo ansah, stutzte er. „Kennen wir uns nicht von irgendwoher?“ „Dose. Auto.“, antwortete Flo lediglich. Nun schien auch bei dem Mann der Groschen gefallen zu sein. „Sie sind diese unverschämte Göre, die mir eine Dose an mein Auto geknallt hat! Als ob ich damals auch nur eine Sekunde daran geglaubt hätte, dass es dieser junge Mann gewesen war, der Ihnen lediglich zu Hilfe geeilt war. Doch heute wird er ihnen nicht zu Hilfe kommen…“ Dass Alexander hier aufkreuzte, wollte Flo auch keinesfalls. „Jetzt führen Sie sich mal nicht so auf. Wer sind Sie denn eigentlich?!“, fragte Flo wütend. „Gestatten, Arnulf Brecheisen. Ich bin der Herr dieses Hauses und ich bin bevollmächtigt, Sie nun von diesem Gelände zu verweisen. „Clément!“ Herr Brecheisen rief den Butler zu sich. „Begleiten Sie diese junge Dame bitte unverzüglich hinaus. Ich möchte sie hier nicht mehr länger sehen.“ Der Butler nickte, wenngleich auch wenig begeistert. Flo starrte Herr Brecheisen wütend an und ihre einzige Chance, Felix über die Falle zu informieren, wurde im Keim erstickt. „Hören Sie.“, sagte Flo zu dem Butler, als dieser sie durch die Villa nach draußen begleitete. Dies entging auch Flos Kollegen und Kolleginnen nicht, die ihr verwirrt hinterher sahen. „Ich gehe gerne freiwillig, aber bitte, ich bitte sie inständig, sie müssen Felix etwas ausrichten!“
Damian (Timo) – Teil 26 Timo war klar, dass seine Beziehung mit Damian dabei war, in die Brüche zu gehen und ihm war auch klar, dass dies vor allem seine Schuld war. Er hätte ihm niemals eine offene Beziehung vorschlagen dürfen. Denn dann wäre es vielleicht nie so weit gekommen. Er wollte das Abenteuer. Er hat es auch bekommen. Doch jedes Abenteuer birgt auch Gefahren und die Gefahr in diesem Abenteuer hatte er leider nicht bedacht. Damian entfernte sich immer weiter von ihm, weil er ihn von sich wegtrieb. Doch damit war jetzt Schluss. Timo wollte es wieder bei seinem Freund gut machen. Woher dieser Sinneswandel kam? Timo könnte sich selbst dafür ohrfeigen, aber erst durch eine Hochzeitsanzeige über zwei Jungs aus reichem Hause wurde ihm klar, dass er nicht mehr ohne Damian sein wollte. Er wollte bei ihm sein – für immer. Er wollte sein Leben mit ihm verbringen – für immer! Also kam Timo mit einem Strauß weißer und roter Rosen nach Hause, um sich bei Damian für sein Fehlverhalten der letzten Monate zu entschuldigen und ihm ein Liebesgeständnis ohnegleichen zu machen. Er ließ sich auf dem Nachhauseweg besonders viel Zeit, um die passenden Worte auszusuchen. Eigentlich war er überhaupt nicht der Typ für romantische Gesten, aber Damian war es ihm wert. Wie bescheuert man manchmal ist, dass man erst merkt was man hat, wenn es bereits zu spät ist. Doch mit etwas Glück…, war es noch nicht zu spät. „Damian?“ Timo betrat die Wohnung und suchte jedes Zimmer nach seinem Freund ab. In der Küche, im Wohnzimmer und im Badezimmer war er nicht. Im Badezimmer fiel Timo dann auf, dass Damians Zahnbürste verschwunden war. Plötzlich ereilte ihn ein furchtbarer Verdacht und er rannte ins Schlafzimmer. Er öffnete den Kleiderschrank und stellte zu seinem Bedauern fest, dass alle Klamotten von Damian ebenfalls nicht mehr da waren. Timo war wie gelähmt vor Angst. Dann entdeckte er einen Brief, der auf dem Bett lag. Timo stockte der Atem, denn ihm schwante böses. Er ließ den Strauß Rosen zu Boden fallen, setzte sich auf das Bett und öffnete den Brief.
Felix – Teil 26 „Bist du aufgeregt?“, fragte Amadeus, denn in zehn Minuten begann die Trauung. „Naja…, man heiratet schließlich nicht jeden Tag, oder?!“, antwortete Felix doch leicht nervös. „Unter uns gesagt…“, Amadeus beugte sich leicht nach links und sprach möglichst leise, „… ich bin es auch. Schließlich sage ich nicht allzu oft „nein“, bei einem so gutaussehenden Jungen wie dir.“ Amadeus` Kompliment schmeichelte Felix sehr. Vor allem aber nahm es ihm ein wenig die Anspannung von dem, was ihn gleich erwartete. Die Gäste nahmen allmählich auf den weißen Stühlen Platz. Familie Brecheisen und Familie Wohlfahrt saßen natürlich in der vordersten Reihe und während sich Frau Brecheisen schon freudig die Hände rieb, sah Lucas eher mürrisch drein. „Bevor all das hier so richtig losgeht, wollte ich mich noch bei dir bedanken.“, sagte Felix an Amadeus gewandt. „Später komme ich vielleicht nicht mehr dazu, also tu ich es jetzt. Danke, dass du mich unterstützt. Das was du gleich vorhast, werde ich dir ein Leben lang nicht mehr vergessen.“ Amadeus wirkte überrascht, lächelte kurz darauf aber. „Nein, diesen Tag wirst du in der Tat dein Leben lang nicht vergessen…!“ „Sir.“ Butler Clément stand hinter den Jungs und sah zuerst Amadeus und dann Felix an. „Dürfte ich Sie bitte kurz auf ein Wort sprechen, Sir?“ „Was gibt es denn Clément?“, fragte Felix irritiert. „Wir heiraten gleich. Das sehen Sie doch.“, sagte Amadeus etwas ungehalten. „Ich benötige auch nur wenige Sekunden ihrer wertvollen Zeit, gnädigster Herr.“, sagte Clément, dem sein Anliegen wirklich wichtig zu sein schien. „Unter vier Augen.“, fügte er eindringlich hinzu. Felix lächelte verwirrt. „Schon okay, ich hab vor meinem zukünftigen Ehemann keine Geheimnisse.“ „Aber Sir ich…“ Butler Clément schnappte nach Luft. „Schon gut, mein Anliegen kann warten. Oh, ihre Krawatte sitzt schief.“ Clément rückte die Krawatte an Felix zurecht. Amadeus war kurz abgelenkt, denn die Hochzeitsmusik ertönte, die darauf hinwies, dass es losgehen konnte. Clément nutzte die letzte Gelegenheit und flüsterte Felix ins Ohr: „Heiraten Sie ihn nicht. Das ist eine Falle.“ Danach sagte er wieder etwas lauter. „Sehr schön. Jetzt sitzt sie wieder wie angegossen.“ „Können wir dann?“, fragte Amadeus an Felix gewandt. Felix blickte Amadeus in die Augen und antwortete: „Wir können.“
Ricardo – Teil 25 Ricardo Vasquez. Ricardo Vasquez. Ricardo Vasquez. Ricardo stieß einen wütenden Schrei aus, als er sich durch diverse Seiten klickte und unter dem Sexvideo, welches er einst mit Barry drehte, stets sein Name stand. Ricardo ballte seine Hände zu Fäusten und hämmerte mit ihnen gegen seinen Kopf. Er kochte vor Wut. Doch das hat ihn nicht davon abgehalten, den geplanten Dreh mit Sanchez und Barry abzusagen. Herr Garson ließ ihn ziehen, aber natürlich musste Ricardo jetzt mit einer gehörigen Strafe rechnen. Vermutlich geht sein ganzes Erspartes der letzten Monate für die Konventionalstrafe drauf. Er konnte nur hoffen, dass es nicht noch viel mehr war, was er zurückzahlen musste. In einem Punkt jedoch war sich Ricardo zu hundert Prozent sicher: Sanchez war für ihn gestorben! Der Bastard hat einfach nichts getan, um ihm zu helfen. Er hat einfach nur dagestanden… fertig. Und obwohl es Ricardo schon dreckig genug ging, traf schon bald das ein, wovor er am meisten Angst hatte. Natürlich fand irgendwann einer seiner Mitschüler auf seinem Gymnasium heraus, dass Ricardo in einem Porno mitgewirkt hat und schon bald verbreitete sich das wie ein Lauffeuer in der ganzen Schule. Irgendwann hörten auch die Lehrer davon und der Schaden war irreparabel. Ricardos Eltern erfuhren von dem „kleinen Nebenverdienst“ ihres Sohnes und rasteten aus und natürlich ließ eine Anzeige auf Dennis Garson nicht lange warten, da er einen Minderjährigen unter Vertrag nahm. Ricardos Eltern nahmen ihn alles weg, was ihm Freude bereitete, darunter seinen Laptop und sein Handy. Doch das war nur das geringere Übel im Vergleich zu dem, wie seine Eltern ihn fortan ansahen. Enttäuscht, erschüttert, aber vor allem so, als ob er nicht mehr ihr Sohn wäre. Ricardo war das Gespött der gesamten Schule. Angehimmelt wurde er nur noch von denen, die einfach notgeil waren und meinten, Ricardo würde es jetzt mit jedem treiben. Sein Leben entwickelte sich zu einem reinen Fiasko. Sein Name war beschmutzt. Ricardo fühlte sich allein und warum? Weil er in etwas hineingeraten ist, was zunächst harmlos aussah und später das Böse zum Vorschein brachte. Um wenigsten mit irgendjemanden darüber reden zu können, der ihn verstand, beschloss Ricardo Martin aufzusuchen, mit dem einst alles seinen Anfang nahm.
Fortsetzung folgt ... am Donnerstag, den 20.Juli 2023!
Felix – Teil 27 Normalerweise verlangte es der Brauch, dass der Brautvater seine Tochter zum Altar führte, wo er sie dann schließlich ihrem zukünftigen Ehemann übergab. Felix` Hochzeit verlief natürlich etwas anders ab. Er und Amadeus schritten Hand in Hand zum Altar, der unter einem Rosenbogen errichtet wurde. Links und rechts von ihnen saßen an die hundert Leute, die Felix teils nur vom Sehen her kannte und im Hintergrund saß ein Streichorchester, die den Hochzeitsmarsch spielten. Eine Hochzeit sollte der glücklichste Tag eines Menschen darstellen, für Felix jedoch, war der heutige Tag die reinste Farce. Er wäre schon längst abgehauen, doch er spielte dieses Theater nur aus einem Grund mit. Weil er geglaubt und gehofft hatte, dass Amadeus im Gegensatz zu den Brecheisens ein ehrlicher und freundlicher Mensch war, der ihn gewiss nicht enttäuschen würde. „Sehr geehrte Damen und Herren, liebes Brautpaar. Wir haben uns heute an diesem wundersamen Ort hier versammelt…“ Der Pfarrer sprach seine üblichen Worte, die er bestimmt schon in Schlaf konnte. Felix horchte nur mit halbem Ohr zu, wenngleich er auch stets lächelte. Die Zeit verstrich unaufhaltsam. Amadeus und Felix trugen ihr Ehegelübde vor und als es in die alles entscheidende heiße Phase überging, wurde es erst richtig spannend: „Amadeus, willst du Felix zu deinem dir angetrauten Ehemann nehmen, ihn lieben, ehren und beschützen, bis das der Tod euch scheidet?“ Amadeus stutzte. Er hatte nämlich nicht damit gerechnet, dass der Pfarrer ihm die Frage als Erstes stellte. Wenn er jetzt nämlich „ja“ sagte, dann flog sein falsches Spiel bereits vorher auf und Felix bekam die Gelegenheit „nein“ zu sagen. Felix lächelte insgeheim in sich hinein, denn Clément hat dies arrangiert, indem er zuvor noch ein paar Takte mit dem Pfarrer gewechselt hatte. „I-Ich…“, fing Amadeus langsam an, während alle Augen nur auf ihn gerichtet waren. „Iiiich will. Ja, ich will!“ Der Pfarrer fuhr fort: „Und du Felix, möchtest du Amadeus zu deinem dir…“ „Bin ich irre? Auf keinen Fall!“, stieß Felix laut aus und alle Gäste waren natürlich erschrocken. „Ja, glaubt ihr denn allen Ernstes, ich will ein verlogenes Arschloch wie den hier heiraten? Danke, nein.“, sagte Felix vergnügt, legte dem überraschten Amadeus seine Hände auf die Brust und gab ihn einen kleinen Schubs, so dass dieser im Teich landete und baden ging. „FELIX!“, schrie Frau Brecheisen, die sich wutentbrannt von ihrem Stuhl erhob, während Lucas neben ihr, sich sein Lachen nur schwerlich verkneifen konnte und halb auf dem Stuhl zusammenbrach. „Ich verneige mich vor euch ehrwürdigen, Kaviar schlurfenden Steifärschen, aber ich hab genug Zeit hier verplempert.“ Felix verneigte sich zum Abschied und fing zu rennen an.
Eric – Teil 20 Eric saß noch immer bei Dr. Böhmer und erzählte ihm nun davon, was an jenem Tag geschehen war, welches das Leben aller veränderte: „Die Schulglocke läutete das Wochenende ein und natürlich stürmten alle Schüler sofort aus ihren Klassenzimmern. Es war ein herrlicher, sonniger Tag und so ziemlich jeder versprühte gute Laune. Nachdem ich mich von Adam getrennt hatte, fiel mir erst einmal ein großer Stein vom Herzen. Die Wahrheit war endlich raus und ich konnte mich meiner Liebe zu Levin endlich hingeben. Wir standen Hand in Hand in der Aula und blickten uns tief in die Augen, während alle Schüler an uns vorbei rannten. Ein paar unserer Mitschüler klopften uns anerkennend auf den Rücken oder die Schultern und wünschten uns ein schönes Wochenende. Ich ging fest davon aus, es würde das schönste Wochenende seit Monaten werden, doch…“ „Doch dann kehrte Adam mit einer Waffe zurück, richtig?“, beendete Dr. Böhmer den Satz für ihn. „Woher hatte er eigentlich die Waffe?“ Eric zuckte mit den Schultern. „Sein Vater geht öfters im Wald auf die Jagd nach Wildschweinen. Ich denke also, dass er sie von ihm gestohlen hatte. Doch das war in dem Moment auch überhaupt nicht wichtig, denn als ich Adam in die Schule zurückkehren sah und er plötzlich eine Waffe aus seinem Ärmel zog, da wusste ich sofort, dass sich hier und jetzt alles verändern würde. Ich blickte Adam erschrocken an. Er war noch mehrere Meter von mir und Levin entfernt und zwischen uns liefen noch unzählige Schüler und Lehrer hin und her, die noch gar nichts von der bevorstehenden Gefahr ahnten. Doch spätestens als Adam seinen ersten Schuss abfeuerte, war sich jeder über die Gefahr im Klaren. Schreie. Im ganzen Schulhaus waren Schreie zu hören. Wie in Trance brachte ich Levin aus dem Schussfeld, indem ich ihn auf die Seite zu Boden schubste.“ Eric hielt für einen kurzen Moment inne. Er bekam diese Bilder einfach nicht mehr aus dem Kopf. „Der erste Schuss traf weder Levin noch mich…, sondern…“
Manuela – Teil 25 „Mum, warum kannst du mich nicht von der Schule abholen?“, fragte Florian ihre Mutter am Handy, denn er war nicht gerade darüber begeistert, dass seine Oma ihn heute abholte. „Warum darf ich nicht mit zu der Hochzeit?“ „Weil das nicht geht Florian. Das hab ich dir doch gestern bereits hundertmal erklärt.“, antwortete Manuela ihrem Sohn leicht genervt, während sie aus ihrem Auto ausstieg und sich im Eilschritt dem Schuleingang näherte. Nur gut, dass Florian auf eine andere Schule ging als seine große Schwester und Marie hatte heute mit ihrer Klasse einen Wanderausflug, so dass Manuela sich keinerlei Sorgen machen musste, an der Schule von ihren Kindern entdeckt zu werden. Sie traute sich noch nicht, ihren Kindern ihre Freundin vorzustellen. Marie war sicherlich nicht sonderlich begeistert, wenn sie erfuhr, dass ihre Schulrektorin die Freundin ihrer Mutter war. Es lief gerade erst wieder so gut zwischen ihnen, da wollte Manuela nicht einen neuen Keil zwischen sie treiben. „Ich muss jetzt auflegen Florian.“, sagte Manuela, als eine Schar von Schülern an ihr vorbeistürmten, um freudig ins Wochenende zu starten. Ein Junge jedoch, rumpelte sie von hinten an, um an ihr vorbei zu kommen. „HEY!“, rief Manuela dem Jungen wütend nach. „Was ist denn Mum?“, fragte ihr Sohn verwirrt. „Was sind das für Geräusche im Hintergrund?“ „Nicht du Schatz. Ich leg jetzt auf, okay? Hab dich lieb Schatz. Küsschen.“ Manuela wimmelte ihren Sohn erfolgreich ab und setzte ihren Weg zum Büro von Andrea fort. Doch ihr Weg endete abrupt, als sie einen lauten Schuss hörte, der in der gesamten Schule zu hören war. Manuela blieb erschrocken stehen, während um sie herum Panik ausbrach. Schüler und Schülerinnen rannten schreiend an ihr vorbei nach draußen. Manuela jedoch wagte noch ein paar Schritte vor. Unsicher und verängstigt trat sie um die Ecke. Der Junge, der sie gerade eben noch von hinten angerempelt hat, stand inmitten der Aula, in seiner Hand eine Waffe. „Manuela, renn sofort weg!“, rief Andrea, die aus ihrem Büro trat, um nachzusehen was los war und kurz darauf ihre Freundin erblickte. Doch da war es schon zu spät. Der Junge schoss wie ein Berserker um sich und einer der Schüsse traf Manuela. Sie stieß einen schmerzerfüllten Schrei aus und brach auf dem kalten Boden zusammen.
Leonas – Teil 24 „Wir könnten zusammen eine WG gründen.“, meinte Kai frohen Mutes. Seit seinem Outing ging es ihm so viel besser. Er fühlte sich frei und glücklich und keiner vermochte es, ihm dieses Glück jemals wieder zu nehmen. „Wer ist wir? Du und ich?“, fragte Leonas skeptisch, als sie ihr Klassenzimmer verließen und wie alle anderen die Treppe runtergingen und die Aula durchquerten, um die Schule zu verlassen. „Ich glaube, da macht mein Sparschwein nicht mit…“ „Eigentlich meinte ich uns beide und Sarah.“, antwortete Kai. „Haha, sehr witzig. Das würde keine zehn Minuten gut gehen mit euch beiden, oder soll ich dich daran erinnern, wem du den Nasenbruch zu verdanken hast?“, entgegnete Leonas, der sich nicht sicher war, ob er Kais Idee lustig oder bescheuert finden sollte. „Ich glaube, sie kann mich immer mehr leiden.“, sagte Kai unbeirrt. „Jetzt wo sie weiß, wie sehr ich dich liebe und alles. Ganz Unrecht hast du allerdings auch nicht. Sollte dir jemals etwas zustoßen, bin ich sicher, dass ein Nasenbruch die geringste Sorge ist, die ich haben werde…“ Leonas schmiegte sich an seinen Freund und lächelte ihn verliebt an. „Mir wird nichts zustoßen, denn ich hab ja dich. Du bist mein strahlender Held ohne Ritterrüstung.“ Leonas schenkte seinem Freund einen Kuss. Es war noch immer etwas ungewohnt in der Schule, aber inzwischen schien sich kaum noch einer daran zu stören, denn Eric und sein neuer Freund Levin taten es ihnen gleich. „Ah, sieh mal. Da ist Eric. Wir müssen uns noch bei ihm bedanken, dass sein Vater mir geholfen hat, dich aus deinem Zimmer zu befreien.“ Leonas löste sich von Kai und schritt alleine auf Eric zu, als plötzlich ein lauter Knall ertönte und er gezwungen war, stehen zu bleiben. Kälte. Leonas fühlte nur noch eins und das hatte nichts mit Glück und Wärme zu tun. Er fühlte sich kalt, eiskalt. Eric wandte seinen Kopf zu ihm und blickte ihn erschrocken an. Dann verlor Leonas sein Gleichgewicht und er kippte seitlich zu Boden. Kai kam sofort angerannt, schreiend und voller Angst. Er legte seine Hände auf Leonas` Brust, nur um sie kurz darauf wieder anzuheben und sie zu betrachten. Blut. An seinen Händen klebte Blut. Leonas` Blut. Leonas verlor mehr und mehr das Gefühl in seinem Körper. Er konnte spüren, wie sein Herz unaufhaltsam langsamer schlug. Kai beugte sich über ihn. Tränen flossen aus seinen Augen, während er sagte: „Bitte bleib bei mir, hörst du. Du musst wach bleiben, Leonas. Bitte. Ich liebe dich!“ Kais Worte drangen noch bis zu Leonas durch, doch der Kampf mit dem Tod war Leonas nicht gewachsen. Ein letztes Lächeln, dann schloss Leonas seine Augen – für immer.
Fortsetzung folgt ... am Samstag, den 22.Juli 2023!
Jannik – Teil 24 „Warten Sie!“, rief Jannik dem Referendar hinterher, als dieser das Klassenzimmer verließ und Jannik ihm kurz darauf hinterherrannte. „Bitte warten Sie.“, wiederholte Jannik. Es fiel ihm schwer, nicht in Tränen auszubrechen, aber vor Herrn Kronthaler wollte er nicht wie ein weinerlicher kleiner Junge aussehen. Denn tatsächlich blieb dieser stehen und drehte sich zu Jannik um. Es schien ihm sichtlich schwer zu fallen, einfach so zu gehen. „Ich kann nicht ändern, was ich getan habe. Das weiß ich.“, sagte Jannik zutiefst traurig. „Im Grunde genommen hab ich immer gewusst, was geschehen würde, wenn ich…, wenn ich Sie…“ Jannik konnte das Wort nicht sagen, aber Herr Kronthaler verstand ihn auch ohne viele Worte. „Jedenfalls, es tut mir leid!“ Nun war es Herr Kronthaler, der den Tränen nahe zu sein schien. „Oh mein Gott Jannik. Es gibt nichts, aber auch rein gar nichts, wofür du dich entschuldigen müsstest! Es war nicht dein Fehler. Ich bin hier der Erwachsenere von uns beiden und ich hätte die Anzeichen schon viel früher richtig deuten müssen. Es war mein Fehler und mir tut es leid, dass ich dich nun mit einem gebrochenen Herzen zurücklassen muss.“ „Sie doch auch.“, sagte Jannik. „Sie haben gesagt, sie hätten Liebeskummer. Demzufolge haben Sie auch ein gebrochenes Herz, oder?“ Herr Kronthaler nickte lediglich. „Liebe ist scheiße. In meinem ganzen Leben will ich mich nie mehr verlieben!“ Nun war es um Jannik geschehen. Er war das erste Mal verliebt und wusste es nicht besser, aber für ihn war Herr Kronthaler die große Liebe gewesen, egal wie unrealistisch es auch gewesen sein mag. Jannik fing zu weinen an. Dann hörte er einen Knall. Jannik ging an das Treppengeländer und blickte hinunter in die Aula. Ein Schüler zielte mit einer Waffe auf andere Leute. Ehe Jannik klar wurde, was da geschah, entdeckte dieser Schüler ihn und zielte mit der Waffe auf ihn. Ein weiterer Schuss. Doch die Kugel traf nicht Jannik, sondern Herrn Kronthaler, der sich in letzter Sekunde dazwischen warf und Jannik somit das Leben rettete. Jannik stürzte zu Boden und Herr Kronthaler fiel auf ihn drauf. Aus seiner Brust trat Blut heraus. Janniks Augen weiteten sich vor Entsetzen, doch Herr Kronthaler, kämpfte unter Schmerzen darum, seine Augen offen zu halten. „Ha-hab kei-ne Angst.“, sagte er sehr langsam, während das Blut aus seiner Brust Jannik bedeckte. „Eines Tages…, wirst du dich neu verlieben. Gl-laub mir! Und jetzt ver-steck dich und wa-arte, bis Hilfe kommt.“ Jedes Wort, schien für Herrn Kronthaler die reinste Qual zu sein, doch er wollte Jannik in Sicherheit wissen. Er wollte sicherstellen, dass sein Opfer nicht vergebens war. „Nein.“, heulte Jannik. „Nein. Bitte bleiben Sie bei mir. Sie müssen wach bleiben!“ „Marcus.“, sagte Herr Kronthaler, während seine Augen begannen, sich langsam zu schließen. „Nenn mich Marcus.“ Die Augen schlossen sich und Jannik konnte spüren, wie das Herz von Herrn Kronthaler langsam aufhörte zu schlagen. Jannik stieß einen schmerzerfüllten Schrei aus.
Moritz – Teil 26 Moritz erklärte sich dazu bereit, seine Halbschwester Emilia kennenzulernen. Er erhoffte sich nicht allzu viel davon, aber irgendwie interessierte es ihn dann doch, wer die Frau war, mit dem sein Vater einst eine Affäre hatte und wie seine Halbschwester wohl sein würde. Eigentlich hatte Moritz keine Lust, zu sehr frustrierte ihn alles. Er konnte nicht einmal mehr richtig wütend auf seinen Vater sein, denn der war ja tot. Hinzu kam, dass die anderen Waisenkinder ihn immer noch wie einen Aussätzigen behandelten und dann war da noch Jacob, an den Moritz gerade immerzu denken musste. Wieso gerade jetzt? Irgendwie sehnte sich Moritz nach einer Schulter zum Anlehnen. Moritz wollte es nicht zugeben, aber insgeheim hatte er sich in Jacob verliebt. „Sie werden gleich eintreffen.“, verkündete Herr Hendricks, während er mit Moritz am Eingang auf Emilia und ihre Eltern wartete. „Aufgeregt?“ „Ehrlich gesagt…, weiß ich nicht, was ich fühlen soll.“, antwortete Moritz, während seine Augen starr nach draußen gerichtet waren. Doch seine Trance wurde jäh unterbrochen, als ein paar Jungs an ihnen vorbeistürmten und lauthals umherblärrten. „Wie oft hab ich euch schon gesagt, dass ihr in dem Bereich nicht rennen sollt?!“, schimpfte Herr Hendricks mit den Jungs. „Und seid bitte etwas leiser!“ „Aber Herr Hendricks. Sie bringen es in allen Nachrichten.“, sagte ein Junge im Vorbeigehen. „Irgendein Irrer hat in einer Schule um sich geballert und zwei Menschen sind dabei umgekommen!“ „Du meine Güte, das ist ja schrecklich.“, sagte Herr Hendricks, der den Jungs daraufhin in den Aufenthaltsraum folgte, wo alle gebannt und schockiert vor dem Fernseher saßen. Moritz hingegen blieb stehen wo er war. Dabei hallten ihm die Worte des Jungen im Ohr nach: „…zwei Menschen sind dabei umgekommen!“ Die Erinnerung an den Todestag seiner Eltern wurde wieder in ihm hervorgerufen und Moritz konnte nicht anders, als zu weinen anfangen. Gerade in dem Moment tauchte eine dreiköpfige Familie auf. Ein kleines Mädchen schaute Moritz verblüfft an und fragte: „Bist du mein großer Bruder? Warum weinst du?“
Eric – Teil 21 „Als ich Adam mit einer Waffe in der Hand auf mich zukommen sah, schubste ich Levin instinktiv zur Seite, um ihn außer Gefahr zu bringen. Doch dafür traf die Kugel einen Jungen aus meinem Jahrgang, der mit dem Leben dafür bezahlen musste.“ Eric blickte starr auf den Glastisch vor sich, während seine Augen selbst gläsern waren. Bei den Erinnerungen an damals, schossen ihm selbst wieder Tränen ins Gesicht. Er gab sich die Schuld für den Tod von Leonas. „Als Adam begriff, dass er einen Unschuldigen umgebracht hatte, resignierte er vollends. Er war nicht mehr zurechnungsfähig und ballerte in der Aula rum, als wäre er verrückt geworden. Zuerst schoss er einer Schülerin ins Bein, dann tauchte eine Frau um die Ecke auf, auf die er die Waffe richtete. Danach traf er zwei Lehrer, von denen einer ebenfalls ums Leben kam. Und so ging es weiter bis ich schrie, dass er damit aufhören sollte. Ich weiß nicht, was in dem Moment über mich gekommen war. Hatte ich Todessehnsucht, einen bewaffneten Jungen anzuschreien, dem ich kurz zuvor das Herz brach? Mir war klar, dass es nur noch eine Frage der Zeit war, bis er seine Waffe auf mich richtete und genauso kam es dann auch.“ Eric hielt einen Moment inne. Ein Bild tauchte vor seinem geistigen Auge auf, wie Adam direkt vor ihm stand und seine Waffe auf sein Gesicht richtete. „Angst? Natürlich hatte ich Angst. Todesangst. Ich war wie gelähmt und konnte mich nicht bewegen. Lediglich meine Lippen konnte ich bewegen. Na los, schieß doch, hab ich zu ihm gesagt. Schieß endlich und bring es hinter dich, aber lass bitte alle anderen Menschen hier in Frieden. Sie haben dir kein Leid zugefügt. Ich, ich war es, der dir Leid zugefügt hat. Ich kann nicht genau sagen, was in eben diesem Moment in Adams Kopf vor sich ging, aber ich glaubte, dass ihm erst in diesem Moment klar wurde, was er getan hatte. Er fing zu weinen an.“ Dr. Böhmer saß angespannt Eric gegenüber und lauschte jedem einzelnen Wort. Erstmals bekam er die ganze Geschichte zu hören, obwohl er bereits einiges darüber wusste, da sein Enkel Jannik damals ebenfalls in der Schule zugegen war und nur knapp mit dem Leben davongekommen war. „Dann auf einmal… Adam senkte die Waffe und ich glaubte schon es sei vorbei. Doch stattdessen drückte er mir die Waffe in meine Hände. Drück ab, schrie er mich an, erschieß mich! Ich will so nicht weiterleben. Meine Hände zitterten wie Espenlaub, als ich die Waffe in den Händen hielt, mit der er so viele Menschen verletzt hatte. Natürlich war ich nicht in der Lage, Vergeltung für diese Menschen zu üben. Ich gab Adam keinerlei Schuld…, sondern einzig und allein mir. Und dann…“ „Dann hast du die Waffe auf dich selbst gerichtet.“, sagte Dr. Böhmer, dem dieses Detail der Geschichte von Anfang an bekannt war. Eric nickte. „Ich richtete die Waffe auf mich. Adam starrte mich mit großen Augen an. Er konnte nicht begreifen, was ich da tat, warum ich die Waffe nun auf mich und nicht auf ihn richtete. Inzwischen tauchte Levin wieder auf. Er schrie mich an, was das werden sollte. Er packte mich am Arm und wollte mir die Waffe entreißen. Es kam zu einem wilden Handgemenge, bei dem sich auch Adam wieder einschaltete. Dann – ein letzter Schuss. Eine Kugel traf Levin in die Hüfte und er brach auf der Stelle zusammen. Erschrocken beugte ich mich über ihn. Adam stand da, fassungslos, die Waffe lag auf dem Boden vor seinen Füßen. Kurz darauf wurde die Schule von der Polizei gestürmt. Adam wehrte sich nicht. Zwei Beamte rissen ihn zu Boden und legten ihm Handschellen an. Levin und alle anderen Verletzten wurden mit Krankenwagen abtransportiert. Ich durfte bei Levin im Krankenwagen mitfahren. Kurz bevor sich die Türen schlossen, konnte ich sehen, wie Adam in einem Polizeiauto abgeführt wurde. Das war das letzte Mal, dass ich ihn gesehen habe…“
Fortsetzung folgt ... am Dienstag, den 25.Juli 2023!
Flo – Teil 23 „Hochzeit abgesagt. Bräutigam auf der Flucht!“, las Flo, als sie die Lokalnachrichten in der Zeitung las. „Sieht ganz danach aus, als hätte Felix gerade noch die Kurve gekriegt.“ „Und das hat der Junge einzig und allein dir zu verdanken.“, sagte Patrick, der zusammen mit Flo in dem Restaurant saß, in dem Flo sonst ihre Arbeit verrichtete. „Deine Worte in allen Ehren, aber ich war nur zur richtigen Zeit, am richtigen Ort.“, sagte Flo bescheiden. „Schade ist nur, dass ich nicht das Gesicht von dem alten Sackgesicht sehen konnte, als sein Adoptivsohn nein sagte und fluchtartig über die Hecke sprang.“ „Die haben sicherlich einen Fotografen engagiert, der das festgehalten hat.“, meinte Patrick amüsiert. „Und wo wir schon von unausstehlichen Leuten sprechen. Wo ist denn eure Gourmet-Köchin aus Griechenland? Ich hab sie heute noch gar nicht aus der Küche schimpfen gehört.“ Flo grinste innerlich in sich hinein. „Gefeuert. Sogar der Chef fand sie irgendwann unausstehlich, aber das i-Tüpfelchen kommt erst noch, denn jetzt wurde sie auch noch eingebuchtet.“ „Warum das denn?“, fragte Patrick überrascht. Flo zuckte mit den Schultern. „Nachdem sie gekündigt wurde, ist sie offenbar von einer Polizeikontrolle aufgehalten worden und wie sich herausgestellt hat, ist Irina Moustaki keine geringere als der ewig gesuchte Raser, der Passanten anfährt.“ „Ist nicht wahr?“, stieß Patrick überrascht aus. „In was für einer irren Welt leben wir eigentlich. Aber schon komisch, wie sich alles gerade entwickelt. Als würde sich alles zum Guten wenden…“ „Ja, als wären wir alle nur Karikaturen eines Autors, dem in der allerletzten Sekunde eingefallen ist, er sollte vielleicht noch schnell ein paar Happy Ends mit einbauen.“ Flo fing zu lachen an. Sie hatte lange genug Trübsal geblasen und genoss ihren freien Tag in vollen Zügen. Und was gäbe es schöneres, als sich von ihren Kollegen bedienen zu lassen, die sonst so fies zu ihr waren. „Hallo Flo…“ Flo sah auf. „Hallo Alexander.“ Sie war keineswegs überrascht, ihn hier – schon wieder – anzutreffen. Genaugenommen haben Patrick und sie schon die ganze Zeit auf ihn gewartet. Denn Alexander war der einzige, der Flos gute Laune noch trüben konnte, aber auch das sollte sich heute ändern.
Moritz – Teil 27 „Ich freue mich sehr deine Bekanntschaft zu machen Moritz. Ich bin die Sabine, das ist mein Mann Jürgen und das ist meine Tochter Emilia, deine Halbschwester...“, sagte die Frau, mit der Moritz` Vater einst eine Affäre hatte. Sie alle hatten es sich auf zwei Sofas bequem gemacht und Herr Hendricks verfolgte das erste Aufeinandertreffen in einem Sessel. „Als ich das von deinem Vater gehört habe, war ich sehr erschrocken. Sein Ableben geht auch mir sehr nahe.“ Moritz blickte die Frau argwöhnisch an. „Das mit deiner Mutter tut mir natürlich auch leid. Ich kann mir gar nicht vorstellen, was du durchgemacht hast, beziehungsweise immer noch tust.“ „Sabine ging es wirklich sehr schlecht, als sie von dem tragischen Unfall gehört hat.“, bezeugte ihr Mann. „Sie… hatte einen Zusammenbruch und lag für ein paar Tage im Krankenhaus.“, erzählte er, sowohl an Moritz, als auch an Herr Hendricks gewandt, während er stets die Hand seiner Frau hielt. „Aber es geht ihr inzwischen wieder besser…“ „Moritz…, du sollst wissen, dass ich damals keine bösen Absichten hatte, als dein Vater und ich eine Affäre miteinander hatten. Ich war damals noch nicht mit Jürgen zusammen und wusste zunächst gar nicht, dass dein Vater bereits verheiratet war und ein Kind hatte. Ich lernte ihn in einer Bar kennen und wir kamen ins Gespräch. Er war so charmant und galant. Ich hatte mich sofort in ihn verliebt.“, erzählte Sabine und Moritz entging nicht, wie sie von seinem Vater schwärmte, während sie in Erinnerungen schwelgte. „Aber als er mir gestand, dass er verheiratet war, da beendete ich unsere Affäre auf der Stelle. Mir war das nicht Recht. Lieber zerstörte ich mein Liebesglück, als das Glück einer Frau und ihres Sohnes. Ich wusste nicht, dass ich bereits schwanger von deinem Vater war, aber ich habe für mich beschlossen, es ihm nicht zu sagen.“ „Und woher wusste er dann von Emilia?“, fragte Moritz mit leicht bösem Blick. Er schaute zu Sabine, aber auch zu Emilia, die sich eher bedeckt hielt. „Er hat sie in seinem Testament bedacht.“ „Nun das wusste ich bis vor zwei Tagen selber nicht, bis Emilia mir gestand, dass einmal ein Mann an unserem Zaun stand, während sie im Garten spielte. Wir hatten Emilia natürlich verboten, sich mit fremden Leuten zu unterhalten und sie wollte gehen, als dieser Mann wohl zu ihr sagte, dass sie seine Augen hätte. Das war alles. Danach ging der Mann wieder.“ Moritz sah Emilia etwas genauer an. „Es stimmt.“, sagte er und lächelte kurz darauf auch ein wenig. „Du hast tatsächlich die Augen unseres Vaters.“ „I-Ich… ich hätte ihn gerne besser kennengelernt.“, sagte Emilia nun ein klein wenig schüchtern. „Meine Mum hat mir inzwischen ein paar Sachen über ihn erzählt, was sie noch von damals wusste, aber ich wünschte, er hätte auch mich ein wenig besser kennenlernen können.“ „Tja… ich hab sechzehn Jahre lang mit ihm unter einem Dach gewohnt…, aber auch er wusste nicht alles über mich.“ Moritz wurde still und starrte ins Leere. „Ich hab es ihm nie gesagt.“ „Ihm was nie gesagt?“, fragte Emilia neugierig. Moritz lächelte traurig. „Das ich schwul bin.“
Nils – Teil 25 Seitdem Nils von einem Auto erfasst wurde und er von Valentin Abschied nahm, waren inzwischen mehrere Wochen vergangen. Inzwischen war der Winter hereingebrochen. Es war kalt und die ganze Stadt war von Schnee bedeckt. Nils fasste langsam wieder Fuß im Leben und erledigte gerade mit seinem Bruder Ralf und dessen Freundin Sarah ein paar Weihnachtseinkäufe in einem Kaufhaus, als die Vergangenheit sie auf verschiedenste Art und Weise wieder einholte. „Was ist los?“, fragte Ralf seine Freundin, als diese urplötzlich stehen blieb. Ihr Gesicht war kreidebleich, als hätte sie ein Gespenst gesehen. „Entschuldigt ihr mich bitte für einen Moment.“, sagte Sarah lediglich und marschierte zu einem Jungen, der sich hinter einem Christbaum versteckte, um einem anderen Jungen nachzuspionieren. Ralf blickte seiner Freundin verwirrt hinterher, aber Nils konnte sich Sarahs Verhalten sofort erklären: „Das ist Kai, der Freund von Leonas. Und der Junge den er beschattet… das ist Eric.“ Nun verstand auch Ralf. „Kai gibt Eric die Schuld an dem Tod seines Freundes. Sarah versucht mit Kai zu reden, wobei ich glaube, dass sie dabei keinen Erfolg haben wird. Den Verlust seiner großen Liebe kann man nicht mit ein paar Worten aufwiegen. Kai wird noch sehr lange daran zu knabbern haben.“ „Hm ja, Sarah spricht nicht sehr gerne darüber und wenn, dann fängt sie immer gleich zu weinen an.“ erzählte Ralf. „Wir hatten schon gemeinsam die Schule verlassen, als wir den ersten Schuss hörten. Sie wollte wieder reinrennen, doch ich konnte sie zurückhalten und wir warteten, bis die Polizei eintraf. Ich werde ihren Blick nie vergessen, als sie den Leichnam ihres toten Freundes erblickte. Grauenhafter Tag. Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht daran denken müssen und… hey, alles okay bei dir?“ Nils war mit seinen Gedanken kurz woanders. Genauer gesagt bei Valentin. „Sicher, dass ich dich nicht gleich zu deinem Therapeuten begleiten soll?“, fragte Ralf besorgt nach. „Mir geht es gut Ralf. Ehrlich!“, antwortete Nils, was sogar der Wahrheit entsprach. Er war zwar traurig, aber wieder bei gesundem Menschenverstand. „Ich habe nicht so viel verloren, wie manch andere…“ „Komm her kleiner Bruder.“, sagte Ralf und nahm Nils liebevoll in den Arm. Bevor Nils sich zu seiner Therapiesitzung aufmachte, schenkte er seinem großen Bruder noch ein Lächeln der Dankbarkeit. Nils hatte zwar noch nicht seine große Liebe gefunden, aber dafür hatte sein großer Bruder einen Ehrenplatz in seinem Herzen. Doch auf dem Weg zu seiner nächsten Therapiesitzung lernte Nils einen Weihnachtselfen kennen. Nein, das träumte er nicht! Ein Junge, als Weihnachtself verkleidet, überreichte Nils am Ausgang des Kaufhauses noch einen Flyer und meinte, dass er sich noch was wünschen dürfte. Doch an einen Wunsch war gar nicht zu denken, denn Nils war so hin und weg von dem weihnachtlichen Zauber, den der Junge ausstrahlte, dass er nur Augen für ihn hatte. „Wenn du dir nichts wünscht, darf ich mir dann was wünschen?“, fragte der Weihnachtself ihn und lächelte dabei frech. „Ich würde mir wünschen, dass du mich zurückrufst. Meine Handynummer hab ich dir auf deinen Flyer notiert.“ Der Junge zwinkerte Nils zu. Flirtete er etwa gerade mit ihm? Nils konnte es kaum glauben. Er erwiderte das Lächeln und nickte. Danach machte er sich auf zu Dr. Böhmer, um ihm zu erzählen, dass Träume wahr werden können.
Fortsetzung folgt ... am Donnerstag, den 27.Juli 2023!
Flo – Teil 24 „Du befindest dich in nicht allzu guter Gesellschaft, wie ich sehe.“, sagte Alexander zu Flo, sah dabei aber vor allem Patrick an. „In der Tat Alexander, denn du störst hier.“, entgegnete Flo mutig. Endlich stellte sie sich Alexander entgegen, denn sie und Patrick hatten einen Plan. Einen Plan, um ihren leicht psychisch gestörten Verehrer ein für alle Mal loszuwerden. „Ich bitte dich. Flo…, was hat dieser Kerl dir zu bieten, was ich dir nicht bieten kann.“, sagte Alexander und schaute Patrick dabei abfällig an. „Schau ihn dir doch mal an. Er ist ja noch nicht einmal ein ganzer Kerl…“ „Und ich keine ganze Frau…, wie du mir mehr als deutlich zu verstehen gegeben hast. Deshalb hab ich auch nie verstanden, warum du mir trotzdem hinterherläufst.“, entgegnete Flo weiterhin stark. „Inzwischen glaube ich aber zu wissen, warum du das tust. Du tust das, weil du ein kranker perverser Sadist bist, der sich am Leid anderer Leute vergnügt und mit mir hattest du bislang einfaches Spiel, aber das ist jetzt vorbei. Es ist vorbei, Alexander!“ Flo wollte an Alexander vorbei marschieren, doch hielt dieser sie nun wütend am Handgelenk fest. Als Alexander jedoch die Narben an Flos Handgelenk und ihren wütenden Blick sah, ließ er sie auf der Stelle wieder los. „Du gehörst mir Flo. Nur mir. Mir ganz allein!“ „Gott, was für ein erbärmlicher Wicht du bist.“, meinte Patrick, der von Alexanders Art sichtlich angewidert zu sein schien. „Du bist eine Schande für alle Männer auf dieser Welt.“ „Wage es nicht mich zu beleidigen, du… du… Monster!“, drohte Alexander nun Patrick. „Du und deinesgleichen seid ekelhaft. Ihr seid weniger wert als Abschaum!“ Patrick stand Nase an Nase gegenüber Alexander. Flo glaubte schon, dass Patrick Alexander nun eine reinschlagen würde, doch konnte sie beruhigt ausatmen, als Patrick zu lachen anfing. Patrick lachte und alle Menschen im Restaurant bekamen sein Gelächter mit. „Hör auf zu lachen.“, sagte Alexander, doch Patrick ignorierte ihn einfach und lachte ungeniert weiter. Sein Lachen übertrug sich auch auf Flo, die nun ebenfalls in schallendes Gelächter ausbrach. „Hört auf zu lachen. Ihr sollt aufhören, hab ich gesagt, oder ich bring euch um!“ Alexander schrie das ganze Restaurant zusammen und Patrick und Flo hörten schließlich zu Lachen auf. Dann kroch Sebastian unter einem Tisch hervor und rief ganz laut: „Und haben das jetzt alle gehört?“ Ein paar der Restaurant-Gäste nickten, doch waren das gar keine Restaurant-Gäste, sondern Beamte im verdeckten Einsatz. „Ach Lexus.“, sagte Sebastian schadenfroh. „Wusstest du eigentlich, dass ich gerade eine Polizei-Ausbildung mache und dies hier alles meine Freunde sind?“ Alexander wurde kreidebleich im Gesicht. „Tja, du hast sowas von verschissen!“ Flo lächelte in sich hinein, denn Alexander würde ihr so schnell keine Probleme mehr bereiten.
Felix – Teil 28 Felix rannte so schnell ihn seine Beine nur tragen konnten. Nach nur wenigen Kilometern fühlten sich diese schwer wie Blei an und er musste anhalten, um Luft zu schnappen. Doch als er eine schwarze Stretchlimousine von dort heranfahren sah, von wo er gekommen war, bekam er es mit der Angst zu tun und er rannte weiter. Doch natürlich holte die Limousine ihn ein. Das Fenster zum Beifahrersitz wurde hinuntergelassen und Mathéo, der Page und Chauffeur der Familie Brecheisen saß am Steuer. „Bitte warten Sie, Sir.“, sagte Mathéo. „Nie im Leben! Wer sitzt da hinten drin? Der kranke Alte, die durchgeknallte Hexe oder alle Beide?“, fragte Felix und meinte natürlich keine Geringeren als seine Adoptiveltern. „Niemand Sir. Ich komme alleine.“, antwortete Mathéo. „Bitte steigen Sie ein.“ „Ich bin doch nicht verrückt! Sie wollen mich zu denen zurückbringen!“, schrie Felix ihn an, während er neben dem Auto her lief. „Nein Sir, nein. Der junge Herr Lucas schickt mich zu Ihnen. Er hat mir aufgetragen Sie dorthin zu fahren, wo auch immer sie hin möchten. Außerdem soll ich Ihnen das hier übergeben.“ Mathéo hob ein paar Unterlagen empor und blieb mit der Limousine stehen. Und endlich blieb auch Felix stehen. Er war zwar noch ein wenig misstrauisch, nahm die Unterlagen aber dennoch durchs Beifahrerfenster entgegen. „Das sind…“ Felix konnte es nicht glauben. „Das sind meine Adoptionspapiere, aber woher…?!“ „Manchmal fällt der Apfel eben doch sehr weit vom Stamm.“, erklärte Mathéo lediglich und spielte dabei auf Lucas an, der im Gegensatz zu seinen Eltern doch noch sowas wie Ehre und Anstand besaß. „Und? Werden Sie nun einsteigen?“ Felix überprüfte die Unterlagen. Es waren tatsächlich die Originale. Felix lächelte und zerriss sie an Ort und Stelle. Danach setzte er sich auf den Beifahrersitz der Limousine. „Los gib Gummi und wenn du mich noch einmal siezt oder „Sir“ nennst, dann kracht`s im Karton, verstanden?!“ Mathéo nickte beunruhigt und fuhr los. Felix wusste ganz genau, was das Ziel seiner Reise war.
Moritz – Teil 28 Moritz machte in der Nacht kein Auge zu. Unzählige Dinge beschäftigten ihn momentan. Also machte er einen kleinen, unerlaubten und nächtlichen Spaziergang durchs Gebäude, wo er in der Küche auf Lara stieß, die sich gerade ein Pudding stibitzte, aber den Löffel zu Boden fallen ließ, als Moritz plötzlich hinter ihr stand. „Oh Gott, hast du mich erschreckt!“, stieß sie erschrocken aus. „Das war die Rache für damals.“, erwiderte Moritz amüsiert, nahm sich ebenfalls einen Pudding aus dem Kühlschrank und gesellte sich zu Lara auf den Tresen. Zugegeben, er hatte gehofft, Lara hier anzutreffen. Irgendwie war ihm nach Reden zumute und er wusste, dass Lara eine sehr gute Gesprächspartnerin sein würde. „Du bist also schwul, hm?“, stieß Lara geradewegs heraus. „Hab gehört, wie du es heute zu der Familie gesagt hast. Naja…, eigentlich haben es alle gehört.“ „Oh toll…, dann bin ich jetzt das Gesprächsthema Nummer Eins.“, meinte Moritz wenig erfreut. „Nur solange, bis du nicht mehr interessant genug bist.“, sagte Lara sichtlich vergnügt, während sie ihren Schokopudding aß. „Apropos interessant. Dein Freund in jener Nacht damals, der war interessant. Dein Freund?“ „Nein…“, antwortete Moritz nur, doch als Lara ihn stier ansah und wartete, fügte er hinzu: „Aber ich hätte nichts dagegen. Ich mag ihn…“ Lara sah ihn noch eindringlicher an. „Okay, ich bin in ihn verknallt. Bist du nun zufrieden?“ „Ja!“, rief Lara in der Tat erfreut. „Kannst du seinetwegen nicht schlafen?“ „Seinetwegen und weil mir die Familie die heute da war, angeboten hat, mich zu adoptieren, wenn ich möchte und wir uns ein wenig besser kennengelernt haben. Das kleine Mädchen, Emilia, ist meine Halbschwester. Frag nicht. Ist kompliziert!“ „Klingt für mich aber stark nach einem Sechser im Lotto.“, sagte Lara, nachdem Moritz ihr von der Adoption erzählte. „Ich würde alles dafür tun, um endlich aus dem Laden rauszukommen. Doch den meisten Leuten wirke ich zu frech und vorlaut…“ Wie Recht sie doch hatten. „Aber so bin ich nun mal und ich lass mich auch nicht verbiegen. Ich hab lange genug den Mund gehalten, als mein Vater mich geschlagen hat.“ Moritz blickte Lara erschrocken an. „Oh stimmt, weißt du ja noch gar nicht. Meine Mum starb bei meiner Geburt und mein Vater war ein Säufer und Schläger. Naja…, irgendwie hoffe ich, dass es ihm inzwischen besser geht. Andererseits darf er auch gerne sonst wo versauern…“ „Das wusste ich nicht.“, sagte Moritz mitfühlend. „Scheiß drauf. So spielt das Leben. Jeder von uns hier hat seine Geschichte.“, sagte Lara frohen Mutes. „Und du hast es in der Hand, wie deine Geschichte weiter geht.“ Moritz nickte und traf eine Entscheidung. Momentan fühlte er sich noch nicht dazu bereit, adoptiert zu werden. Zu sehr trauerte er seinen Eltern noch nach und zu sehr kämpfte er mit sich selbst und dem was er war. Außerdem… gab Moritz die Hoffnung nicht auf, dass Jacob eines Tages doch wieder hier aufschlagen würde und in der Tat. Es klopfte an Moritz` Zimmertür und als er sie öffnete, stand zu seiner Verwunderung Jacob davor. „Hi.“, sagte er wie ein strahlender Sonnenschein. „Also…, nur damit du siehst, dass ich weiß, wie man eigentlich richtig ein Zimmer betritt. Nicht durchs Fenster und auch nicht mithilfe von den Kreditkarten meines Vaters. Und wenn du dich fragst, warum ich nach so langer Zeit plötzlich wieder hier aufkreuze… naja… wie soll ich sagen…, ich hab dich vermisst. Scheiße verdammt, wie blöd kann man sein, um das erst so spät zu schnallen und…“ „Jacob. Jacob!“ Moritz gebot ihm Einhalt. Er hätte sich über Jacobs Rückkehr gefreut, noch mehr noch über dessen Eingebung, aber da machte ihm jemand einen Strich durch die Rechnung: „Bevor du weiterredest…“ Moritz hatte die Tür bislang nur halb geöffnet, doch jetzt zog er sie ganz auf und hinter der Tür kam ein anderer Junge zum Vorschein. Es war Felix!
Das Ende der Geschichte mit einem Doppel-Kapitel ... am Samstag, den 29.Juli 2023!
Ricardo – Teil 26 Ricardo klingelte am Hauseingang und zugleich war ein Bellen aus dem Inneren des Hauses zu vernehmen. Kurz darauf hörte er auch Martin sagen. „Ruhig Rambo. Platz, na los!“ Martin öffnete die Tür und als Rambo sah, dass es Ricardo war, wurde er ganz artig. „Hallo Ricardo.“ „H-Hey…“, begrüßte Ricardo Martin leicht nervös. „Du ähm… kann ich mit dir reden?“ „Ich hab mir schon gedacht, dass du irgendwann hier aufschlägst.“, sagte Martin und wirkte zu Ricardos Überraschung nicht sehr begeistert über dessen Aufkreuzen. „Was willst du?“ „Naja… reden eben.“, antwortete Ricardo verstört. „Dieser Garson hat mich voll übern Tisch gezogen. Ich sollte eine Konventionalstrafe zahlen und…“ „Jaja, hat Sanchez mir bereits alles erzählt.“, sagte Martin und wirkte dabei recht gelangweilt. „Was hast du denn bitteschön erwartet? Das er dir um den Hals fällt, wenn du ihn ein zweites Mal im Stich lässt? Er hat dir einmal angeboten aus dem Vertrag auszusteigen. Irgendwann muss auch mal Schluss sein mit all den Nettigkeiten. Dennis Garson wird vermutlich wegen sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen eingebuchtet, also bist du doch ohnehin fein aus dem Schneider.“ „Und du…? Es scheint so, als wärst du mir auch nicht mehr freundlich gesinnt.“, sagte Ricardo schließlich geradeheraus. „Hör mal.“ Martin trat heraus und machte die Tür leicht zu, damit Rambo im Haus blieb. „Du bist ein wirklich netter Junge und wir hatten auch viel Spaß miteinander. Naja… im Grunde genommen wir weniger, aber du dafür mit Sanchez.“ „Der sich als richtiges Arschloch erwiesen hat.“, fügte Ricardo nebenbei hinzu. „Wie auch immer. Ich bin zwar kein großer Fan von Dennis Garson, aber mit einem hatte er schon Recht. Irgendwann muss auch mal Schluss sein. Was glaubst du eigentlich, was ich nun für einen Ärger deinetwegen habe? Sanchez war bei Dennis Garson unter Vertrag und die Polizei hat seinen kompletten Laden auf den Kopf gestellt. Jetzt stecke ich ebenso in der Scheiße, aufgrund meiner Fotos von Minderjährigen.“ „Oh…, das haben sie also auch herausgefunden?“, fragte Ricardo verblüfft, der davon noch keinerlei Kenntnis hatte. „Hal-lo-ho? Meine Website wurde gelöscht? Man ey, du lebst wohl nur in deiner eigenen Welt.“, sagte Martin, der nun sichtlich sauer zu sein schien. „Wie es anderen geht und was du ihnen antust, interessiert dich anscheinend gar nicht!“ „Das stimmt doch überhaupt nicht. Ich…“ Ricardo wollte sich verteidigen, doch Martin ließ ihm keine Gelegenheit dazu. „Hör auf meine Ohren mit deinem Gesülze vollzulabern und verschwinde! Ich will dich nicht mehr sehen. Verstanden? Los, hau ab, oder ich hetz Rambo doch noch auf dich.“ Ricardo wich rücklings zurück, denn nun bekam er es mit der Angst zu tun. Auch Martin hatte keinen Bock mehr auf ihn. Damit stand eines fest: Ricardo war jetzt ganz auf sich allein gestellt.
Damian (Timo) – Teil 27 Damian saß in seinem Auto. Sein Ziel: Unbekannt. Er wollte raus, raus aus der Stadt. Für wie lange, konnte er nicht sagen, aber er brauchte Zeit. Im Radio wurde gerade ein Lied gespielt, was seinen aktuellen Gemütszustand sehr gut beschrieb. Zur gleichen Zeit saß Timo auf dem Bett ihres Schlafzimmers und las den Brief durch, den Damian ihm hinterließ: „Lieber Timo. Ich weiß, dies ist nicht der richtige Weg. Dir einen Brief zu schreiben und einfach abzuhauen, ist nicht nur feige, sondern einfach nur falsch. Momentan sehe ich mich aber nicht in der Lage, richtige Entscheidungen zu treffen. Ich hab es auch nicht geschafft, mich zwischen dir und deinem Bruder zu entscheiden. Mein Verhalten ist erbärmlich, aber vielleicht auch irgendwo nachvollziehbar. In den letzten Wochen stand unsere Welt Kopf. Unsere Beziehung… funktionierte, hatte aber auch einen entscheidenden Fehler: Wir waren noch nicht bereit dazu! Ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich nicht verstanden habe, was Liebe wirklich ausmacht. Jetzt weiß ich es. Liebe bedeutet, füreinander da zu sein und die Bedürfnisse des Partners über die eigenen zu stellen. Ich glaube, dazu war ich noch nicht bereit und wenn du tief in dich hinein horchst, dann kommst du vielleicht zu demselben Entschluss bei dir. Das einzige was ich mit Gewissheit sagen kann ist, dass ich dich liebe. Doch leider liebe ich Marcus auch. Und auch auf die Gefahr hin, ein wenig selbstgefällig zu klingen, wollte ich einem von euch das Leid ersparen, seinen Bruder mit mir zu sehen. Es geht hier nicht um mich. Es geht um euch! Ihr seid Brüder und ihr liebt euch, aber eben diese Liebe sah ich in Gefahr, wenn ich mich für einen von euch beiden entschieden hätte. Ich wollte nicht derjenige sein, der euch womöglich entzweit, also hab ich mich für den schweren und doch einfacheren Weg entschieden, die Stadt zu verlassen. Hasse mich dafür, wenn du der Meinung bist, ich hätte es verdient. Ich glaube, ich hasse mich selber für mein Verhalten, aber ich hab einfach keinen anderen Ausweg gesehen, weshalb ich erst einmal ein paar Verwandte besuche. Ich kann dir nicht sagen, wann und ob ich zurückkehren werde. Es tut mir wirklich voll Leid und mir vorzustellen, wie du dich dabei fühlst, wenn du diese Zeilen liest, bricht mir das Herz. Du hast das alles nicht verdient Timo. Du hast was Besseres verdient. Bitte pass gut auf dich auf… in Liebe Damian.“
Manuela – Teil 26 „Bereiten Sie schnell einen OP vor. Die Patientin hat die Blutgruppe AB negativ. Schnell, wir dürfen keine Zeit verlieren!“ Manuela befand sich in einem Wachkoma, als sie auf einer Trage ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Sie nahm die Menschen in ihrem Umfeld wahr und dennoch war es so, als würde alles um sie herum nicht wirklich geschehen. Zwei Sanitäter, eine Krankenschwester und ein Oberarzt rollten sie auf der Trage quer durchs Krankenhaus, bis in den OP-Saal. Marie und Florian. Manuela musste an ihre Kinder denken. Wussten sie bereits, was mit ihr geschehen war? Und wie würde Roland reagieren? Was ist mit Andrea, ging es ihr gut? „Halten Sie durch. Es wird alles gut werden. Wir kümmern uns um Sie.“, meinte der Oberarzt und kurz darauf wurde Manuela unter Narkose gesetzt. Ihre Augen wurden träge. Manuela schloss sie und schlief ein. Manuela öffnete ihre Augen nur sehr langsam wieder. Das grelle Tageslicht blendete sie. Doch als sich ihre Augen daran gewöhnt hatten, da blickte sie in die erleichterten Gesichter ihrer Kinder. „Mama!“, Florian legte behutsam seine Arme um seine Mutter. Marie hielt die Hand ihrer Mutter ganz fest und weinte. Freudentränen? „Endlich. Endlich bist du aufgewacht.“, sagte Roland, der ebenfalls unendlich froh zu sein schien. „I…“ Manuela versuchte zu sprechen, aber ihr Mund fühlte sich trocken an und sie brachte kein Wort aus sich heraus. „W…“ „Ganz ruhig, Schatz.“, sagte Andrea und Manuela war mehr als überrascht, sie hier gemeinsam mit ihrer Familie anzutreffen. „Es ist alles gut. Der Arzt hat gemeint, es würde einige Zeit dauern, bis du wieder alle Funktionen deines Körpers wieder einwandfrei gebrauchen kannst.“ Manuela ließ sich in ihr Kissen zurückfallen. Sie hatte so viele Fragen. „Was war geschehen? Was war mit dem Schüler, der in der Schule um sich geschossen hat? Und was wusste ihre Familie über ihre Beziehung zu Andrea. Roland schien seine Ex-Frau noch immer gut zu kennen, denn er las ihre Gedanken. „Es ist alles in Ordnung Manu. Wir wissen von dir und Andrea. Es ist alles gut!“ Roland lächelte seine Ex-Frau sanft an, doch erst als Manuela unsicher zu ihren Kindern blickte und diese ihr ebenfalls ein sanftes Lächeln schenkten, konnte sie beruhigt sein. „Wir haben dich lieb Mum.“ Diese Worte kamen aus Maries Mund. Manuela war positiv überrascht. „Ich weiß, du hast viele Fragen.“, sagte Andrea, die sich nun über Manuela beugte und ihr zärtlich durchs Gesicht streichelte. „Wie schon gesagt. Es ist alles gut. Dennoch können wir dir einen kleinen Schock nicht ersparen.“ Andrea hielt kurz inne und blickte zu Roland, der zustimmend nickte. „Manu…, du hast ganze sieben Monate im Koma gelegen!“
Damian (Timo) – Teil 28 Timo stand im Türrahmen. Bewegungslos. Vor wenigen Stunden dachte er noch, dass alles wieder in Ordnung käme. Er hatte eingesehen, wieviel Damian ihm bedeutete und das er keinen Tag mehr ohne ihn sein möchte. Doch seine Einsicht kam zu spät. Damian war fort und das vielleicht für immer. Doch glaubte er noch, dass der Tag nicht mehr schlimmer werden könnte, so irrte er sich. Vor zehn Minuten klingelte es an seiner Haustür. Timo zerknüllte den Brief von Damian und warf ihn wütend und enttäuscht zu Boden und ebenso öffnete er die Tür. Zwei Polizisten standen davor und hatten die schwere Aufgabe, ihm eine traurige Nachricht zu überbringen. Timo hörte nur einen Satz: „Wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass ihr Bruder heute Mittag bei einem Amoklauf in der Schule ums Leben kam.“ Danach war es so, als würden sich seine Ohren vor allen Geräuschen dieser Welt verschließen. Die Polizisten redeten zwar mit ihm und Timo nickte auch hin und wieder, aber in Wirklichkeit hörte er ihnen gar nicht mehr zu. Die zwei Polizisten bekundeten ihr Beileid, ehe sie sich wieder verabschiedeten und Timo war allein. Kein Marcus. Kein Damian. Allein. Als ob ihn alle in Stich gelassen hätten. Timo ging zurück ins Bett und ließ sich rücklings wie ein Holzbrett aufs Bett fallen. Er legte die Hände vors Gesicht und schüttelte seinen Kopf, da er von so vielen Emotionen zeitgleich übermannt wurde. Am liebsten hätte er sich die Augen ausgestochen, denn er hasste es zu weinen. Zum Glück kam es dazu nicht, denn als er seine Hände vom Gesicht wegnahm und die Augen wieder aufschlug, sah er plötzlich Damian im Raum stehen. Da stand er. Am Fuße des Bettes und blickte seinen Freund nicht minder traurig an. „Ich dachte du wärst längst über alle Berge?!“, stieß Timo gerade noch so überrascht aus. Damian nickte und konnte kaum Augenkontakt zu Timo halten. Er schämte sich und auch er kämpfte damit, nicht in Tränen auszubrechen. „Ich war schon an der Stadtgrenze, als ich im Radio von diesem furchtbaren Amoklauf hörte. Ist…, also ist er… Ma-Marcus ist er…?“ Timo nickte. Ein Kloß, so groß wie ganz Texas steckte ihm im Halse fest. Damian zitterte am ganzen Körper und konnte seine Tränen nicht mehr länger zurückhalten. „We-Wenn du willst, dass ich gehe, dann ge-he ich…“ Timo stand vom Bett auf und schritt mit geballter Faust auf Damian zu. Zuerst glaubte Damian, Timo würde ihm gleich eine reinhauen, aber dann löste Timo seine Faust, legte die Arme um Damian und zog ihn ganz nah an sich heran. So nah, dass beide den starken Herzschlag des anderen spüren konnten. Timo sagte kein Wort und auch Damian schwieg. Stille, bis auf das Klopfen ihrer Herzen.
Jannik – Teil 25 Es war Weihnachten. Das Fest der Liebe. Jannik saß allein unterm Christbaum und dachte über die Vergangenheit nach, als sich sein Großvater zu ihm gesellte und auf einem Stuhl Platz nahm. „Was ist denn mein Junge? Heute ist Heiligabend, aber du siehst nicht gerade glücklich aus.“ Jannik schüttelte verständnislos den Kopf. „Wie könnte ich heute glücklich sein, wenn ich doch weiß, dass es irgendwo da draußen Menschen gibt, die einen geliebten Menschen verloren haben…“ „Es ist also wegen deinem Lehrer. Dem Herrn Kronthaler?“, harkte Janniks Großvater nach. „Er hat dir das Leben gerettet und hätte gewiss nicht gewollt, dass du jetzt in Selbstmitleid schwelgst.“ Die Worte seines Großvaters brachten Jannik dazu, abrupt aufzustehen. Dabei berührte er den Christbaum, dessen Zweige zu wackeln begannen. „Ich krieg einfach seine Worte nicht mehr aus meinem Kopf, dass ich mich irgendwann neu verlieben würde…“ Jannik stand mit dem Rücken zu seinem Großvater, der in den letzten Wochen auch sein persönlicher Kummerkasten aller Art war. Jannik hatte ihm alles erzählt. Von seinen Gefühlen zu seinem Lehrer, bis hin zum Kuss und was an jenem Tag in der Schule vorgefallen war. Ein paar Informationen hatte sein Großvater aber von ein paar seiner Mitschüler erhalten, die an jenem schrecklichen Tag ebenfalls in der Schule zugegen waren. „Jannik, mein Junge. Hör auf seine Worte, denn er hat Recht. Ich weiß, zurzeit empfindest du nur noch Kummer und glaubst, nie mehr einen Menschen so lieben zu können wie ihn. Doch der Tag wird kommen, da wirst du dich neu verlieben.“ „Und was wird aus Marcus?!“, schrie Jannik seinen Großvater nun mit Tränen in den Augen an, nachdem er sich wieder zu ihm umdrehte. „Soll ich ihn einfach vergessen? Vergessen was er für mich getan hat, mir das Leben gerettet hat?!“ Sein Großvater kam auf ihn zu und legte seine großen Hände auf dessen Schultern. „Keiner verlangt von dir, dass du ihn vergisst. Ganz im Gegenteil. Er hat dir eine Zukunft geschenkt und du solltest immer daran denken, wenn du dich so fühlst wie gerade eben. Lass seinen Tod nicht vergebens sein. Blick in die Zukunft und leb dein Leben!“ Jannik sah seinen Großvater zweifelnd an, aber dann schienen seine Worte doch noch bei ihm angekommen zu sein und er umarmte seinen Großvater. Nein, er würde Marcus nicht vergessen. Er würde den Mann nicht vergessen, der ihm zweimal das Leben gerettet hat und versuchen, sein Leben weiterzuleben und wieder glücklich zu werden.
Ricardo – Teil 27 Ricardo zog langsam das Tor hinter sich zu. Wehmütig blickte er zurück zu dem Haus, in dem einst alles begann. Das Abenteuer war hier zu Ende. Doch was sollte Ricardo nun tun? Nach Hause gehen und sich von seinen Eltern eine weitere Standpauke anhören, wie er nur so unüberlegt, ja gar mit dem Schwanz statt mit dem Kopf handeln konnte? Ricardo wusste, dass er einen Fehler begangen hat und nun stand er knietief in der Scheiße. Er schritt die Straße entlang, doch blieb er nach nur wenigen Metern wieder stehen und setzte sich betrübt auf den Bordstein. Er zog einen etwas zerknitterten Umschlag aus seiner Hosentasche. Darin befand sich das Ergebnis seiner ärztlichen Untersuchung. Der Brief kam bereits letzte Woche mit der Post, doch in all dem Trubel, hatte Ricardo einfach keine Zeit und keine Lust gehabt, ihn zu öffnen. Denn wenn das Ergebnis in Bezug auf HIV positiv ausfiel, dann wüsste er nicht, wie er damit alleine zu Recht kommen sollte. Er hatte auf Martins Unterstützung gehofft, doch dies hatte sich inzwischen wohl erledigt. Ricardo betrachtete den Brief. Er konnte es nicht. Er traute sich nicht, ihn zu öffnen. „Hey, dich kenne ich doch.“, sagte eine Stimme hinter Ricardo. Ricardo war es inzwischen gewohnt, von jedem erkannt und blöd angemacht zu werden. Bislang verkraftete er die Häme ganz gut, doch inzwischen war auch bei ihm der Punkt erreicht, wo er einfach nur noch in Ruhe gelassen werden wollte. „Verpiss dich!“, entgegnete er pampig. „Mieser Tag?“, fragte der Junge, dem es offenbar nichts ausmachte, angeschnauzt zu werden. „Mieser Tag, miese Woche, mieses Leben!“, entgegnete Ricardo erneut und drehte sich dieses Mal zu dem Jungen herum. „Hm… kenne ich dich nicht von irgendwoher?“ „Joa, ich wohne gleich hier ums Eck. Erinnerst du dich an mich? Du standst mal vor unserem Haus und ich hab dich gefragt, ob du zu uns willst. Da hast du geantwortet, dass du dich am Haus geirrt hättest.“, erklärte der Junge, der Ricardo trotz seiner rauen Art noch immer anlächelte. „Sorry, wenn ich dich nerve, aber du sahst so traurig aus…“ „Weißt du denn nicht wer ich bin?“, fragte Ricardo überrascht. „Nein, sollte ich etwa?!“, gab der Junge als Antwort. „Warte kurz und lass mich überlegen. Du bist nicht Zac Efron, denn der ist extrem hot und du… bist auch okay…“ „Na schönen Dank auch.“, sagte Ricardo und guckte den Jungen dabei grimmig an. „Naja, ist ja auch egal. Ich weiß glaube ich selber nicht, wer ich wirklich bin.“ „Das verstehe ich nicht.“, sagte der Junge verwirrt und setzte sich zu Ricardo an den Bordstein. „Ich auch nicht.“, erwiderte Ricardo traurig. „Ich war mal ein stinknormaler Junge, mit Fehlern wie jeder andere auch, aber inzwischen hab ich mich irgendwie selbst verloren. Wenn ich meinen Namen höre, dann fühle ich mich unwohl in meiner eigenen Haut.“ „Na dann benutz doch ab sofort einfach deinen Zweitnamen!“, schlug der fremde Junge vor und Ricardo wunderte sich, über dessen unerwartete Freundlichkeit. „Hast du denn einen?“ „Ja, hab ich. Renjo.“, antwortete Ricardo. „Freut mich Renjo. Ich heiße Theodore, aber alle nennen mich Ted.“, stellte sich der fremde Junge nun ebenfalls vor und lächelte Ricardo dabei ganz verliebt an.
Eric – Teil 22 „Manchmal wünschte ich mir, ich könnte die Zeit zurückdrehen, um es besser zu machen.“, sagte Eric betrübt, als er in einer weiteren Sitzung vor Dr. Böhmer saß. „Ich hab so vieles im Leben nicht verdient. Meine Adoptivväter Ted und Renjo nicht, die mir ein neues Zuhause schenkten und auch Levin nicht, der fest an mich glaubte und mir seine Liebe schenkte. Mir ist klar, dass bestimmte Dinge sich nicht ändern lassen, aber ich glaube, dass was geschehen ist, wäre nicht geschehen, wenn ich von vornherein ehrlich zu Adam gewesen wäre.“ „Menschen machen Fehler. Das liegt in unserer Natur.“, erwiderte Dr. Böhmer. „Wenn wir bereits alles von vornherein wüssten und könnten, dann wäre die Welt im Ungleichgewicht. Wir machen Fehler, um zu lernen. Das spornt uns an, um besser zu werden und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Nichts ist perfekt. Das muss es auch gar nicht, aber es liegt in unserer Hand, was wir aus unserem Leben machen.“ „Ich kann nie mehr wieder in meine alte Schule zurück.“, sagte Eric nachdenklich. „Viele wissen was ich getan habe und hassen mich dafür.“ „Wut ist ein Zeichen von Trauer. Sicherlich ist es nicht einfach, diesem Gefühl zu widerstehen, aber Wunden heilen.“, meinte Dr. Böhmer. Eric lachte verächtlich. „Aber Narben bleiben…“ „Narben verblassen auch mit der Zeit.“, entgegnete Dr. Böhmer augenblicklich. „Ich bin wirklich froh, dass du dich mir endlich offenbart hast. Dabei geht es gar nicht um mich, sondern viel mehr um dich, um den Schmerz der tief in deiner Seele sich verbirgt. Wir befinden uns auf einen guten Weg.“ „Sie irren sich und das in allen Belangen.“, sagte Eric und sah Dr. Böhmer eindringlich an. „Wunden heilen nicht immer. Levin sitzt meinetwegen im Rollstuhl und wird nie wieder laufen können. Da bin ich mit meinen Schuldgefühlen und Panikattacken hingegen viel zu gut weggekommen. Deshalb ist dieser Weg für mich auch hier zu Ende.“ Eric stand auf und ging langsam zur Tür. „Eric.“ Dr. Böhmer stand ebenfalls auf und wirkte überrascht, aber vor allem besorgt. „Du solltest jetzt noch nicht gehen…“ „Doch sollte ich.“, widersprach Eric. „Für mich ist diese Geschichte hier zu Ende. Ich gehe nicht, weil ich glaube, dass es mir besser geht. Ganz im Gegenteil. Ich gehe, weil ich das Ganze endlich zu einem Abschluss bringen möchte und nach vorne schauen möchte. Vielleicht können Sie das als mein behandelnder Therapeut nicht gut heißen, aber vielleicht können Sie es wenigstens verstehen.“ Dr. Böhmer wirkte unsicher, nickte aber schließlich. „Ich glaube, ich verstehe dich sehr gut.“ „Danke.“, sagte Eric leise und lächelte dabei. Dann öffnete er die Tür und trat in den Gang hinaus. „Leben Sie wohl, Dr. Böhmer.“ Eric verließ die Praxis und die Tür schloss sich.