Ricardo – Teil 10 Vor einem Monat hätte sich Ricardo nicht träumen lassen, was er nun alles erlebte. Erst das Shooting mit Martin, den er eigentlich nur kennenlernte, um Sex mit ihm zu haben, und jetzt das: Sanchez, der heiße Spanier, den Ricardo erst heute Nachmittag kennenlernte, stand nur in Unterwäsche vor ihm und ließ sich von Martin für ein paar neue Fotos ablichten. Dabei zog er verschiedenfarbige Unterhosen an – in rot, in grün und in orange. Ricardo musste sich beherrschen, nicht das Sabbern anzufangen. Seine ungewollte Erektion genügte als Peinlichkeit des Tages. Doch musste er sich ebenso beherrschen, dass dies nicht noch einmal vorkam – naja, er hat es versucht, für zehn Sekunden, bis er es einfach nicht mehr aushielt. „Dafür musst du dich echt nicht schämen. Du bist unter Männern, also keine Sorge.“, meinte Sanchez, während sich Martin hochprofessionell auf seine Arbeit konzentrierte. „Du kannst dich auch ganz ausziehen, wenn du dich dann besser fühlst.“ Ricardo stockte der Atem und hielt sich beschämt die Hände vor sein Genital. Hatte Sanchez das gerade ernsthaft gesagt? „Ich glaube Sanchez, Ricardo ist noch nicht so weit.“, meinte Martin, der seine Kamera gerade neu einstellte. „Ach? Es gibt noch gar keine Nacktfotos von dir?“, harkte Sanchez nun nach. Ricardo schüttelte lediglich den Kopf und war von sich selbst überrascht, wie schüchtern er auf einmal war. Das alles hier war komplettes Neuland für ihn. Männer, die sich für nichts schämten und noch dazu teuflisch gut aussahen – das war für ihn ein wahr gewordener Traum! „Hey, tut mir Leid Ricardo. Ich wollte dich nicht in Verlegenheit bringen. Vielleicht gehst du besser raus, wenn ich jetzt…“ Wenn er was jetzt, fragte sich Ricardo. „Wenn ich mich hier jetzt gleich ganz ausziehe!“ Das war zu viel für Ricardo. Er lief purpurrot im Gesicht an und bekam einen Orgasmus, ohne auch nur das Geringste dafür getan zu haben. „Ich äh… ich geh mal kurz aufs Klo.“, sagte Ricardo ganz schnell. Martin und Sanchez tauschten Blicke miteinander aus und dachten wohl dasselbe. Sie hatten Ricardo ertappt, der nun schnell aus dem Zimmer rannte und das Badezimmer aufsuchte.
Felix – Teil 11 Herr Brecheisen stand vor einem riesigen Buffet, dass im Festsaal aufgebaut wurde und klimperte zweimal mit einem kleinen Löffel gegen ein Sektglas, um die Gäste zum Zuhören zu bewegen. Frau Brecheisen, ihr Sohn Lucas und ihr neuer Adoptivsohn Felix standen neben ihnen, von denen einzig und allein Felix sich unwohl fühlte. Herr Brecheisen hielt eine Ansprache. „Meine sehr verehrten Gäste. Danke, dass Sie heute alle so zahlreich hier erschienen sind. Diese Feier ist ein besonderer Anlass, denn es ist auch ein besonderer Tag. Zunächst einmal möchte ich Ihnen unseren neuen Sohn Felix Brecheisen vorstellen, der seit gestern unserer Familie angehört und darüber sind meine Frau und ich sehr froh.“ Felix rollte innerlich mit den Augen. Diese falsche Bande von Heuchlern. „Mit Stolz darf ich zudem verkünden, dass unser Sohn Felix bereits in absehbarer Zeit den jungen Herrn Wohlfahrt hier heiraten wird.“ Herr Brecheisen zeigte zu dem Jungen, den Felix erst vor einer halben Stunde kennengelernt hatte. Er konnte es noch immer nicht fassen, was sich hier gerade zutrug. „Eigentlich sollte die Hochzeit in Frankreich stattfinden, aber jetzt wo gleichgeschlechtliche Ehen auch in Deutschland erlaubt sind, ist das natürlich nicht mehr von Nöten und ich darf sie alle recht herzlich zu dieser zauberhaften Feier kommenden Monats einladen.“ In einem Monat schon? Sind die hier alle verrückt? „Die Verbindung zwischen Felix und Amadeus wird nicht nur die Familien Brecheisen und Wohlfahrt vereinen, sondern auch unsere beiden Anwaltskanzleien, die sich über Jahre hinweg stetig die Klienten streitig gemacht haben.“ Es folgte großes Gelächter im Saal, doch Felix war einfach nur übel. Lucas beugte sich leicht seitlich zu ihm hin und flüsterte ihm zu: „Jetzt ist dir hoffentlich klar, warum du adoptiert wurdest. Du bist schwul, ich nicht, so einfach ist das.“ „Gibt´s auf dieser Höllenveranstaltung eigentlich auch Kaviar?“, fragte Felix. „Ja, warum?!“ „Wenn schon ein BRECHeisen, dann will ich mich jetzt auch mal übergeben.“, meinte Felix trocken.
Leonas – Teil 9 Die Trennung von Kai kam für Leonas völlig unerwartet und nahm ihn dementsprechend auch mit. Die letzten zwei Nächte hatte er gar nicht geschlafen und gegessen hatte er auch nur sehr wenig, so dass er todmüde und mit knurrendem Magen am Montag in die Schule kam. „Hast du nicht gefrühstückt?“, fragte seine Freundin Sarah ihn, die sein Magenknurren aus nächster Nähe mitanhören durfte. „Hatte keinen Hunger.“, antwortete Leonas ihr lustlos und müde. Er ließ sich zu einem Gähnen hinreißen und rieb sich die Augen, die aufgrund des Schlafmangels ohnehin schon ganz rot waren. „Und geschlafen hast du auch nicht?“, fragte Sarah weiter nach, die sichtlich besorgt zu sein schien. Leonas antwortete ihr dieses Mal nicht, weshalb sie sich selbst ein paar Dinge zusammenreimen zu versuchte. „Am Freitagabend warst du doch noch topfit…, wenn auch ein wenig seltsam, aber das bist du ja in letzter Zeit häufiger und ich frage mich warum.“ „Geh mir nicht auf die Nerven und lass mich einfach in Ruhe!“, blaffte Leonas seine Freundin auf einmal an, was diese zum Stehen brachte. Leonas aber ging einfach weiter, während Sarah ihm verwirrt und beleidigt mit offenem Mund hinterher starrte. Als Leonas das Klassenzimmer betrat, saß Kai bereits auf seinem Platz und war wie erwartet, von seiner Schülergang umgeben. Einer von ihnen drehte sich gerade ganz zufällig um und erspähte Leonas. Als er dessen bleiches Gesicht sah, kam wieder ein dummer Spruch auf Leonas zugeflogen. „Oh seht mal wer da reingedackelt kommt: Die dicke Zombie-Schwuchtel Leonas!“ Die ganze Schülergang lachte und Leonas blickte zu Kai, der in seinem Stuhl immer weiter hinabsank, sich aber ebenfalls zu einem Lacher hinreißen ließ, um sich bei seinen Freunden nicht verdächtig zu machen. Doch Leonas hatte genug davon. Sein ganzer Frust, der sich in den letzten Tagen angestaut hatte, entlud sich nun in einem einzigen gewaltigen Schlag und den bekam der Schüler ab, der ihn gerade beleidigt hatte. Dieser war zu überrascht, um sich zu wehren. Leonas schlug mit voller Kraft zu und sein Mitschüler ging zu Boden. Die ganze Klasse war schockiert – einschließlich Kai und Sarah.
Moritz – Teil 13 Moritz ging zurück in sein Zimmer, wo er seine Ruhe hatte. Max war offensichtlich draußen im Garten und Moritz ließ sein Fenster jetzt jede Nacht offen, damit sein Kater jederzeit ins Zimmer zurück konnte. Er hoffte sehr, dass sein Kater keinen Unsinn anstellte. Moritz legte sich auf sein Bett, legte seine Hände unter seinem Kopf, schloss die Augen und döste vor sich hin. Das Zwitschern der Vögel und das Geräusch des Rasenmähers drangen in seine Ohren. Von Ruhe konnte also nicht wirklich die Rede sein, aber wenigstens wurde er hier nicht von der Seite angesprochen. Zurzeit hatte er keinen Bedarf, sich mit irgendjemand zu unterhalten, weder mit seinen Betreuern, noch mit einem der anderen Kinder hier. Seltsamerweise hätte er aber Lust, mit Jacob zu reden. Ob er ihn jemals wieder sehen würde? Er hatte keine Möglichkeit mit ihm Kontakt zu treten, weil er auch gar nichts von ihm wusste. Jacob hatte Moritz sehr geholfen, doch von ihm wusste Moritz eigentlich so gar nichts, außer dass sein Freund dieses Zimmer besaß, bevor er hier einzog. Plötzlich hörte Moritz ein leises Schnurren und flauschiges Fell an seiner rechten Wange. Max war zurückgekehrt. „Na du kleiner Herumtreiber. Hast du deinen Ausflug genossen?“, fragte Moritz ihn, während er seinem Kater sanft über den Rücken streichelte. Da fiel Moritz auf, dass sein Kater etwas im Mund herumtrug. Es war weder eine tote Maus, noch irgendwas anderes, was in Moritz Übelkeit hervorgerufen hätte. Es sah eher nach einem Papierfetzen aus. „Was hast du da, hm? Komm, spuck das aus. Das ist Gift für dich!“ Max war sehr gehorsam und spuckte den Papierfetzen auf Moritz´s Bett. Es klebte etwas Katzensabber dran, aber Moritz konnte trotzdem noch lesen, was auf dem Papierfetzen geschrieben stand. Es war offensichtlich, dass das nur ein Teil von einem größeren Brief war und es stand drauf geschrieben: „…rück. Warte bitte auf mich. Felix!“
Damian – Teil 12 Nach dem Streit mit seinem Freund, hatte sich Damian in eine Bar zurückgezogen, wo er für den heutigen Abend ein Rendezvous am Start hatte. Doch wie sich herausstellte, hatte der Streit erhebliche Auswirkungen auf Damians ungezügeltes Sexleben. „Was ist los mit dir?“, fragte ihn sein Date. „Du bist alles andere als gesprächig.“ „Sorry Sebald, aber ich glaube, dass mit uns Beiden wird nichts.“, machte Damian ihm schließlich verständlich klar. „Sebastian. Mein Name ist Sebastian.“, korrigierte in sein heutiges Date. „Na vielen Dank auch für nichts und wieder nichts. Meine Freundin Flo hatte mich noch vor Typen wie dir gewarnt…“ Und so verschwand der Junge, der in Damians Augen zwar wirklich süß aussah, aber nichts im Vergleich zu Marcus war…. Verdammt! Wieso musste er ausgerechnet jetzt an Timos Bruder denken? „Nochmal ein Gin Tonic bitte.“, bestellte er beim Kellner, der hinterm Tresen stand, während er unentwegt an den Streit mit Timo denken musste. Zwischendurch tauchte zwar das Bild seines großen Bruders auf, aber das sorgte wenigstens dafür, dass Damian sich nicht seiner Traurigkeit hingab. Er war so wütend auf Timo, dass er jetzt am liebsten etwas kurz und klein schlagen würde.
Nils – Teil 9 Nils tat es inzwischen leid, dass er sich gegenüber seinem großen Bruder wie ein Arsch verhalten hat. Er weiß nicht, was da in ihn gefahren ist, so auszuticken. Es war einfach ein ungünstiger Zeitpunkt, zu dem Ralf ihn geweckt hatte. Es hätte nicht mehr lange gedauert und Nils und Valentins Lippen hätten sich das erste Mal berührt. Das Ralf ihn ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt aus dem Schlaf riss, war einfach Pech. Nils hätte nicht gleich so ausrasten müssen, aber seine eigene Ausrede war, dass er wohl ein Morgenmuffel zu sein scheint. Jedenfalls musste er sich bei seinem großen Bruder entschuldigen, der sonst immer für ihn da war. Ralf saß gerade in seinem Zimmer auf seinem Bett, hatte Kopfhörer auf und tippte nebenbei in sein Handy. Durch die laute Musik, die aus seinen Kopfhörern drang, konnte er Nils` Anklopfen nicht hören, weshalb er sich eigenhändig Zutritt verschaffte. Als Nils das Zimmer seines großen Bruders betrat, wurde dieser auf ihn aufmerksam. Er verzog keine Miene und starrte seinen kleinen Bruder mit wenig liebevollen Augen an. Dann nahm Ralf seine Kopfhörer runter. „Tu-Tut mir Leid, dass ich dich heute Morgen so angeschrien habe.“, sagte Nils etwas verlegen. Ralf zeigte keinerlei Regung und schaute weiterhin sehr ernst. „Ist das alles?“, fragte er. Nils wedelte leicht mit seinen Armen herum. Er wusste nicht, was er sagen sollte. Sollte er einen Witz erzählen und seinen Bruder damit zum Lachen bringen? Das wäre unangebracht. Was aber konnte er tun, damit sein Bruder ihn verzieh. Aus seiner Sicht war ja nicht viel passiert…, naja, außer dass er Ralf regelrecht angeschrien und aus seinem Zimmer geworfen hat. „Was soll ich sagen oder machen, damit du mir verzeihst? Es tut mir wirklich leid. Ich hab überreagiert.“ „Ach überreagiert nennst du das?“ Ralf lachte spöttisch und schüttelte den Kopf. „Herrgott nochmal Ralf, du weißt doch, dass ich es nicht böse gemeint habe. Du bist mein Bruder und ich hab dich lieb. Kannst du deinem kleinen dummen Bruder, der hin und wieder auch mal Fehler macht, nicht einfach verzeihen? Bitteee!“ Nils` letzten Worte kamen ganz spontan aus ihm heraus und obwohl Entschuldigungen nicht so sein Ding waren, fand er seine Wortwahl ganz passabel. Tatsächlich schienen seine Worte Wirkung zu zeigen! Ralfs eiserne Miene wurde langsam weicher und er winkte seinen kleinen Bruder zu sich aufs Bett. Zögerlich setzte Nils sich zu seinem Bruder aufs Bett, der seinen Arm um seinen kleinen Bruder legte. „Was wäre ich denn für ein großer Bruder, wenn ich dir nicht verzeihen würde.“, sagte Ralf und lächelte nun dabei sogar leicht. „Ich hab dich auch lieb, aber bei Gott, solltest du mich jemals wieder so anschreien, mach ich dich einen Kopf kürzer, Kleiner!“ Die Drohung brachte Nils zum Schmunzeln. Er war glücklich, dass Ralf ihm verzieh.
Ricardo – Teil 11 Das war der peinlichste Tag in Ricardos ganzem Leben! Zuerst die unvermeidbare Erektion in der Öffentlichkeit und jetzt auch noch der dazugehörige Orgasmus. Klar, Sanchez sah heiß und verführerisch aus, aber das es in solch einer „Explosion“ endete, das war selbst für Ricardo Neuland. Es klopfte an der Badezimmertür. „Alles in Ordnung bei dir, Ricardo?!“, hörte er Martin durch die Tür hindurch fragen. Ricardo antwortete ihm mit einem knappen Ja. „Kann ich dir bei irgendetwas behilflich sein?!“ Auf diese Frage wusste Ricardo nun keine Antwort. Bei was sollte Martin ihm auch schon groß helfen. Er hatte den Orgasmus schließlich schon hinter sich! Nach einer Weile öffnete Ricardo die Badezimmertür. Martin stand immer noch davor und schien sowohl vergnügt als auch besorgt zu sein. „Ich denke, ich sollte jetzt besser gehen.“ „Das ist aber schade!“, rief auf einmal Sanchez, der halbnackt durchs Haus rannte. „Ich wollte dich nämlich fragen, ob du Lust auf ein Doppel hättest.“ „Ei-Ein Doppel?“, fragte Ricardo unsicher nach und blickte zugleich auch zu Martin. „Nicht das, was du jetzt denkst, kleiner Dummkopf.“, sagte Sanchez sofort und lachte dabei. „Ich rede vom Fotoshooting. Ich glaube, du und ich, würden auf Fotos sehr gut miteinander aussehen.“ „Also ich finde die Idee prima.“, tat Martin seine Meinung kund. „Ehm…, okay? Dir ist aber schon klar, weshalb ich gerade aus dem Zimmer gestürmt bin, oder?“, fragte Ricardo nach wie vor unsicher nach. Sanchez lächelte und rückte Ricardo so nah auf die Pelle, dass dieser schon wieder seinen Puls rasen hörte. „Natürlich, aber das muss dir wirklich nicht peinlich sein.“ „Klar, dass du das sagst. Du bist ja auch der schärfste Typ den ich kenne.“, sagte Ricardo nun ehrlich, fügte aber noch schnell hinzu. „Du bist natürlich auch sehr ansehnlich Martin.“ „Danke für die Blumen.“, sagte Martin schmunzelnd. „Was haltet ihr von folgendem Vorschlag: Du…“ Er legte seine rechte Hand auf Sanchez linke Schulter. „…ziehst dich wieder an. Und dann werde ich Fotos von euch beiden in bunter Sommerkleidung schießen. Ihr Beide seht auch angezogen gut genug aus, um uns allen Geld einzubringen. Was sagt ihr dazu?“ „Also ich bin damit einverstanden.“, antwortete Sanchez erfreut. Ricardo biss sich noch etwas unsicher auf die Unterlippe, stimmte dem Vorschlag dann aber ebenfalls zu. „Ich bin auch damit einverstanden.“ Und das nächste Abenteuer begann.
Jannik – Teil 12 Es war gerade Schulschluss und Jannik wollte sich zusammen mit seinen Mitschülern auf den Nachhauseweg begeben, als Herr Kronthaler ihn im letzten Moment noch zurückhielt. „Jannik, dürfte ich bitte noch kurz mit dir sprechen – unter vier Augen.“ Jannik blickte verwirrt zu Herr Kronthaler und fragte sich, was er von ihm wollte. Musste aber zugeben, dass er sich darauf freute, mit ihm alleine zu sein. Sein Herz machte dabei einen großen Hüpfer. Dennoch blickte er etwas unsicher zu seinen Klassenkameraden, dich nun hinter vorgehaltener Hand miteinander tuschelten. „Was er wohl von Jannik will?“, hörte er eine Mitschülerin flüstern. „Vielleicht ist er nicht nur schwul, sondern auch noch pädophil.“, meinte ein Klassenkamerad. „Schon seltsam. Erst schenkt Jannik ihm Schokolade und jetzt will Herr Kronthaler mit ihm alleine sein?“, fasste eine andere Mitschülerin rätselnd zusammen. „Hört schon auf Leute. Das ist doch alles völlig harmlos. Jannik wollte sich mit der Schokolade bei Herrn Kronthaler doch nur bedanken.“, verteidigte Jannik´s bester Freund ihn. „Mach bitte die Tür zu.“, bat Herr Kronthaler Jannik nun und dieser gehorchte. Jetzt war er mit dem Referendar allein. Es war ganz still im Klassenzimmer und Jannik hatte Sorge, dass Herr Kronthaler sein Herz schneller schlagen hören konnte. Der Referendar zog die Schokolade, die Jannik ihm heute Morgen geschenkt hatte, aus seiner Tasche und hielt sie ihm entgegen. „Tut mir Leid Jannik. Ich hab mir das noch einmal durch den Kopf gehen lassen und für mich vereinbart, dass ich dein Geschenk nicht annehmen kann. Ein Lehrer sollte von seinen Schülern keine Geschenke bekommen.“ „Aber damit wollte ich mich doch bei ihnen bedanken, dafür, dass sie mir mein Leben gerettet haben.“, protestierte Jannik, doch wusste er insgeheim, dass Herrn Kronthalers Entscheidung bereits feststand. Jannik streckte die Hand nach der Schokolade aus – und ob gewollt oder nicht, aber dabei berührte seine Hand die von Herrn Kronthaler und auf einmal verspürte Jannik ein unbändiges Knistern. Herr Kronthaler schien auch etwas zu spüren, denn er zog seine Hand ruckartig zurück, so dass die Schokolade zu Boden fiel. Wie in Trance, wollten beide die Schokolade aufheben und erneut berührten sich ihre Hände dabei. Dann blickten beide in die Augen des jeweils anderen…
Fortsetzung folgt ... am Montag, den 16.Januar 2023!
Manuela – Teil 11 Der beste Tag seit langem! So würde Manuela den heutigen Tag bezeichnen, der bislang sehr schön und erfolgreich verlief. Am frühen Morgen hatte sie für sich und ihren Sohn das Frühstück zubereitet, wofür ihr Sohn sich mit einem Kuss auf die Wange bei ihr bedankte. Sie genoss die Zuwendung ihres Sohnes sehr, denn ihr war klar, dass das irgendwann anders sein könnte. Danach brachte sie Florian zur Schule und fuhr wieder nach Hause, um sich auf ein bevorstehendes Vorstellungsgespräch vorzubereiten. Auch wenn Roland und sie derzeit nicht sonderlich gut miteinander auskamen, wollte sie dennoch seinen Rat befolgen und sich einen neuen Job suchen. Als Stewardess zu arbeiten, kam für sie zwar nicht mehr in Frage – schließlich konnte sie nicht mehr tagelang durch die Welt reisen, während ihr Sohn hier Zuhause auf sie wartete – aber es gab schließlich noch zig andere Berufe. Zuvor jedoch erhielt sie von ihrer Freundin Petra einen Anruf, die sie für den heutigen Abend zu einem Mädelsabend einlud. Charlotte war sicherlich auch dabei und Manuela war schon sehr gespannt darauf zu erfahren, wie es mit ihrem neuen Adoptivsohn weiter ging. Doch zurück zum Vorstellungsgespräch: Manuela hatte eine Stellenanzeige als Kellnerin in der Zeitung gelesen. Gewiss nicht ihr Traumberuf, aber es brachte Geld ein und da sie als Stewardess das Bedienen von Getränken und Speisen gewohnt war, konnte sie sich diesen Teilzeitjob sehr gut vorstellen. Das Glück schien ihr wirklich hold zu sein, denn der Chef war sehr angetan von Manuelas Charme, ihrer Aufgeschlossenheit und natürlich auch von ihrer Bewerbungsmappe. Mit einem Job im Gepäck verließ sie das Restaurant, in dem sie in der kommenden Woche zu arbeiten anfangen würde und wollte sich selber erst einmal eine Zigarette spendieren, bis sie feststellte, dass ihre Zigarettenschachtel leer war. Eine junge Frau kam zufällig vorbei, die ebenfalls vor dem Restaurant stehen blieb, und Manuela fragte sie nach einer Zigarette. „Tut mir sehr leid, aber ich rauche nicht.“ „Ach das ist schon in Ordnung. Das gehört wohl zu meinem heutigen Glück.“, meinte Manuela lächelnd. „Das ist ein Zeichen dafür, dass ich endlich mit dem Rauchen aufhören sollte.“ „Könnten Sie mir ein wenig von ihrem Glück abgeben?“, fragte die junge Frau. „Ich hab gleich ein Vorstellungsgespräch und ein wenig Glück schadet nie – besonders nicht bei mir!“ Manuela lächelte und versuchte die junge Frau zu beruhigen. Danach wünschte sie ihr noch viel Glück. „Vielleicht sieht man sich ja schon bald wieder…, als Kolleginnen. Auf Wiedersehen!“ Manuela machte sich wieder auf den Nachhauseweg und fühlte sich im Moment glücklich und zufrieden. Doch wie so vieles im Leben, war auch das Glück meist nur von kurzer Dauer. „Mama, Mama, sie ist hier. Sie ist in der Küche!“, rief ihr Sohn ihr entgegen, als Manuela nach Hause kam. „Wer ist hier, Florian? Wer ist in der Küche?“, fragte Manuela ihren Sohn verwirrt. „Guten Tag Manuela. Wir haben uns lange nicht mehr gesehen.“, sagte eine ältere Frauenstimme und plötzlich stand Manuela ihrer Schwiegermutter gegenüber. Das wird ein schrecklicher Tag!!!
Flo – Teil 10 So ziemlich jeder Mensch ist vor und während eines Vorstellungsgesprächs nervös, vor allem dann, wenn man bereits eines oder mehrere hinter sich hatte und diese allesamt negativ ausfielen. Flo hatte also allen Grund dazu, nervös zu sein. Zwei Anläufe und keiner wollte sie einstellen, dabei war sie doch nur auf der Suche nach eine Teilzeitjob, um ihr Studium und ihre Wohnung finanzieren zu können. Es kam ihr unfair vor, denn sie hatte ihr Abitur mit einem Schnitt von 1,9 abgeschlossen und trotzdem wollte sie Keiner einstellen. Doch Flo war sich sicher, dass es nicht an ihrem Abiturschnitt lag, sondern an etwas ganz anderem! Dieses Mal hoffte Flo auf das Beste. Irgendwo auf dieser Welt musste es doch vernünftig denkende und tolerante Menschen geben. Heute hatte Flo ein Vorstellungsgespräch in einem Restaurant und natürlich fiel es ihr nach zwei Fehlschlägen schwer, ihre Nervosität in den Griff zu kriegen. Doch zum Glück traf Flo bereits vor dem Restaurant eine Frau, die ihr Mut zusprach und ihr Glück wünschte. „Nur nicht den Mut verlieren. Jede Pechsträhne ist irgendwann einmal zu Ende. Vielleicht sieht man sich ja schon bald wieder…, als Kolleginnen. Auf Wiedersehen!“ Mit neuentfachtem Mut und ein wenig mehr Zuversicht, betrat Flo das Restaurant und lernte dort auch zugleich den Chef kennen, der sie in sein Büro führte, wo das Vorstellungsgespräch stattfand. Um sich unvermeidbaren Ärger zu ersparen, legte Flo dieses Mal die Karten gleich auf den Tisch – wenn vielleicht auch etwas abrupt: „Ich bin ein Mann! War ein Mann! Also früher einmal…“ Flo war klar, dass ihr das zu überstürzt über die Lippen kam, aber wenn sie schon von neuem enttäuscht werden würde, dann sollte es wenigstens schnell gehen. Doch zu ihrer Verwunderung reagierte der Chef sehr gelassen: „Das ist doch gar kein Problem. Unser Restaurant-Team ist dem sehr aufgeschlossen. Da machen Sie sich mal keine Sorgen. Ihr Zeugnis gefällt mir auch und wenn sie jetzt noch teamfähig sind, dann wüsste ich nicht, was einer Zusammenarbeit noch im Wege stünde.“ Flo konnte ihr Glück kaum fassen. Sie bekam den Job tatsächlich!
Jannik – Teil 13 Jannik war kein kleines Kind mehr. Ihm war durchaus bewusst, dass die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler nur rein platonisch sein durfte. Alles andere war verboten! Und für Herrn Kronthaler stand weitaus mehr auf den Spiel, denn er könnte seine Zulassung als Lehrer verlieren, würde herauskommen, er würde sich an einen Schüler vergreifen. Doch Jannik dachte schon wieder viel zu weit, denn bislang war ja überhaupt noch nichts geschehen. Es war ein kurzer Augenblick, nicht länger als zehn Sekunden, in denen er und Herr Kronthaler sich in die Augen blickten und ihre Hände sich berührten, ehe der Referendar seine Hand zurückzog, wieder aufstand und etwas konsterniert umher blickte, ob dieser kleine Zwischenfall auch unbeobachtet blieb. „Also… nehme ich die Schokolade wieder mit.“, sagte Jannik schließlich etwas enttäuscht. Herr Kronthaler nickte. „Besser wäre es.“, antwortete er knapp. Jannik packte die Schokolade zurück in seinen Schulrucksack und wollte gehen, als er etwas wirklich, wirklich dummes tat. Er ließ seinen Schulrucksack zu Boden fallen, machte kehrt und rannte auf Herrn Kronthaler zu. Er schlang seine dünnen Ärmchen um den jungen Referendar und umarmte ihn heiß und innig. Ihm war es egal, was andere dachten, oder er selber später denken würde. Für ihn galt nur dieser eine Augenblick. Der kurze Augenblick der Wärme und der Geborgenheit.
Damian – Teil 13 Damian erinnerte sich noch sehr gut daran, wie Timo ihm eines Abends verkündete, er würde gerne etwas Neues mit ihm ausprobieren. Damian dachte, dabei würde es sich um irgendeine besondere Sexstellung handeln, aber da hatte er weit gefehlt… leider. Als Timo ihm eröffnete, er würde es gerne mit einer offenen Beziehung versuchen, da war Damian zunächst außer sich vor Wut. Er fragte seinen Freund, ob er spinnen und ihn nicht mehr lieben würde, doch Timo war die Sache ernst und erklärte zudem auch, dass seine Liebe zu Damian unverändert sei. Er erklärte ihm, dass seine Liebe zu ihm nach wie vor sehr stark war, er aber Angst hätte, dass sich dies irgendwann ändern könnte, wenn sie vierundzwanzig Stunden am Tag Zeit miteinander verbrachten. Zwar hatten er und Damian unterschiedliche Hobbys, denen sie nachgingen, aber das genügte Timo offenbar nicht, weshalb er ihm die offene Beziehung vorschlug. Dabei sollte es nicht einmal unbedingt um Sex gehen, sondern einfach darum, Abenteuer zu erleben und für Neues aufgeschlossen zu sein. Damian wusste zunächst nicht, wie er mit diesem Vorschlag umgehen sollte. Er wollte partout keine offene Beziehung, denn für ihn gab es nur einen Jungen in seinem Leben und das war Timo! So kam es dann zuerst auch einmal so, dass alles beim Alten blieb. Mit der Zeit merkte Damian aber, dass Timo von Tag zu Tag unglücklicher wirkte und er machte sich doch noch einmal Gedanken über eine offene Beziehung. Es kam ihm absurd vor, dass dies ihre Beziehung retten sollte, doch weil er Timo nicht verlieren wollte, stimmte er dem Vorschlag schlussendlich zu. Anfangs war es so, dass sich lediglich sein Freund mit anderen Jungs verabredete, während er Zuhause blieb, oder sich mit Freunden verabredete. Die Gedanken wiegten schwer, wenn er daran dachte, dass Timo gerade mit einem anderen Jungen im Bett lag, doch egal mit wem er sich verabredete, Damian wollte es nicht wissen. Es dauerte ein paar Wochen, bis Damian schließlich auch mit einem anderen Jungen im Bett landete. Dabei war dies mehr dem Zufall geschuldet. Damian war wieder einmal mit seinen Freunden aus, als er in einer Bar, einen smarten Mann kennenlernte, der ihn auf einen Drink einlud. Sie unterhielten sich eine ganze Weile miteinander und Damian erzählte dem Mann sogar, dass er eine offene Beziehung mit seinem Freund führte. Das war der Gongschlag für das erste auswärtige Spiel. Blöd gesagt, aber so war es. Den Namen des Mannes hatte Damian schon längst vergessen, aber sowohl bei ihm, als auch bei allen anderen Männern danach, hatte er stets ein schlechtes Gewissen hinterher. Doch er machte weiter… über Monate hinweg… und dann traf er Marcus. Er war der erste und bislang einzige Mann, der ihm nach ihrer gemeinsamen Nacht immer wieder durch den Kopf schoss. Damian war wieder Zuhause, stand mit dem Rücken zur Wand und schlug mit seiner geballten Faust dagegen. Tränen liefen seine Wangen hinunter. Wie konnte er es nur soweit kommen lassen. Er war wütend auf sich und auf Timo. Er war traurig – unglücklich. Sollte er die Beziehung beenden?
Eric – Teil 11 Eine Woche. Eine Woche war vergangen, als Eric völlig unerwartet aus Dr. Böhmers Praxis verschwand und nicht mehr zurückkehrte. Am Dienstag hätte Eric wieder einen Termin bei seinem Therapeuten gehabt, doch er tauchte nicht auf. Eine geschlagene Stunde wartete Dr. Böhmer auf ihn – vergebens. Nun ging es auf Freitagabend zu. Es war eine Minute vor Fünf und normalerweise hätte Eric von fünf bis sechs Uhr abends einen Termin bei Dr. Böhmer… Sein Therapeut saß still und gelassen in seinem Sessel und starrte auf die sonnengelb gestrichene Wand, während er auf Eric wartete. Ein kurzer Blick auf seine Armbanduhr, die ihm anzeigte, dass es inzwischen eine Minute nach fünf war. Dr. Böhmer atmete einmal kräftig ein und wieder aus. Sein Beruf verlangte viel von ihm ab. Vor allem aber, dass er bei all seinen Fällen möglichst sachlich heranging und seine eigenen Emotionen außen vorließ. Doch Eric´s Fall war wirklich speziell und er machte sich große Sorgen um dessen Genesung. Die Uhr tickte unaufhaltsam weiter, doch als Eric um zehn nach fünf noch immer nicht in der Praxis erschienen war, wollte er bei ihm Zuhause anrufen, ob alles in Ordnung sei. Einer seiner Väter nahm ab und er entschuldigte sich bei Dr. Böhmer, denn Eric ginge es nicht gut, er habe hohes Fieber und hatte vor Sorge vergessen, seinen Termin bei ihm abzusagen. Dr. Böhmer versicherte Eric´s Vater, dass das schon in Ordnung sei und wünschte Eric gute Besserung. Danach legte er auf und er war beruhigt, dass Eric nur „krank“ war und das ihm nichts Schlimmeres wiederfahren ist.
Flo – Teil 11 Flo war überglücklich, den Job in dem Restaurant bekommen zu haben. Sie war so glücklich darüber, dass sie sich zusammen mit ihrem Freund Sebastian wieder auf Männerjagd begab und das obwohl der Schmerz über Alexander noch immer tief in ihr saß. Da Beide bislang nicht sonderlich viel Glück in der Liebe hatten, machten sie sich einen Spaß daraus, Männer nach ihrem Aussehen zu beurteilen und sie auf einer Skala eins bis zehn zu bewerten. „Was ist mit dem da? Der sieht guuut aus!“, rief Flo ihrem Freund leicht angetrunken zu, während die Musik in der Disco fast jedes Wort übertönte. „Hm weiß nicht. In meinen Augen nur eine fünf.“, meinte Sebastian skeptisch und noch immer total nüchtern. Er gehörte nicht zu den großen Trinkern und konnte auch ohne Alkohol Spaß haben. „Oh lala, aber der da drüben ist heiß. In meinen Augen eine glatte zehn!“ „Der da? Der sieht wirklich nicht schlecht aus, aber nimm dich vor solchen Kerlen lieber in Acht, oder muss ich dich an dein Date von neulich erinnern. Wie hieß der Bastard doch gleich wieder? Domino?“ „Damian.“, korrigierte Sebastian seine Freundin und schaute dabei leicht betrübt, denn besagter Damian war optisch betrachtet eine neun, doch charakterlich leider eine glatte null. „Ouh Damian, ja das ist ein schöner Name. Ein schöner Name für einen beschissenen Typen.“, sagte Flo lächelnd und nippte erneut an ihrem Getränk, dass reichlich Alkohol enthielt. „Komm Flo. Ich glaub das reicht für heute.“, meinte Sebastian, der ihr besorgt das Glas entriss. „Flo? Florian Neumann?!“ Flo und Sebastian drehten sich irritiert um, als die glatte zehn von gerade eben plötzlich hinter ihnen stand und sie erfreut anlächelte. „Wer bist du?“, fragte Flo irritiert. „Oh mein Gott du bist es tatsächlich und wie du aussiehst…“, entgegnete der Junge strahlend. „Ich bin es. „Patricia Traunstein – nun besser unter dem Namen Patrick Traunstein bekannt.“ Flo und Sebastian kippte gleichermaßen die Kinnlade herunter. Flo war fassungslos, dass sie hier eine alte Schulfreundin wieder traf, die… jetzt ein Mann war!
Manuela – Teil 12 Gertrud Klingenbach war eine stets elegant gekleidete alte Dame, die nach alten Traditionen strebte. Ihr Sohn Roland war nach dem Tod ihres Mannes ihr Fels in der Brandung und sie war stolz darauf, dass er ihre Werte in seine Familie mit einbrachte. Kein Sex vor der Ehe, strenge Erziehung der Kinder und eine Frau, die sich um den Haushalt kümmerte. Doch all das, was Gertrud so unglaublich schätzte, war in Manuelas Augen einfach nur altertümlich. Genau aus diesem Grund, konnten die beiden Frauen sich auch von Anfang an nicht ausstehen und Manuela war Gertrud schon immer ein Dorn im Auge gewesen. Wenn es in ihrer Macht gelegen hätte, dann hätte sie die Heirat ihres Sohnes mit dieser Frau zu verhindern gewusst, aber gegen die Liebe war nun einmal kein Kraut gewachsen und schließlich wollte sie ihren Sohn auch nicht an diese Frau verlieren. Gertrud vertraute auf Gott, dass er dieser Ehe, die in ihren Augen eine einzige Farce darstellte, irgendwann den Riemen vorschob. Sie musste nur abwarten… und viele Jahre später… wurde sie für ihre Geduld belohnt! „Roland hat mir alles erzählt.“, sagte Gertrud, als sie vor ihrer Schwiegertochter stand, die sich von dem Besuch ihrer Schwiegermutter völlig überrumpelt fühlte. Doch bei genauerem Überlegen, hätte sie wissen müssen, dass sie hier früher oder später aufkreuzte. „Ich wusste ja schon immer, dass Roland einen schlimmen Fehler begeht, wenn er dich zur Frau nehmen würde, aber der Junge wollte ja nicht auf mich hören. Immerhin hat er jetzt erkannt, was du für eine falsche Schlange bist.“ „Gertrud bitte! Nicht vor meinem Sohn!“, rief Manuela ihrer Schwiegermutter warnend entgegen und widmete sich anschließend ihrem Sohn. „Florian, geh doch bitte ins Wohnzimmer und guck ein bisschen Fern. Deine Oma und ich haben hier ein paar Dinge zu besprechen.“ Florian war damit nur minder einverstanden und dackelte lustlos ins Wohnzimmer, wo kurz darauf der Fernseher zu hören war. „Genierst du dich etwa vor deinem Sohn, Manuela?“, fragte Gertrud ihre Schwiegertochter provokant. „Das hättest du dir früher überlegen sollen, bevor du meinen Sohn hintergangen hast, ihm Jahre lang Liebe vorgegaukelt hast und zu einer dieser Lesben wurdest!“
Jannik – Teil 14 Jannik war wieder Zuhause und lag mit offenen Augen in seinem Bett. Er starrte zur Decke hinauf und versuchte an nichts zu denken, doch schwirrte ein einziges Bild unentwegt vor seinem geistigen Auge herum. Ein Bild, wie er Herr Kronthaler umarmte! Im Nachhinein war ihm das ausgesprochen peinlich und er war heilfroh, dass dies keiner seiner Klassenkameraden sah, aber…, aber… Herr Kronthaler… er erwiderte Janniks Umarmung! Jannik wurde dies erst so richtig bewusst, als er sich auf den Nachhauseweg begab. Noch während er Herrn Kronthaler umarmte, legte der Referendar ebenfalls sachte seine Arme um ihn und drückte sanft zu. Geschah dies nur aus Freundlichkeit, oder steckte da tatsächlich mehr dahinter? Empfand Herr Kronthaler etwa wirklich dasselbe, wie sein Schüler? Waren die Gerüchte über seine sexuelle Orientierung tatsächlich wahr? Ist Herr Kronthaler homosexuell? Jannik konnte seine Gedanken nicht mehr richtig ordnen. Alles schien so verwirrend zu sein und ein Schleier aus dichtem Nebel umgab ihn. Was sollte er jetzt tun? Sollte er Herrn Kronthaler einfach darauf ansprechen und ihn offen danach fragen? Nein, das konnte er einfach nicht. Das wäre ihm peinlich und in seiner Position unangebracht. Andererseits wollte Jannik endlich Gewissheit haben. Es waren immer wieder dieselben Gedanken. Denn selbst wenn Herr Kronthaler auf „Männer“ stand, dann niemals auf kleine Jungs wie ihn, der zudem auch noch sein Schüler ist. Das wäre verwerflich. Doch wie sollte er sich jetzt ihm gegenüber verhalten? Es einfach herunterspielen und so tun, als wäre nichts gewesen? Eigentlich war ja auch nichts. Nur eine normale Umarmung, weiter nichts. „Aaaaaah!“ Jannik schrie laut auf und strampelte mit den Füßen wild umher, weil er drohte zu explodieren. Er hoffte sehr, dass seine Mutter seinen kleinen Ausbruch an Emotionen nicht hörte und versuchte sich wieder zu beruhigen. Er nahm eine Schlaftablette zu sich, die er sich seit dem Unfall gelegentlich einnimmt, und schloss seine Augen. An was anderes denken, an was anderes denken – diese Worte redete er sich immer wieder ein, bis er schließlich einnickte. Doch seine Träume spielten ihm einen bösen Streich. Plötzlich stand Jannik wieder im Klassenzimmer und umarmte Herrn Kronthaler, doch an dieser Stelle endete der Traum nicht, denn wo ihm in der wirklichen Welt der Mut fehlte, konnte sich Jannik in seinen Träumen alles erlauben. Er beugte sich leicht nach hinten, um die Umarmung leicht aufzulösen. Dann blickte er dem Referendar wieder in die Augen, wie er es schon einmal getan hatte und dann…, dann küsste er ihn. Herr Kronthaler erwiderte den Kuss und streichelte Jannik zärtlich über den Rücken. Janniks Glücksgefühle spielten verrückt und als er aus seinem Traum erwachte, begab er sich zunächst einmal auf die Toilette. Und während er sich dort aufhielt, fielen ihm wieder die Worte seines Mitschülers Nils ein: „Versuch an was Schönes beim Einschlafen zu denken, das hilft wirklich und wenn du dann eingeschlafen bist, träumst du vielleicht von der großen Liebe.“ Tja… wie Recht er doch hatte und eins war klar: Jannik war verliebt!
Fortsetzung folgt ... am Mittwoch, den 18.Januar 2023!
Felix – Teil 12 Als Felix am nächsten Morgen erwachte, hoffte er, dass er die letzten Tage nur geträumt hatte. Dem war leider nicht so und auch wenn er es nicht für möglich gehalten hätte, so wünschte er sich doch in sein kleines bescheidenes Zimmer im Kinderheim zurück. Jetzt lag Felix in einem großen Bett. Die Morgensonne schien durch das große Fenster, woraufhin er sich einmal zur Seite drehte. „Morgen.“, begrüßte Lucas ihn mit einem schiefen Lächeln, der seinen Kopf mit seinem Ellenbogen auf dem Bett abstützte und so nah an Felix lag, dass dieser vor Schreck aus dem Bett fiel. „Na dich bekommt man ja leicht aus den Federn. Hm… kommt das Wort „federleicht“ etwa daher…?“ „Du hast mich erschreckt, du… du…“ Felix wollte Lucas beschimpfen, hielt es dann aber für das Beste, es nicht zu tun. Also stapfte er schnaubend davon und suchte das Badezimmer auf. Inzwischen wusste er auch, wo sich das Badezimmer befand. Am ersten Tag hatte er das ganze Haus danach abgeklappert, nur um später festzustellen, dass eine Tür von seinem Zimmer aus direkt dorthin führte, ohne dass er sich hinaus auf den Flur begeben musste. Er verriegelte beide Türen, denn er traute Lucas nicht so ganz, dass dieser ihm nicht noch einen Streich spielte. Die Freundlichkeit, die Lucas ihm zu Beginn entgegenbrachte, war seit der gestrigen Feier wie weggeblasen. Zwar behandelte er ihn nicht wie Dreck, aber Felix entging es nicht, dass Lucas einen Drang zur Gemeinheit hatte. So hatte er gestern jegliches Toilettenpapier aus dem Badezimmer entfernt, was Felix erst bemerkte, als es schon zu spät war. Der heutige Tag sollte möglichst anders ablaufen…, doch wieder einmal hatte er die Rechnung ohne Lucas gemacht: „Welcher hirnverbrannte Vollidiot hat Haarfärbungsmittel in das Shampoo getan?!“ Felix kam lediglich mit einem Handtuch um die Hüfte bekleidet aus dem Badezimmer gestapft, sein schwarzes Haar war plötzlich lila. Wütend blickte er zu Lucas, der sich das Lachen nur schwer verkneifen konnte. „DUUU!“ „Oh, hast du dir die Haare färben lassen? Lila steht dir ausgesprochen gut.“, sagte Lucas mit einer unschuldsbewussten Miene, während Felix innerlich schäumte vor Wut.
Leonas – Teil 10 Leonas kleiner Ausraster im Klassenzimmer blieb zum großen Glück ohne schlimmere Folgen. Ihm wurde eine Verwarnung und Nachsitzen aufgebrummt, aber damit konnte er leben, bekam sein Klassenkamerad doch das, was er verdiente: Ein blaues Auge! Doch die kurze Genugtuung, die Leonas verspürte, verflog rasch wieder und schon bald fühlte er sich wieder genauso schlecht wie zuvor. Kai verhielt sich ihm gegenüber sehr distanziert, während die Jungs aus seiner Clique auch weiterhin verbal auf Leonas einschlugen. Lediglich Sarah machte sich große Sorgen um ihren Freund, der sich in ihren Augen wie eine tickende Zeitbombe verhielt. Sie wusste nichts von seinem Liebeskummer, ahnte aber, dass hinter seiner abweisenden Haltung und seinem kurzen Ausraster mehr steckte, als nur der gewohnte Ärger mit seinen Mitschülern. Doch jedes Mal, wenn sie einen Schritt auf Leonas zuging, wies dieser sie von sich. Schlafmangel und Appetitlosigkeit taten ihr Übriges, dass Leonas schon bald wie ein Zombie in der Schule umherstreifte. „Bitte rede doch mit mir, Leonas.“, sagte Sarah verzweifelt auf dem Weg zum Sportunterricht zu ihm. „Wenn nicht mit mir, dann vielleicht mit unserem Lehrer, oder jemand anderem, irgendwem, bitte!“ Doch Leonas antwortete nicht und ließ sie erneut links liegen. Sarah war sauer auf ihren Freund, doch die Sorge um ihn blieb. Mädchen und Jungs hatten getrennt voneinander Sportunterricht und so trennten sich ihre Wege vor den Umkleidekabinen. Völlig gedankenfrei betrat Leonas die Umkleidekabine und den ersten Jungen den er oben ohne erspähte war Kai, der sich gerade umziehen wollte. Damit schien er sich verraten zu haben, denn schon bald wurde Kai´s Clique auf dessen Blicke aufmerksam.
Flo – Teil 12 Patricia Traunstein war eine sehr gute Freundin von Florian auf dem Gymnasium, bis sie über die Sommerferien die Schule wechselte und der Kontakt zwischen ihnen einfach abbrach. Doch nun stand sie wieder vor ihm…, oder besser gesagt, ER stand nun vor IHR! „Du bist ein Mann?“ – „Du bist eine Frau?“, stießen beide gleichzeitig überrascht aus. Zunächst waren beide natürlich überrascht, doch dann fingen sie gemeinsam das Schmunzeln an. Das war in der Tat ein verrücktes Wiedersehen, womit keiner gerechnet hatte. „Ich hab nicht gewusst, dass du so wie ich bist…“, sagte Flo, die von diesem Wiedersehen noch immer ganz baff war. „Also, dass du dich fremd in deinem Körper fühlst.“ „Naja, ich hab daraus auch ein großes Geheimnis gemacht, um nicht das Gespött an der Schule zu werden. Leider hat es dann doch eine Person herausgefunden…“, erklärte Patrick Flo. „Warte. Hast du damals etwa deswegen die Schule gewechselt?“, fragte Flo, die sich damals schon gefragt hatte, warum dieser Schulwechsel so urplötzlich aus dem Nichts kam. Patrick nickte lächelnd mit dem Kopf. „Tut mir Leid, aber mir was das zu jener Zeit einfach sehr unangenehm und meine Eltern hatten Verständnis dafür. Ich wollte mich eigentlich auch bei dir melden, aber ich wusste nicht, wie ich es dir hätte erklären sollen…“ Flo schüttelte den Kopf. „Glaub mir. Ich versteh dich, sehr gut sogar.“ Sie konnte es kaum glauben. „Das ist traurig und witzig zugleich. Das wir uns jetzt hier wieder sehen… und zwar so. Ich hätte dich nicht wiedererkannt, wenn du mich nicht angesprochen hättest.“ „Ich musste auch dreimal hinsehen, bis ich erkannt habe, wer da so schlecht auf der Tanzfläche seine Hüften bewegt.“, konterte Patrick und lachte dabei. Flo wurde rot. Sebastian drängte sich durch die feiernden Leute hindurch, mit drei Flaschen Becks in der Hand. „Da bin ich wieder. Ich finde, dieses einmalige Wiedersehen sollte gefeiert werden. Auf euch!“ Flo und Patrick nahmen sich jeweils eine Flasche und stoßen gemeinsam mit Sebastian darauf an.
Manuela – Teil 13 Manuela saß zusammen mit ihrer Schwiegermutter in der Küche, während aus dem Wohnzimmer der Fernseher zu hören war. Manuela musste nicht sehen, um zu wissen, was sich ihr Sohn gerade ansah, denn die unvergleichliche Stimme konnte nur „Spongebob Schwammkopf“ gehören. Die Lieblingssendung ihres Sohnes. „Was willst du hier Gertrud?“, fragte sie ihre Schwiegermutter ohne Umschweife, denn auf nettes Geplänkel mit ihr konnte sie gut und gerne verzichten. „Weiß Roland, dass du hier bist?“, fragte sie weiter, obwohl sie die Antwort bereits ahnte. „Selbstverständlich nicht.“, antwortete Gertrud und Manuela nickte innerlich. Roland wusste, dass sie sich mit seiner Mutter nicht gut verstand. Selbst jetzt würde er es vermeiden wollen, dass sie die Krallen wetzten und übereinander herfielen wie wilde Katzen. „Roland hat mir erzählt, dass er noch ein paar Sachen von sich hier herumliegen hat und die wollte ich ihm bringen, obwohl ich ja die Meinung vertrete, dass nicht er, sondern DU ausziehen hättest müssen! Er weiß nicht, dass ich hier bin. Das war meine eigene Entscheidung, da ich unbedingt mit dir reden wollte.“ „Ich wüsste nicht, was wir Beide groß zu bereden haben.“, sagte Manuela abwertend. „Zumal du mir deine Meinung bezüglich des Themas bereits mitgeteilt hast. Du konntest mich von Anfang an nicht ausstehen und jetzt glaubst du einen Grund gefunden zu haben, der dir in allem Recht gibt. Doch eines will ich dir gleich einmal sagen: „Du hattest nicht Recht! Ich habe Roland wirklich geliebt, über viele Jahre hinweg. Das unsere Ehe nicht gehalten hat, liegt einzig und allein daran, dass sich die Gegebenheiten verändert haben. Roland trifft daran keine Schuld, mich aber genauso wenig.“ „Das sehe ich ganz anders!“, entgegnete Gertrud, was Manuela sonnenklar war. „Lass es gut sein Gertrud. Hol dir was du brauchst und geh dann bitte wieder.“, bat Manuela ihre Schwiegermutter noch ausgesprochen höflich. „Roland und ich bestreiten fortan getrennte Wege, aber für unsere Kinder sind wir beide da. Roland lebt sein Leben und ich das meinige.“ „Keine Sorge, ich werde gehen…“, sagte Gertrud, die sich verdächtig kooperativ zeigte. Manuela wusste, dass ihr gleich noch etwas um die Ohren fliegen würde und rechnete mit dem Schlimmsten. „Ich werde gehen und meinen Enkelsohn werde ich mitnehmen! Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass ich Florian hier bei dir lasse? Einer Frau, der ich nur Verachtung entgegen bringe.“ Als hätte es Manuela geahnt, ballte sie ihre Hände unterm Tisch zu Fäusten. Der Kampf begann!
Moritz – Teil 14 Es war ein heißer Sommertag und Moritz konnte sich schöneres und vor allem erfrischenderes vorstellen, als bei über dreißig Grad die Hecke zu stutzen, die das Grundstück des Kinderheims umgab. Er hatte Herr Hendricks zugesichert, dass er dem Gärtner dabei helfen würde. Im Gegenzug durfte sein Kater Max bei ihm bleiben. Während die anderen Kinder also in einem nahe gelegenen See plantschten, oder unter einem schattigen Baum ein Buch lasen, schwitzte Moritz an jeder Faser seines Körpers. Dabei hätte der Gärtner ihm heute sogar frei gegeben, aber nachdem das Mädchen von neulich – Lara hieß sie glaub ich – ihm schon wieder auf die Pelle rücken wollte, schlug Moritz das Angebot des Gärtners aus. Moritz wusste nicht, warum er gegenüber Lara so abweisend war, denn sie schien ein wirklich nettes Mädel zu sein, aber ihm war einfach noch immer nicht danach, sich näher mit den anderen Kindern hier zu beschäftigen, oder sich gar mit ihnen anzufreunden. „Au!“ Moritz stieß einen kurzen lauten Schmerzensschrei aus, denn irgendetwas hatte ihn in den Arm gepiekt. Er starrte zur Hecke und konnte sehen, wie ein dünner Ast sich hinter die Hecke zurückzog. „Was zum…? Ist da jemand?“ „Na, hast du mich bereits vermisst?“, kam flüsternd eine Frage als Antwort zurück. Moritz spähte etwas genauer durch die Hecke und konnte das Gesicht von Jacob dadurch erkennen, der ihn durch die Hecke hindurch anlächelte. „Verzeih, aber ich musste dich irgendwie auf mich aufmerksam machen, ohne das der Gärtner was davon mitbekommt.“ Moritz grinste. „Es ist hier nicht verboten, sich mit fremden Menschen zu unterhalten. Schließlich ist das hier kein Gefängnis!“ „Ach nein? Ich dachte, das wäre hier eine Jugendstrafanstalt…“, scherzte Jacob und grinste zurück. „Du hältst dich wohl für einen Witzbold.“, erwiderte Moritz erheitert. „Erzähl mir lieber mal, warum du dich hier schon wieder herum treibst und sag mir jetzt nicht, dass du Sehnsucht nach mir hattest.“ „Naja ich war gerade zufällig in der Nähe und da dachte ich, ich schau mal, wie es dir inzwischen so geht.“, erklärte Jacob und Moritz wusste nicht, ob er ihm Glauben schenken sollte. „Mir geht es gut.“, antwortete er ihm kurz und bündig. „Um ehrlich zu sein, trifft es sich sogar gut, dass du hier bist. Ich hab nämlich war für dich, dass dich interessieren dürfte.“
Nils – Teil 10 Nachdem sich Nils wieder mit seinem großen Bruder vertragen hatte, holten sie ihre gemeinsame Fahrradtour nach. Nils hätte es nicht für möglich gehalten, aber es war ein herrlicher kleiner Ausflug, wozu auch das sonnige Wetter beitrug. Sie fuhren einen Feldweg entlang, rechts von ihnen ein großes Feld, wo der Bauer sein Getreide erntete, und links von ihnen ein kleiner Bach, der an einem Waldgebiet angrenzte. Nils, Ralf und ihr Vater fuhren in diesen Wald hinein und ließen die Natur auf sich wirken. Abgesehen vom Zwitschern der Vögel und das Knacksen von Ästen und Zweigen ab und an, umgab sie eine angenehme Stille. Nils genoss diesen kleinen Ausflug, wo er Zeit mit seiner Familie verbringen und die Seele baumeln lassen konnte. Er dachte keine Sekunde an Valentin. „Ich bring demnächst mal meine Freundin mit nach Hause. Sie freut sich schon, dich kennenzulernen.“, erzählte Ralf seinem kleinen Bruder, als sie sich bei einer kleinen Pause an einen Baumstamm anlehnten und den Geruch von Baumharz einatmeten. „Ist sie hübsch?“, fragte Nils leicht neugierig und schmunzelnd. „Bildhübsch.“, antwortete Ralf ihm schwärmerisch. Er schien sie wirklich zu lieben. „Wenn du mal eine Freundin hast, dann will ich aber der Erste sein, der sie kennenlernen darf. Schließlich muss ich doch das Mädchen in Augenschein nehmen, die meinen Bruder glücklich macht.“ Nils antworte nicht und ließ sich lediglich zu einem Summen hinreißen, dass er ihn verstanden hatte. Das Thema war ihm unangenehm und er flüchtete in seine Gedankenwelt. Das erste Mal heute, dachte er an Valentin.
Felix – Teil 13 Felix stand im Badezimmer vor dem Spiegel und musterte seine lilagefärbten Haare. Er schäumte regelrecht vor Wut, doch versuchte er sich zusammenzureißen. Am liebsten hätte er Lucas eine Ohrfeige verpasst, aber auf dieses Niveau wollte er sich nicht hinab begeben. „So dann wollen wir doch mal sehen, ob wir das aus dir herauswaschen können.“, sagte Butler Clément, der mit einer Flasche Essigspülung zurückkehrte. „Louanne war so freundlich, mir die Essigspülung auszuleihen. Sollte das nicht funktionieren, könnten wir es noch mit Waschpulver ausprobieren. So jedenfalls kannst du heute Nachmittag nicht vor deinem Verlobten erscheinen.“ „Ach warten Sie. Dann lasse ich sie doch heute besser so.“, sagte Felix ganz schnell, der eine Chance witterte, sich nicht mit diesem Amadeus zu treffen. Bisher hatte er noch kein einziges Wort mit diesem Jungen gewechselt und es erschien ihm seltsam, ihn zu heiraten. Sagte ich gerade seltsam? Völlig absurd war das! Felix kannte ihn gar nicht, mal ganz davon abgesehen, dass er weder gefragt wurde, noch bereit war, den Bund der Ehe zu schließen. „Netter Versuch, aber was sein muss, muss sein und jetzt beug dich bitte übers Waschbecken.“, bat Clément mich, der keine Gegenwehr erlaubte. „Wenn wir hier eine Sauerei veranstalten, wird Nancy die Putzfrau mich lynchen.“ „Clément, ich wundere mich über Sie.“, sagte Felix überrascht, während er sich seinem Schicksal hingab und sich übers Waschbecken beugte. „Sie watscheln hier zwar rum, wie ein Pinguin mit Stock im Arsch, aber ihre Wortwahl ist teilweise sehr obszön.“ „Ich muss doch sehr bitten.“ Der Butler wirkte beleidigt, doch Felix sah nicht, wie dieser lächelte. „Nun denn. Ich diene der Familie Brecheisen nun bereits seit stolzen achtundzwanzig Jahren. Dabei hab ich viel gesehen und viel gehört, doch einen Jungen wie den jungen Herren hab ich in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt.“ Er spielte natürlich auf Lucas an, das war Felix klar. „Seit jeher war der junge Herr eigensinnig, vorlaut und frech, aber erzählen Sie ihm bloß nicht, dass ich das zu Ihnen gesagt habe. Ich könnte dadurch meine Stelle verlieren.“ „Werde ich nicht.“, versprach Felix, während Clément ihm die Farbe aus den Haaren wusch. „Sie können sich auf mich verlassen Clément. Sie und ich… wir werden vermutlich noch gute Freunde.“
Leonas – Teil 11 „Hey Kai, die dicke Schwuchtel hat dir auf den Arsch geglotzt!“, schrie ein Mitschüler aus Leonas Klasse, der auch Teil von Kai´s Clique war. Die Augen aller Jungs waren auf Leonas gerichtet. Einige sahen ihn mit Abscheu an, andere wiederum mit Unsicherheit. Doch das war Leonas egal, denn er hatte sich damit abgefunden, dass Mobbingopfer Nummer Eins an dieser Schule zu sein. Die einzige wirkliche Reaktion die ihn interessierte, war die von Kai, doch der mied zunächst den Blickkontakt. Ein anderer Junge aus der Clique, der sich schon fertig umgezogen hatte, stellte sich mit verschränkten Armen zwischen Leonas und Kai. „Was gibt es denn da zu glotzen Moppelchen?“ Leonas blickte seinen Mitschüler grimmig an, besann sich aber schnell wieder und wandte sich von ab. „Los Jungs, beeilt euch lieber. Die Speckschwarte wollt ihr nicht wirklich oben ohne sehen!“, rief der Mitschüler und kurze Zeit später befand sich Leonas alleine in der Umkleidekabine. Aus den Augenwinkeln heraus konnte er sehen, wie Kai als Letzter ging und auch wenn er sich nicht ganz sicher war, so glaubte Leonas dennoch, dass es Kai leid tat, wie seine Clique ihn behandelte. So mies wie der Tag begann, so mies ging es im Sportunterricht dann auch weiter. Hochsprung, Sprinten und Völkerball standen an der Tagesordnung, als würde der Sportlehrer Leonas noch zusätzlich quälen wollen. Den Hochsprung schaffte er nicht, beim Sprinten kam er als Letzter ins Ziel und beim Völkerball war er das Zielobjekt seiner Mitschüler. Einmal traf ihn ein Ball genau am Kopf, doch Leonas war hart ihm nehmen. So leicht würde er es seinen Mitschülern nicht machen und kampflos aufgeben. Ihre verbalen und physischen Angriffe brachten ihn nicht zu Fall. Einzig und allein Kais Verhalten ihm gegenüber brachte ihn stetig zum Wanken. Hinzu kam, dass Leonas die letzten Tage kaum noch was gegessen hatte und auch sehr schlecht schlief. All das führte letztendlich dazu, dass Leonas schlussendlich vor der gesamten Klasse zusammenklappte. Seine Augen sahen nur noch verschwommen, seine Beine fühlten sich wie Pudding an, Schweiß tropfte ihm von der Stirn und ehe sich Leonas versah, sackte er in sich zusammen und fiel zu Boden. Nur ganz verschwommen nahm er noch wahr, wie Kai sich als Erster über ihn gebeugt hatte – mit besorgtem Gesichtsausdruck. Danach kam der Sportlehrer herbeigeeilt, ehe Leonas völlig sein Bewusstsein verlor.
Fortsetzung folgt ... am Freitag, den 20.Januar 2023!
In Kapitel 35 gibt es heute "nur" drei Storylines, statt den üblichen vier. Und nicht vergessen: Sonntag kommen noch einmal zwei Kapitel und dann geht es hier erst einmal wieder in die Pause, da es mit "O:Evo-1570"-Part III weiter geht.
Leonas – Teil 12 Leonas wusste es zu jenem Zeitpunkt zwar noch nicht, aber wenn er sein Bewusstsein wieder erlangte, dann gab es nur einen Menschen, den er in jenem Moment um sich haben wollte. „K-Kai?“ „Kai? Wieso Kai?!“, fragte ihn eine Stimme, die er zweifelsohne seiner besten Freundin Sarah zuordnen konnte. „Der Kerl hat dich auf die Krankenstation gebracht – schon wieder! Na gut, dass letzte Mal hab ich ihm ein Bein gestellt, woraufhin du ihn hierher begleiten musstest, aber im Grunde kommt es auf dasselbe hinaus. Den ganzen Ärger gäbe es nicht, wenn es diesen Vollhonk und seine Gang aus dummen Neandertalern nicht gebe.“ Leonas öffnete seine Augen sehr langsam. Die Lampe an der Decke blendete ihn und es dauerte ein paar Sekunden, bis sich seine Augen daran gewöhnt hatten. Leonas legte seinen Kopf leicht schräg und stellte fest, dass er mit Sarah alleine war. Die beugte sich nun etwas über ihn, um ihn in Augenschein zu nehmen. „Weißt du eigentlich, was für eine Heidenangst ich um dich hatte, als ich gehört habe, dass du zusammengeklappt bist? Mach das ja nie wieder, verstanden?! Also wirklich…, ich kann mir doch nicht rund um die Uhr Sorgen um dich machen. Das geht doch nicht. Ich hab schließlich auch noch anderes zu tun: Friseurtermin, meine Maniküre, ein Fußbad, shoppen gehen, meinem großen Bruder in den Hintern treten…“ Ob gewollt oder nicht, aber Sarah gelang es, Leonas ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. „Als ob du die Art von Mädchen wärst, die dem typischen Weiberkram nachgeht. Du und Maniküre, das ich nicht lache! Lediglich das mit dem in den Hintern treten, glaube ich dir sofort.“ „Pah!“ Sarah wirkte eingeschnappt und plusterte sich leicht auf. „Ich bin durchaus in der Lage, mich wie ein Mädchen aufzuführen. Meine Haare zum Beispiel sind mir heilig!“ Leonas lächelte erneut, sagte aber kaum noch ein Wort, während Sarah unentwegt weiter redete und sich erneut darüber beschwerte, welch große Angst sie um ihn hatte. „Frau Uttebrecht, unsere Schulkrankenschwester, ist gerade gegangen, um deine Eltern über deinen Zustand zu informieren. Sie hat gesagt, dass dein Kreislaufzusammenbruch mit zu wenig Schlaf und zu wenig Nahrung zusammen hängen muss. Hast du etwa in letzter Zeit nicht viel gegessen?“ „Nicht viel? Gleich null!“, antwortete Leonas seiner Freundin, woraufhin diese ihn zunächst aufs Übelste beschimpfte, wie dumm das doch gewesen sei, nur um sich direkt danach gleich wieder zu entschuldigen. „Verzeih, dass du so dumm bist… ach halt, andersrum…, nein auch nicht. Na ist ja auch egal. Doch eine Frage hätte ich noch: Warum hast du nichts gegessen? Was ist los mit dir?!“ Das waren zwei Fragen, aber Leonas wusste, dass er sich vor der Antwort nicht mehr drücken konnte.
Moritz – Teil 15 Moritz kam mit dem Fetzen Papier, welches sein Kater Max zuvor gefunden hatte, aus dem Kinderheim gerannt, um es Jacob zu überreichen. Der Gärtner war gerade mit Rasen mähen beschäftigt, weshalb er nicht merkte, wie sich Moritz inzwischen anderen Dingen widmete. Doch das sollte keine Rolle spielen, wollte dieser Moritz doch ohnehin für den Rest des Tages freigeben. „Was ist das?“, fragte Jacob, als Moritz ihm den Fetzen durch die Hecke hindurch reichte. „Lies selbst.“, antwortete Moritz. „…rück. Warte bitte auf mich. Felix!“, las Jacob was auf dem Papier geschrieben stand. „Das ist eine Nachricht von meinem Freund. Wo ist der Rest davon?!“ „Tja, ich hab keinen blassen Schimmer.“, antwortete Moritz und zuckte dabei mit den Schultern. „Ich hab den Fetzen in Max` Maul gefunden. Keine Ahnung wo er den her hat und ob es noch mehr davon gibt. Ich hab zwar mein Zimmer durchsucht, aber nichts gefunden. Ich hab nur gehofft, dass Max den Rest nicht verschluckt hat. Herr Hendricks würde es nicht gut finden, wenn ich mit meinem Kater zum Tierarzt müsste. Er würde denken, dass er jetzt schon Scherereien bereiten würde.“ „Hm…, aber irgendwo muss der Rest hiervon sein.“, sagte Jacob nachdenklich. Moritz sagte nichts und ließ Jacob einen Moment lang nachdenken. „Okay.“, sagte Jacob schließlich, als hätte er eine Entscheidung getroffen. „Ich komme heute Nacht wieder und steig bei dir zum Fenster ein. Nur weil du nichts gefunden hast, bedeutet das nicht, dass nichts da ist. Felix würde mir keinen Brief hinterlassen, ohne die Gewissheit, dass ich ihn auch in die Finger bekäme.“ Jacobs Entschluss stand fest und Moritz freute sich, dass er ihn heute Nacht wiedersehen würde.
Nils – Teil 11 „Ich bin froh, dass ich mich wieder mit meinem Bruder vertragen habe.“, erzählte Nils mit einem sanften Lächeln im Gesicht. „Er ist für mich der wichtigste Mensch auf dieser Welt. Ich liebe ihn! Also so sehr, wie man einen Bruder überhaupt lieben kann, ohne dass es seltsam wird.“ Nils fing zu Lachen an, denn er wusste genau, wie seine Liebesbekundung gerade geklungen haben muss. „Jedenfalls hätte ich es nicht ertragen, wenn er lange auf mich böse wäre. Er war immer für mich da, da war es nur selbstverständlich, dass ich mich bei ihm für mein Verhalten entschuldige. Jedoch… hab ich ein wenig Angst, wie er reagieren wird, wenn ich ihm sage, dass ich auf Jungs stehe. Er scheint zu glauben, dass ich irgendwann ein Mädchen mit nach Hause bringe. Ich hoffe, ich enttäusche ihn nicht. Er will mir in den nächsten Tagen mal seine neue Freundin vorstellen. Ein wenig Angst hab ich ja schon. Seine letzte Freundin war so eine richtig verschrobene Trulla, die ständig von sich in der dritten Person geredet hat. Manchmal frage ich mich schon, wo er immer diese eigenartigen Mädels an Land zieht. Naja…, aber ich bin wohl kaum besser…“ „Warum? Weil du mit mir abhängst?“, fragte ihm sein Zuhörer.“ Nils dachte kurz nach, ehe er antworte: „Bitte versteh mich nicht falsch. Ich mag dich – wirklich sehr, aber wir wissen beide das du nur in meinen Träumen existiert und nicht wirklich real bist.“ Valentin beugte sich zu Nils rüber und lächelte verführerisch. „Wenn ich nicht real bin, könnte ich dann das mit dir machen?“ Valentins Lippen bewegten sich auf die von Nils zu. Sie berührten sich schließlich und endlich bekam Nils seinen langersehnten Kuss. Es war ein kurzer, aber ausgesprochen schöner Moment. „Wenn ich nur in deiner Fantasie existiere, dann solltest du jetzt eigentlich nichts gefühlt haben…“ Nils` Gedanken und Gefühlen überschlugen sich. Es fühlte sich echt an!
Felix – Teil 14 „Ist ja öde. Dein Haar wirkt so farblos…“, meinte Lucas, der es sich im Garten auf einer Liege bequem gemacht hatte und sich von der Sonne bräunen ließ. Felix hatte seine natürliche Haarfarbe wiedererlangt, was er Clément und Louanne zu verdanken hatte. Er warf Lucas einen kurzen bösen Blick zu, ehe er sich an den Rand des Pools setzte und sich seine Beine im kühlen Wasser abkühlte. „Was denn? Bist du etwa immer noch sauer? Das war doch nur ein kleiner Scherz. Ein Joke!“ „Noch ein Wort von dir und ich ertränk dich im Pool.“, drohte Felix und stellte sich dabei tatsächlich vor, wie er Lucas` Kopf unter Wasser drückte. „Du meine Güte. Da ist aber einer nachtragend.“, hörte Felix Lucas sagen und er musste sich zügeln, seine Vorstellung nicht Wirklichkeit werden zu lassen. „Clément!“ Lucas rief den Butler zu sich. „Bringen Sie mir doch bitte ein Glas Wasser mit Minze und ganz viel Eiswürfeln und für den spaßbefreiten Knaben da vorne bitte eine Flasche Chardonnay, damit er ein wenig lockerer wird. Muss nicht der beste Jahrgang sein. Der Schlechteste ist für ihn gerade gut genug.“ Felix drehte sich um und blickte Lucas erneut an. Wenn Blicke töten könnten! Clément verbeugte sich vor seinen jungen Herren und leistete seinen Befehlen Folge, aber nicht, bevor er die Augen verdrehte und einen mitfühlenden Blick mit Felix austauschte. Nachdem der Butler in der Villa verschwand, stieg Felix wieder aus dem Wasser, um sich auf die freie Liege neben Lucas zu setzen. Vorher spritzte er ihn aber noch schön nass! Dieses Mal war es Lucas, der böse Signale aussendete. „Weißt du…, als ich hier angekommen bin und erfuhr, dass deine Eltern bereits einen Sohn haben, da hab ich mich schon gefragt, was das für ein Satansbraten ist. Als ich dich kennenlernte, dachte ich mir, dass du ja eigentlich gar nicht so übel bist. Ich muss zu meinem Leidwesen feststellen, dass mein erster Gedanke leider goldrichtig war. Du bist ein Satansbraten! Verzogen, frech und lästig. Du bist wie eine Plage, die man einfach nicht loswird, egal wie sehr man sich auch anstrengt.“ Offenbar hatte Felix damit einen wunden Punkt getroffen. Lucas stand aufgebracht auf und stellte sich breitbeinig vor Felix hin. „Was fällt dir ein, so mit mir zu reden, du einfältiger Wurm?!“ Felix erhob sich ebenfalls und stellte sich Lucas gegenüber. Er war ein wenig größer als Lucas, was seine Macht zusätzlich ein wenig verstärkte. „Mag sein, dass ich einfach gestrickt bin, aber einfältig bin ich nicht und der einzige Wurm den ich hier sehe, bist einzig und allein du. Ein Regenwurm um genauer zu sein. Viel Spaß beim Planschen!“ Das war das Startzeichen. Felix gab Lucas einen kleinen Schubs, woraufhin dieser rücklings in den Pool stürzte. Endlich konnte auch Felix mal Grinsen. Doch die Genugtuung war nur von kurzer Dauer, als Lucas im Pool in Panik verfiel. „Hilf…, Hilfe! Ich ka…, ich kann nicht schwimmen!“
Ricardo – Teil 12 Ricardo saß Zuhause bei sich vor dem Rechner und begutachtete die Ergebnisse seines letzten Fotoshootings mit Martin. Als Model hatte er freien Zugang zu dessen Website und natürlich auch zu all seinen Fotos. Seine Einzelbilder interessierten ihn nur wenig, die von ihm und Sanchez aber dafür umso mehr. Ricardo bekam wildes Herzrasen und gestand sich ein, in Sanchez verliebt zu sein. Der Spanier sah nicht nur einfach teuflisch gut aus, er war auch sehr charmant und verführerisch. Eigentlich witzig, wie sich das Ganze entwickelt hatte. Ricardo war eigentlich nur auf ein Sexdate mit Martin aus, zu dem es nie kam, und lernte durch ihn Sanchez kennen. Ricardo war im Rausch der Glückseligkeit. Lediglich eine Sache verdarb ihm die gute Laune: „Sanchez reist ab? Wann?“ Ricardo war gerade zu einem erneuten Besuch bei Martin vorbeigekommen, als er von Sanchez Abreiseplänen erfuhr. Für ihn war das eine mittelschwere bis katastrophale Katastrophe! „Du wirkst überrascht. Dabei war sein Besuch in Deutschland doch von Anfang an für eine bestimmte Zeit festgelegt. Deshalb nennt man es ja auch einen „Besuch“, weil er auch irgendwann einmal endet.“ Ricardo fühlte sich mit einem Mal traurig und leer. Er wusste natürlich, dass Sanchez irgendwann wieder in sein Land zurückkehren würde, aber so schnell…? Martin beäugelte Ricardo und schien zu merken, was in Ricardo vorging. „Du musst nicht traurig sein. Er kommt bestimmt eines Tages wieder. Außerdem hast du ja jetzt ein paar schöne Erinnerungsfotos mit ihm. Und falls dich das noch immer nicht tröstet, dann kann ich dir ganz im Vertrauen sagen, dass Sanchez mir neulich am Telefon gesagt hat, wie gern er dich hat und wie süß er dich findet.“ Das überraschte Ricardo nun doch. „Das hat er wirklich gesagt?“ Martin verdrehte leicht seine Augen. „Ja doch. Ich lüge nicht! Wenn du mir nicht glaubst, dann frag ihn doch selber. Er müsse jeden Augenblick hier sein. Er wollte dich unbedingt noch einmal treffen, bevor sein Flieger geht.“ Ricardo packte wieder die Freude, während Martin offenbar einen ganz anderen Gedanken verfolgte: „Das wäre übrigens deine letzte Chance…“ Ricardo blickte Martin fragend an. „Deine letzte Chance, dich mit ihm nackt posieren zu lassen.“
Damian – Teil 14 „Alles in Ordnung? Du bist so ruhig!“, fragte Timo, während Damian am Steuer seines Autos saß und sie gemeinsam in der Stadt unterwegs waren. „Ich konzentriere mich nur auf den Verkehr.“, antwortete Damian, klang dabei aber genau wie jemand, der nicht über ein bestimmtes Thema sprechen wollte. „Ist ja auch gut. Gibt genug Idioten im Straßenverkehr, siehe den rücksichtslosen Autofahrer, der es bewusst auf Passanten abgesehen hat. Ein Glück, dass bisher noch keiner umgekommen ist. Der Kerl hat doch einen Totalschaden.“, meinte Timo. „Kaum zu glauben, dass die Polizei den noch immer nicht geschnappt hat…, aber eigentlich bezog sich meine Frage auf die ganze letzte Woche.“ „Was soll schon sein. Ist doch alles wie immer…“, kommentierte Damian genervt und gereizt. Er spürte Timos Blicke von der Seite, der das Thema aber auf sich beruhen ließ. Damian war dies nur allzu Recht, denn am Ende wäre es nur wieder zu einem weiteren Streit gekommen. „Hier links oder?“, fragte Damian, der den Weg nur anhand Timos Anleitung fand. „Ja genau. Wir sind da!“, antwortete Timo und nachdem Damian einen freien Parkplatz gefunden hatte, stiegen sie aus ihrem Auto aus und machten sich zu Fuß auf zu einem Wohnkomplex. „Und er wohnt wirklich im obersten Stockwerk? Macht er das mit Absicht, um uns zu quälen?“, fragte Damian hechelnd, als wäre er bereits außer Atem. „Keine Bange. Es gibt hier einen Fahrstuhl.“, versicherte Timo ihm. „Aber ich glaube, er selber nimmt immer die Treppe, um fit zu bleiben.“ Timo und Damian betraten den Wohnkomplex und stiegen in den Fahrstuhl. Zehn Stockwerke ging es hinauf. Oben angekommen, bogen sie zweimal nach rechts ab, bis sie vor einer Tür standen, vor der ein Teppich mit der Aufschrift „Herzlich Willkommen“ lag. „Klingelst du, oder soll ich?“, fragte Timo, der hinter Damian stand. Damian zögerte, obwohl es keinen Anlass dazu gab. Timo beugte sich schließlich nach vorne und betätigte die Klingel. Es dauerte nur wenige Sekunden, als die Tür aufging und Timos Bruder die Beiden herzlich begrüßte. „Da seid ihr ja endlich! Zieht bitte gleich eure Schuhe aus. Ich hab heute Morgen den Boden frisch gewischt und will keinen Dreck in meiner Junggesellenbude!“ Damian und Timo folgten gehorsam und zogen sich ihre Schuhe aus, ehe sie seine Wohnung betraten. Damian war leicht angespannt und nervös, denn er war das erste Mal zu Besuch bei Timos Bruder. Neugierig sah er sich in dessen Wohnung um, die ausgesprochen reinlich und ordentlich wirkte. „Und du bist sicher, dass du Single bist?“, fragte Damian ungeniert. „Hier sieht es aus, als ob eine Frau gründlich sauber gemacht hätte.“ Marcus drehte sich zu Damian um und blickte ihn mit großen Augen und einem breiten Lächeln im Gesicht an. „Willst du mir damit sagen, ich hätte eine weibliche Ader in mir, die gelegentlich zum Vorschein kommt?“ „Äh nein…, bisher hab ich dich für sehr männlich gehalten…“, entgegnete Damian und lief dabei rot an. Was hatte er da gerade gesagt? Peinlicher ging es kaum noch. „Ehm… soll ich euch beiden alleine lassen, oder was?“, fragte Timo verwirrt und blickte zwischen seinem Freund und seinem Bruder hin und her, als würde er sich überflüssig fühlen.
Felix – Teil 15 Lucas konnte nicht schwimmen? Das wirkte ein wenig surreal in Anbetracht dessen, dass seine Familie einen Swimmingpool hatte. Felix mochte die Nervensäge zwar nicht sonderlich, aber er konnte ihn dennoch nicht ertrinken lassen. Also sprang er schnell ins Wasser, um dem verzogenen Dreikäsehoch das Leben zu retten. „Jetzt halt schon still, wenn ich dir schon dein minderwertiges Leben rette!“, schrie er Lucas zu, weil dieser nicht damit aufhörte, unentwegt mit seinen Armen im Wasser um sich zu schlagen. „Du sollst still sein hab ich dir gesagt!“, schrie Felix aufs Neue, doch Lucas drückte Felix mit unter Wasser. Felix wurde viel Kraft und Durchhaltevermögen abverlangt. Irgendwann gelang es ihm schließlich doch, ihn und sich selber an Land zu ziehen. „Also wirklich. Welcher Idiot kann denn heutzutage nicht schwimmen?! Lu-Lucas…?“ Lucas lag kerzengerade auf der grünen Wiese, seine Augen waren geschlossen. Hatte er etwa sein Bewusstsein verloren? Felix schien beunruhigt, aber sich nicht ganz sicher zu sein. „Haha, sehr witzig. Wenn das eine neugestartete Racheaktion an mich sein soll, dann ist das alles andere als witzig.“ Felix wartete einen kurzen Moment ab, doch es folgte keine Reaktion. „Oh man verdammt. Du bereitest einem nichts als Scherereien.“, schimpfte Felix, der schnell seine Hände auf Lucas Brustkorb legte, um ihm das Wasser auszupumpen, dass sich womöglich in seiner Lunge angesammelt hatte. Eine Mund-zu-Mund-Beatmung auch? Ihm schien wohl keine andere Wahl zu bleiben… Felix beugte sich über Lucas. Sein Gesicht lag jetzt genau über das von ihm. Er wollte gerade ansetzen, als Lucas plötzlich Wasser aus dem Mund stieß. Seine Augen öffneten sich wieder langsam und als er registrierte, was Felix zutun gedachte, fragte er: „Wolltest du mich gerade küssen?!“ „Ich hab dir das Leben gerettet, du Depp!“, schnauzte Felix ihn an. „Schlimm genug, dass ich dich aus dem Pool zerren musste, da werde ich einen Teufel tun, dich auch noch zu küssen. So hübsch bist du nun auch wieder nicht, dass ich dir bei der erstbesten Gelegenheit die Zunge in den Rachen stecke!“ „Mein Leben gerettet, pah. Umbringen wolltest du mich!“, entgegnete Lucas wütend und mit rotem Gesicht. „Du hast mich in den Pool geschubst!“ „Konnte ich ja nicht wissen, dass du wie ein Stein untergehst!“, entgegnete Felix aufgebracht. Beide schrien sich weiter gegenseitig an, bis beide zu erschöpft waren und die Lage sich ein wenig beruhigt hatte. Dann gab Lucas etwas von sich, was Felix erneut in Wallung brachte: „Du findest mich also hübsch? Deine Worte: „So hübsch bist du nun auch wieder nicht“ und „erstbeste Gelegenheit“. Soll bedeuten, du findest mich nicht ganz unattraktiv und würdest mich küssen.“ „Ich glaub in dein Hirn ist Wasser eingedrungen, weil du so irrsinniges Zeug von dir gibst.“, sagte Felix leicht verstört, während Clément zwischenzeitlich mit den bestellten Getränken angetanzt kam und sich wunderte, warum beide Jungs plötzlich so eng nebeneinander in der Wiese lagen. „Ein einfaches „Danke“ hätte es übrigens auch getan.“ „Danke!“, sprudelte es aus Lucas nur so heraus, was Felix erneut verwunderte. Lucas ließ es sich aber dennoch nicht nehmen, noch was hinterherzuwerfen: „Hier dein billiger Chardonnay…!“
Fortsetzung folgt ... am Sonntag, den 22.Januar 2023!
Heute erscheinen erstmal die letzten beiden Kapitel - witzigerweise mit jeweils den vier gleichen Protagonisten. Lasst mich gerne mal wissen, welche der Geschichten euch am meisten packen.
Damian – Teil 15 „Damian, wärst du so lieb und würdest den Zucker aus dem obersten rechten Schrank herausholen?! Normalerweise würde ich ja meinen kleinen Bruder darum bitten, aber ich hab mich noch immer nicht vom letzten Zuckerschock erholt.“ Marcus war gerade dabei, Kaffee zu kochen und den Küchentisch mit drei Tassen zu decken, als er wieder einmal aus dem Nähkästchen plauderte. „Bei seinem letzten Besuch, hat Timo den Zucker auf seinen Kopf fallen lassen. Timo war nie süßer!“ „Den Spruch musstest du jetzt bringen, oder?“, fragte Timo mürrisch und grinsend gleichermaßen. Auch Damian grinste, denn er erinnerte sich noch gut daran, wie Timo vor etwa einem Monat nach Hause kam und Damian beim Kuscheln ein wenig Zucker in dessen Haar vorfand. „Wow. Selbst in deinen Schränken ist alles blitzblank. Gib´s doch zu: Du hast eine Putzfrau eingestellt!“ Marcus schüttelte nur lächelnd mit dem Kopf und überließ Timo das Antworten: „Nein, mein großer Bruder ist wirklich so reinlich. Fast schon übertrieben reinlich. Er putzt jeden Tag. Irgendwas findet er immer. Das ist ein richtiger Tick von ihm. Man könnte auch sagen, er hat eine Phobie gegen Schmutz und Bakterien. Wer ihn also einmal heiratet, erwischt einen echten Glückstreffer.“ „Na ob es dazu jemals kommen wird.“, kam es nachdenklich von Marcus. „Wieso nicht. Du siehst doch umwerfend aus…“, sagte Damian und fügte noch schnell hinzu: „…für deine Verhältnisse.“ Wenn er Marcus weiterhin so anschmachtete, dann würde Timo noch misstrauisch werden, soviel war sicher. „Danke.“, antwortete Marcus augenzwinkernd, während er den Kaffee servierte. „Ist ja nicht ganz so, als gäbe es niemanden in meinem Leben, mit dem ich mir eine Heirat nicht vorstellen könnte.“ Diese Aussage überraschte Damian nun doch sehr und er verbrannte sich an dem Kaffee, als er daran zu nippen versuchte. Timo warf ihm seltsame Blicke zu. Allmählich wurde es ungemütlich.
Ricardo – Teil 13 „¡Hola Rico!“, begrüßte Sanchez Ricardo freudig und umarmte ihn dabei auch. Ricardo wurde ganz warm ums Herz, versuchte aber möglichst cool zu wirken. „Rico? Gefällt mir, wenn du mich so nennst.“, sagte Ricardo, klopfte sich zugleich aber innerlich gegen die Stirn. Cool sah anders aus, als sich bei der erstbesten Gelegenheit geschmeichelt zu fühlen und rot zu werden. „Martin hat mir von deinen Abreiseplänen erzählt.“, fügte er dann ganz schnell hinzu, um das Thema zu wechseln, dass ihn zugleich auch trauriger stimmte. „Ja, heute Abend geht mein Flieger…, aber bis dahin haben wir noch ein wenig Zeit.“ Sanchez schien ebenfalls traurig darüber zu sein, schien sich aber darüber zu freuen, noch ein wenig Zeit mit Ricardo verbringen zu können. „Ich hoffe sehr, wir nutzen den Tag und machen was Schönes!“ „Oh und wie wir den Tag nutzen werden.“, mischte sich nun auch Martin in die Unterhaltung mit ein. Ricardo hat mir nämlich erzählt, wie sehr er dich bewundert und er sich mit dir noch einmal ablichten lassen würde. Dieses Mal jedoch ohne Kleidung!“ Sanchez wirkte überrascht, aber nicht minder erfreut, während Ricardo am liebsten im Erdboden versunken wäre. Hätte Martin das nicht anders anleiern können? Jetzt musste Sanchez fast denken, Ricardo sei ein gestörter Fan, der nur auf dessen Körper aus war. Wie aber fast nicht anders zu erwarten war, blieb Sanchez auch weiterhin völlig cool. „Yeah, das freut mich, aber dann sollten wir gleich loslegen, sonst schaffen wir das heute nicht mehr.“ „Wie, jetzt gleich?“, stieß Ricardo erstaunt aus. „In fünf Stunden geht mein Flieger, süßer Rico!“, entgegnete Sanchez und lachte. „Na los ihr Beide, folgt mir in mein Arbeitszimmer.“, sagte Martin, der voranschritt. Sanchez folgte ihm zugleich, während Ricardo zögerlich die Nachhut bildete. Sanchez schien zu spüren, dass Ricardo zu zögern schien. „Und du willst das wirklich? Wir müssen weil nicht, wenn du nicht willst. Wir können auch einfach nur beisammen sitzen und uns ein wenig unterhalten, wie Männer es normalerweise tun.“ Sanchez lachte Ricardo fröhlich an und nahm ihm jegliche Angst vor dem, was gleich geschehen würde. „Nein, schon okay. Ich will das!“, entgegnete Ricardo entschieden.
Manuela – Teil 14 „Florian, pack deine Sachen. Du gehst mit mir zu deinem Vater und deiner Schwester!“, rief Gertrud ihrem Enkel zu, als sie wie ein General in das Wohnzimmer stürmte und die alleinige Befehlsgewalt hätte. Florian schaute seine Großmutter mit großen Augen an und danach seine Mutter, die Gertrud ins Wohnzimmer gefolgt war. „Na los, worauf wartest du denn noch? Wir haben es eilig!“ „Getrud, das hast nicht DU zu bestimmen!“, rief Manuela ihrer Schwiegermutter zu, während sie damit beschäftigt war, sich nicht ihrem Zorn hinzugeben – zumindest nicht vor ihrem Sohn. „Wer wenn nicht ich? Du etwa?“, fragte Gertrud ihre Schwiegertochter verächtlich. „Dein Sohn verdient es, in einem geregelten Umfeld mit normalen Menschen aufzuwachen, die nicht so sind wie du, oder deinesgleichen. Zumal er ein Recht darauf hat, bei seinem Vater zu sein, was du ihm jedoch verwehrst. Ich lasse nicht zu, dass du meine Familie auseinanderreißt!“ „Florian ist auf eigenen Wunsch bei mir geblieben!“, entgegnete Manuela nun wütend. „Er ist erst Acht!“, schrie Gertrud zurück und der Streit drohte zu eskalieren. Manuela drohte zu Weinen, also sprach sie mit sehr viel ruhigerer Stimme weiter. Sie war am Ende ihrer Kräfte. „Er ist Zehn! Florian ist zehn Jahre alt und nicht Acht! Du weißt noch nicht einmal wie alt dein Enkelsohn ist?“ Diese Erkenntnis brachte Gertrud für einen kurzen Augenblick aus der Fassung. „I-Ich… ja wie denn auch. Ihr ladet mich ja nie zu euch ein, außer zu besonderen Anlässen.“ „Ja, weil Roland ganz genau weiß, dass du mich von Anfang an nicht ausstehen konntest.“, entgegnete Manuela. „Er wollte nicht, dass es zu einem Streit kommt.“ Manuela und Gertrud blickten sich gegenseitig in die Augen und jede verspürte Hass gegenüber der anderen. Florian befand sich zwischen den Stühlen und wusste nicht genau, was hier vor sich ging. „Mama, was ist denn eigentlich los? Warum streitet ihr?“, fragte er arglos. „Alles in Ordnung Schatz. Geh bitte auf dein Zimmer und bleib dort.“, sagte Manuela mit einem aufgesetztem Lächeln zu ihrem Sohn, während ihr innerlich nach Weinen zumute war. „Ja, geh auf dein Zimmer, pack deine Sachen und dann kommst du mit mir!“, befahl Gertrud aufs Neue, die sich über Manuelas Willen hinwegsetzen wollte. „Na hopp, dein Vater wartet schon auf dich und du willst doch auch lieber bei ihm aufwachsen, als bei dieser Frau, die…“ „Mutter!“ Wie aus heiterem Himmel standen Roland und Marie im Wohnzimmer. Roland starrte schockiert zu seiner Mutter und zu Manuela. Es war ihm anzusehen, dass er richtig wütend war und auch Marie schien ausnahmsweise geschockt zu sein.
Eric – Teil 12 „Eigentlich hatte ich große Angst vor dem hier – mit einer fremden Person darüber zu sprechen. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die gerne mit ihren Problemen hausieren gehen, auch wenn mir klar ist, dass es hierbei nicht darum geht. Ich hab begriffen, dass ich ein Problem habe und deswegen bin ich hier. Meine Familie wünscht sich, dass es mir wieder besser geht, aber in erster Linie tu ich das natürlich für mich. Das hat nichts mit Egoismus zu tun, das weiß ich jetzt auch.“ „Innerhalb der kurzen Zeit, in der du nun schon bei mir bist, hast du viel gelernt. Deine Familie kann stolz auf dich sein. DU kannst stolz auf dich sein und ich bin froh, dass du zurückgekommen bist.“, sagte Dr. Böhmer, der wirklich erleichtert zu sein schien. „Ich weiß, der Weg war – ist nicht leicht und sehr steinig, aber deine Worte lassen mich hoffen, dass du am Ende das Ziel, dass du anstrebst, auch erreichen wirst. Es gibt viele Jugendliche in deinem Alter, die ähnliche Probleme wie du haben und sich schwer tun, mit fremden Menschen darüber zu sprechen, dabei geht es eigentlich vor allem darum, einfach mal all seinen Kummer und seine Sorgen freien Lauf zu lassen, ohne an etwaige Konsequenzen zu denken. Dir will keiner ein Leid zufügen. Du kannst dir höchstens selbst Leid zufügen, indem du dich selbst behinderst, aber ich glaube, das wirst du nicht tun.“ „Nein, das werde ich nicht, denn ich habe jemanden kennengelernt.“, sagte der Junge. „Ach ja, wen denn?“, harkte Dr. Böhmer nach. „Also ich äh…“ Plötzlich klopfte es an der Tür. Dr. Böhmer entschuldigte sich augenblicklich für die Unterbrechung und öffnete die Tür. „Eric?!“ Dem Therapeuten verschlug es die Sprache, denn nach wochenlanger Abwesenheit, beehrte Eric ihm wieder einen Besuch – wenn auch ohne Termin. „Tut mir Leid Nils, aber das ist ein weiterer Junge, der noch einen steinernen Weg vor sich hat.“, sagte Dr. Böhmer und wandte sich dabei zu dem Jungen auf der Couch. Nils und Eric tauschten Blicke miteinander aus.
Eric – Teil 13 „Ich bin froh, dass du zurückgekehrt bist Eric, aber wie du erkennen kannst, bin ich gerade mitten in einer Sitzung.“, sagte Dr. Böhmer und deutete dabei ein weiteres Mal auf Nils, der noch immer auf der Couch saß und mit Eric verlegende Blicke austauschte. Eric fragte sich, ob er den anderen Jungen schon irgendwo einmal gesehen hat, konnte sich aber bei bestem Willen nicht daran erinnern. „Tut mir Leid, dann komme ich einfach ein andermal wieder.“, entschuldigte sich Eric. „Das würde mich freuen. Warte.“ Dr. Böhmer zog seinen Terminkalender und einen Stift hervor, um mit Eric einen Termin zu vereinbaren. „Würde es nächste Woche Donnerstag um fünfzehn Uhr bei dir gehen?“ Eric nickte leicht verlegen. „Gut. Dann steht der Termin.“ „D-Danke.“, sagte Eric, der schon auf dem Absatz kehrtmachte, als er sich doch noch einmal zum Therapeuten umdrehte. „Was ich Ihnen noch sagen wollte: Es tut mir Leid, dass ich damals einfach ohne ein Wort verschwunden bin und mich nicht bei Ihnen gemeldet habe. Das Ganze hat mich sehr an meine Erlebnisse in der Schule erinnert und mir eine Heidenangst eingejagt. Ich wollte einfach nur noch raus. Ich hoffe, sie verstehen das.“ „Natürlich tu ich das. Mach dir darüber mal keine Gedanken.“, entgegnete Dr. Böhmer. „Mir ist es nur wichtig, dass es dir gut geht, aber lass uns bitte beim nächsten Mal darüber reden.“ Dr. Böhmer wollte keinesfalls unhöflich erscheinen und Eric an der Tür abweisen, aber aktuell war Nils sein Patient und Eric verstand das auch. „Ja natürlich. Ich bitte nochmals um Verzeihung. Bis nächste Woche dann.“, sagte Eric und verabschiedete sich endgültig. Dr. Böhmer schloss die Tür und hielt einen Moment inne. Im Hintergrund wartete Nils, der sich an etwas zu erinnern schien. „Eric? Eric Großfürst? Das war er doch oder…?“ „J-Ja, ja das war Eric Großfürst.“, antwortete Dr. Böhmer leicht niedergeschlagen. Nils blickte den Therapeuten nicht allzu sehr überrascht an. „So, aber jetzt genug davon. Hier geht es schließlich um dich. Was wolltest du mir gerade noch einmal erzählen? Ich hab ein wenig den Faden verloren…“ „Ähm…, keine Ahnung.“, log Nils, lächelte dabei aber unschuldig vor sich hin.
Ricardo – Teil 14 „Sehr gut. Schaut bitte beide zu mir. Prima!“ Martin gab Ricardo und Sanchez Anweisungen, während er ein Foto nach dem anderen schoss. Noch trugen beide ihre Boxershorts, aber das sollte sich gleich ändern. „Gut, wenn ihr soweit seid, dann könnt ihr eure Boxershorts ablegen.“ Ricardo verspürte ein wildes Kribbeln im Bauch und er hatte das beklemmende Gefühl, als würde sich der Raum auf vierzig Grad raufheizen. Sanchez blickte ihn erwartungsvoll an und hatte selbst keine Scheu, sich zu entblößen. Ricardo zwang sich dazu, stiergeradeaus zu sehen und nicht nach unten. „Willst du dich nicht auch ausziehen?“, fragte Sanchez ihn ungeniert. „Wäre doch nur fair, oder?“ „Ich… äh… doch… klar…“ Ricardo griff sich an den Bund seiner Boxershorts und begann sie sich langsam runterzuziehen. Doch er zögerte noch immer leicht. Völlig unerwartet legte Sanchez seine Hände an Ricardos Hüfte und half ihm dabei, sich dessen Boxershorts sachte zu entledigen. „Warte, ich helfe dir. Du musst wirklich keine Angst haben!“ „Oh ja, das ist sehr gut!“, rief Martin ihnen zu, der ein Foto nach dem anderen schoss. „Und jetzt ganz sachte runterziehen. Das sieht einfach Hammer aus!“ Schließlich zog Sanchez die Boxershorts ganz nach unten und er und Ricardo standen sich endlich ganz nackt gegenüber. „Bleibt genau so und seht euch weiterhin in die Augen.“, forderte Martin die Zwei auf. „Stellt euch einfach vor, dass ihr gerade ein heißes Date miteinander habt und es nun zum krönenden Abschluss kommt. Ja toll! Ein bisschen näher Ricardo.“ Noch näher? Sanchez überlegte nicht lange und rückte noch näher an ihn heran. So nah, dass Ricardo nun dessen Glied an seinem spüren konnte. Nun war es auch schon egal, dachte sich Ricardo und endlich brachen bei ihm auch die letzten Hemmschwellen.
Manuela – Teil 15 Die ganze Familie Klingenbach wieder vereint! Das klang eigentlich ganz schön, war es aber nicht! „Marie würdest du bitte mit Florian in sein Zimmer raufgehen.“, sagte Roland, der zwischen Manuela und seiner Mutter hin und her blickte und dabei versuchte, seine Emotionen zu zügeln. Marie gehorchte ihrem Vater, nahm ihren kleinen Bruder bei der Hand und verschwand kurzerhand mit ihm nach oben. „Gut, dass du da bist, Roland.“, sagte Gertrud, die offenbar hoffte, durch ihren Sohn Verstärkung bekommen zu haben. „Ich habe deiner Exfrau gerade klargemacht, dass Florian einen Vater braucht, der sich gut um ihn kümmert und keine Mutter, die auf Abwege geraten ist.“ Manuela schloss ihre Augen. Sie ertrug die Worte ihrer Schwiegermutter nicht mehr länger. Wenn nicht gleich was geschah, dann würde sie ganz sicher die Kontrolle über sich verlieren. Doch zum Glück kam alles ganz anders: „Das reicht Mutter! Hör auf über Manuela zu reden, als wäre sie der Hölle entsprungen. Sie ist ein Mensch mit Gefühlen und noch immer meine Frau!“ „A-Aber Rolli, Schätzchen.“ Gertrud war perplex und auch Manuela war ein wenig irritiert darüber, dass sich Roland nun auf ihre Seite schlug. „Ich weiß du meinst es nur gut Mutter, aber was die Erziehung unserer Kinder anbelangt, da mischt du dich bitte nicht ein!“, rief Roland seiner Mutter entschieden zu. Einen Einwand ließ er nicht gelten und immer wenn Gertrud zu einem Satz ansetzen wollte, brachte Roland sie mit einer Hand zum Schweigen. „Manuela und ich haben Differenzen, aber das müssen wir unter uns ausmachen. Ich dulde keine Einmischung von außerhalb.“ Manuela war positiv überrascht, unterdrückte aber ein Lächeln, um ihre Schadensfreude zu verbergen. „Tut mir Leid, dass wir hier so reingeplatzt sind Manu.“, sagte Roland anschließend zu ihr. „Ich bin eigentlich nur gekommen, um meine restlichen Sachen abzuholen und weil Marie unbedingt ihren Bruder sehen wollte.“ „Schon in Ordnung Roland.“ Manuela war zufrieden. Gertrud wurde Einhalt geboten. Nach einer knappen Stunde verließ Roland zusammen mit Marie und seiner Mutter das Haus wieder. Die Familie Klingenbach wurde wieder getrennt, aber um den Verlust ihrer Schwiegermutter tat es ihr nicht Leid.
Damian – Teil 16 „Das war ein wirklich sehr schöner Nachmittag. Danke, dass ihr gekommen seid.“, sagte Marcus glücklich, als er seine Gäste zur Tür begleitete. „Ja, sollten wir mal wiederholen…, oder was meinst du Damian?!“ Timo wartete auf Damians Zustimmung und als dieser seinem Freund in die Augen sah, beschlich ihn das ungute Gefühl, er hätte ihn durchschaut. Hat Timo erkannt, dass zwischen ihm und Marcus was lief? Ach was. Woher sollte er das denn wissen, außer…, außer Marcus hat ihm davon erzählt. Aber das wird er nicht getan haben…, oder? „Ja, war nett.“, antwortete Damian und nickte dabei. Nett? Erneut schlug sich Damian gedanklich gegens Hirn. „Also dann, kommt gut nach Hause. Bis bald Damian.“, sagte Marcus, der sich noch einmal speziell bei Damian verabschiedete. Damian winkte Timos Bruder leicht zum Abschied, ehe sie um die Ecke bogen und in den Fahrstuhl stiegen. Auf dem Weg zum Auto, kam es zu einer Unterhaltung, vor der Damian immer Schiss hatte. „Mein Bruder hat dich gern… und du hast ihn gern.“ Leicht erschrocken blickte Damian Timo an. Was sollte er jetzt sagen? Doch Timo sprach von sich aus weiter: „Naja, es ist auch schwer, meinen Bruder nicht zu mögen. Er sieht gut aus, ist intelligent und hilfsbereit… und ein Sauberkeitsfanatiker. Ach ja und er hält sich für den geborenen Komiker, aber zugegeben, lustig ist er schon manchmal.“ „Auch nicht mehr als du.“, kommentierte Damian, der versuchte Marcus in einem weniger guten Licht dastehen zu lassen, um nicht selber ins Schwärmen zu kommen. Zugegeben, Marcus war der Wahnsinn, aber Timo war das genauso. Nur hatten sie in letzter Zeit halt diese Beziehungsprobleme. Timo lächelte, biss sich zugleich aber auch auf die Unterlippe. Als er damit aufhörte, sagte er: „Ich könnte es übrigens verstehen, wenn du dich in ihn verlieben solltest. Ich liebe ihn auch.“ Irritiert schüttelte Damian den Kopf, als sie in ihr Auto stiegen. „Ich liebe ihn doch nicht. Er ist ganz cool ja, aber dein Bruder! Das du ihn liebst, ist mir klar.“ „Ach wirklich? Ich liebe ihn aber nicht nur, weil er mein Bruder ist.“ Timo blickte Damian von der Seite an, während sie im Auto saßen. Das Gespräch entwickelte sich ein wenig merkwürdig. „Ich hadere schon länger damit es dir zu sagen, aber ich finde, du solltest es wissen. Also… Marcus und ich… wir haben auch schon mehr als gewöhnliche Bruderliebe füreinander empfunden.“ Wie jetzt? Mehr als Bruder? Was wollte er damit sagen? Moment… WIE JETZT?!
Da hab ich doch tatsächlich verpennt, dass ich hier gestern schon weitermachen wollte. Irgendwie war ich heute auf Dienstag und den 28.03, aber das war schon gestern. Na jetzt aber und morgen geht´s dann gleich weiter!
Nils – Teil 12 „Du hast da was im Gesicht.“, sagte Valentin zu Nils, während beide auf einer grünen Wiese lagen, auf der viele schöne bunte Blumen wuchsen. Sicher, das klang nach einem Traum, aber schließlich war es auch nur ein Traum. Valentin beugte sich über Nils und lächelte. „Eine Nase.“, sagte er schließlich und zupfte mit seinen Fingern ein wenig an Nils´ Nase. Nils fing zu Kichern an. „Hör auf, da bin ich kitzlich!“ „Aha, hab ich also deine Achillesferse gefunden!“, stieß Valentin hocherfreut aus. „Das ist unfair. Jetzt musst du mir auch deine Schwachstelle verraten.“, meinte Nils, der einen Sinn für Gerechtigkeit hatte, wenngleich es auch gar keinen Grund dafür gab. „Hm…“ Valentin schien zu überlegen. Das Lächeln war nicht aus seinem Gesicht wegzuzaubern. Nils mochte sein Lächeln sehr und wie er die Mundwinkeln verzog, wenn er über etwas nachdachte. Auch seine strahlenden Augen begehrte er, aber das meiste was er an Valentin liebte, war einfach sein natürliches und fröhliches Auftreten, frei von allen Sorgen und Problemen auf dieser Welt. „Du willst also meinen Schwachpunkt wissen?“ Nils nickte, als Valentin ihm diese Frage stellte. „Nun ja… ich denke…, dass wirst du selber herausfinden müssen.“, sagte Valentin, der plötzlich damit anfing, Nils am ganzen Körper auszukitzeln. Nils konnte sich nicht wehren und war seinem Freund hilflos ausgeliefert, während er unentwegt lachte. Nach ein paar Sekunden ließ Valentin ihn aber wieder in Ruhe, so dass Nils erst einmal nach Luft schnappen konnte. „Es gibt nur einen einzigen Schwachpunkt den ich habe.“, sagte Valentin schließlich und Nils blickte ihn neugierig an. „Und das bist du!“ Valentin lächelte und Nils lächelte verliebt zurück, ehe die Beiden sich küssten. Eng umschlugen lagen sie auch weiterhin auf der Blumenwiese, wo sie keiner störte. Es fühlte sich wie das Ende der Welt an, nur dass dies hier nicht das Ende für Nils darstellte, sondern der Beginn zu seinem Glück. „Sehen wir uns morgen wieder?“, fragte er Valentin, als er spürte, dass der Traum sich dem Ende näherte. „Ich bin da, versprochen!“, antwortete Valentin und Nils schlug seine Augen auf.
Jannik – Teil 15 Wie jeder Junge in seinem Alter, verabscheute Jannik die Schule. Der Unterrichtsstoff ödete ihn an, die Lehrer waren zumeist ätzend und obwohl er sich mit einigen seiner Mitschüler gut verstand, gab es auch jene, die ihn einfach nur auf die Nerven gingen. Doch es gab einen Lichtblick am Horizont: Herr Kronthaler! Klar war es vermessen zu glauben, dass dieser Mann sich ausschließlich ihm widmete, wo er ihm doch das Leben gerettet hat und er unterschwellige Gefühle für ihn hatte, aber ein Fünkchen Hoffnung war da und Wunschdenken war nicht verboten. Also genoss Jannik jede einzelne Sekunde mit dem jungen Referendar und gleich am Montagmorgen bot sich ihm eine neue Gelegenheit: „Warten Sie, ich helfe ihnen!“ Jannik war gerade an der Schule angekommen, als er Herrn Kronthaler aus seinem Auto steigen sah, dieser seinen Kofferraum öffnete und sich bis an die Schultern mit Schulunterlagen volllud. Jannik war so freundlich, ihm ein paar dieser Unterlagen abzunehmen, damit Herr Kronthaler den Kofferraum wieder schließen und sein Auto absperren konnte. „Danke Jannik, sehr freundlich von dir.“, bedankte sich Herr Kronthaler mit einem Lächeln im Gesicht, was Janniks Glückshormone wieder in Wallung brachte. „Aber gerne doch. Stets zu Diensten! Wenn Sie mal meine Hilfe benötigen, scheuen Sie sich nicht davor, mich zu fragen.“, scherzte Jannik und verbeugte sich dabei galant, wie im Mittelalter. Dies schien mit Erfolg gekrönt zu sein, denn Herr Kronthaler lachte ausgelassen. Herr Kronthaler und Jannik betraten die Schule und ihr Weg trennte sich erst, als der Referendar ins Klassenzimmer abbog. Jannik warf ihm ein paar Blicke hinterher und konnte nicht widerstehen, den knackigen Hintern in dessen passend anliegenden Jeans zu bestaunen. Wieder kam er ins Schwärmen, was von einem seiner Mitschüler aber nicht unbemerkt blieb. „Verliebt?“, fragte ihn dieser frei heraus. „Und wie!“, antwortete Jannik ungewollt. „Der Mann ist einfach ein Traum!“ „Jaaa, es ist traumhaft schön, verliebt zu sein.“, pflichtete ihm sein Mitschüler bei. Es war Nils!
Damian – Teil 17 „Was soll das heißen, ihr habt mehr als Bruderliebe füreinander empfunden?“, fragte Damian auf dem Nachhauseweg frei heraus. Die Aussage seines Freundes verwirrte ihn, was dazu führte, dass er jegliche Konzentration beim Autofahren verlor. „Können wir das Thema bitte zu Hause weiter besprechen.“, entgegnete Timo, dem es auch nicht entgangen war, dass Damian sich nur noch geringfügig aufs Autofahren konzentrierte, nachdem dieser über eine Ampel fuhr, die bereits orange anzeigte. „Äh nein? Ich will das jetzt wissen!“, sagte Damian entschieden, mit den Augen nach vorne, aber auch auf seinem Freund gerichtet. Dies führte dazu, dass er wirklich beinahe einem anderen Autofahrer hinten drauf fuhr. Er konnte jedoch noch rechtzeitig abbremsen. „Okay, das reicht. Fahr rechts ran. Ich setz mich ans Steuer!“, befahl Timo seinem Freund. „Wenn du davon redest, dass ihr mehr als Bruderliebe füreinander empfunden habt, meinst du damit echte Liebe – also wie bei uns zweien?!“, fragte Damian und ignorierte dabei Timos Worte. „FAHR RECHTS RAN, DAMIAN!“, rief Timo seinem Freund erneut zu, dieses Mal laut und deutlich. Damian war aufgewühlt, aber dieses Mal hörte er auf seinen Freund und fuhr bei der nächsten Gelegenheit rechts ran. Timo stieg sofort aus und Damian ebenfalls, doch zurück ins Auto schafften es beide nicht, denn Damian führte ihre Unterhaltung am Bordstein weiter: „Du und Marcus. Ihr wart mal zusammen? Soll das heißen, ihr hattet auch Sex miteinander?!“ „Würdest du bitte ein wenig leiser reden. Muss nicht gleich ganz Frankfurt wissen, dass ich und mein Bruder Geschlechtsverkehr hatten. Die Leute sind was das anbelangt, nicht sehr aufgeschlossen.“, sagte Timo etwas leiser und versuchte dabei zugleich auch Damian ein wenig zu beruhigen. „Ja, Marcus und ich waren zusammen und ja, wir hatten Sex, weil wir uns geliebt haben!“ Endlich war Damian still. Diese neue Information traf ihn wie ein Schlag und er brachte nur noch ein Wort heraus: „Wow!“ Timo war ganz bang zumute, wie Damian damit nun umgehen würde. Sicherlich nicht allzu gut, also versuchte er den entstandenen Schaden ein wenig zu verringern. „Inzest ist verboten, das weiß ich, aber bei uns bestand nie die Gefahr, dass einer schwanger werden könnte. Anfangs ging es uns nur um den Spaß dabei, aber irgendwann kamen auch echte Gefühle ins Spiel.“ Damian versuchte all diese Informationen in seinem Kopf zu verarbeiten, indem inzwischen ein heilloses Durcheinander herrschte. „Und dies ist inzwischen nicht mehr der Fall? Also ihr empfindet nichts mehr füreinander…, außer eben Brudergefühle?“ Timo antwortete zunächst nicht. Er zögerte.
Ricardo – Teil 15 Wenn jemand Ricardo vor ein paar Wochen gesagt hätte, was er heute treiben würde, dann hätte er demjenigen ins Gesicht gelacht, so unglaublich und surreal war das alles hier. Das Fotoshooting, der heiße Spanier und jetzt auch noch Nacktbilder. Die Frage, ob richtig oder falsch stellte sich ihm gar nicht, denn für ihn war im Moment nur eines wichtig: Sanchez so nah wie nur möglich zu sein! „Sehr gut, das macht ihr toll!“, rief Martin seinen beiden Nacktmodellen zu, während er eifrig dabei war, Fotos zu knipsen. „Ricardo, leg doch deine linke Hand mal auf Sanchez Hintern!“ Ricardo zögerte, obwohl er nichts sehnlichster wollte. Also tat er es und griff nach Sanchez strammen Hintern. Ein heißes Zucken durchflutete ihn, was einen Ständer zufolge hatte. „Haha, der Kleine wird in deiner Anwesenheit jedes Mal total wuschig, Sanchez!“, rief Martin dem Spanier zu. „Scheint ganz so.“, erwiderte Sanchez. „Aber wenn das so ist, dann lass uns die „Messlatte“ doch noch ein bisschen höher legen.“ Ricardo wusste nicht, was er damit meinte, bis sich Sanchez plötzlich noch enger an ihn schmiegte, sich zu ihm rüber beugte und ihm einen Kuss auf den Mund drückte. Zuerst war er ganz zärtlich, bis er immer leidenschaftlicher und wilder wurde. Ricardo erwiderte den Kuss natürlich, während Sanchez seine Arme nun ganz um ihn legte. Inzwischen lagen sie Oberkörper an Oberkörper. Ricardo fühlte den Schweiß auf seinem Körper und hörte, wie Martin weiterhin eifrig Fotos von ihnen schoss. Doch das machte ihm nichts aus, denn im Moment fühlte er sich wie im siebten Himmel. Sanchez löste den Kuss und lächelte. „Bist du bereit für die Krönung?“ Ricardo war so verknallt, dass er einfach nur nickte. Von seiner Seite aus, durfte Sanchez mit ihm alles machen, was er wollte und das tat er auch. Sanchez ging auf die Knie und Ricardo erlebte nicht nur den heißesten Sex seines Lebens, sondern auch den ersten, der auf Fotos festgehalten wurde.
Flo – Teil 13 Es war früher Sonntagabend und Flo lag auf der Couch und sah sich alte Heimatfilme im Fernsehen an. Sie war alleine, denn Sebastian war dieses Wochenende in seiner alten Heimat, um seine Familie zu besuchen. So hatte Flo die Wohnung ganz für sich allein und konnte sich seelenruhig entspannen. Diese Ruhe hatte sie auch nötig, denn morgen nach der Lesung in der Uni hatte sie ihren ersten Arbeitstag in dem Restaurant. Sie war aufgeregt, denn sie wusste nicht, wie ihre Kollegen auf sie reagieren würden, wenn sie ihnen erzählte wer sie war. Doch diesen Gedanken versuchte Flo schnell wieder zu verdrängen. Es half ja nichts und außerdem: Wer sie nicht so akzeptiere wie sie ist, der konnte ihr gestohlen bleiben! Es klingelte an der Tür. Wer konnte das sein? Flo blickte zur Uhranzeige auf dem DVD-Recorder. Für Sebastians Rückkehr war es noch zu früh und außerdem hatte dieser einen Schlüssel bei sich. Es gab für ihn also keinen Grund zu klingeln, außer er hatte seinen Schlüssel verloren. Flo stand auf und schlurfte gemütlich zur Tür. Kurz bevor sie sie öffnen wollte, beschlich sie ein ungutes Gefühl und sie hielt inne, während ihre Hand bereits auf dem Türgriff lag. Nach ein paar Sekunden des Zögerns öffnete sie die Tür dennoch, doch wünschte sie sich zugleich, sie besser nicht aufgemacht zu haben. „Hallo Flo. Störe ich?“, begrüßte Alexander sie. Was wollte der denn jetzt hier?
Felix – Teil 16 Felix saß genervt im Speisesaal und wartete. Ihm wurde aufgezwungen, einen Smoking zu tragen, doch da er noch keinen eigenen besaß, musste er sich von Lucas einen borgen, der ihm jedoch zu klein war, weshalb dieser nun sehr eng anlag. Gleich würde er sich mit Amadeus Wohlfahrt treffen, dem Jungen, dem er schon bald das Ja-Wort geben sollte. Eine wahnwitzige Vorstellung und die Leute, die dies umsetzen wollten, waren größenwahnsinnig! Niemals. Nie in seinem ganzen Leben würde Felix diesen reichen Bengel heiraten. Er wurde nicht einmal vorher gefragt, geschweige, dass er diesen Amadeus überhaupt kannte. Allein dessen Name brachte ihn zum Würgen. Butler Clément betrat den Speisesaal und seinem Gesicht nach zu urteilen, war der erwartete Gast inzwischen eingetroffen. „Mein Herr. Der junge Herr Wohlfahrt hat es vorgezogen, nicht hierher zu kommen.“ Wie jetzt? Gab es doch noch einen Engel, der Felix vor dieser Hochzeit bewahrte? „Er wünscht es, sie an einem anderen Ort zu treffen und zwar augenblicklich!“ Scheiß auf die Engel! Felix erhob sich aufgebracht von seinem Stuhl und stapfte aus der Villa der Brecheisens. Mathéo erwartete ihn bereits an der Stretchlimousine, in die Felix genervt einstieg. Normalerweise hätte er sich gefreut, einmal in so einem Auto mitfahren dürfen, samt eigenen Chauffeur, aber heute nervte ihn einfach alles. Erst der Streich von Lucas mit dem Haarfärbe-Shampoo, dann die Eskalation mit ihm am Pool und jetzt auch noch dieses Treffen mit seinem „Verlobten“. Was denn noch alles?! „Bevor ich es vergesse…“ Mathéo, der sich auf die Straßen konzentrierte, warf Felix durch den Rückspiegel einen Blick zu. „Amadeus Wohlfahrt wünscht es, dass ihr euch – und ich zitiere seine eigenen Worte – etwas lässiger kleidet. Neben euch findet ihr deshalb bequemere Kleidung, die ihr bitte gegen die jetzigen austauschen sollt.“ Verwirrung breitete sich in Felix aus. Was sollte das jetzt wieder? Es war zwar komisch, aber er war froh, aus diesem engen Smoking entfliehen zu können und auch wenn es ein wenig unbehaglich war, sich in der Limousine vor Mathéo umzuziehen, so tat er es dennoch. Kurz darauf war er fertig umgezogen und die Stretchlimousine hielt vor einem Spielplatz in einem Park an. War hier etwa der Treffpunkt? Dem schien so, denn Felix erspähte Amadeus, der ihn bereits erwartete.
Jannik – Teil 16 Jannik tippte unentwegt mit seinem Füller auf seinen Block, während er unruhige Blicke auf die Uhr über der Tafel warf. Es war gleich Schulschluss. Nur noch fünf Minuten. Doch für Jannik fühlte es sich wie eine Ewigkeit an. Seine Unruhe und seine Nervosität hatte einen triftigen Grund, denn in einem unbedachten Moment, hat er vor einem seiner Mitschüler zu bekennen gegeben, dass er in ihren Referendar verliebt war. Als er es gesagt hatte, war es schon zu spät und Jannik hatte Angst, was Nils mit dieser Information anstellen könnte. Es ihren anderen Mitschülern sagen? Wie würden sie reagieren? Die Mädchen würden vermutlich ins Kichern verfallen, während die Jungs anfangen würden, sie von ihm zu distanzieren. Das alles war eigentlich völlig nebensächlich, wenn es da nicht einen Punkt gab, der Jannik nicht egal war: Was wenn Herr Kronthaler auch davon Wind bekäme?! Die Schulglocke klingelte und Jannik erhob sich augenblicklich von seinem Stuhl, obwohl Herr Meier noch die Hausaufgaben für morgen verkündete. Zum Glück interessierte das die meisten ohnehin nicht und so war Jannik nicht der Einzige, der aufgestanden war. Jannik rannte im Zickzackkurs durchs Klassenzimmer und blieb vor dem Tisch seines Mitschülers Nils stehen. Als dieser Jannik sah, blickte er ihn mit großen unschuldigen Augen an. „Wir müssen reden.“, sagte Jannik ernst, guckte ernst, während die ganze Situation irgendwie komisch wirkte. „O-Okay…“, sagte Nils leicht verwirrt, aber einverstanden. „Du darfst mit keinem anderen darüber reden. Hast du mich verstanden?!“ „Muss ich wissen wovon du redest?“, entgegnete Nils, doch Jannik war sich unsicher, ob er dessen Aussage ernst nehmen sollte. „Und nur mal so fürs Protokoll: Ich bin hier der Einzelgänger in dieser Klasse. Ich hab keine Freunde, ergo auch niemanden, mit dem ich reden könnte…“ „Ich rede davon, was ich heute Morgen zu dir gesagt habe. In wen ich verliebt bin…“, sagte Jannik nach vorne gebeugt, um Nils möglichst nahe zu sein, damit auch nur dieser ihn hörte. Die Gefahr, dass ihre Unterhaltung mitangehört wurde, war aber äußerst gering, denn alle anderen waren damit beschäftigt, ihre Schulranzen zu packen und schnellstmöglich aus dem Klassenzimmer zu verduften. „In wen bist du denn verliebt?“, fragte Nils. Hatte er wirklich keine Ahnung? „Ich hab nur deinen Blick gesehen. Den kenne ich von mir und meinem Freund.“ „Also weißt du gar nicht, in wen ich…“, Jannik hielt überrascht inne, „…Moment, du hast einen Freund? Du bist schwul, so wie ich?“ „Du bist also auch schwul? Willkommen im Club!“, entgegnete Nils stolz und lächelte dabei breit. „Sorry Kumpel, aber ich muss jetzt los. Hab noch ein Date… mit meinem Freund!“ Und so verschwand Nils, während Jannik sich irgendwie nur noch blöd vorkam.
Nils – Teil 13 In den letzten Wochen lief Nils` Tagesablauf wie folgt ab: Zweisamkeit mit Valentin, aufwachen und in die Schule gehen, nach der Schule kurz was essen und schnell seine Hausaufgaben abarbeiten und schließlich ein kleines Nachmittagsschläfchen abhalten, ehe er den Abend mit seiner Familie verbrachte. So brachte er den Tag ganz gut vorüber, ehe er abends erneut ins Bett stieg und noch mehr Zeit mit Valentin verbringen konnte. Das dieser gar nicht echt war – eben nur ein Junge in seinen Träumen – dies schien Nils nicht mehr wirklich zu begreifen. Valentin machte Nils glücklich und das war alles, was für ihn zählte. Doch diesen Nachmittag sollte alles anders ablaufen… Nils hatte seine Hausaufgaben erledigt, nachdem er die Bohnensuppe seiner Mum hinuntergewürgt hatte. Doch als er sich ins Bett legen wollte, um Valentin zu begegnen, machten ihm die Bohnen einen Strich durch die Rechnung! Ohne Flachs, denn plötzlich fand sich Nils auf der Toilette wieder. Die Situation wäre irre komisch, wenn Nils nicht stinkwütend auf seine Mutter wäre. Was musste sie ihm auch diese eklige Bohnensuppe andrehen? Jetzt würde er Valentin verpassen. Ob er sich wohl schon fragt, wo er solange bleibt? „Verdammt! Mum, das Toilettenpapier ist alle!“ Einige Stunden später ging es Nils zum Glück wieder besser. Doch sein Nickerchen am Nachmittag konnte er natürlich knicken. Also beschloss er, diesen Abend noch früher ins Bett zu gehen, was auch seinem großen Bruder nicht verborgen blieb. „Du geht schon pennen?“, fragte Ralf ihn. „Es ist doch gerade mal acht Uhr. Du bist doch kein kleines Kind mehr, dass nach dem Sandmann schlafen geht.“ „Ich bin einfach müde.“, erklärte ihm Nils, was nur halbwegs stimmte. Endlich im Bett liegend, schloss Nils sofort seine Augen. Immerhin schlief er schnell ein, was ihn wieder ein wenig beruhigte, doch als er zu dem vereinbarten Treffpunkt kam, wo er sich mit Valentin treffen wollte, erwartete ihn eine Überraschung: Valentin war nicht da!
Fortsetzung folgt ... am Donnerstag, den 30.März 2023!
Moritz – Teil 16 Nachdem sich Jacob für diesen Abend angekündigt hatte, beeilte sich Moritz beim Abendessen, um wieder rechtzeitig zurück in seinem Zimmer zu sein. Dabei war ihm eigentlich klar, dass Jacob nicht vor Einbruch der Nacht auftauchen würde. Nur im Dunkeln konnte er sich leise auf das Grundstück schleichen und unbemerkt in sein Zimmer klettern. Irgendwie fand Moritz Gefallen an dieser Vorstellung, dass ein fremder Junge nachts einfach so in sein Zimmer geklettert kam. „Warum bist du so happy? Hast du ein Daaatee?“, fragte das Mädchen Lara ihn, die das letzte Wort besonders langzog und dabei ausgelassen grinste. „Deinen Teller hast du auch ganz schnell leer gegessen. Sonst isst du nie so schnell!“ Moritz war ein wenig perplex von Laras Auffassungsgabe und brachte nur ein zögerliches Lächeln zustande. Date? Schwachsinnig! „Und jetzt lächelst du ganz nervös, als ob du etwas zu verbergen hast!“ So langsam bekam er Angst vor dem Mädchen, die ihn wie ein offenes Buch las. „Was ist es? Erzählst du es mir? Ist es was… Böööses?!“ „Ich glaube du liest zu viele Mystery-Romane. Ich hatte nur Hunger.“, log Moritz sie an. Laras Lächeln verschwand und blickte auf meinen leeren Teller. „Aber es gab Gemüsesuppe.“ „Ja und? Ist schließlich gesund.“, argumentierte ich dagegen. „Du hast aber sogar deinen Rosenkohl aufgegessen. Kein Mensch mag Rosenkohl!“, entgegnete Lara argwöhnisch. Mit dieser Behauptung hatte sie vollkommen Recht. „Ich äh… also ich… ich liebe Rosenkohl!“, log Moritz sie weiter an, doch bei der Vorstellung einen ganzen Topf Rosenkohl zu verspeisen, musste er sich beinahe übergeben. „So und ich muss jetzt auch auf mein Zimmer. Ich muss… äh… mein Bett machen. Bis dann!“ Moritz verschwand eiligst aus dem Speisesaal und obwohl er sich nicht mehr umdrehte, wusste er genau, dass Lara ihn penetrant hinterher starrte. Moritz beeilte sich, um in sein Zimmer zu kommen und schloss hinter sich die Tür ab. Erleichtert atmete er aus. Das Fenster stand offen, der Vorhang flatterte, denn es wehte ein leichter Nachtwind. Moritz setzte sich auf sein Bett und wartete – auf Jacob. Ein Date? Völliger Schwachsinn!
Flo – Teil 14 Flo musste zweimal hinsehen, um zu glauben, dass es wirklich Alexander war, der plötzlich vor ihrer Tür stand. Mit ihm hatte sie heute nicht gerechnet – genaugenommen nie wieder mehr! „W-Was tust du denn hier?“, fragte sie überrascht, aber auch ein wenig erbost. „Du bist wohl nicht erfreut, mich zu sehen. Nun ja, ich kann es dir nicht verdenken.“, entgegnete Alexander, der vor der Tür stand. Flo machte keine Anstalten ihn hereinzubitten. Sie hoffte, dass er sich an der Tür geirrt hat und gleich wieder verschwand. „Hör zu Flo. So wie das zwischen uns abgelaufen ist, dass tut mir einfach schrecklich Leid. Ich hätte nicht so schroff sein dürfen, aber ich war erschrocken, verstehst du?!“ „Nein, eigentlich nicht.“, log Flo. Sie konnte sich in der Tat gut in Alexander hineinversetzen, dennoch haben seine Worte sie schwer verletzt und das wollte sie nicht einfach so auf sich beruhen lassen. Entschuldigung hin oder her, dafür war er ohnehin reichlich spät dran. „Ich war einfach geschockt, als du mir erzählt hast, dass du in Wirklichkeit ein Junge bist.“, erzählte Alexander selbst ein wenig sauer. „Ich dachte ich date eine Frau, ich bin schließlich nicht schwul!“ „Um Gottes Willen, du begreifst ja scheinbar gar nichts!“, entgegnete Flo nun wieder wütend. „Ich BIN eine Frau. Das ich mal ein Junge war, ist schon lange her. Kriegst du das irgendwie in deinen Schädel rein? Außerdem macht dich das nicht zu einem Homosexuellen, wenn du auf mich stehst!“ „Ja, aber ich…“ Alexander wollte sich weiter rechtfertigen, aber Flo ließ ihm keine Gelegenheit mehr dazu. „Nein, jetzt hörst du mir mal zu. Du machst mir Vorwürfe, weil ich dir nicht gleich die Wahrheit gesagt habe? Danke, aber die mache ich mir selber schon zur Genüge. Deine Unwissenheit wie du mit diesem Thema umzugehen hast, dafür kannst du auch nichts, aber hier einfach aufzutauchen, dich bei mir zu entschuldigen und mir im gleichen Atemzug Vorwürfe zu machen, ist schon etwas sehr dreist. Was soll mir das Ganze jetzt eigentlich sagen?“ Alexander war auf einmal ganz klein und mutlos, als ob Flo ihm an die Eier gepackt hätte. „Eigentlich wollte ich dir nur sagen, dass ich es noch einmal mit dir versuchen würde…“ Flo schnaufte verächtlich. „Dein Ernst? Niemals!“ Und damit war das Thema für sie erledigt. Sie knallte die Tür vor Alexanders Nase zu und schleppte sich wütend und traurig zurück auf die Couch.
Nils – Teil 14 „Valentin! Valentin!“ In seinen Träumen rannte Nils durch die Straßen, egal ob bei Tage und bei Nacht, doch von Valentin fehlte jede Spur. Nils bekam es mit der Angst zu tun. Was wenn Valentin etwas zugestoßen war? Nils verfluchte sich selber dafür, dass er nie nach Valentins Adresse gefragt hatte. Diese Erkenntnis kam zu spät und half ihm leider auch nicht weiter. „Valentin!“ „H-Hey Nils.“ Eine Stimme. Nils drehte sich um, denn er hoffte natürlich, dass Valentin endlich zu ihm zurückgekehrt sei, doch plötzlich schlug er seine Augen auf. Seine Nachttischlampe brannte und sein großer Bruder Ralf hatte sich über ihn gebeugt und blickte ihn mit besorgtem Gesichtsausdruck an. „Ich weiß, du magst es nicht wenn man dich weckt, aber ich hab dich schreien gehört und als ich nachsehen kam, hast du im Bett herumgestrampelt wie wild. Da hab ich mir Sorgen gemacht. Du hattest einen Albtraum, aber jetzt ist alles wieder gut.“ Nils wandte sich im Bett hin und her. Er war ein wenig verschwitzt, sein Puls raste und er spürte, wie sein Kopf vor Schmerzen brannte. Er griff nach dem Glas Wasser, das immer neben seinem Bett stand und trank es in einem Zug leer. Danach ließ er sich wieder in sein Kissen zurückfallen und versuchte sich zu beruhigen. „Nichts ist gut. Nicht solange er nicht wieder da ist.“ „Er? Wen meinst du?“, fragte Ralf seinen Bruder nun neugierig, während er sich auf dessen Bettkante hockte. Auch er trug bereits seinen Schlafanzug, aber so wie Nils ihn kannte, hatte er noch mit seiner neuen Freundin geschrieben, bis er ihn schreien hörte. „Meinst du etwa diesen Valentin?“ Nils blickte seinen großen Bruder überrascht an. „Du hast im Schlaf von ihm gesprochen. Du hast immerzu nach ihm gerufen. Wer ist denn dieser Valentin? Ein Schulfreund von dir?“ „Er…, er ist mein Freund.“, sagte Nils schließlich und fügte leise hinzu. „Ich liebe ihn…“ Nils zog sich leicht die Bettdecke über den Kopf. Sein Outing vor seinem Bruder hatte er sich immer anders vorgestellt, aber jetzt war es endlich raus. Ralf beugte sich weiter über Nils und zog ihm die Bettdecke leicht weg. Nils hatte Angst, dass sein Bruder nun wütend sei und ihn dafür verabscheute, aber dem schien nicht so. Er lächelte sanft und legte seine Hand auf Nils` Stirn. „Hm… ich glaube du hast leichtes Fieber.“ „Hast du mich nicht richtig verstanden?“, harkte Nils unsicher nach. „Oh doch, sehr gut sogar. Und weiter? Du stehst auf Jungs, ist doch klasse. Wenn ich nicht der festen Überzeugung wäre, dass ich Hetero bin und auf Mädels stehe, dann würde ich sofort auf Jungs umsteigen. Die sind nämlich viel unkomplizierter…“ Ralf lächelte. Nils war sprachlos. In diesem einen Moment wusste er, dass er in seinem Herzen immer einen Platz für seinen großen Bruder hatte. Doch was mit Valentin geschehen war, dass wusste er noch immer nicht.
Felix – Teil 17 Amadeus Wohlfahrt war der Sohn eines Staatsanwaltes und einer Immobilienmaklerin. Seine Eltern brachten also reichlich Kohle mit nach Hause und so genoss er sein Leben in Saus und Braus – eben wie Lucas. Seine Haare waren dunkelblond und zu einem Scheitel frisiert. Seine Augen hatten ein dunkles grün und seine Statur war eher schmächtig, ähnlich Lucas. Dass er sich nun hier im Park mit Felix treffen wollte, war nicht nur eigenartig, sondern absolut unverständlich. Was hatte er vor? Seine Eltern und Felix` Adoptiveltern hatten miteinander vereinbart, dass ihr Kennenlerntreffen in der Villa der Brecheisens stattfinden soll, dass er diesen Plan nun umwarf, machte ihn in Felix Augen nicht unbedingt sympathischer, eher noch verdächtiger. Immerhin aber trug Felix nun lockere Kleidung: Ein hellblaues Shirt und orangefarbene Shorts. Knallbunt, aber fröhlich, passend zu dem sonnigen Wetter und dem Ort, an dem sie sich nun trafen – dem Kinderspielplatz. „Guten Tag Felix. Es freut mich, dich wiederzusehen.“, empfing Amadeus Felix recht herzlich und reichte ihm sogar die Hand zur Begrüßung. Zaghaft reichte Felix ihm die Hand, während Mathéo sich langsam davonmachte. „Wie besprochen, werde ich Sie beide in etwa einer Stunde wieder hier abholen. Bis später!“ Nachdem Mathéo zurück in die Stretchlimousine gestiegen ist und davonfuhr, klatschte Amadeus erfreut in die Hände. „Prima. Darf ich dich zu einem Eis einladen? Ich esse am liebsten Pistazie und Walnuss und was sind deine Lieblingseissorten?“ Schließlich brach der Gedanke aus Felix heraus, der ihm schon die ganze Zeit im Kopf rumspukte: „Okay, was soll dieses Schmierentheater hier?“ „Bitte? Ich weiß nicht, wovon du sprichst.“, antwortete Amadeus ihm, der sich ahnungslos zeigte. „Na das alles hier! Wieso bestellst du mich an diesen Ort und dann auch noch in dieser Kleidung…“ Felix musterte Amadeus von oben bis unten, denn auch er trug lässige Straßenkleidung. Ein grünes Shirt und eine kurze Khakihose. „Komm, das ist doch überhaupt nicht dein Stil, oder?“ „Was wenn doch?“, entgegnete Amadeus, dem sein Lächeln nicht aus dem Gesicht zu zaubern war. „Was wenn ich ganz anders bin, als du erwartet hast? Ich verlange gar nicht von dir, dass du mir glaubst, aber gib` mir wenigstens eine Chance. Bitte!“ Felix starrte Amadeus an. Er war überrascht.
Nils – Teil 15 Tage und Nächte vergingen – doch zu Nils` Leidwesen und großer Sorge, blieb Valentin weiterhin verschwunden. Dabei wünschte er sich nichts sehnlicher, als wieder mit ihm zusammen zu sein. Doch stattdessen plagten ihn Albträume in Form eines Wasserparks mit Alligatoren, die Touristen aufaßen, oder dass er gezwungen wurde, einen Jungen zu heiraten, den er gar nicht liebte. Jeden Morgen schlug Nils leidend und traurig die Augen auf. Auf die Schule hatte er keine Lust mehr und seiner Familie ging er wenn möglich aus dem Weg, um seinen Frust nicht bei ihnen abzuladen. Nils Glaube, dass er Valentin jemals wiedersehen würde, war beinahe verschwunden, als er ihn eines Nachts wie durch ein Wunder doch wieder begegnete. „Wo warst du?!“, rief er ihm entgegen, als er auf Valentin zu rannte und ihn erleichtert in die Arme schloss. „Ich.. weiß nicht. Ich war hier, aber du hast mich nicht gesehen.“, antwortete Valentin ihm. Nils verstand nicht was er damit meinte, aber er war froh, seinen Freund doch noch in die Arme schließen zu können. „Hast du dir sehr große Sorgen um mich gemacht?“ „Und wie!“, entgegnete Nils mit feuchten Augen. Noch immer hielt er Valentin fest in seinen Armen, aus Angst, er könnte einfach so wieder verschwinden. „Bitte versprich mir, dass du mich nie – nie wieder verlässt! Bitte bleib für immer bei mir!“ „Ich verspreche es und dieses Mal werde ich mein Wort halten.“, sagte Valentin, was Nils selig stimmte. Er klammerte sich an seinen Freund, denn er glaubte, ihn zu verlieren, würde sein Tod bedeuten. Was er jedoch nicht wusste war, dass dies genau das Gegenteil der Fall sein könnte…!
Felix – Teil 18 Felix konnte nach wie vor nicht glauben, dass dieser Amadeus ganz anders als die anderen reichen Snobs zu sein scheint. Doch egal wie sehr er sich dagegen sträubte es zu glauben, Amadeus erwies sich bislang als sehr netter Junge. Er trug bequeme Straßenkleidung, hatte ein natürliches Lachen und auch sein sonstiges Auftreten wirkte sehr natürlich. „Hast du Hobbys?“, fragte Amadeus ihn zuletzt. „Hm, nicht so wirklich. Ich spiele gerne Fußball, aber das war auch schon alles.“, antwortete Felix ihm. Inzwischen hatten sie eine dreiviertel Stunde rumgebracht, indem sie ein Eis aßen, durch den Park schlenderten und sich letztlich auf eine Bank unter einem Baum saßen, wo die Sonnenstrahlen gelegentlich durchschimmerten. Anfangs hatte Felix immerzu auf seine Armbanduhr gesehen, da er Mathéos Rückkehr herbeisehnte, um von dem Jungen wieder loszukommen, aber inzwischen ging es eigentlich. Genaugenommen war dies der schönste Tag, seit er von den Brecheisens adoptiert wurde. So hatte er auch keine Scheu, die Frage zurückzugeben. „Und was machst du in deiner Freizeit so?“ „Außer mich mit meinem Verlobten treffen, der mich nicht ausstehen kann?“ Treffer ins Schwarze! Felix guckte beschämt zu Boden, wo ein paar Tauben die restlichen Brotkrümel einer alten Frau aufpickten. Amadeus lächelte breit. „Also ich spiele gerne Tennis und Badminton, geh regelmäßig zum Schwimmen, um mich in Form zu halten, und spiele für mein Leben gerne Klavier.“ „Ah, ein kleiner Amadeus Mozart also.“, gab Felix nicht minder überrascht von sich. „Sozusagen. Dreimal die Woche hab ich Klavierunterricht.“, erzählte Amadeus unbeirrt weiter. „Wenn du möchtest, dann kann ich dir mal etwas vorspielen.“ Felix gluckste. „Etwa auf unserer Hochzeit?“ Felix war klar, dass er die Stimmung vermieste. Eigentlich schien ihm Amadeus auch kein so übler Kerl zu sein, aber heiraten wollte er ihn dennoch nicht. Schließlich hatte er bereits einen Freund, den er inzwischen sehr vermisste. Wie es ihm wohl ging und ob er sich bereits Sorgen um ihn machte?
Moritz – Teil 17 Es war bereits halb elf, als Moritz ein Geräusch an seinem Fenster wahrnahm. Zunächst glaubte er sich getäuscht zu haben, oder dass es nur Max, sein Kater, gewesen ist, aber da tauchte Jacobs Kopf durch das Fenster auf. „Kuckuck!“ Jacob kletterte durch das Fenster in Moritz Zimmer und blickte sich um. „Hier in diesem Zimmer muss sich irgendwo der Brief von Felix befinden.“ „Ja…, sofern Max ihn nicht gegessen hat.“, gab Moritz sarkastisch von sich. „Also, du kannst dich gerne umsehen, aber nachdem du heute Nachmittag bei mir warst, hab ich bereits überall nach dem Brief gesucht und nichts gefunden. Vielleicht hat dein Freund ihn auch irgendwo anders versteckt.“ „Hm… glaube ich nicht.“, sagte Jacob, der zum Suchen anfing und als erstes natürlich den Kleiderschrank durchwühlte. „Felix und ich haben uns immer hier getroffen. Nie wo anders!“ Jacob wollte eine Schublade öffnen, doch Moritz hinderte ihn im letzten Moment daran. „Halt Stopp! Da nicht.“, sagte Moritz schnell, während er ganz rot im Gesicht wurde. „Warum nicht?“, fragte Jacob, doch als er Moritz beschämtes Gesicht sah, wurde es auch ihm klar. „Haha, da ist deine Unterwäsche drin, richtig? Okay, in der Schublade hättest du den Brief auch bestimmt schon längst gefunden, wenn er dort drin läge.“ Jacob blickte sich weiter im Zimmer um und suchte hinter der Heizung und hinter den Vorhängen. Auch das Bett wurde durchwühlt. Jacob hinterließ eine Schneise der Verwüstung. „Man, hier sieht es aber unordentlich aus.“, meinte er dann ganz frech, nachdem er Moritz Zimmer durcheinander gebracht hatte. „Nur damit eins klar ist: Das räumst du alles wieder auf!“, entgegnete Moritz, mit dem in Sachen Ordnung nicht zu scherzen war. „Bevor du mein Zimmer noch völlig auf den Kopf stellst. Gibt es nicht irgendwas, was dein Freund besonders gerne gemacht hat? Etwas, was nur du von ihm weißt.“ „Naja er spielt gerne Fußball, aber ansonsten…“ Jacob überlegte kurz und dann schien ihm tatsächlich etwas eingefallen zu sein. Er drehte sich abrupt um und wandte sich dem Tisch zu, der in der anderen Ecke des Zimmers stand. Auf dem Tisch hatte Moritz natürlich auch schon gesucht, aber es gab tatsächlich einen Ort, wo er nicht gesucht hatte: Unterm Tisch! Jacob legte sich rücklings auf den Boden und kroch untern Tisch. „Jawohl!“ Er wurde tatsächlich fündig. Felix Brief steckte unterm Tisch in einem Schlitz fest. Offenbar hatte Max ihn gefunden, ist hochgesprungen und hat ein Stück davon abgebissen, ohne den ganzen Brief zu erwischen. „Ich hab den Brief!“, rief Jacob glücklich. „Spitze, aber wie bist du auf die Idee gekommen, unterm Tisch nachzusehen?“, fragte Moritz ihn. Jacob hielt den Brief in seinen Händen und lächelte. „Felix mag es nicht, wenn man ihn als solchen bezeichnet, aber er versucht sich schon des längeren als Schriftsteller.“
Leonas – Teil 13 Leonas war alles andere als glücklich. Jetzt litt er schon an seinem leichten Übergewicht und an Liebeskummer, weil Kai ihn verlassen hat, da musste er jetzt auch noch seine Freundin anlügen. Natürlich hatte er Sarah nicht die Wahrheit über ihn und Kai erzählt. Sie hätte ihn vermutlich zuerst einmal ausgelacht, nur um dann schockiert festzustellen, dass er es ernst meinte, woraufhin sie sicherlich in Rage geriet, weil sie Kai nicht ausstehen konnte – nebenbei gesagt einer der wenigen Mädchen auf dieser Schule, die kein Gefallen an Kai fand, denn alle anderen flogen auf ihn wie ein Schwarm Bienen auf Honig. Leonas merkte, dass er sich immer mehr in Lügen verstrickte, aber wozu die Wahrheit sagen, wenn ihm ohnehin niemand glauben würde. Ob Sarah es ihm wirklich abgekauft hätte, wenn er ihr erzählte, dass er mehrere Wochen eine geheime Beziehung mit Kai geführt hat? Leonas zweifelte daran, also ließ er seine Freundin in dem Glauben, dass er einfach nur unglücklich aufgrund seines Übergewichts war und deshalb nur noch wenig gegessen und geschlafen hätte, was schlussendlich zu seinem Zusammenbruch führte. Die Lüge war glaubwürdig, denn Sarah schien keine Sekunde an dieser Geschichte zu zweifeln. „Oh man Leonas, du Dummerchen. Wie oft soll ich dir noch sagen, dass du völlig in Ordnung bist, so wie du bist. Dann hast du eben ein paar Pfunde mehr auf den Rippen, na und? Wenigstens läufst du nicht rum wie das Knochengestell Martha Jux.“ „Martha Jux? Sie ist ein Mädchen. Die sind von Haus aus schmächtiger gebaut.“, argumentierte Leonas dagegen, wobei er gar nicht so recht wusste wieso, denn er konnte froh sein, dass Sarah ihm die Geschichte abgekauft hatte. Aber wie bereits erwähnt: Glücklich war er damit nicht! Jedenfalls hat Leonas seiner Freundin versprechen müssen, in Zukunft wieder mehr zu essen und Sarah nutzte jede freie Minute, um dies auch zu überprüfen. In den Schulpausen ließ sie ihn keine Sekunde aus den Augen und wenn sie nachmittags zu ihm zu Besuch kam, da fragte sie seine Mutter, ob Leonas auch schön artig zu Mittag gegessen hat. Ihre Fürsorglichkeit machte Leonas verlegen, wenngleich er fand, dass sie etwas übertrieben reagierte, aber das war ihm noch immer lieber, als wenn sie von ihm und Kai erfuhr. Apropos Kai: „Hey, können wir bitte reden? Ich bereue unsere Trennung inzwischen und möchte wieder mit dir zusammen sein…“, las Leonas eines Abends auf seinem Handy. Kehrte das Glück zu ihm zurück?
Fortsetzung folgt ... am Samstag, den 1.April 2023 (Kein Aprilscherz)!
Manuela – Teil 16 Fast vierzehn Jahre waren vergangen, als Manuela das letzte Mal arbeiten ging. Seit der Geburt ihrer Kinder war sie immerzu zu Hause, um für sie zu sorgen, den Haushalt zu regeln und für ihren Mann da zu sein, wenn er abends von einem langen Flug nach Hause kam. Die Zeiten waren nun vorbei – und das in allen Belangen – und Manuela musste sich umstellen auf ihr neues Leben. Ihr Mann und ihre Tochter waren ausgezogen, sie hatte einen neuen Job und sie stand auf Frauen. Das war eine große Veränderung in ihrem Leben, aber momentan bereute sie keine ihrer Entscheidungen. Sie hatte Freundinnen die hinter ihr standen und ihr Sohn liebte sie nach wie vor. Lediglich Maries Verhalten ihr gegenüber stimmte sie immerzu traurig. Eine Besserung war leider nicht in Sicht, aber mit diesen Gedanken konnte sie sich jetzt gerade nicht beschäftigen, denn heute hatte sie ihren ersten Arbeitstag in dem Restaurant, in dem sie sich beworben hatte. Manuela stand vor dem Spiegel und nahm letzte Schönheitskorrekturen an sich vor, als ihr Handy vibrierte, welches neben dem Waschbecken lag. Manuela griff nach ihrem Handy und las die Nachricht, die ihr jemand geschickt hatte: „Toi, toi, toi heute, du schaffst das Honey!“ Der Nachricht folgte ein Kusssmiley, der Manuela das Herz erwärmte.
Leonas – Teil 14 Natürlich stimmte Kais Nachricht Leonas überaus glücklich, dennoch ließ er ein wenig Vorsicht walten. Warum hat Kai sich so plötzlich umentschieden und will nun doch wieder mit ihm zusammen sein? Um dies zu verstehen, ließ sich Leonas auf ein Treffen mit ihm ein. Natürlich tat er das – er liebte Kai – und sein einziger Wunsch war es, mit ihm wieder zusammen zu kommen. So kam es noch vor Schulbeginn am nächsten Tag zu dem besagten Treffen. Kai wartete in einer kleinen Seitenstraße auf Leonas, in der sich lediglich eine schwarze Katze aufhielt, die bei Leonas Eintreffen aber über eine Mauer kraxelte und verschwand. „Danke, dass du gekommen bist.“, sagte Kai und ein kleines Lächeln breitete sich in seinem Gesicht aus. Offensichtlich war er wirklich froh, Leonas zu sehen. Doch so leicht wollte er es Kai nicht machen. „Warum hast du dich so plötzlich umentschieden?“, fragte Leonas ihn mit ernster Miene. Am liebsten hätte er Kai einfach in die Arme genommen und ihn nie mehr losgelassen, aber so einfach war das alles nicht. „Erst machst du mit mir Schluss und jetzt willst du doch wieder mit mir zusammen sein?“ „Also ich…, ja will ich.“, sagte Kai, der seine Entscheidung von damals wohl wirklich bereute. Doch damit Leonas ihm Glauben schenkte, musste er sich schon etwas mehr anstrengen. „Also gestern raus, heute rein und morgen wieder raus, oder was?“, fragte Leonas ihn absichtlich ein wenig provokant. Er wollte sich von Kai nicht für dumm verkaufen lassen, egal wie stark sein Herz für ihn schlug. „Weißt du eigentlich, wie es mir die letzten Tage ergangen ist? Natürlich weißt du das! Du hast gesehen, wie ich im Sportunterricht umgekippt bin… Du willst doch nicht etwa wieder mit mir zusammen sein, um dein schlechtes Gewissen zu beruhigen, oder?“ „Ich will mit dir zusammen sein, weil ich dich liebe!“, entgegnete Kai verzweifelt. Kais Worte versetzen Leonas in eine kurze Schockstarre. „Was hast du gerade gesagt?“ „Das ich mit dir zusammen sein möchte?“, wiederholte Kai fragend. „Nein, das danach!“ „Da-Das ich dich liebe…“, wiederholte Kai verlegen. Erstmals lächelte Leonas Kai an. Dann kam er auf ihn zugestürmt und küsste ihn leidenschaftlich auf den Mund. Als sie sich wieder voneinander lösten, fragte Kai: „Bedeutet das, du verzeihst mir, einfach so?“ „Ja, weil ich dich ebenfalls liebe und dir deswegen diesen Fehler verzeihe.“, erklärte Leonas seinem Freund und die Zwei küssten sich ein weiteres Mal.
Moritz – Teil 18 „Lieber Jacob. Ich hoffe wirklich sehr, dass du meinen Brief an dich findest. Wenn jemand dazu in der Lage ist ihn zu finden, dann du! Ich bedauere es wirklich sehr, dass ich mich nicht mehr von dir verabschieden konnte, aber plötzlich ging alles so schnell. Eine komische Frau tauchte hier auf, kurz nachdem du gegangen bist, und hat beschlossen, mich zu adoptieren. Mir ist nicht klar warum sie das tut, denn sie kennt mich erst seit wenigen Sekunden, aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass mit der irgendwas nicht stimmt. Doch mach dir bitte keine Sorgen um mich, denn ich werde zu dir zurückkehren. Ich weiß noch nicht wie und wann, aber ich kehre zu…“ Hier endete der Brief und Jacob hörte auf, laut vorzulesen. „Naja, der Rest ist mir bekannt.“, sagte Jacob und zog den Fetzen Papier aus der Hosentasche, den Max vom Brief abgerissen hat. „…rück. Bitte warte auf mich. Felix!“ „Na endlich weißt du was Sache ist.“, sagte Moritz, der gespannt neben Jacob auf dem Bett saß und mit zugehört hatte. „Jetzt heißt es wohl einfach abwarten, bis er wieder zurückkommt.“ Jacob schwieg und gab sich nachdenklich. „Hm…“ „Und sollte er hier auftauchen, wenn du nicht da bist, dann werde ich ihm berichten, dass du seinen Brief gefunden hast und hier auf ihn gewartet hast.“ „Nein.“, sagte Jacob unerwartet, aber fest entschlossen. „Seit seinem Weggang sind inzwischen mehrere Wochen vergangen. Wenn er vorgehabt hätte, hierher zurückzukehren, dann wäre er schon längst wieder hier.“ „Naja, vielleicht gefällt es ihm aber auch in seiner neuen Familie…“, meinte Moritz. „Das…, oder ihm ist was dazwischen gekommen.“, sagte Jacob, der Moritz nun direkt in die Augen sah. Dabei waren sich ihre Köpfe sehr nah, ein wenig zu nah für Moritz Geschmack, der leicht nervös wurde, aufstand und wirr in seinem Zimmer umher lief. „Ich werde ihn suchen gehen.“, sagte Jacob schließlich, der von Moritz Gefühlschaos nichts mitbekam. Moritz blieb augenblicklich stehen und wirkte nur wenig erfreut über Jacobs Entschluss. „Felix hat in seinem Brief geschrieben, dass er zu mir zurückkehren will. Er ist nicht der Typ für falsche Versprechen.“ „O-Okay…, aber wo willst du anfangen zu suchen?“, fragte Moritz, der Jacobs Plan anzweifelte. Jacob lächelte dezent, denn er war nicht dumm. „Natürlich im Büro von Herr Hendricks!“
Felix – Teil 19 Felix und Amadeus warteten an der Straße auf Mathéo, der jeden Moment mit der Stretchlimousine eintreffen müsste. Wer hätte es gedacht, aber Felix empfand dieses Treffen als überraschend angenehm. Vor allem aber war es schön, mal aus der Villa herauszukommen und sich wieder unter andere Menschen zu mischen. Die Brecheisens hatten einen surrealen und steifen Eindruck bei Felix hinterlassen und jede Abwechslung war ihm deshalb stets willkommen. Felix blickte die Straße entlang und entdeckte ein Kino an der Kreuzung. Jetzt wusste er endlich, wo er sich gerade befand. Er blickte weiter die Straße hinunter, in die Richtung in der das Kinderheim lag, in dem er viele Jahre lebte. Sein Instinkt trieb ihn dort zurück, denn ihm war bewusst, dass Jacob auf ihn warten würde. Doch ein seltsames Gefühl hielt ihn davon ab und nicht zuletzt auch Amadeus: „Du musst mich übrigens nicht heiraten, wenn du nicht möchtest.“ „Was? Muss ich nicht?“, gab Felix überrascht von sich und drehte sich wieder zu seinem Verlobten um, der ihm ein sanftes und zufriedenes Lächeln schenkte. „Nein. Meine Eltern wollen mich vermählen, aber ich denke ich bin noch nicht bereit dazu zu heiraten.“, erklärte Amadeus ihm. „Genaugenommen geht es nicht einmal um mich oder dich, sondern wieder einmal nur um die Geschäfte, die meine Eltern und deine Adoptiveltern durch die Heirat abwickeln können. Das ist echt nervig, aber um meine Eltern stolz zu machen, will ich ihnen diesen Gefallen tun.“ „Also… willst du mich doch heiraten?“, fragte Felix nun völlig verwirrt. Amadeus lächelte. „Vorschlag zu Güte. Die Hochzeit findet statt. Wir lassen alles über uns ergehen und du sagst bei der alles entscheidenden Frage „Ja, ich will“, damit der Groll der Brecheisens nicht über dich hereinbricht. Ich hingegen werde „Nein“ sagen und alles ist geritzt. Meine Eltern werden zwar toben, aber es verstehen. Im Gegensatz zu dir, kann man mich nicht einfach so rauswerfen. Was sagst du dazu? Ist zwar mit Risiken verbunden, aber zumindest eine Option für uns Beide.“ „Also ich weiß nicht…“ Felix verzog skeptisch sein Gesicht, als auch schon Mathéo vorfuhr und ihnen die Türe aufhielt. „Also gut… abgemacht. Die Hochzeit findet statt!“
Damian – Teil 18 Freitagabend. Der Tag an dem sowohl Damian als auch Timo wieder einmal Spaß mit anderen Jungs haben konnten. Doch Timo war schon länger nicht mehr mit anderen Jungs aus und verbrachte die meisten Freitage inzwischen auf der Couch vor dem Fernseher. Damian ging die letzten Freitage zwar noch weiterhin aus, aber stets alleine und ohne auf der Suche nach netten Typen, mit denen er am Ende im Bett landete. Sein letzter One-Night-Stand war Marcus und das lag nun inzwischen schon einen Monat zurück. Die Erinnerung daran, war jedoch nach wie vor in Damians Gedanken verankert und es ließ ihn einfach nicht los, wie sowohl er, als auch Timo mit ihm Sex hatten. Sein eigener Bruder! Normalerweise sollte Damian Abscheu diesbezüglich empfinden, aber ehrlich gesagt fühlte er das genaue Gegenteil davon. Die Vorstellung machte ihn heiß… und geil. Damian hatte es gar nicht länger nötig mit anderen Jungs rumzumachen, denn seine Gedanken bescherten ihm schon selber ein reines Glücksgefühl. Doch ganz egal was er dabei fühlte, in einem Punkt war er unglücklich: Die Beziehung zu Timo befand sich zum derzeitigen Zeitpunkt auf dem Abstellgleis und es war nur noch eine Frage der Zeit, bis Timo die Reißlinie zog und ihre Beziehung beendete. Damian konnte sich selbst dafür schlagen, denn jetzt war er es, der das Ende ihrer Beziehung herbeiführen könnte. „Timo, wir müssen reden!“, rief er seinem Freund zu, denn der hatte den Fernseher mal wieder auf voller Lautstärke. Timo stellte den Fernseher leiser und blickte Damian wartend an. Er lag lediglich mit Boxershorts und einem Shirts bekleidet auf der Couch, neben ihm eine Chips-Tüte und auf ihm Chipskrümel. „Ehm… also wie soll ich es sagen…, ich äh…“ Ja was wollte Damian ihm jetzt eigentlich sagen? Das er Sex mit seinem Bruder hatte? Das er feuchte Träume von ihm und Timo hatte? „Was immer du zu sagen hast, beeil dich bitte. Der Dummkopf kriegt in der Sendung gleich eine aufs Maul. Das ist die witzigste Stelle im ganzen Film.“, sagte Timo ungeduldig. Also schön, dachte sich Damian und haute es raus: „Ich will keine Offene Beziehung mehr!“
Ricardo – Teil 16 Ricardo lag Zuhause in seinem Bett und hatte die Augen geschlossen. Eine Woche war vergangen, als er mit Sanchez gemeinsamen Sex hatte. Das Gefühl war unbeschreiblich und Ricardo erinnerte sich sehr gerne daran zurück. Weniger gerne erinnerte er sich aber daran zurück, was danach folgte: Sanchez verabschiedete sich von Ricardo und flog zurück in sein Heimatland. Seitdem herrschte eine ungewollte Funkstille zwischen den Beiden und auch mit Martin hatte er seitdem keinen Kontakt mehr. Ricardo versuchte sich von dem Abschied nicht zu sehr runterziehen zu lassen, immerhin hatte er durch die Sex-Fotos reichlich Kohle eingeheimst, wie ihm Martin in einer E-Mail mitteilte. Zwar war er noch lange davon entfernt, wie Dagobert Duck in Geld zu schwimmen, aber immerhin konnte er sich jetzt so einiges leisten, unter anderem die neue Nintendo Switch Konsole. Seinen Eltern erklärte er diesen Kauf damit, dass er dafür mehrere Monate gespart hatte, denn von seiner neuen Einnahmequelle wollte er ihnen lieber nichts erzählen. Sie hätten es nicht verstanden und würden sicherlich ausflippen, wenn sie erfuhren, woher das Geld stammte. Nur gut, dass er bald von Zuhause ausziehen wollte, denn wenn seine Mutter in etwas besonders gut war, dann in Dingen herumschnüffeln, die sie nichts angingen. Vor etwa drei Jahren, als Ricardo gerade in der Schule war, hatte sie es satt, den Saustall in seinem Zimmer mitanzusehen und räumte aufs gründlichste bei ihm auf. Das hatte zur Folge, dass sie auch seine Pornohefte unter seinem Bett fand – auf dem natürlich nur nackte Männer abgebildet waren. Immerhin: So blieb Ricardo das Outing erspart. Schön war es dennoch nicht, eher peinlich, aber zum Glück gingen seine Eltern letzten Endes locker mit dem Thema um. Doch bei seiner neuen Einnahmequelle würden die Zwei bestimmt nicht locker bleiben. Ricardos Laptop machte ein Geräusch, welches immer dann ertönte, wenn er eine neue Nachricht bei Gayromeo erhielt. Ricardo war nicht allzu neugierig darauf, wer ihm die Nachricht schickte. Es waren noch immer dieselben perversen alten Männer von früher. Einige von ihnen hatte er inzwischen gesperrt, aber es kamen stets neue bei ihm an. Doch als zwei weitere Nachrichten folgten, wurde Ricardo doch neugierig – naja ihm war eigentlich vielmehr langweilig. Ricardo öffnete die erste Nachricht und las: „Hallo, dich kenne ich doch. Du gehörst doch zu Martins Models oder nicht? Hab deine Fotos gesehen…, auch die Sex-Fotos!“ Ricardo schluckte einmal kräftig.
Manuela – Teil 17 „Unser Team bekommt heute reichhaltige Verstärkung in Form von Frauenpower.“, sagte der Chef des Restaurants, in dem Manuela heute ihren neuen Job als Kellnerin antrat. Nicht ihr Traumberuf, aber es brachte Geld ein. „Wenn ich kurz vorstellen darf.“, fuhr der Chef fort, während Manuela reihum in die Gesichter ihrer neuen Kollegen blickte. „Das ist Irina Moustaki aus Griechenland. Sie wird das Team in der Küche unterstützen.“ Der Chef zeigte auf eine bildhübsche junge Frau an die Dreißig mit langen blonden Haaren, die sie sich für den Einsatz in der Küche zu einem Zopf hochgebunden hat. Irina lächelte ihre Kollegen verführerisch zu – vor allem ihre männlichen Kollegen – und Manuela wusste sofort, wo bei ihr der Hase lief. „Dann haben wir hier Manuela Klingenbach, sie wird das Team im Servicebereich und beim Ausschenken verstärken.“ Manuela verbeugte sich galant vor all ihren Kollegen und ließ sie wissen, dass sie sich freute, sie alle kennen zu lernen. „Und zu guter Letzt darf ich euch noch Florentine Neumann vorstellen. Sie wird dem Serviceteam ebenfalls tatkräftig zur Hand gehen.“ Der Chef zeigte auf die junge Frau neben sich. Manuela kannte sie bereits, denn sie hatte sie nach ihrem Vorstellungsgespräch vor dem Restaurant angetroffen. Sie war damals irre nervös und Manuela versuchte sie zu beruhigen. Offenbar mit Erfolg, denn sie hatte den Job. „Sehr schön. Das wäre dann alles gewesen.“, sagte der Chef und klatschte dabei zweimal in die Hände. „Helfen Sie ihren neuen Kolleginnen bitte, sich gut hier einzufinden. In einer Stunde kommen die ersten Gäste, also zackzack, lasst das Fett in der Pfanne brutzeln und poliert die Gläser!“ Die Versammlung löste sich jäh auf. Die Köche verschwanden zusammen mit Irina in der Küche – zwei Köche hielten ihr breit lächelnd die Tür auf – und die Servicekräfte gingen ebenfalls ihren Verpflichtungen nach. Manuela wurde einem etwas älteren Herr zugewiesen, der in einem Jahr in den Ruhestand ging. Er zeigte ihr, wo sich das Geschirr, das Besteck, die Servietten, die Speisekarten und alle anderen wichtigen Utensilien sich befanden. Manuela hörte aufmerksam zu, um sich alles einzuprägen, als sie einen Schrei aus der Küche vernahm.
Flo – Teil 15 „Und zu guter Letzt darf ich euch noch Florentine Neumann vorstellen. Sie wird dem Service-Team ebenfalls tatkräftig zur Hand gehen.“, sagte der Chef, als er seinen Angestellte Flo vorstellte. Flo blickte reihum, stets bemüht, freundlich zu lächeln. Der erste Eindruck zählte und doch verspürte sie ein seltsames Gefühl, als ob alle Augen nur auf sie gerichtet wären. Nachdem der Chef die alte mit der neuen Belegschaft vertraut machte, wurde jeder der neu im Team war, einem der älteren anvertraut, um den Neuen in seine Arbeiten zu unterweisen. „Willkommen im Team. Florentine richtig?“, begrüßte sie ein junger Mann, der nicht älter als vierzig sein durfte. „Ja, aber all meine Freunde nennen mich nur Flo…, also wenn Sie wollen dann…“ „Nein will ich nicht, aber danke, „Nur-Flo“.“, sagte der junge Mann sofort und Flo glaubte einen gewissen Unterton aus seiner Stimme herauszuhören. Hatte sie den Mann irgendwie verärgert? Wohl kaum, den sie kannte ihn ja erst seit heute, ebenso wie alle anderen hier. Lediglich der anderen Frau, die heute ebenfalls neu im Service-Bereich anfing, war sie schon einmal begegnet. Bei passender Gelegenheit wollte sich Flo bei ihr bedanken. „Also ich werde dir alles zeigen und das Nötigste beibringen.“, fuhr der Mann unterdessen unbeirrt fort. „Pass bitte gut auf, denn ich werde alles nur einmal sagen und zeigen. Ich will keine unnötige Zeit mit jemanden wie dir verschwenden…“ „Wie bitte?“ Flo war schockiert, über die Ausdrucksweise des Mannes und warf ihm einen vorwurfsvollen Blick zu. „Entschuldigen Sie bitte, aber was habe ich Ihnen getan, dass sie so mit mir reden?“ Flo versuchte ruhig und freundlich zu bleiben, was ihr enorm schwer fiel. Der junge Mann legte die weißen Tischdecken zur Seite, die er aus einer Schublade zog und legte genervt seine Hände auf seine Hüfte. „Was soll schon sein. Hör mal, ich versuch wirklich aufgeschlossen mit allem und jeden umzugehen, aber auch ich habe meine Grenzen.“ „Was meinen Sie damit?“, harkte Flo nach, obwohl sie die Antwort bereits ahnte. „Na dich und deinesgleichen. Die ganze Belegschaft weiß davon, was du bist.“, antwortete der Mann, woraufhin Flo leicht die Kinnlade runterfiel. Plötzlich hörte sie einen Schrei aus der Küche.
Fortsetzung folgt ... am Dienstag, den 4.April 2023!
Eric – Teil 14 „Glauben Sie, dass ich jemals über das alles hinwegkommen werde?“, fragte Eric betrübt, als er nach langer Abstinenz den Weg zu Dr. Böhmers Couch zurückgefunden hat. „Das liegt einzig und allein an dir Eric. Der Weg ist steinig und schwer und ich kann dir lediglich meine helfende Hand reichen, um dich wohlbehalten durchzubringen.“, antwortete der Therapeut ihm. „Ich glaube allmählich, dass ich darüber nie hinwegkommen werde.“, meinte Eric, dessen Augen feucht wurden. Die schlimmen Erinnerungen begleiteten ihn auf Schritt und Tritt und er verlor die Hoffnung, jemals wieder der Alte zu werden. „Das alles braucht Zeit. Vor allem aber musst du dir Zeit geben, das Erlebte von damals zu verarbeiten.“, erklärte Dr. Böhmer ihm. „Stehst du denn noch in Kontakt zu deinen Mitschülern?“ „Die haben sich alle von mir abgewandt, nach dem Vorfall von damals. Meine Väter lassen mich gerade von einem Privatlehrer unterrichten, aber ich weiß nicht, wie lange sie den noch bezahlen können.“, antwortete Eric. „Ich hab das Gefühl, ich falle jedem nur noch zu Last. Meine Väter geben sich wirklich Mühe, aber auch sie können nicht die Wunde in meiner Seele behandeln.“ „Eine Seele und ein Herz zu reparieren ist nicht zu vergleichen mit einer kaputten Vase oder einer kaputten Mikrowelle.“, sagte Dr. Böhmer. „Eine Vase kann man kleben und eine Mikrowelle im Notfall einfach austauschen, aber das Herz und die Seele eines Menschen sind weitaus zerbrechlicher und es bleiben immer Narben zurück, aber auch die verblassen mit der Zeit, wenngleich sie auch immer da sein werden und dich dein Leben lang begleiten werden.“ „Und was soll ich dann ihrer Meinung nach tun?“, fragte Eric nach. „Dir helfen lassen. Nicht nur von mir, auch von deinen Vätern, aber dazu benötigt es deine Mithilfe.“, antwortete Dr. Böhmer. „In unserer letzten Sitzung, die leider unterbrochen wurde, wolltest du mir erzählen, wann du Adam die Wahrheit über deine wahren Gefühle gebeichtet hast.“ Eric nickte. „Ja wollte ich… und genau in diesem Teil kommt nun Levin ins Spiel.“
Manuela – Teil 18 Manuela wandte sich zur Küchentür, aus der der Schrei kam, als auch schon die neue Köchin Irina Moustaki mit wütendem Blick aus der Küche kam und ins Büro des Chefs stampfte. Einer der zwei jungen Köche, die ihr vorhin galant die Tür aufhielten, grinste ihr hinterher. Der ältere Mann, der Manuela in ihre Arbeit einwies, fragte: „Was hast du jetzt schon wieder angestellt?“ „Sie hat mich gefragt, ob ich die Soße zu scharf finde, da hab ich nur gesagt, dass das einzig scharfe sie hier sei.“, antwortete der junge Koch. Manuela rollte innerlich mit den Augen. Was für eine plumpe Anmache und deswegen der ganze Aufstand? „Na gut, ich hab ihr zusätzlich auch noch in den Hintern gekniffen. Auch der ist scharf…!“ „Herrgott Junge, wann wirst du endlich erwachsen?!“, rief der ältere Bedienstete ihm zu und schlug ihm dabei auf den Hinterkopf, was zur Folge hatte, dass dem Koch die Mütze zu Boden fiel. „Nur weil der Chef dein Onkel von dem Restaurant hier ist, brauchst du nicht glauben, dass du dir hier alles erlauben kannst.“ „Ach seien sie doch still, sie alter Knauser.“, erwiderte der Koch nun genervt. Manuela hatte genug gehört und widmete sich wieder ihrer Arbeit, als sie in den Augenwinkeln sah, wie Florentine Neumann mit feuchten Augen im Gesicht auf die Toilette rannte. So sah ab sofort ihr neuer Berufsalltag aus und Manuela freute sich bereits jetzt auf den Feierabend.
Ricardo – Teil 17 Dass bei Gayromeo auch ein paar Kunden von Martin herumschwirren, hätte sich Ricardo eigentlich auch denken können. Nun hat ihn eben einer dieser Kunden von den Fotos wiedererkannt. Ein Mann, Mitte vierzig, schrieb Ricardo, wie toll seine Fotos geworden sind: „Du wirkst auf deinen Bildern sehr natürlich. Martin war schon immer ein sehr guter Fotograf, aber er beweist auch ein sehr gutes Händchen bei seiner Auswahl der Models…“ Ricardo tippte in die Tasten und antwortete zurück. So entstand eine kleine Unterhaltung mit dem Mann, der unerwartet nett zu sein schien. „Genaugenommen hat sich das nur zufällig ergeben, aber danke!“ Die Komplimente über seine Fotos machten Ricardo verlegen, aber das war nichts im Vergleich zu dem, was er fühlte, als der Mann auf die Fotos mit ihm und Sanchez zu sprechen kam. „Mein persönliches Highlight waren aber deine Bilder mit dem heißen Spanier. Man die waren echt der Hammer!“, schrieb der Mann, der auf den Usernamen „Unicorn-70“ hörte. Ricardo musste unweigerlich schmunzeln und bekam bei den Gedanken an Sanchez bereits wieder einen Ständer. Dies erübrigte sich allerdings auch schnell wieder, als er daran dachte, dass Sanchez wieder in Spanien war und er seitdem keinen Kontakt mehr mit ihm gehabt hatte. In der Zwischenzeit unterhielt er sich mit Unicorn-70 fleißig weiter: „Kennen Sie Martin persönlich?“ „Nicht direkt, nur per E-Mail.“, schrieb der Mann zurück und weiter: „Um ehrlich zu sein, wollte ich ihm mal ein paar Models für meine Transaktionen abwerben.“ „Sind sie Unternehmer einer Modelagentur?“, fragte Ricardo weiter nach, dessen Interesse damit geweckt wurde. Es dauerte ein paar Minuten, bis Unicorn-70 ihm antwortete. Ricardo dachte schon, der Mann sei offline gegangen, aber offensichtlich hat er an einer längeren Antwort gefeilt: „Nein. Ich hoffe du verurteilst mich jetzt nicht, wenn ich dir das erzähle, aber ich drehe Pornofilme! Nicht das mich das geil machen würde, ich verdiene einfach nur meinen Lebensunterhalt damit. Die Jungs die für mich drehen, kriegen gar nicht mit, wenn ich mit im Raum bin. Ich verfolge dabei auch gar keine Hintergedanken, also denk bitte nicht, dass ich ein perverser Lustmolch sei! Ich rechtfertige mich deshalb, weil das immer gleich alle denken, wenn ich ihnen sage, was ich beruflich mache. Dabei glaubst du gar nicht, was ich mir schon alles anhören musste. Hinterher gucken sich dann aber doch alle meine Videos an. Nun ja, ich muss jetzt auch weiter machen mit meiner Arbeit. Ein Video zurecht schneiden. Wenn ich dich jetzt nicht abgeschreckt habe, dann würde ich mich freuen, wenn wir wieder einmal miteinander schreiben würden. PS: Ich könnte dich mir gut in einer meiner Videos vorstellen!“
Damian – Teil 19 Timo schaltete den Fernseher aus, stand von der Couch auf und ging auf Damian zu. Ehe sich Damian versah, küsste sein Freund ihn heiß und innig. Erst als er sich wieder von ihm löste, konnte er nach dem Grund dafür fragen: „Weil ich dich einfach abgöttisch liebe und zu dieser dummen Idee mit der Offenen Beziehung überredet habe.“, erklärte Timo sein Handeln. „Ich will nur mit dir zusammen sein und mit keinem anderen!“ Das war der Auslöser, der auch Damians Herz wieder neu entfachte und ihn dazu verleitete, seinen Freund ebenfalls zu küssen. Vor einer Minute hatte er noch geglaubt, dass von ihrer Liebe zueinander von früher nichts mehr übrig sei, aber zum Glück hatte er sich geirrt. Sie war noch immer da und auch wenn es seltsam klang, es fühlte sich wie ein Neuanfang an. Damian legte seine Arme um Timo und fühlte die Wärme seines Körpers. Der Wunsch ihn nie mehr loszulassen, war so groß wie nie. Timo schien denselben Gedanken zu haben. Auch er legte seine Arme um Damian und hob ihn sachte hoch, als wäre er leicht wie eine Feder. Timo war nicht der muskulöse Typ, aber er war sehr groß, gute zwei Meter, und da war es für ihn natürlich ein Leichtes, den ein Meter fünfundachtzig großen Damian hochzuheben und ihn zugleich ins Schlafzimmer bis zum Bett zu tragen, wo er ihn schließlich auf den Rücken warf und sich über ihn abstütze. Was folgte war eine heiße Liebesnacht, bei der die Beiden alles um sich herum vergaßen. Dies war der erste Sex seit Wochen und es fühlte sich genauso schön und leidenschaftlich an wie früher. Sie sich unentwegt weiter, während sie oberkörperfrei im Bett lagen und sich gegenseitig zärtlich über die Haut streichelten. Damian hatte vergessen, wie schön es sich anfühlte, seine Hände über Timos zarte Haut fahren zu lassen und gleichzeitig seine Zunge in seinem Mund zu spüren. Was er aber nicht vergessen hatte, war wie gut sein Freund untenrum ausgestattet war. Jetzt gab es für Beide kein Halten mehr und kurz darauf lagen beide komplett nackt im Bett. Timo hörte auf Damian zu küssen und warf ihn auf den Bauch. Dabei grinste er lustvoll und kannte kein Halten mehr. Es war ein wildes, leidenschaftliches und romantisches Abenteuer, bis zu jenem Moment, als Damian wohl der bislang größte Fehler widerfuhr: „Hm ja, das fühlt sich toll an, Marcus!“
Jannik – Teil 17 Jannik saß an seinem Schreibtisch bei sich Zuhause und arbeitete an seinen Mathe-Hausaufgaben. Doch seit gut einer halben Stunde ging nichts mehr vorwärts, da Jannik bei einer Aufgabe einfach nicht mehr weiter wusste. Er rechnete, schrieb mit seinem Bleistift Zahlen in sein Heft und radierte sie kurz darauf wieder weg, weil er wusste, dass dies falsch war. Ihm standen die Haare zu Berge, so genervt war er von den Aufgaben, die Herr Meier ihnen auftrug. Irgendwann hatte Jannik einfach keine Lust mehr und warf den Bleistift auf den Schreibtisch. Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück, schloss seine Augen und wollte die Zahlen vergessen, die in seinem Kopf herumschwirrten. Doch irgendwie konnte er sich nicht so recht davon befreien, bis er an Herrn Kronthaler dachte. Noch immer hatte er Gefühle für den Referendar und er himmelte ihn heimlich an. Heute trug Herr Kronthaler eine besonders enganliegende Hose, die seinen Hintern gut zur Geltung brachte. Die Augen aller Mädchen in seiner Klasse waren nur auf Herrn Kronthaler gerichtet. Niemand ahnte, dass auch Jannik ein Auge auf den jungen Referendar geworfen hatte und wenn es nach ihm ginge, dann sollte das auch so bleiben! Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn jemand dahinter käme. Er wäre das Gespött der Klasse, nein, der ganzen Schule! Während Jannik über all dies nachdachte, kritzelte er völlig unterbewusst eine Zeichnung in sein Matheheft. Erst nach einer ganzen Weile, sah er, was er soeben getan hat. Ein rotes Herz mit den Flügeln eines Engels und einem großen K in der Mitte. Offensichtlicher konnte es kaum noch sein. Da fiel Jannik ein, dass er gar nicht Herrn Kronthalers Vornamen kannte. Ob er ihn mal danach fragen sollte? Oder ging das bereits zu weit? Er wollte keinesfalls in seine Privatsphäre einbrechen. Jannik schüttelte den Kopf, nahm sich den Radiergummi zur Hand und legte ihn beim Herz im Heft an.
Damian – Teil 20 „Hm ja, das fühlt sich toll an, Marcus!“ „Was hast du da gerade gesagt?“, fragte Timo seinen Freund und hielt sofort inne. Damian, der seine Augen geschlossen hatte und sich seiner Sehnsucht hingab, schlug mit einem Mal die Augen auf. Erst jetzt wurde ihm bewusst, was er soeben von sich gegeben hatte. Die Lage war mehr als peinlich – sie war katastrophal! „Ich äh… weiß nicht…“ „Du hast soeben den Namen meines Bruders genannt.“, sagte Timo mit geschocktem Gesichtsausdruck, während er sich immer mehr zurückzog. „Nein, hab ich nicht.“, log Damian, der nicht wusste, was er tun sollte. „Und jetzt lügst du mich an?“, fragte Timo, der aus dem Bett stieg und sich seine Boxershorts wieder anzog. „Hast du etwa Gefühle für meinen Bruder?“ „Nein!“, entgegnete Damian sofort und etwas lauter. „Ich weiß nicht wieso ich seinen Namen gesagt habe. Vermutlich musste ich noch an unseren letzten gemeinsamen Nachmittag denken.“ „Also gibst du zu, dass du seinen Namen gesagt hast.“, entgegnete Timo daraufhin. „Ich… ich…“ Der Druck, der nun auf Damian lastete war zu groß und Damian konnte dem nicht mehr länger standhalten und platzte mit der ganzen Wahrheit raus: „Also schön, ich hatte Sex mit Marcus, aber das war bevor du ihn mir als deinen Bruder vorgestellt hast. Ich kannte ihn damals noch gar nicht und wusste nicht, dass er dein Bruder ist und er wusste nicht, dass ich dein Freund bin!“ Timos Augen wurden immer größer und der Schock stand ihm ins Gesicht geschrieben. Er sagte kein Wort und ließ sich zurück aufs Bett fallen, wo er zunächst sitzen blieb und sich die Hände vors Gesicht schlug. Damian fühlte sich etwas leichter, nachdem die Wahrheit endlich draußen war, aber ebenso tat es ihm in der Seele weh, seinen Freund nun so zu sehen. Er hatte das schließlich nie gewollt. Das alles war eine Verkettung unglücklicher Zufälle. „Wieso hast du es mir nicht eher gesagt?“, fragte Timo ihn schließlich nach mehreren Minuten des Schweigens. „Weiß nicht. Aus Angst, dass du mich verlassen könntest? Weil es mir peinlich war und weil ich nicht wollte, dass du auf mich oder deinen Bruder wütend bist?“, erklärte Damian ihm selber ein wenig überfordert. Damian setzte sich zu seinem Freund auf die Kante des Bettes und beide schwiegen sich daraufhin erneut an. Keiner schien zu wissen, wie es nun weiter gehen sollte.
Eric – Teil 15 „Levin kam neu an unsere Schule. Seine Eltern waren aus den Niederlanden zu uns hergezogen, er konnte aber bereits perfekt Deutsch, da er auch hier in Deutschland aufgewachsen war.“, erzählte Eric, während seiner Sitzung bei Dr. Böhmer. „Levin…, er war so ziemlich das genaue Gegenteil von Adam. Adam war dunkelhaarig, Levin hingegen strohblond. Adam war gut ausgewachsen, Levin hingegen etwas schmächtiger und kleiner, aber sein Lächeln… es brachte Eisberge zum schmelzen – und es eroberte mein Herz im Sturm. Da ich meiner Gefühle für Adam lange Zeit nicht bewusst war, glaubte ich nicht an die Liebe auf den ersten Blick, bis Levin in mein Leben trat. Das mag jetzt wie ein albernes Märchen der Gebrüder Grimm klingen, aber Levin war mein kleiner Prinz, der die Sonne in mein Leben zurückbrachte. Ich hatte nur Dunkelheit vor Augen, aber mit ihm schien alles so einfach zu sein. Zunächst näherten wir uns nur ganz langsam an. Ich gebe zu, ich war ein wenig schüchtern und aufgrund von Adam auch ein wenig voreingenommen meinen Gefühlen für Levin gegenüber, aber ich konnte mich ihnen nicht verwehren und bereits nach einer Woche, küsste ich Levin. Wir hatten uns fürs Kino verabredet. Adam war an jenem Abend mit seinen Eltern zu einer Hochzeit bei Verwandten eingeladen. Also verbrachte ich meinen Samstagabend mit Levin im Kino. Wir teilten uns auch das Popcorn, was zur Folge hatte, dass sich unsere Hände immer wieder berührten, wenn wir zum Popcorn griffen. Ich spürte ein Kribbeln in meinen Fingern und mein Herz pochte wie wild. Levin war derjenige, von dem die erste Initiative ausging, als er seinen Arm um mich legte. Als der Film zu Ende war und der Abspann lief, sahen wir uns gegenseitig in die Augen und da tat ich es einfach: Ich küsste ihn! Ob ich es damals bereut habe? Nein, bestimmt nicht! Ob ich es heute bereue? Nein, auch nicht. Aber ich bereue es, nicht reinen Tisch mit Adam gemacht zu haben, bevor das mit Levin entstand. Ich glaubte damals, im siebten Himmel zu schweben, aber in Wahrheit war ich dazu verdammt in der Hölle zu schmoren.“
Ricardo – Teil 18 „Achthundert, neunhundert, eintausend. Eintausend Euro gehören dir, wenn du bei dieser einmaligen Angelegenheit mitmachst.“, sagte der Mann, der Ricardo gegenüber auf der Couch saß und ihm ein Bündel von Hundert-Euro-Scheinen zeigte, die er stolz in seiner Hand hielt. „S-So wenig?“, fragte Ricardo, der hoffte, dass dies nicht unfreundlich erschien. Der Mann lächelte zaghaft. „Schon klar, dein Körper ist dir mehr wert, als diese paar lausigen Scheine. Das verstehe ich, aber mehr kann ich dir nicht geben für eine einmalige Sache. Hättest du einen Vertrag bei mir, dann sehe die Angelegenheit schon wieder anders aus, aber das hast du ja bereits von vornherein abgelehnt, wie du mir in einer Message ganz deutlich klar gemacht hast.“ Ricardo überlegte kurz, denn er wollte sich das Ganze noch einmal ganz genau durch den Kopf gehen lassen. Dem Mann schien bewusst zu sein, was in Ricardos Kopf gerade vor sich ging. „Ich kann deine Bedenken diesbezüglich sehr gut nachvollziehen. Lass dir das alles noch einmal gut durch den Kopf gehen und melde dich dann einfach wieder bei mir, wenn du eine Entscheidung getroffen hast.“ Der Mann wartete, doch Ricardo stand nicht von seinem Sitzplatz auf. Er hatte bereits Zeit, sich das alles durch den Kopf gehen zu lassen, sonst wäre er jetzt nicht hier an diesem Ort. „Ich mach´s!“ „Junge, hast du dir das auch wirklich gut überlegt?“, fragte der Mann ihn noch einmal. „Du weißt, ich würde dich wirklich sehr gerne dabei haben, aber nur, wenn du dir auch zu hundert Prozent sicher bist. Ein Pornodreh ist nicht so angenehm, wie du dir das vielleicht vorstellst.“ „Jaja, da stehen ein paar Leute um mich herum und gaffen mich an, wie ich von einem anderen Kerl gefickt werde…“, sagte Ricardo frei heraus, da er sich das bildlich gut vorstellen konnte. Der Mann nickte. „Also bleibst du bei deiner Entscheidung?“ „Ja, ich bin dabei!“, antwortete Ricardo. „Wunderbar! Dann Herzlich Willkommen bei „Hard Cocks & Sexy Ass“.“, sagte der Mann namens Dennis Garson, den Ricardo bei GayRomeo kennengelernt hatte und der der stolze Besitzer eines Pornostudios war. Ricardo lächelte zaghaft und hoffte, seine Entscheidung nicht zu bereuen.
Fortsetzung folgt ... am Donnerstag, den 6.April 2023!
Flo – Teil 16 Flo ging still ihrer Arbeit nach und wechselte mit ihren Kollegen kaum ein Wort, außer es ging um die Bestellungen der Restaurant-Gäste. Sie hatte das ständige Gefühl, von allen beobachtet zu werden. Wie sich herausstellte, war der Chef sehr offen und ehrlich zu seinen Angestellten, weshalb er sie bereits im Vorfeld darauf hinwies, was Flo war. Flo war zwar deswegen keineswegs sauer auf ihren Chef, denn früher oder später wäre es ohnehin rausgekommen, aber sie hatte es satt, ständig zu hören, WAS sie war. Sie war ein Mensch und kein Cyborg, auf dessen Gefühle man herumtrampeln konnte. Lediglich in Manuela Klingenbach schien sie eine verständnisvolle Zuhörerin gefunden zu haben. Wären diese Unterstützung und das Geld nicht, welches sie in dem Restaurant verdiente, um ihre Studiengebühren zu bezahlen, dann hätte Flo den Job ganz schnell wieder gekündigt. Doch Flo wollte auch nicht klein beigeben und sich von ihren Kollegen drangsalieren lassen. Sie bewies Kampfeswillen und Durchhaltevermögen, egal wie schwarz der Tag auch zu sein schien. „Für mich bitte den Zwiebelrostbraten und eine Weißweinschorle.“, bestellte eine Frau bei ihr. „Und ich kriege einmal das Rumpsteak und ein Weißbier.“, bestellte ihr Ehemann bei Flo. „Bringe ich Ihnen sofort.“, sagte Flo, die sich die Bestellung auf ihrem Zettel notierte. Anschließend überreichte sie den Zettel einer ihrer Kolleginnen hinter der Theke, die sie nur geringschätzig ansah. „Was soll das heißen?“, fragte sie, als er den Zettel begutachtete. „Das kann man ja unmöglich lesen. So miserabel schreiben eigentlich nur Jungs…“ Plötzlich tauchte Manuela auf und zog den Zettel unter ihrer Nase weg. „Ich weiß gar nicht was du hast. Das lässt sich einwandfrei lesen. Vielleicht legst du dir mal eine Brille zu, denn offensichtlich siehst du schlechter als ein Nashorn, von denen man sagt, dass sie ein sehr schlechtes Sehvermögen besitzen.“ Das hat gesessen! Die Kollegin starrte Manuela und Flo missgelaunt an, sagte aber kein weiteres Wort und widmete sich der Bestellung. „Danke.“, sagte Flo leise zu Manuela, die sie daraufhin freundlich anlächelte. „Hallo Flo.“ Flo drehte sich überrascht um. Auf einmal stand Alexander hinter ihr.
Leonas – Teil 15 Leonas war glücklich. Die Tage, in denen er sich einsam und verlassen fühlte, waren zu Ende, denn nun war Kai wieder an seiner Seite. Die Frage, ob er ihm zu schnell verziehen hat, stellte sich ihm gar nicht. Leonas war sich seiner Körperstatur bewusst und ein Gedanke ließ ihn nie los: So einen gutaussehenden Freund wie Kai würde er nie mehr wieder bekommen. Ein oberflächlicher Gedanke? Auf jeden Fall, aber Leonas Selbstwertgefühl hatte auch enorme Risse bekommen. Die Sticheleien seiner Mitschüler, die zum Teil unter die Gürtellinie gingen, setzten ihm mehr zu, als er sich selber eingestand. Wenn er sich im Spiegel betrachtete, hasste er das Bild, welches er sah. Wenn er sich auf die Waage stellte, dann meldete sich sein schlechtes Gewissen. Kai merkte zwar oft an, dass er ihn so liebte wie er war und das es nicht nur auf das Aussehen, sondern auch auf die Persönlichkeit ankam, aber Leonas Selbstwertgefühl war schon so weit zerstört, dass diese Worte im Nichts verhallten. „Hey Leonas, hörst du mir überhaupt zu?“, fragte Kai seinen Freund, als sie sich wieder einmal heimlich bei Leonas Zuhause trafen. Seine Eltern legten heute einen Wellnesstag ein, bei denen Leonas sie nicht begleiten wollte – wieder aufgrund seiner Körperstatur, obwohl er sich einredete, dass Kai der Grund sei, da er sich so natürlich mit ihm treffen konnte. Kai wollte sich noch immer nicht bei seiner Familie und seinen Freunden outen und so ging das Versteckspiel erneut weiter. „Wo bist du denn heute mit deinen Gedanken, hm?“, fragte Kai Leonas, während sie zusammen auf dem Bett saßen und Kai seinen Freund leicht von der Seite anstubste. „Wann wirst du allen erzählen, dass du schwul bist?“, platzte es aus Leonas heraus. Kais Mund stand leicht offen. Mit dieser Frage hatte er jetzt nicht gerechnet. „Bald.“, antwortete er. „Bald? Das hast du mir vor ein paar Wochen schon einmal gesagt.“, sagte Leonas unzufrieden. „Wann ist denn für dich „bald“?“ „Warum drängst du mich so. Wir sind doch gerade erst wieder zusammen gekommen. Das finde ich echt nicht in Ordnung von dir.“, meinte Kai, was Leonas zutiefst erschütterte. Jetzt war er also wieder Schuld? Das Thema wurde sofort totgeschwiegen, doch Leonas konnte sich nicht von den Gedanken befreien, dass sich Kai deshalb nicht outete, weil er sich für ihn schämte.
Moritz – Teil 19 „Du weißt, dass das verboten ist, was wir hier gerade machen?“, fragte Moritz Jacob im Flüsterton, während beide mit leisen Schritten durch die Gänge des Kinderheims schlichen. Jacob lief vorne weg, weil Moritz ein wenig Angst davor hatte, erwischt zu werden. Dennoch musste Moritz ihm den Weg weisen. Den Weg zum Büro von Herr Hendricks, in das sie jetzt einbrechen wollten. Es war kurz nach Mitternacht und alles schlief. Es war dunkel in den Gängen und nur an wenigen Stellen brannte ein kleines Licht, jedoch sehr gedämpft. „Verboten ist doch gut. Das bringt den nötigen Adrenalinkick mit ins Spiel.“, meinte Jacob, während er unaufhaltsam voranschritt, nachdem Moritz ihm sagte, dass er um die nächste Ecke biegen musste. „Und was wenn wir erwischt werden? Die könnten mich rauswerfen!“, meinte Moritz besorgt. „Ach Quatsch! Die werfen doch keinen Jungen raus, der keine Eltern mehr hat…“ Noch im selben Moment als Jacob das sagte, wusste er, dass er einen Fehler beging. Moritz war stehen geblieben und blickte Jacob erschrocken und traurig zugleich an. „Hey Mann, tut mir Leid.“, entschuldigte sich Jacob, sich seines Fehlers bewusst. „Das war dumm und unsensibel von mir…“ „Ja war es und ich trete dir gleich in den Allerwertesten.“, entgegnete Moritz. „Verdient hätte ich es…“, gab sich Jacob reumütig. „Nicht deswegen du Idiot! Geh weiter, oder wir werden wirklich noch erwischt!“, erklärte Moritz ihm, woraufhin die Beiden ihren Weg zum Büro fortsetzten. Es grenzte an ein Wunder, dass sie nicht erwischt wurden, aber schließlich schafften sie es zu ihrem Ziel, ohne entdeckt zu werden. „Wie gedenkst du eigentlich, dort hinein zu kommen?“, fragte Moritz seinen Komplizen, während er sich selbst dafür schlagen könnte, ihm diese Frage nicht schon eher gestellt zu haben. „Ach, ich kenn da ein paar Tricks.“, meinte Jacob, während sie vor der Tür standen. „Du willst mir jetzt aber nicht weismachen, du hättest rein zufällig eine Haarnadel in deiner Hosentasche, die auch noch reinzufällig die Tür aufsperrt, wie es uns in Filmen immer weisgemacht wird.“, sagte Moritz mit hochgezogenen Augenbrauen. „Pff…, sehe ich etwa so aus? Wer braucht schon eine Haarnadel, wenn er die Kreditkarte seines Vaters bei sich hat?!“ Jacob zog voller Stolz eine Kreditkarte aus seiner Hosentasche. Moritz runzelte mit der Stirn. „Wieso trägst du die Kreditkarte deines Vaters bei dir?“ „Och, die hab ich ihm vorgestern aus dem Portmonee stibitzt.“, erklärte Jacob ihm, diesmal ohne auch nur die geringsten Anzeichen von Reue zu zeigen. Und plötzlich stellte sich Moritz eine Frage: Wer war Jacob überhaupt?
Eric – Teil 16 „Als ich Levin geküsst hatte, vergas ich alles um mich herum, unter anderem auch Adam. Ich hab sogar vergessen, dass der Film zu Ende war und wir eigentlich das Kino hätten verlassen müssen.“, erzählte Eric unaufhaltsam weiter, während Dr. Böhmer ihm aufmerksam zuhörte. Es schien fast so, als hätte Eric endlich den Mut und die nötige Kraft gefunden, die ganze Geschichte zu erzählen. Sein Therapeut wollte es demnach partout vermeiden, ihn zu unterbrechen. „Inzwischen war schon die Putzkolonne aufgetaucht, um die Sessel vom Popcorn zu befreien. Wir wurden dann gebeten, den Saal zu verlassen, doch der schöne Abend war damit noch längst nicht zu Ende.“ In Eric´s Gesicht zeichnete sich ein Lächeln ab. Die Erinnerung an damals stimmte ihn glücklich. „Es war bereits dunkel und Levin und ich spazierten durch die Stadt, Hand in Hand, und sprachen über Gott und die Welt. Ich glaub mit keiner anderen Person hab ich mich jemals so gut unterhalten, wie an diesem Abend mit Levin. Eigentlich hätte ich um Zehne Zuhause sein müssen, aber ich vergaß die Zeit um mich herum, denn mit Levin fühlte sich jede Sekunde wie die Ewigkeit an. Irgendwann sah ich dann aber doch auf die Uhr und musste mich schweren Herzens von ihm trennen – aber nicht ohne einen Abschiedskuss. Die Tage darauf trafen wir uns immer öfters und alles schien bester Dinge zu sein, wenn da nicht Adam gewesen wäre. Ich traute mich nicht, ihm zu sagen, was ich wirklich für ihn empfand, geschweige denn, dass ich mich in Levin verliebt hatte. Der größte Fehler meines Lebens! Ich hatte keine Ahnung, was das für Auswirkungen auf unser aller Leben haben würde.“ „Womit wir zum Kernpunkt deines Hierseins kommen.“, sagte Dr. Böhmer, der sich nun doch zu Wort meldete. „Eric…, ich höre dir wirklich gerne aufmerksam zu, aber wir müssen jetzt über das Wesentliche sprechen. Das, weswegen du heute hier bist.“ Eric lachte, obwohl ihm nicht danach zumute war. „Ich sollte nicht hier sein. Ich sollte tot sein!“
Nils – Teil 16 Nils kletterte aus der Dusche und trocknete sich mit einem Handtuch ab, als sein Bruder an der Badezimmertür klopfte. „Hey Kleiner, bist du bald fertig. Ich muss dann auch mal rein!“ Nils band sich das Handtuch um die Hüfte und öffnete seinem Bruder anschließend die Tür. „Kannst rein, bin fertig.“, sagte er, während er sich noch schnell mit Deo einsprühte. „Sag mal, für wen machst du dich den so hübsch?“, fragte Ralf ihn breit grinsend. „Gehst du heute Abend etwa aus? Das würde ja einem achten Weltwunder gleichen.“ „Haha, du Komiker. Reinzufällig hab ich heute tatsächlich ein Date – und zwar mit dem tollsten, bestaussehensten und umwerfesten Jungen der ganzen Stadt!“, rief Nils seinem Bruder glücklich entgegen, während er sich langsam aus dem Badezimmer zurückzog. „Hey prima. Glückwunsch Kleiner!“, rief Ralf seinem kleinen Bruder ebenfalls glücklich zu. Er freute sich für Nils, für den er sich nur das Beste wünschte. „Hey, ich hab da eine Idee. Ich hab Mum und Dad erzählt, dass ich ihnen nächste Woche gerne meine neue Freundin vorstellen möchte. Wie wäre es, wenn du deinen Freund auch einlädst? Mum und Dad hätten sicherlich nichts dagegen. Das du auf Kerle stehst, hast du ihnen ja bereits verklickert, oder?“ Nils nickte. „Ja hab ich, aber findest du nicht, dass das noch ein bisschen früh wäre…?“ „Papperlapapp. Die sollen sich nicht so anstellen.“, sagte Ralf und winkte die Bedenken locker ab. „Das wird schon! Also abgemacht. Ich bring meine Freundin mit und du deinen Freund.“ „Oookay.“, sagte Nils etwas unsicher. „Also dann, gute Nacht!“ „Wie was? Gute Nacht?“, fragte Ralf nun irritiert. Nils guckte seinen Bruder mit großen Augen an und wiederholte seine Aussage: „Gute Nacht!“ Danach verschwand Nils in sein Zimmer und legte sich in sein Bett zum Schlafen, um bei wieder bei Valentin sein zu können. Ralf hingegen blieb sehr verwirrt im Badezimmer zurück.
Moritz – Teil 20 „Dafür kommen wir ganz sicher in die Jugendstrafanstalt.“, meinte Moritz, als sie es geschafft hatten, in Herr Hendricks Büro einzubrechen. „Man Moritz, du bist ja ein richtiger kleiner Schisser.“, zog Jacob ihn schmunzelnd auf, während er zugleich damit anfing, die Schubladen und Regale zu durchsuchen, um Hinweise auf Felix Verbleib herauszufinden. In einem Schrank standen unzählige Ordner, mit Daten über die Kinder in dem Heim. Zum Glück waren diese nach dem Alphabet geordnet, sonst hätten Jacob und Moritz sich schwer getan, etwas über Felix herauszufinden. So war ihnen das Glück hold und nach etwa einer viertel Stunde – die sich für Moritz aber wie eine Ewigkeit anfühlte – wurden sie fündig. „Na also.“, stieß Jacob erfreut aus, als er Felix Akte fand. „Felix Kiebitz, geboren im Jahr 2000, verlor seine Eltern mit vierzehn bei einem tragischen Autounfall. Adoptiert von Arnulf und Charlotte Brecheisen. Ja wohl, hier steht alles drin!“, rief Jacob erfreut, wohlgemerkt ein wenig zu laut. Doch ausnahmsweise störte sich Moritz nicht daran, denn als Jacob Felix` Akte laut vorlas, wurde ihm ganz flau im Magen. Felix verlor seine Eltern also ebenfalls bei einem tragischen Autounfall? Damit verband sie dasselbe Schicksal. Unweigerlich kamen Moritz die Erinnerungen an seine Eltern hoch. „Da steht auch die Adresse seiner neuen Familie drin. Oh man, dass ist ja am anderen Ende der Stadt.“ „Gut, können wir dann jetzt bitte gehen.“, brach Moritz sein Schweigen. Jacob nickte, während er sich die Adresse mit einem Filzstift auf seinem Arm notierte. Moritz schritt schon einmal voran, doch als er das Büro verließ, traf ihn der Strahl einer Taschenlampe im Gesicht.
Leonas – Teil 16 Leonas saß im Unterricht und schrieb von der Tafel ab. Seine Augen und seine Hände waren ganz dem Unterricht gewidmet, aber seine Gedanken waren einzig und allein bei Kai. Er wollte seinen Freund natürlich zu nichts drängen, aber wenn er sich nicht bald outen würde, dann sah er ihre Beziehung erneut in Gefahr. Doch würde Leonas die Kraft aufbringen, sich von ihm zu trennen? „Halt, da steht nicht Türkei, sondern Turkestan.“, sagte Sarah plötzlich neben ihm. Leonas blickte verwirrt in sein Heft, zur Tafel und wieder in sein Heft. Seine Freundin hatte Recht. Offenbar war er in seinen Gedanken so sehr bei Kai, dass er Türkei statt Turkestan schrieb. „Mensch Leonas, wo bist du denn schon wieder mit deinen Gedanken?“, fragte Sarah ihn. Leonas schwieg. Er konnte ihr nicht von ihm und Kai erzählen, auch wenn er es gerne täte. Schon öfters hat er darüber nachgedacht, wie es wohl wäre, wenn er mit seiner besten Freundin über seine Beziehung sprechen könnte. Sie hätte bestimmt ein paar hilfreiche Tipps für ihn, auch wenn sie Kai nicht ausstehen konnte. Der Tag verging und der Abend brach an. Leonas zog es vor, den Tag auf seinem Zimmer allein zu verbringen. Auf Gesellschaft hatte er heute keine Lust. Doch Kai meldete sich mit einer Nachricht bei ihm und wollte sich noch heute mit ihm treffen, also stand er auf, zog sich Schuhe und eine Jacke an und ging hinaus. Kai wartete auf ihn an ihrem geheimen Treffpunkt, einer Mountainbike-Anlage. Da heute schlechtes Wetter war, waren sie hier ganz ungestört. „Hey.“, begrüßte Kai ihn. „Danke, dass du so schnell gekommen bist. Ich hab mir Sorgen gemacht. Du warst heute so ruhig in der Schule und hast dich noch nicht einmal verabschiedet.“ „Ich bin immer ruhig in der Schule.“, warf Leonas leicht trotzig ein. „Und wieso sollte ich mich bei dir verabschieden? Um mich von deinen Kumpanen wieder anpöbeln zu lassen, wie fett ich doch sei?“ „Okay, du bist verstimmt, das verstehe ich, aber was soll ich deiner Meinung nach denn tun?“, fragte Kai ihn. „Sag es mir doch bitte Leonas.“ „Du weißt genau, was du für mich tun kannst…“, antwortete Leonas ihm. Kai wusste daraufhin nicht mehr, was er sagen sollte. Er legte seine Arme um seinen Freund und nahm ihn in die Arme. Im Trösten war er wenigstens gut. Leonas konnte Kais Herzschlag spüren und legte seine Arme ebenfalls um seinen Freund, als ihre beiden Herzen unerwartet zum Stillstand kamen. „Das glaub ich jetzt nicht.“, sagte eine Stimme. Wie aus dem Nichts stand Sarah plötzlich vor den Beiden. Ihr Mund stand offen und ihre Augen waren groß, von dem was sie da erblickte.
Flo – Teil 17 „Verflucht noch eins, was willst du hier, Alexander?“, fragte Flo wütend. Alexander blickte sich verwirrt um. „Das ist doch ein Restaurant und ich habe Hunger.“ „Und da kommst du ausgerechnet hierher? Stalkst du mich jetzt etwa?“, fragte Flo ihn erschüttert. „Du meine Güte, komm mal wieder runter. Hast du vergessen, dass ich schon einmal mit dir hier war und ich hier des Öfteren herkomme?“, erwiderte Alexander nun selbst genervt. „Ich wusste nicht, dass du hier inzwischen arbeitest. Ich denke, ich werde mir jetzt mal einen Platz suchen, denn allem Anschein nach, wird man hier nicht mehr vom Personal einem Platz zugewiesen. „Doch, doch, verständlich Sir. Verzeihen Sie bitte!“, rief Manuela, die noch immer daneben stand und alles mitangehört hatte. „Folgen Sie mir doch bitte.“ Manuela ging voran und Alexander folgte ihr. Flo blickte ihm nach. Sie glaubte nicht daran, dass er nur reinzufällig hier war, denn er hatte damals noch mitbekommen, wie sie hier nach der freien Stelle angefragt hatte. Doch wenn dem so war, was wollte er von ihr? Wollte er sie etwa noch immer zurückhaben? Er muss doch einsehen, dass er keine Chance mehr bei ihr hatte. „Hey du. Steh hier nicht so faul in der Gegend herum und verteil die Drinks.“, sagte die Kollegin hinterm Tresen. „Du glaubst wohl, du wirst hier fürs Rumstehen und Schwatzen bezahlt… Flo ignorierte die dumme Bemerkung ihrer Kollegin und nahm das Tablett mit den Getränken in die Hand. Alexander, der inzwischen einen Platz eingenommen hatte und von Manuela die Speisekarte überreicht bekam, winkte ihr schmunzelnd zu, was zur Folge hatte, dass Flo kurz unaufmerksam war, über die Handtasche eines Gastes stolperte und das Tablett zu Boden fiel. Das Klirren und Scheppern war im gesamten Restaurant zu hören. Flos Kollegen schüttelten lediglich den Kopf und sahen zu, wie Flo die Scherben vom Boden aufsammelte. Lediglich Manuela kam ihr zugleich zu Hilfe. Als Flo sich wieder erhob, konnte sie sehen, wie der Platz leer war, auf dem bis gerade eben Alexander noch gesessen war. Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken. Offenbar behielt sie Recht mit ihrer Vermutung, dass er sehr wohl wusste, dass sie hier inzwischen arbeitete. „Entschuldige mich bitte kurz.“, sagte Flo zu Manuela und rannte verängstigt zur Toilette. Sie verriegelte die Kabine, kniete sich leicht hin und fing zu Weinen an. Flo war verzweifelt, verängstigt, aber auch wütend und traurig. Sie hatte das Gefühl, keiner würde sie wirklich verstehen. Sie wusste nicht mehr wohin mit ihren Emotionen, weshalb sie nur noch einen Ausweg sah. Sie krempelte sich die Ärmel ihres weißen Hemdes hoch, dass sie für die Arbeit trug, und zog eine Glasscherbe hervor, die sie sich vorhin beim Einsammeln in die Hosentasche gesteckt hatte. Flo begutachtete die Glasscherbe zunächst, bis sie sich die scharfe Kante in ihrem Arm schnitt.
Fortsetzung folgt ... am Karsamstag, den 8.April 2023!
Jannik – Teil 18 „Verdammt, das ist doch zum Haare ausreißen!“, rief Jannik extralaut, als er an der Matheaufgabe arbeitete, dessen Lösung er zwar kannte, es aber absichtlich falsch ausrechnete. Jannik fuhr sich mit den Händen durch seine Haare, um noch verzweifelter zu auszusehen und sein Plan ging zugleich auf: Herr Kronthaler bemerkte Janniks Verzweiflung, von der er nicht wusste, dass sie nur gespielt war, und eilte zu ihm, um ihm bei der Matheaufgabe zu helfen. „Wo liegt denn das Problem?“, fragte er, als er leicht in die Hocke ging und sich Janniks bisherigen Rechnungsweg ansah. Dabei fiel Jannik erneut auf, wie groß Herr Kronthaler eigentlich war. Er war eben ein ausgewachsener Mann, aber immer noch sehr jung und unverschämt gutaussehend. „Ich krieg das einfach nicht hin, Herr Kronthaler. Egal, wie sehr ich mich auch anstrenge.“, erzählte Jannik dem Referendar jammernd. „Wenn das so weiter geht, werde ich in der nächsten Prüfung totsicher eine Sechs schreiben. Könnten sie mir nicht ein wenig Nachhilfe geben?“ Die Frage, ob die Bitte nach Nachhilfe unverschämt sein könnte, stellte sich Jannik erst gar nicht. Gestern Abend hatte er folgenden Entschluss gefasst: Sein Herz wird nicht aufhören zu pochen und egal ob richtig oder falsch, er wollte mutig sein und aufs Ganze gehen. Er wollte überprüfen, ob Herr Kronthaler eventuell ebenfalls Gefühle für ihn hatte, so wahnwitzig das auch klingen mag. „Hm…, jetzt lass uns erstmal sehen, ob du das nicht doch noch hinkriegst.“, meinte Herr Kronthaler. „Wenn Sie mir helfen bestimmt.“, sagte Jannik und lächelte Herr Kronthaler dabei schmeichelnd an. Zu seiner Freude, reagierte Herr Kronthaler darauf, indem er leicht rot im Gesicht wurde. Jannik´s Plan schien Früchte zu tragen. Jetzt gab es für ihn erst recht kein Halten mehr.
Leonas – Teil 17 „Sa-Sarah, du hier, ich… also wir…, was machst du hier?“, fragte Leonas seine Freundin überrascht. Er und Kai waren aufgeflogen, was auch Kai zur Kenntnis nahm, der sofort einen Meter Abstand von Leonas nahm. Leonas Augen waren zwar auf Sarah gerichtet, aber er nahm dennoch Kenntnis davon, was ihn unfreiwillig traurig stimmte, obwohl Kais Reaktion vorhersehbar war. „Ich bin dir gefolgt, du Dussel!“, antwortete Sarah ihrem Freund schockiert und wütend. „Du verhältst dich seit Wochen eigenartig und da du mir immer ausweichst, wenn ich dich nach dem Grund frage, wollte ich der Sache selber nachgehen. Ich hab zwar geahnt, dass dein seltsames Verhalten etwas mit Kai zu tun haben muss – TürKEI lässt grüßen – aber eher aufgrund des Mobbings und nicht DESWEGEN! Was muss ich da sehen? Ihr umarmt euch freundschaftlich? Seid ihr etwa Freunde? Wieso weiß ich davon nichts?“ Sarah schien zunehmend verwirrt zu sein, doch schien sie nicht die ganze Wahrheit zu kennen. „Wieso bist du mit jemanden befreundet, der dich den ganzen Tag in der Schule disst? Was für eine kranke Scheiße läuft hier eigentlich ab?!“ Leonas blickte Hilfe suchend zu Kai, der ganz bleich im Gesicht war und sich im Hintergrund bedeckt hielt. Vermutlich auch besser so, denn Sarah fuchtelte fuchsteufelswild mit ihren Armen rum, als würde sie ihm am liebsten jeden Knochen einzeln brechen. „Wir sollten es ihr sagen – alles!“, meinte Leonas schließlich, doch Kai schüttelte zaudernd den Kopf. „Ich muss Kai, bitte! Sie ist meine beste Freundin!“, flehte Leonas ihn nun an, der die Wahrheit nicht mehr länger verbergen konnte. „Oha, beste Freundin? Ich bin mich nicht sicher, ob wir das noch sind.“, sagte Sarah mit erhobenen Zeigefinger. Sie war nicht nur wütend, sondern auch sichtlich enttäuscht. „Hm na gut, aber trotzdem solltest du wissen, dass Kai und ich mehr als nur Freunde sind.“, sagte Leonas, woraufhin Sarah ihre Augen zusammenzog. „Ich liebe Kai und er liebt mich!“ Endlich hatte Leonas die ganze Wahrheit ausgesprochen und es fühlte sich wie ein Befreiungsschlag an. Sarah jedoch fielen beinahe die Augäpfel aus dem Kopf. „Oh wo ist ein Fels, ich muss mich setzen.“, sagte sie und suchte fieberhaft nach einer Sitzmöglichkeit. „Ich glaube, jetzt ist mir schlecht.“ Leonas verzog leicht die Mundwinkel, während Kai wieder einen Schritt näher an ihn herantrat und seine Hand auf Leonas Schulter legte. Dafür war Leonas sehr dankbar, aber vor allem freute es ihn, dass Kai nicht wieder die Flucht ergriff. Doch was würde jetzt geschehen?
Nils – Teil 17 „Ralf möchte unseren Eltern seine Freundin vorstellen und zeitgleich meinen Freund kennenlernen. Ich finde das ist gar keine so schlechte Idee. Meine Eltern haben bislang noch an jeder Freundin meines Bruders was auszusetzen gehabt. Wenn Ralf also ihnen seine Freundin vorstellt, dann stehst du nicht so sehr im Mittelpunkt.“, sagte Nils, der Valentin über das geplante Essen informierte. „Was ist aber, wenn ich gerne im Mittelpunkt stehe?“, fragte Valentin bittersüß, während er seinen Arm um Nils legte und anfing, ihn leidenschaftlich zu küssen. Nach dem Kuss sagte Nils zu ihm: „Wenn das so ist, dann werde ich meinen Eltern erzählen, wie gut du im Küssen bist. Das wird sie umhauen!“ „Definitiv.“, stimmte Valentin zu und beide fingen zu lachen an. „Also kommst du zum Essen?“, harkte Nils nach, bevor er sich wieder von ihm verabschiedete. „Ich werde da sein.“, antwortete Valentin, ehe Nils seine Augen öffnete. Für ihn fühlte es sich jedoch so an, als wäre er nach Hause und irgendwann ins Bett gegangen. Er war sehr froh darüber, dass Valentin zu dem Essen zugesagt hatte und hoffte sehr, dass seine Familie ihn mochte. Als er am Nachmittag auf seinen Bruder traf, überbrachte er ihm zugleich glücklich die Nachricht. „Valentin kommt, aber wehe du bist nicht lieb zu ihm.“ „Hey, ich bin so lieb wie ein Teddybär, außer man knuddelt mich zu fest, dann könnte es passieren, dass ich mich unwohl fühle und werde zum Monsterbär!“, rief Ralf seinem kleinen Bruder lachend zu. Anschließend bereiteten sich beide auf das geplante Essen für heute Abend vor, während ihre Mutter bereits in der Küche stand und Gemüse schnippelte, um ein vorzügliches Menü vorzubereiten. Keiner ahnte, dass der Abend für so manche Überraschung sorgen würde!
Moritz – Teil 21 Moritz rutschte vor Schreck beinahe sein Herz in die Hose. Eine Taschenlampe blendete ihn, so dass er mit seinen Augen zunächst nicht erkennen konnte, wer vor ihm stand. Tatsache war jedoch, dass sie erwischt worden waren und ihnen nun sicherlich Ärger drohte. Moritz und Jacob hatten sich nicht nur unerlaubten Zutritt zum Büro von Herr Hendricks verschafft, Moritz hatte auch noch einen fremden Jungen Zutritt ins Kinderheim gewährt. Doch das Glück war auf ihrer Seite. Moritz erholte sich von dem Schreck, als er sah, wer vor ihm stand. Es war Lara! „Was treibst du hier mitten in der Nacht?“, fragte sie, als sie das Licht ihrer Taschenlampe von seinem Gesicht abwandte und gegen eine Wand leuchtete. „Oh äh, hi Lara.“, reagierte Moritz perplex, als auch schon Jacob den Flur betrat. „Wer ist das? Jedenfalls keiner aus dem Kinderheim.“, stellte Lara fest, als sie Jacob erblickte. „Guten Abend Gnädigste.“, begrüßte Jacob sie ganz ungeniert und galant, während er so tat, als würde er seinen Hut vor ihr ziehen. „Verzeihen Sie, aber Sie haben uns bei unserem gemeinsamen Rendezvous gestört.“ „Daaas im Büro von Herr Hendricks stattfand?“, fragte Lara skeptisch. Offenbar fand sie den Austragungsort des Rendezvous ungewöhnlicher, als dass es zwei Jungs waren, die es vollzogen. „Na wie auch immer. Keine Sorge, ich verpetz euch nicht, wenn ihr es auch nicht tut.“ „Dich verpetzen?“, fragte Moritz sie nun. „Genau. Ich hatte noch Heißhunger auf einen Joghurt. Da hab ich mich heimlich in die Küche geschlichen, um einen zu stibitzen und zu vernaschen.“, erklärte Lara sich. „Keine Sorge Gnädigste, unsere Münder sind versiegelt, wie ein Tresor auf einer Bank.“ „Na da kann ich ja beruhigt zu Bett gehen. Gute Nacht!“, sagte Lara, die zugleich wieder verschwand. Moritz blickte ihr nach wie vor perplex hinterher. Hatte es dieses Aufeinandertreffen gerade wirklich gegeben? „Los gehen wir. Bevor wir doch noch erwischt werden.“, sagte Jacob und die Zwei eilten leise zurück auf Moritz Zimmer. „Oh man, dass sollten wir irgendwann einmal wiederholen.“ „Danke, aber ich kann gut und gerne drauf verzichten.“, sagte Moritz, dessen Herz noch immer schneller schlug, von der Anspannung der letzten Minuten. „Was planst du nun als nächstes?“ „Ist das nicht sonnenklar?“ Jacob blickte Moritz verdutzt an und zeigte ihm daraufhin die Adresse, die er sich auf seinem Arm notiert hat. „Ich gehe dorthin und hole Felix zurück!“
Jannik – Teil 19 Jannik hätte es für unmöglich gehalten, wenn er es nicht selbst erlebt hätte. Der Mann, für den er bereits seit Wochen schwärmte, erklärte sich dazu bereit, ihm Nachhilfe zu geben. Nicht die Art von Nachhilfe, die sich jetzt jeder dachte. Es geht hier ausschließlich um die schulischen Leistungen… naja fast jedenfalls. „ Ha-Hallo Herr Kronthaler.“, begrüßte Jannik den Referendar, als dieser am vereinbarten Nachmittag vor seiner Haustür stand. Jannik konnte es noch immer kaum glauben, dass Herr Kronthaler just in diesem Augenblick sein Haus betrat und er ganz mit ihm allein war. „Darf ich Ihnen etwas zum Trinken anbieten, Herr Kronthaler?“, fragte Janniks Mutter ungeniert, als sie den Lehrer ihres Sohnes zur Begrüßung die Hand reichte und ihm einen Platz am Küchentisch anbot. Oh, sagte ich gerade, dass Jannik allein mit Herr Kronthaler war? Nun ja… fast zumindest! „Mum.“, sagte Jannik. Er wollte nicht unhöflich erscheinen, aber in seinen Augen war gerade eine Person zu viel in der Küche anwesend. „Mum, wolltest du heute nicht zu Großvater fahren?“ „Ja, will ich immer noch, aber warum die Eile? Willst du mich loswerden?“, entgegnete Janniks Mutter, der die Anspannung und Nervosität ihres Sohnes nicht entgangen war. Wüsste sie jedoch, dass ihr Sohn Gefühle für seinen Lehrer, wenn dieser auch noch sehr jung war, entwickelt hatte, dann würde sie ihn keinesfalls mit ihm allein lassen. „Na gut, ich fahr jetzt.“, sagte sie nachgiebig. „Dann könnt ihr ungestört lernen. Es ist wirklich ausgesprochen nett von Ihnen Herr Kronthaler, dass sie ihre Freizeit für meinen Sohn opfern. Er ist wirklich ein kluger Junge, nur manchmal etwas unbeholfen und unsicher. Ach und wenn Sie mit Mathematik fertig sind, könnten Sie ihm vielleicht noch ein wenig bei Physik weiterhelfen?“ Jannik schloss die Augen und wünschte, seine Mutter würde endlich gehen. „Im Übrigen ist ihr weißes Hemd wirklich lupenrein. Könnten Sie ihre Frau fragen, welches Waschpulver sie bevorzugt? Die Hemden meines Mannes werden nie so sauber!“ „Mum, bitte!“, rief Jannik, dem die Situation sichtlich peinlich wurde. Herr Kronthaler jedoch schien sehr vergnügt zu sein und Gefallen an Janniks Mutter gefunden zu haben. „Tut mir Leid Frau Schuster, aber ich bin alleinstehend.“ „Ist nicht wahr. Ein Mann, der so fabelhaft aussieht wie Sie?!“, gab Janniks Mutter überrascht von sich. Jannik beugte sich nach vorne und schlug seinen Kopf auf die Tischplatte. So hatte er sich den Nachmittag ganz sicherlich nicht vorgestellt. Es sollte leider auch noch fünf Minuten so weiter gehen, ehe seine Mutter doch endlich aus dem Haus war. Immerhin ein Gutes hatte die ganze Situation von gerade eben: Jannik wusste jetzt, dass Herr Kronthaler definitiv keine Freundin hatte!
Nils – Teil 18 Nils fieberte dem Abend ungeduldig entgegen. Es sollte der erste Abend sein, an dem sein Bruder seine neue Freundin der Familie vorstellte. Ebenso war es aber auch der erste Abend, an dem Nils einen Jungen zu sich nach Hause einlud und ihn ebenfalls seiner Familie als Freund vorstellte. Nils hoffte nur, dass nichts schief ging, aber vor allem hoffte er, dass seine Familie, allen voran sein großer Bruder, Valentin mochte. Nils stand noch im Badezimmer und richtete sich her, als er das Auto seines Bruders in der Einfahrt vorfahren hörte. Wie es sich nämlich für einen Gentleman gehörte, hatte er seine Freundin von zu Hause abgeholt. Kurz darauf hörte er die Haustür ins Schloss fallen und seine Mutter lauthals jubeln. „Oh, es ist so schön, dass wir uns endlich einmal kennenlernen. Mein Ralfi hat uns schon so viel von dir erzählt. Für mich? Oh Dankeschön, das ist aber sehr lieb von dir! Kommt rein, kommt rein, dass Essen ist in wenigen Minuten fertig.“ Ralfi. Na da freute sich sein großer Bruder bestimmt darüber, dass ihre Mutter ihn in Anwesenheit seiner neuen Freundin so nannte. Typisch Mütter! Nils war schließlich für das bevorstehende Dinner gewappnet und begab sich langsam nach unten. Ralf hatte sich mit seiner Freundin ins Wohnzimmer zurückgezogen, wo auch ihr Vater Bekanntschaft mit der neuen Freundin machte. Nils warf einen kurzen Blick in die Küche. Auf dem Herd stand ein Topf, aus dem es köchelte. Der Tisch war gedeckt und seine Mutter war gerade dabei, ein Strauß bunter Blumen in eine Vase zu stecken und diese anschließend auf den Fenstersims zu stellen. Die Blumen musste sie von Ralfs neuer Freundin erhalten haben. Ob Valentin auch etwas mitbringt? Er selber hatte gar nicht daran gedacht. Einen guten ersten Eindruck hinterließ das bestimmt. Nils sah auf die Uhr. Valentin sollte auch langsam hier sein. Nils beschloss, vor der Haustür auf ihn zu warten, doch als er die Straße rauf und runter sah, konnte er ihn nicht erspähen. „Hey kleiner Bruder. Darf ich dir meine Freundin vorstellen?“ Ralf stand plötzlich mit seiner Freundin hinter Nils. „Oho wow, du hast dich aber sehr fein rausgeputzt. Mein lieber Schwan!“, stellte Ralf fest, als er Nils mit Anzug und Fliege erspähte. Dazu top gestyltes Haar und der angenehme Duft nach Pfirsich. „Nils das ist meine Freundin Sarah. Sarah, das ist mein kleiner Bruder Nils.“ Nils reichte der Freundin seines Bruders die Hand, doch kam er nicht umhin zu glauben, dass er sie bereits irgendwo einmal gesehen hatte. Sein Blick schien ihn zu verraten, denn Sarah sprach ihn darauf an. „Wir kennen uns im Grunde genommen sogar schon.“ Ralf schien sich gar nicht weiter daran zu stören. Stattdessen sagte er: „Man Nils, ich hoffe dein Valentin weiß zu schätzen, was er an dir hat.“ Nils lächelte, doch ein weiterer Blick zur Uhr gab ihm Anlass zur Sorge, dass Valentin zu spät kam.
Felix – Teil 20 „Ausgezeichnet! Blendend! Der Anzug sitzt wirklich maßgeschneidert.“, sagte Charlotte Brecheisen stolz, als Felix den Anzug für die bevorstehende Hochzeit anprobierte. Es war ein weiß schimmernder Anzug mit schwarzer Krawatte. In der Hose zwickte es ein wenig, aber sonst fand sich Felix selbst ausgesprochen ansehnlich, was ihn selber überraschte. Er betrachtete sich im Spiegel und kam nicht umhin zuzugeben, dass der Anzug ihm gut stand. Sein schwarzes Haar und seine dunkelblauen Augen harmonierten ausgesprochen gut mit dem Anzug. „Du wirst einen zauberhaften Bräutigam abgeben.“, meinte Frau Brecheisen entzückt. „Ja…, danke für den Anzug.“, sagte Felix doch leicht beschämt, weil die Familie Brecheisen so viel Geld für ihn ausgab. „Madam.“ Butler Clément betrat den Saal. „Die Floristin wäre soeben eingetroffen.“ „Wunderbar!“, rief Frau Brecheisen fröhlich. „Felix, sei bitte so gut und zieh den Anzug dann wieder aus. Wir wollen schließlich nicht, dass er irgendwelche Flecken abbekommt. Ich muss zur Floristin, um mich mit ihr über die Blumengestecke auf der Hochzeit zu unterhalten.“ Frau Brecheisen und Clément verließen den Saal wieder und Felix betrachtete sich noch ein letztes Mal im Spiegel. Von dem Jungen aus dem Waisenhaus war optisch betrachtet nicht mehr viel übrig. Schließlich zog Felix den Anzug wieder aus und gerade als er lediglich in seiner Unterwäsche im Saal stand, öffnete sich die Tür aufs Neue und Lucas betrat pfeifend den Raum. „Uuuh, sexy, sexy!“ „Sehr witzig. Hast du schon einmal was von Anklopfen gehört?“, fragte Felix ihn genervt. Lucas rollte mit den Augen und ignorierte die Frage. „Kaum zu glauben, dass du bei der ganzen Schmierenkomödie mitmachst. Dir ist schon bewusst, dass meine Eltern dich nur deshalb adoptiert haben, weil sie nicht wollen, dass ich einen Jungen heirate. Du warst der einzige schwule Junge in dem Kinderheim. Sobald die Hochzeit aber vorüber ist, werden sie dich abstoßen, wie einen räudigen Hund. Vertrag hin oder her. Meine Eltern finden einen Weg.“ „Danke für dieses beschauliche Bild in meinem Kopf.“, gab Felix ironisch zurück. „Du sagtest, deine Eltern wollen nicht, dass du einen Jungen heiratest? Da stellt sich mir aber die Frage, ob du nicht dennoch auch schwul bist und dir deine Eltern es nur verbieten, so zu sein, wie du bist.“ Felix blickte Lucas eindringlich an. Seine Worte brachten Lucas leicht aus der Fassung.
Damian – Teil 21 Seitdem Damian seinem Freund die ganze Wahrheit über ihn und seinen Bruder erzählt hatte, herrschte eisernes Schweigen zwischen den Beiden. Es hatte zwar nicht den Anschein, als wäre Timo sauer oder enttäuscht, aber Damian blieb es nicht verborgen, dass sein Freund ihm aus dem Weg ging. Das jedoch bereitete Damian fast noch mehr Sorgen. Er hätte es verstanden, wenn Timo wütend sei und ihn angeschrien hätte, dass er jetzt aber so gar kein Wort mehr mit ihm wechselte, passte rein gar nicht zu ihm. Timo war im Grunde genommen ein Mensch, der immer gerade heraus sagte, was er dachte und fühlte. Ein „Guten Morgen“ und „Es ist noch Kaffee für dich in der Kanne“ war jedoch das höchste der Gefühle an Worten, die er momentan an Damian richtete. Nach einer Woche hatte Damian von dem Schweigen aber genug und er beschloss, die Stille selber zu durchbrechen. Timo saß gerade auf dem Balkon und las ein Buch, als Damian sich zu ihm gesellte und ihn die Frage aller Fragen stellte: „Willst du, dass wir uns trennen?“ Zuerst glaubte Damian, dass Timo ihn weiterhin ignorierte, weil dieser keinerlei Reaktion zeigte, aber dann sah Timo doch noch von seinem Buch auf und blickte Damian mit einem Blick an, den er nicht zuordnen konnte. Seine Augen waren nicht vor Hass, Wut, Schmerz oder Enttäuschung erfüllt. Sie wirkten eher sorgenvoll. „Willst du denn, dass wir uns trennen?“, gab Timo die Frage zurück. „Eigentlich hab ich dich das als erstes gefragt, aber gut, wenn du den Spieß umdrehen willst, dann lass ich das über mich ergehen.“, sagte Damian betrübt. „Ich gehöre eigentlich nicht zu denjenigen, die bei der erstbesten Beziehungskrise mit dem anderen Schluss machen. Nur in unserem Fall dauert diese Krise nun schon längere Zeit an, auch wenn ich mir das lange nicht eingestehen wollte.“ „Du sprichst von unserer offenen Beziehung?“, harkte Timo nach und legte sein Buch nun ganz zur Seite. „Ich hab befürchtet, dass das für einen Riss zwischen uns gesorgt hat. Das war mein Fehler!“ „Naja, ganz unschuldig bin ich ja auch nicht. Ich war schließlich damit einverstanden.“, meinte Damian, um die ganze Schuld nicht bei Timo abzuwälzen. Timo beugte sich nach vorne und Damian konnte nun einen bitteren Schmerz in seinen Augen erkennen. „Es spielt keine Rolle, wer Schuld an was trägt. Das einzige was eine Rolle spielt, ist was du empfindest.“ Damian blickte seinen Freund verwirrt an. Also wurde dieser etwas präziser. „Liebst du mich noch genauso wie früher, oder liebst du nunmehr jemand anderen – nämlich meinen Bruder?!“
Fortsetzung folgt ... am Donnerstag, den 13.April 2023!
Eric – Teil 17 „Glauben Sie an Karma, Dr. Böhmer?“, fragte Eric seinen Therapeuten. „Ja doch, ich denke schon.“, antwortete Dr. Böhmer, wenngleich auch etwas unsicher. „Tja sehen Sie, ich auch.“, sagte Eric mit einem traurigen Lächeln. „Ich habe Adam betrogen und die Quittung dafür erhalten, sonst säße ich heute nicht hier. Jegliche Handlung von uns – sei es physisch oder geistig – hat Folgen. Ich glaube das Karma ereilt jeden Menschen irgendwann. In einem unachtsamen Moment fährt man über eine rote Ampel und am nächsten Tag wird man selber von einem Auto angefahren. Ein Mensch bricht irgendwo ein und bricht sich auf der Flucht das Bein. Zwei Kerle haben Geschlechtsverkehr ohne Kondome und haben hinterher AIDS. Die Liste ist lang und beliebig variierbar, aber aller Wahrscheinlichkeit geschehen gerade irgendwo auf diese Welt all diese Dinge. Vielleicht sogar in unmittelbarer Nähe. Mich hat das Karma ereilt und Menschen sind dabei zu Schaden gekommen. Ich werde den Tag nie vergessen. Den Tag des Amoklaufs, der mein Leben und das aller in meiner Schule für immer verändert hat.
Felix – Teil 21 Lucas stürmte aus der Villa, doch Felix folgte ihm. „Rennst du jetzt weg, weil ich Recht habe?“ „Nein, du hast Unrecht und ich renne nicht, ich gehe!“, widersprach Lucas, der sichtlich aufgewühlt über Felix Verdacht zu sein schien, dass er schwul sein könnte. Er stapfte über den Rasen, als wäre er ein Nashorn.., doch elegant wie eine Gazelle. Dies sah irrsinnig komisch in Felix Augen aus und er musste sich sehr zusammenreißen, nicht loszuprusten. „Wenn du weiterhin vor mir davon läufst, muss ich annehmen, dass ich mit meiner Vermutung Recht behalte.“, sagte Felix und versuchte dabei möglichst gleichgültig zu wirken. In Wirklichkeit war er aber daran interessiert zu wissen, ob Lucas tatsächlich ein Faible für Jungs hatte. Doch warum wollte er das eigentlich wissen? Felix bezog es einfach auf seine Neugier. Seine Frage schien bei Lucas einen wunden Punkt getroffen zu haben, der neben der gestutzten Hecke stehen blieb und sich zu Felix umdrehte. „Ich – bin – nicht – schwul!“ Felix fand es irgendwie knuddelig, wie Lucas reagierte und konnte nicht widerstehen, ihn damit aufzuziehen. „Und – wieso – betonst – du – das – dann – so – langsam?“ Endlich konnte Felix Lucas all die Gemeinheiten heimzahlen, die er ihm die letzten Wochen zukommen lassen hat. „Wenn du nicht augenblicklich damit aufhörst, dich über mich lustig zu machen, dann… dann…“ Lucas drohte Felix und bohrte seinen rechten Zeigefinger in dessen Brust. Kurz darauf zog er seinen Finger jedoch zurück, als ob die körperliche Nähe ihm unangenehm wäre. „Was dann, hm?“, fragte Felix weiterhin interessiert. „Willst du mir dann wieder Haarfärbemittel ins Shampoo mischen, oder mich auspeitschen lassen? Ich steh weil nicht so auf BDSM!“ Lucas schüttelte irritiert den Kopf und Felix fügte daraufhin hinzu. „Das ist die Bezeichnung für Leute, die eher auf härtere Dinge beim Sex stehen. Unter anderem trägt man dabei ein Halsband und…“ „Halt die Klappe, ich weiß selber was BD…“ Lucas hielt peinlichst berührt inne. „…SM?“ „Ja genau! Ich weiß, was das ist und ich bin nicht schwul!“, schrie Lucas Felix nun an. „Okay.“ Felix erhob ergebenst seine Hände in die Höhe. „Schade eigentlich. Du siehst sehr gut aus und bist bestimmt ein guter Küsser. Nur dein Charakter ist der eines Teufels, aber auch das kann auf den ein oder anderen Kerl sehr anziehend wirken…“ Felix wurde mit einmal Mal stumm, denn Lucas ließ das nicht auf sich sitzen und stürzte sich auf ihn.
Damian – Teil 22 Damian konnte Timo keine Antwort darauf geben, ob er sich in dessen Bruder verliebt hatte. Genauso wenig konnte er ihm eine Antwort darauf geben, ob er ihn noch genauso wie früher liebte. Er versuchte die Antwort in seinem Kopf zu finden, aber egal wie sehr er sich auch anstrengte, er kam zu keinem Ergebnis. Timo wandte sich leicht enttäuscht von ihm ab. Damian wollte wieder einen klaren Kopf bekommen und verließ kurz darauf die Wohnung. Er setzte sich in sein Auto und fuhr los. Die Sonne ging langsam unter und die Lichter der Laternen gingen an. Während Damian ziellos durch die Stadt umherirrte, hörte er Musik aus dem Radio. Die Band „Kansas“ war jetzt gerade genau das richtige. Eine Schnulzenballade á la „Titanic“ hätte er jetzt absolut nicht vertragen. Zehn Minuten später folgten die Nachrichten aus dem Landkreis. „Achtung! Der Geisterfahrer, der unser Landkreis schon seit längerer Zeit unsicher macht, wurde heute Abend wieder gesehen. Sollten Sie Hinweise auf dessen Verbleib haben, lassen Sie es die Polizei bitte wissen. Geben Sie bitte besonders Acht, wenn Sie heute Abend zu Fuß, mit dem Auto, oder einem anderen Verkehrsmittel unterwegs sind. Trotz alledem wünschen wir Ihnen auch weiterhin eine gute Fahrt!“ Damian schaltete das Radio ab. Marcus oder Timo? Damian wusste, dass er sich entscheiden musste, auch wenn es ihm missfiel. Timo war seine erste große Liebe. Er lernte ihn bereits in der ersten Woche auf der Uni kennen und es war Liebe auf den ersten Blick – zumindest von seiner Seite aus. Timo wirkte anfangs distanziert, taute aber zunehmend auf und irgendwann schien es dann auch um ihn geschehen zu sein und die Beiden kamen zusammen. Bei Marcus wiederum was das ganz anders. Es war keine Liebe auf den ersten Blick, sondern lediglich ein One-Night-Stand. Und wäre er nicht Timos Bruder, hätten sie sich womöglich nie mehr wiedergesehen. Doch irgendwie kam alles ganz anders. Damian hätte mit Marcus auch niemals geschlafen, hätte es die offene Beziehung nicht gegeben, die Timo ihm damals vorschlug. Das alles war eine Reihe von unvorhergesehenen Verkettungen, die nun dazu führten, dass Damian nicht mehr wusste, was er denken und fühlen sollte. Fühlen… Damian fuhr langsamer, denn er begriff, dass seine Entscheidung nicht auf eine Kopfsache beruhte, sondern eine Angelegenheit des Herzens war. Fünfzehn Minuten später: „D-Damian.“, gab sich Marcus überrascht, als er die Tür öffnete. „Hey Marcus.“, sagte Damian nervös. „Darf ich bitte reinkommen? Ich muss mit dir reden!“
Jannik – Teil 20 „Ich muss mich für meine Mutter entschuldigen. Sie ist normalerweise nicht so… nervtötend...“, erklärte Jannik dem Referendar, fügte aber dennoch hinzu: „… doch eigentlich schon ein wenig.“ „Du, kein Thema. Deine Mutter scheint ja wirklich eine sehr nette Frau zu sein.“, sagte Herr Kronthaler, während Jannik langsam sein Matheheft aus seiner Schultasche herauskramte. „Also wollen wir beginnen? Ich hab in einer Stunde noch einen Termin, den will ich nicht versäumen.“ „In einer Stunde schon?“, fragte Jannik verblüfft. Herr Kronthaler lachte leicht. „Ich bin hier um dir Nachhilfe zu geben, nicht um Babysitter zu spielen.“ Diese Bemerkung stieß bei Jannik leicht säuerlich auf. „Ich bin kein Baby mehr! Ich bin schon 15!“ „Oooh, dann bist du ja schon beinahe erwachsen.“, sagte Herr Kronthaler mehr scherzhaft. „Sie machen sich über mich lustig…“, sagte Jannik gespielt traurig, doch im Innersten fühlte er sich von Herrn Kronthaler tatsächlich nicht ernst genommen. Musste man erst achtzehn, also volljährig sein, um von den Erwachsenen ernst genommen zu werden? Herr Kronthaler lächelte Jannik an, woraufhin dieser ihm nicht böse über seinen Scherz sein konnte. Ohnehin würde er Herrn Kronthaler vermutlich alles verzeihen, solange er in seiner Nähe bleiben konnte. Nach dem spaßigen Geplänkel gingen die Beiden zu den Matheaufgaben über. Dabei kam Herr Kronthaler Jannik so nah wie noch nie, was diesen über alle Maßen erfreute. Jannik suchte absichtlich den Körperkontakt und streifte seinen Arm gegen den von Herrn Kronthaler. Zwar glaubte er, dass dieser für einen kurzen Moment zurückzuckte, aber Herr Kronthaler rückte nur mit dem Stuhl noch etwas näher. Der kurze Anflug von Unsicherheit bei Jannik verschwand schnell wieder. „Darf ich Ihnen noch ein Glas Wasser bringen, Herr Kronthaler?“, fragte Jannik nachdem die Stunde beinahe rum war und sie mit den Matheaufgaben auch so gut wie fertig waren. „Danke nein, ich muss gleich los!“, antwortete Herr Kronthaler. Doch Jannik ignorierte dessen Antwort. „Aber Sie müssen doch Durst haben. Ich schenk Ihnen noch einmal nach.“ Jannik füllte das leere Glas mit Leitungswasser und begab sich zurück an den Küchentisch. Er tat so, als würde er ins Stolpern geraten und verschüttete das Glas Wasser auf Herrn Kronthalers weißem Hemd. Zugegeben, ein durchtriebener Plan, aber der Zweck heiligte die Mittel. „Oh ich Tollpatsch. Das tut mir wirklich sehr Leid, Herr Kronthaler!“, entschuldigte sich Jannik bei seinem Referendar und holte schnell ein Geschirrtuch, mit dem er das nasse Hemd von Herrn Kronthaler zu trocknen versuchte. „Lass doch Jannik, ist doch nur Wasser.“, sagte Herr Kronthaler mit erhobenen Händen, dem Janniks Suche nach Körperkontakt nun nicht mehr entging und in eine Abwehrhaltung überging. Er wusste genau, was auf dem Spiel stand. Doch da war es bereits zu spät. Jannik beugte sich ganz schnell vor und gab Herrn Kronthaler einen Kuss auf die Lippen.
Nils – Teil 19 Familie Tannenlöh saß am Esstisch und wartete auf den letzten Gast, der bisher noch nicht erschienen war. Nils wurde allmählich ungeduldig. Er hatte mit Valentin vereinbart, wann er hier sein musste, doch nun betrug seine Verspätung schon schlappe zwanzig Minuten. Es war sehr still in der Küche, die nur von Ralfs knurrendem Magen unterbrochen wurde. „Boah, ich würde sagen wir fangen jetzt an. Ich hab Hunger! Außerdem wird das gute Essen kalt.“ „Lass uns doch bitte noch fünf Minuten warten.“, sagte Nils niedergeschlagen. „Das hast du vor fünf Minuten schon gesagt und fünf Minuten vor fünf Minuten ebenso…“, entgegnete Ralf nun leicht genervt. „Kommt dein Freund nun, oder nicht.“ „Ich hab ja versucht ihn zu erreichen, aber er geht nicht ran.“, meinte Nils und hob zum Beweis sein Handy hoch. Ralf streckte seinen Arm aus und griff nach dem Handy. Nils protestierte lauthals und es herrschte ein kurzes Handgemenge über dem Esstisch, was aber schnell von ihrem Vater unterbunden wurde. Ralf rief Valentin nun selber an, doch als es hieß, dass diese Nummer nicht belegt sei, war Ralf zunehmend verwirrt. „Sicher, dass das die richtige Nummer ist? Die existiert anscheinend gar nicht.“ Nils schnappte erneut nach seinem Handy und entriss es seinem Bruder. „Verdammt. Natürlich bin ich sicher!“, schnauzte er seinen großen Bruder an. „Er kann vermutlich nur nicht rangehen…“ „Nils, bitte mäßige deinen Ton!“, ermahnte ihn seine Mutter. „Man Kleiner, du wirst immer sonderbarer.“, sagte Ralf kopfschüttelnd und widmete sich folgend seiner Freundin. „Los Schatz, wir fangen jetzt einfach an.“ In Nils kochte es. Er erhob sich von seinem Platz und sah seinen großen Bruder wütend an. „Du bist ein Idiot! Ich bin nicht sonderbar! Das ist Valentins Nummer. Glaub doch was du willst.“ Ralf versuchte seinen Bruder zu ignorieren, was nur bedingt funktionierte. „Weißt du was ich glaube? Deinen Valentin gibt es gar nicht. Du hältst uns hier alle nur zum Narren. Du sagst du hast ein Date mit deinem Freund und gehst anschließend zu Bett? Das macht doch überhaupt gar keinen Sinn!“ Nils hatte genug gehört. Er verließ die Küche, ja gar das Haus. Er wollte einfach nur noch weg. Ralf schüttelte bedenklich den Kopf und rannte ihm hinterher. „Jetzt bleib schon stehen!“ „Valentin existiert!“, schrie Nils, ohne sich zu seinem Bruder umzudrehen. „Es ist mir egal, was du oder alle anderen glauben. Valentin ist mein Freund und wir werden auf ewig zusammen bleiben!“ Und jetzt lass mich in Ruhe. Ich hasse dich!“, schrie Nils und rannte unbedacht auf die Straße. „Nils, warte bitte. Es tut mir Leid.“, sagte Ralf, als er ein herannahendes Auto sah, dass direkt auf Nils zusteuerte. „Nils halt. Geh von der Straße runter!“, schrie Ralf, doch es war bereits zu spät. Das Auto traf Nils mit voller Wucht. Nils flog über die Motorhaube und landete blutend auf dem Teerbelag.
Fortsetzung folgt ... am Samstag, den 15.April 2023!
Jannik – Teil 21 Jannik musste sich leicht auf Zehenspitzen stellen, um Herrn Kronthaler auf den Mund zu küssen, da dieser etwas größer und Jannik noch nicht vollends ausgewachsen war. Doch das kümmerte Jannik herzlich wenig, war er doch endlich am Ziel seiner Träume angelangt. Er küsste Herrn Kronthaler! In diesem einen – wenn auch sehr kurzen – Moment, war Jannik glücklicher denn je. Doch er sollte alsbald begreifen, dass jedes Glück nur von kurzer Dauer war. Herr Kronthaler war es schließlich, der den Kuss abrupt abbrach. Jannik glaubte aber, nein er wusste ganz genau, dass der Referendar seinen Kuss erwiderte. Herr Kronthaler wirkte leicht blass im Gesicht und seine Augen waren so groß wie Tennisbälle. Zuerst wirkte er sprachlos, bis er doch noch ein paar Worte aus sich herausbrachte: „Das hättest du nicht tun dürfen, Jannik.“ „Warum nicht? Sie wollten es doch genauso. Geben Sie es zu!“, entgegnete Jannik verliebt lächelnd, während er keinerlei Reue empfand. „Nein. Das wollte ich nicht…“, meinte Herr Kronthaler, der nun dabei war, das Haus zu verlassen. „Jetzt warten Sie doch bitte!“, rief Jannik ihm in der Küche hinterher, als Herr Kronthaler schon zur Tür eilte. „Ich weiß, ein Schüler und ein Lehrer sollten nicht so eng miteinander vertraut sein. Glauben Sie, dass weiß ich nicht? Ich habe Wochen darüber nachgedacht, ob ich meinen Gefühlen Ihnen gegenüber wirklich nachgeben sollte. Ich hab mich teilweise wirklich schuldig gefühlt, aber das will ich jetzt nicht mehr. Meine Gefühle für Sie sind echt! Das ist nichts Falsches!“ „Und wie falsch das ist, Jannik.“, entgegnete Herr Kronthaler, der wütend zu sein schien, aber ob auf Jannik oder auf sich selber, war nicht so ganz klar. Vor allem aber schien er einen inneren Kampf mit sich auszufechten und Jannik wollte er ebenso wenig verletzen. „Hör bitte zu Jannik. Das was soeben vorgefallen ist, dass darf niemand erfahren! Ich bitte dich darum!“ „Ich werde es niemanden erzählen.“, sagte Jannik, der genau wusste, was für Herrn Kronthaler auf dem Spiel stand. „Aber wir werden uns doch wieder sehen oder? Nicht nur in der Schule…“ Es wirkte wie eine Drohung, die Jannik an Herrn Kronthaler richtete, aber es war gewiss nicht so gemeint. „Ich sollte jetzt wirklich gehen. Bis dann!“ Mit diesen Worten verschwand Herr Kronthaler, der in sein Auto stieg und davon fuhr. Jannik blickte ihm traurig und enttäuscht nach.
Manuela – Teil 19 „Einmal die Tortellini alla Fragola, bitte.“, bestellte ein Gast, als Manuela dessen Bestellung aufnahm. Drei Wochen arbeitete sie nun schon in dem Restaurant und inzwischen hatte sie sich gut in alles eingearbeitet und verstand sich soweit auch mit ihren Kollegen recht gut. Nur drei Dinge bereiteten ihr Sorgen: Ihre Kollegin Flo, die von den Kollegen mehr schlecht als recht behandelt wurde. Doch heute hatte sie ihren freien Tag, weshalb es ein wenig gemächlicher im Restaurant zuging. Dann die Kooperation mit der neuen Köchin Irina Moustaki, die ständig an irgendwas auszusetzen hatte. „Sind die Nudeln für dich etwa al dente?“ Na das nenne ich mal aufs Stichwort. „Wo zur Hölle hast du Kochen gelernt? Die sind labbrig und schmecken nach nichts. Lern gefälligst kochen, du Amateur!“ Manuela schüttelte genervt den Kopf, denn Irina hörte man aus der Küche bis in den Speisesaal, wo die Gäste dinierten und bereits erschrocken den Kopf schüttelten. Manuela fragte sich ernsthaft, wie lange der Chef das noch erdulden möchte, da die ersten Gäste bereits das Restaurant verließen, kaum hatten sie sich an einem Platz gesetzt und die Speisekarte studiert. Doch das sollte weniger Manuelas Problem sein, zumal es noch eine dritte Sache gab, die ihr viel mehr Sorgen bereitete: Ihre Tochter Marie! Inzwischen waren ein paar Monate seit ihrer Trennung von Roland vergangen. Marie wandte sich enttäuscht und wütend von ihrer Mutter ab und Manuela trug stets die Hoffnung mit sich herum, dass ihre Tochter das irgendwann verstehen und ihr verzeihen würde. Pustekuchen. Seit geraumer Zeit herrschte absolute Funkstille und es schmerzte Manuela wirklich sehr, dass Marie nicht mehr mit ihr redete. Doch das sollte sich womöglich heute ändern… „Manuela, dein Mann ist am Telefon!“, rief ihr ein Kollege hinterm Tresen zu. Manuela eilte zum Telefon und fragte sich, warum ihr Ex-Mann hier anrief. „Du weißt, dass Privatgespräche während der Arbeitszeit eigentlich verboten sind, also mach bitte schnell.“ Manuela nickte und nahm das Telefon entgegen. „Hallo Manuela. Ich hoffe, ich störe nicht allzu sehr, aber du musst mir einen Gefallen tun.“ „Was gibt es denn Roland?“, fragte Manuela neugierig. „Die Schule hat angerufen. Offenbar ist Marie in eine Prügelei mit einem anderen Mädchen geraten. Naja was heißt Prügelei… an den Haaren ziehen, mit den Fingernägeln kratzen und so ein Zeug eben.“, sagte Roland, woraufhin Manuela ihre Stirn in Falten legte. „Jedenfalls will die Rektorin, dass einer von uns zu ihr kommt, um sich mit ihr zu unterhalten. Da ich heute allerdings nach Dubai fliege, wollte ich dich bitten, ob du nicht eventuell…“ „Natürlich. Kein Problem.“, antwortete Manuela augenblicklich, die endlich eine Chance sah, ihrer Tochter wieder etwas näher zu kommen. Was wohl der Grund für den Streit mit dem anderen Mädchen gewesen sein mag? Manuela würde der Sache auf den Grund gehen…
Damian – Teil 23 „Ich bin überrascht, dass du hergekommen bist.“, sagte Marcus, als er Damian Zutritt in seine Wohnung gewährte. „Timo hat mir erzählt, dass er von dir und mir Bescheid weiß. Ich bin zwar ein wenig erleichtert, dass die Wahrheit jetzt endlich raus ist, aber ich hätte mir dennoch gewünscht, dass du mich vorher gefragt hättest, bevor du ihm das vor den Latz knallst. Ich wusste gar nicht, wie ich mich ihm gegenüber verhalten sollte, so schuldig hab ich mich gefühlt.“ „Tut mir wirklich sehr Leid.“, entschuldigte sich Damian, als Marcus ihn ins Wohnzimmer führte und sich beide auf die Couch setzten. „Ich hab es einfach nicht mehr länger ausgehalten. Die Last war einfach zu schwer. Ich konnte das Timo einfach nicht mehr länger verheimlichen, dafür liebe ich ihn einfach immer noch viel zu sehr…“ Marcus lächelte dezent. „Obwohl er es war, der das Unheil eigentlich erst herauf beschworen hat?“ Damian blickte Marcus erschrocken an. „Komm schon, das wolltest du doch sagen oder? Mein Bruder wollte die offene Beziehung, nicht du. Manchmal kommt er schon auf selten blöde Ideen.“ „Ihm die Schuld zu geben, würde mir gar nicht in den Sinn kommen.“, meinte Damian. „Klar, wir sind schließlich alles erwachsene Menschen und treffen unsere eigenen Entscheidungen.“, sagte Marcus. „Nur manchmal verhält sich Timo wie ein Kind, den man den Schnuller entrissen hat.“ Dieser Vergleich brachte Damian für einen kurzen Augenblick zum Lachen. „Aber es ist schön zu hören, dass du meinen Bruder noch immer so sehr liebst. Ihr habt beide Fehler gemacht, Timo ein paar mehr und umso schöner ist es zu hören, dass dein Herz noch immer für ihn schlägt.“ „Ich liebe ihn abgöttisch.“, sagte Damian, der sich bei seiner Rundfahrt durch die Stadt dessen bewusst wurde. „Dann verstehe ich aber nicht, weshalb du zu mir gekommen bist.“, sagte Marcus bedrückt. Damian wandte seinen Kopf zu Marcus und blickte ihn ratlos an. „Weil ich dich inzwischen ebenso sehr liebe und ja ich bin mir dessen sicher, denn ich hab wochenlang versucht, meine Gefühle für dich zu unterdrücken. Nur leider hat es nicht geklappt. Deswegen bin ich hier bei dir. „Oh…, das ist ja eine ziemliche Scheiße jetzt.“, sagte Marcus, was Damian insofern verstand, dass dieser ebenfalls Gefühle für ihn empfand. Marcus legte seine linke Hand auf Damians rechte Schulter und tröstete ihn ein wenig. Damian hatte sich in ein Dilemma manövriert, von dem er nicht wusste, wie er daraus wieder entkommen sollte. Marcus schien es ebenso wenig zu wissen und so saßen beide einfach stillschweigend und nachdenklich nebeneinander bis spät in die Nacht auf der Couch.
Felix – Teil 22 Lucas stürzte sich auf Felix, was bei diesem zunächst einmal eine Schockstarre auslöste. Doch es kam ein wenig anders als erwartet, denn Lucas prügelte nicht auf Felix ein, wie er es dachte, sondern küsste ihn so abrupt und unerwartet, dass beide ins Gras fielen. Lucas lag auf Felix drauf und hörte nicht auf ihn zu küssen. Felix war so überrascht, dass er ihn die ganze Zeit nur mit großen Augen anstarrte. Unbegreiflich, was hier gerade geschah! Schließlich hörte Lucas auf ihn zu küssen. Er machte aber keine Anstalten, von Felix runter zu klettern und sagte: „Und bist du immer noch der Meinung, dass der Teufel ein guter Küsser ist?!“ Felix nickte zunächst nur und das hatte seinen Grund, wie er Lucas mitteilte, als er seine Stimme wieder fand: „Ein verdammt teuflisch guter Küsser!“ Dieses Kompliment brachte Lucas zum Schmunzeln, hingegen Felix immer nervöser wurde. Eigentlich hatte er das alles nur aus Jux gesagt, um Lucas zu triezen, aber nun fühlte er sich selber wie das „Opfer“. „Ehm… wärst du dann so gut und würdest von mir runtergehen. Euer Rasen ist nicht so bequem, wie es vielleicht den Anschein hat.“ Lucas lächelte und kletterte von Felix runter. Dieser stand ebenfalls auf und klopfte sich das Gras vom Körper ab. „Eins steht fest: Du bist sehr stürmisch!“ „Du hättest mich eben nicht herausfordern dürfen.“, meinte Lucas, der nun zufrieden in die Villa zurückgehen wollte. Doch hielt er noch einmal inne und wandte sich erneut an Felix. Sein Lächeln war verschwunden und auf einmal wirkte seine Mimik eiskalt. „Das was hier gerade vorgefallen ist, bleibt aber unter uns. Wenn du meinen Eltern davon erzählst, dann macht der Teufel dir nämlich die Hölle heiß! Haben wir uns da klar und deutlich verstanden?“ Felix hatte zwar keine Angst vor Lucas, aber ein wenig eingeschüchtert war er dennoch, weshalb er erneut nickte. Lucas ging zurück in die Villa, während Felix verwirrt im Garten zurück blieb und über das soeben Vorgefallene nachdachte. Seiner Meinung nach war die ganze Familie verrückt und je schneller die Hochzeit stattfand, desto eher käme er hier raus. Er hätte nie gedacht, dass er das Kinderheim jemals so vermissen könnte... und auch seinen Freund Jacob. Was weder Felix noch Lucas jedoch wussten: Die Zwei wurden die ganze Zeit beobachtet!
Moritz – Teil 22 Moritz stand zwischen den Bäumen einer Straßenallee und wartete. Nach einiger Zeit des Wartens, lehnte er sich mit dem Rücken an einen Baumstamm und schaute sich ein wenig um. Es war Nacht und leichter Nebel zog über die Felder. Es war keinerlei Geräusch zu hören, nicht einmal das Rauschen der Blätter, oder ein Auto in der Ferne. Als ob es auf der ganzen Welt still geworden wäre. „Verdammtes Arschloch!“ Moritz drückte sich vom Baum weg und blickte einen Weg entlang, der zu einer Villa ganz in der Nähe führte. Jacob kam diesen Weg entlang marschiert und er wirkte alles andere als glücklich. „Dieser Heuchler. Dieser Abschaum. Ich hasse ihn! Los lass uns gehen.“ Jacob schritt an Moritz vorbei, zu seinem Auto, doch Moritz wollte natürlich wissen, was passiert ist. „Was ist los? Hast du Felix angetroffen?“ Jacob funkelte Moritz böse an, wobei seine Wut selbstverständlich nicht ihm galt, sondern seinem Freund, der nun offenbar in dieser Villa lebte. „Felix war da… und er hat ´nen Neuen am Start.“ Moritz empfand tiefes Mitgefühl für Jacob, wenngleich sein Herz auch einen kleinen Hüpfer machte. „Das tut mir Leid… wirklich.“ „Danke.“, sagte Jacob. „Lass uns fahren. Ich will nur noch fort von hier. Ich fahr dich zurück ins Kinderheim und dann bin ich für immer weg.“ Diese Aussage beunruhigte Moritz. Als er zu Jacob ins Auto stieg, fragte er ihn: „Für immer weg? Was soll das heißen? Kommst du denn nicht mehr zum Kinderheim?“ Moritz stellte die Frage so, dass es nicht so aussah, als würde er es sich wünschen, dass Jacob ihn besuchen kommt. Andererseits hoffte er irgendwie, dass Jacob seine Frage richtig interpretierte. „Sorry, aber kein Felix, kein Kinderheim mehr. Für mich hat sich die ganze Sache erledigt.“, antwortete Jacob und fuhr los. Die Antwort enttäuschte Moritz, doch er wollte Jacob nicht sagen, wie schade er es fand, dass er ihn nicht mehr besuchen kam. Fortan war er wohl auf sich alleine gestellt.
Fortsetzung folgt ... am Dienstag, den 18.April 2023!
Manuela – Teil 20 Manuela hielt mit ihrem Auto vor der Schule ihrer Tochter an und wollte gerade aussteigen, als Marie angerannt kam, die Autotür aufschlug und sich auf den Beifahrersitz setzte. „Fahr los!“ „Wie bitte? Marie was soll das? Ich bin hier, um mit deiner Rektorin zu reden.“, sagte Manuela, die den Autoschlüssel zog und aus dem Auto stieg. „Ich verstehe nicht, wieso du dich mit einem anderen Mädchen prügelst. Das passt einfach nicht zu dir.“, sagte sie zu ihrer Tochter, die ebenfalls wieder ausstieg. Maries Wut war noch nicht verraucht und nun keifte sie ihre Mutter an. „Du verstehst vieles nicht. Können wir jetzt fahren?!“ „Nein!“, entgegnete Manuela, die nun mit Marie im Schlepptau ins Schulgebäude zurückkehrte. Dort suchte sie auf direktem Wege das Büro der Schuldirektorin auf – Frau Kirchberger. Frau Kirchberger war eine sehr elegant gekleidete Frau mit blonden Locken. Für ihr Alter sah sie ausgesprochen gut aus, was auch einige Schüler bemerkt hatten und ihr nicht selten verliebte Blicke zuwarfen. Nur doof für alle, dass sie bereits glücklich vergeben war. „Danke, dass Sie gekommen sind.“, begrüßte Frau Kirchberger Manuela, als sie gemeinsam mit Marie das Büro betrat. Marie schien zu schmollen. Sie war wütend. Auf wen und warum, würde Manuela sicherlich gleich erfahren. „Marie, hast du mit deiner Mutter bereits darüber geredet, was heute in der Schule vorgefallen ist?“, fragte die Rektorin, doch Marie schüttelte den Kopf, während sie mit verschränkten Armen neben ihrer Mutter saß. „Nun Frau Klingenbach, Marie hatte heute während der zweiten Pause einen handfesten Streit mit einem Mädchen aus ihrer Klasse. Augenzeugen zufolge, soll sie dabei leider sehr… rabiat vorgegangen sein.“ „Das Miststück hat es verdient!“, schimpfte Marie uneinsichtig. „MARIE! Wie redest du denn? Hab ich dir beigebracht, so über andere Leute zu reden?“, fragte Manuela ihre Tochter nun wütend. Manuelas Geduldsfaden war lang, aber auch er bekam nun langsam Risse. „Jetzt erklär mir bitte endlich, warum du dich so aufführst?“ Manuela traute sich gar nicht zu fragen, aber sie musste: „Hat das was mit mir zu tun? Bitte sag schon…“ Marie verdrehte ihre Augen. „Herrgott Mum, nicht die ganze Welt dreht sich nur um dich. „Chantal hatte es einfach verdient, denn schließlich hatte sie mir den Freund ausgespannt!“ Manuela blickte verwirrt drein. „Du hattest einen Freund? Davon wusste ich ja gar nichts.“ „Es gibt viele Dinge, die du nicht über mich weißt.“, meinte Marie daraufhin. „Wie auch immer.“, brachte sich Frau Kirchberger nun wieder in die Unterhaltung mit ein. „Marie, dir muss klar sein, dass dein Verhalten inakzeptabel ist und ich dir einen Verweis geben muss. Ich tu das wirklich nur ungern, aber so sind die Regeln. Noch ein Vorfall und ich muss dich der Schule verweisen. Verstanden?“ Marie nickte stumm „Gut, dann wäre das ja geklärt.“
Leonas – Teil 18 „Ich schwöre dir, wenn Kai weiterhin in der Schule gegen dich stänkert, dann raste ich aus!“, drohte Sarah ihrem Freund Leonas, als sie sich der Schule näherten. Leonas war ein wenig unbehaglich zumute. Zwar hatte Sarah ihm sein Geheimnis verziehen und sich damit abgefunden, dass er mit dem ihr meistgehassten Typen der Schule zusammen war, aber sie machte dennoch keinen Hehl daraus, ihn auch weiterhin nicht ausstehen zu können. Leonas konnte nur hoffen, dass er sich niemals zwischen Sarah und Kai entscheiden müsste, denn er wüsste nicht, was er dann hätte tun sollen. „Das er Angst hat, verstehe ich ja sogar, aber muss er dann mit seiner Clique ständig über dich herziehen?“, fragte Sarah wütend. Ohne eine Antwort abzuwarten, plauderte sie weiter. Leonas kam eigentlich kein einziges Mal zu Wort. „Ich meine, wenn er dich wirklich liebt, dann verletzt er sich dadurch doch nur selbst, wenn er dich verletzt. Ergibt das Sinn, was ich da von mir gebe? Na auch egal. Die Schule kann echt die Hölle auf Erden sein und außer einer Sechs in Mathe und fehlendem Klopapier auf den Toiletten gibt es an der Schule nichts Schlimmeres, als gemobbt zu werden. Wenn herauskommt, dass Kai s-c-h-w-u-l ist…“, Sarah buchstabierte das Wort leise, denn sie waren nun von ihren Mitschülern umgeben und die sollten natürlich nichts spitzkriegen, „…dann war er die längste Zeit der Anführer einer Clique und der Traum aller Mädchen.“ „Außer dir…“, sagte Leonas, der auch endlich mal zu Wort kam. „Hey, jetzt da du weißt, dass Kai b-i ist – und nicht s-c-h-w-u-l wie du sagtest – vielleicht stehst du jetzt mehr auf ihn.“ Sarah starrte ihren Freund mit großen Augen schockiert an. „Na immerhin hast du ein Faible für Gay-Guys!“ „Nur damit eines mal ganz klar ist.“ Sarah rückte ihrem Freund bedrohlich auf die Pelle und drückte ihm ihren rechten Zeigefinger in seine Brust. „Ich bin nicht und werde niemals deine Schwulenmutti sein! Eher erschieß ich mich… und dich gleich mit dazu, damit ich dann nicht so alleine bin, wenn ich dafür in der Hölle lande.“ Leonas blickte seine Freundin stirnrunzelnd an. „Was? Du glaubst nicht, dass du auch in der Hölle landest? Na ich werde dich schon mit runterzerren, wenn es sein muss.“ Leonas grinste, doch als er ihr Klassenzimmer betrat, verschwand es jäh wieder.
Nils – Teil 20 „Boah, ich würde sagen wir fangen jetzt an. Ich hab Hunger! Außerdem wird das gute Essen kalt.“, sagte Ralf, Nils großer Bruder, ungeduldig, während ihm der Magen knurrte. „Lass uns doch bitte noch fünf Minuten warten.“, sagte Nils niedergeschlagen. „Das hast du vor fünf Minuten schon gesagt und fünf Minuten vor fünf Minuten ebenso…“, entgegnete Ralf nun leicht genervt. „Kommt dein Freund nun, oder nicht.“ Wie bestellt, läutete es an der Haustür und Nils Familie konnte so schnell gar nicht schauen, da war Nils auch schon zur Tür gerannt, um seinen Freund Zutritt in sein Haus zu gewährend. Zwanzig Sekunden später kam Nils mit seinem Freund in die Küche und stellte ihn der ganzen Familie vor. „Mum, Dad und Ralf, das ist mein Freund Valentin.“ Nils Lächeln breitete sich über sein ganzes Gesicht aus, als er sah, wie überrascht seine Familie über das Eintreffen von Valentin war. Dieser wirkte leicht nervös und sogar verschwitzt, dafür gab es aber einen guten Grund. „Tut mir Leid, dass ich zu spät bin, aber als ich auf dem Weg hierher war, ist mir eingefallen, dass ich doch nicht ohne einen Strauß Blumen für die Mutter von Nils hier aufkreuzen kann.“, erklärte Valentin der gesamten Familie und als er Sarah, die Freundin von Ralf sah, pflückte er noch schnell eine violette Blume aus dem Strauß heraus und fügte hinzu: „Und die ist für dich, junges Fräulein.“ „Ich glaub´s nicht…“, sagte Ralf, während sein Mund die ganze Zeit offen stand. „Dich gibt es ja wirklich!“ Nils warf seinem großen Bruder einen bösen Blick zu, doch zum Glück war wenigstens auf seine Eltern Verlass, die Valentin nun herzlich willkommen hießen. Nachdem schließlich wieder alle Platz genommen hatten, rief Ralf voller Enthusiasmus: „Prima! Jetzt lasst uns essen!“ Beim Essen beugte sich Nils` Mutter leicht zu ihrem Sohn rüber und flüsterte ihm zu: „Dein Freund ist ein richtiger Kavalier… und so gutaussehend. Den musst du behalten!“ Nils` Gesichtsfarbe nahm ein dezentes rosa an. Es freute ihn, dass seine Mutter so über Valentin dachte und er versprach ihr: „Das werde ich Mum. Valentin und ich bleiben für immer zusammen!“ Dann – als würde ein Blitz in ihr Haus einschlagen – schlug Nils die Augen auf.
Ricardo – Teil 19 „Denk immer daran. Das ist nur ein Job… mit ein wenig Spaß.“ In Ricardos Kopf hallte eine Stimme wieder, die ihn daran erinnerte, was er heute getan hatte. „Mach dich locker. Mach dich frei.“ Ricardos Anspannung schien grenzenlos, doch letzten Endes hat er sich frei gemacht… sehr sogar. „Hol einmal tief Luft… sehr schön. Wenn du dann soweit bist, fangen wir an.“ Ricardo konnte sich nicht helfen, aber er nahm jedes Geräusch im Raum wahr und sei es auch noch so klein. Das Surren der Klimaanlage, das Ticken der Uhr an der Wand und das fließende Wasser aus dem Hahn. „Das machst du sehr gut Ricardo. Jetzt lehn dich zurück…“ Ricardo stand vorm Spiegel und begutachtete sein Gesicht. Er nahm sich eine Hand voll Wasser und klatschte es sich ins Gesicht. „Lass dich einfach fallen. Entspann dich!“ Entspannen? Diese Bemerkung hatte dafür gesorgt, dass Ricardo nur noch angespannter war und sie eine Zwangspause einlegen mussten. „Befrei dich von deinen Sorgen. Denk jetzt nicht an die Menschen, die das vielleicht nicht gutheißen würden. Die verstehen das nicht. Du hast hier einen Job zu erledigen.“ Ricardo klatschte sich eine zweite Hand voll kaltes Wasser ins Gesicht und betrachtete sich ein letztes Mal im Spiegel. Was hatte er getan? „Du tust das schließlich, um Kohle zu kriegen und nebenbei hast du auch noch ein wenig Spaß…“ Komisch. Ricardo hatte sich das alles irgendwie spaßiger vorgestellt. Wobei ganz blindlings war er auch nicht. Das andere Leute im Raum sein würden, war ihm von vornherein klar, aber als ihm sein Partner vorgestellt wurde… Die Tür öffnete sich. „Na Kleiner, den ersten Tag gut überstanden?“, fragte ihn Barry Gold, einer der bestbezahltesten und angesagtesten Pornodarsteller Deutschlands. Barry Gold war natürlich nicht sein richtiger Name. Den Namen benutzte er nur in der Pornoindustrie. Seinen richtigen Namen kannte er gar nicht. Barry war so um die Mitte Zwanzig, hatte kurzes braunes Haar und hatte ideale Bodymaße. Er sah nicht so gut wie Sanchez aus, aber er war keinesfalls unansehnlich. „Dich stört´s doch nicht, wenn ich mich vor deinen Augen umziehe oder?“, fragte Barry ihn ungeniert, während er sich bereits das Shirt über den Kopf streifte und sich seine Hose abschüttelte. „Du hast von mir ja ohnehin bereits alles gesehen. Ach übrigens: Du bist wirklich gut bestückt. Kompliment!“ Ricardo wurde leicht verlegen und brachte nur ein schüchternes „Danke“ heraus. Er konnte es noch immer kaum glauben. Hatte er gerade wirklich Sex mit einem Unbekannten vor laufender Kamera?
Fortsetzung folgt ... am Donnerstag, den 20.April 2023!
Nils – Teil 21 Nils schlug seine Augen auf und blickte in das grelle Licht der Lampe, die von der Decke hing. Er versuchte seinen Kopf zu wenden, um zu erkennen, wo er sich befand, doch die kleinste Bewegung bereitete ihm Schmerzen. Seine Beine und Arme fühlten sich schwer wie Blei an. Was war nur los mit ihm? Er wollte nach Hilfe rufen, doch brachte er lediglich ein kratzendes Stöhnen von sich. „Beweg dich nicht. Bleib ruhig liegen und schon deine Stimme.“, sagte Ralf, sein großer Bruder, der neben seinem Bett auf einem Stuhl saß und sich nun über ihn beugte. „Mensch Kleiner, was bin ich froh, dass du wieder aufgewacht bist. Du ahnst gar nicht, was für Sorgen wir uns alle um dich gemacht haben.“ Nils wollte Genaueres erfahren und mit kratziger Stimme fragte er: „Was ist passiert?“ „Weißt du das nicht mehr? Du bist auf die Straße gerannt und wurdest von einem Auto angefahren. Das war dieser Mistkerl, der schon seit längerer Zeit schonungslos durch die Gegend rast, als ob die Straßen ihm gehören würden. Der Bastard ist davon gerast und hat dich einfach liegen gelassen. Dad hat sofort den Krankenwagen und die Polizei gerufen.“, erzählte Ralf ihm. „Die Ärzte haben dich lange operiert. Du hast eine gebrochene Rippe, eine Gehirnerschütterung und mehrere innere Blutungen. Mum hat die ganze Zeit nur geheult. Sie hat die Hoffnung fast schon aufgegeben, dass du es packst, aber ich hab fest daran geglaubt. Mum ist gerade draußen und spricht mit dem Oberarzt. Du wirst hier für eine sehr lange Zeit bleiben müssen. Dad ist Zuhause, da die Polizei alle Einzelheiten wissen möchte, aber er kommt nach, sobald er kann. Ich bin wirklich froh, dass du aufgewacht bist!“ Nils verstand alles was Ralf ihm erzählte, erinnerte sich aber nur Bruchstückweise an das Auto, das ihn überfahren hat. Alles ging so furchtbar schnell… Nils blickte auf sich herab. Fast sein kompletter Körper war in Gips und Verbänden gehüllt. Wäre heute schon Halloween, könnte er locker als Mumie umher wandern. Doch eine weitere Frage beschäftigte ihn sehr: „Ist er gekommen?“ „Wer? Wer soll gekommen sein?“, fragte Ralf irritiert nach. „Valentin.“, sagte Nils, der noch immer fest daran glaubte, dass Valentin wirklich real sei.
Ricardo – Teil 20 Ricardo stieg aus dem Bus. Seit längerer Zeit traf er sich endlich mal wieder mit Martin, dem Mann, mit dem alles angefangen hatte. Zuerst war es nur ein harmloses Fotoshooting, doch zuletzt kam er in den „Genuss“ einen Porno zu drehen. Zugegeben, ganz wohl war ihm nicht dabei, dennoch tat er alles aus freien Stücken. Probleme gab es bislang keine, könnte es aber, wenn seine Eltern jemals davon erfuhren. Sein Glück, dass sie sich niemals Schwulen-Pornos ansehen werden! Das er erst siebzehn und damit noch minderjährig war, könnte ein weiteres Problem darstellen, aber was niemand weiß…, dem Geschäftsführer von „Hard Cocks & Sexy Ass“, Dennis Garson, schien das jedenfalls egal zu sein. Ricardo glaubte sogar, dass er mehrere Minderjährige beschäftigte… „Möchtest du zu uns?“ Ricardo war vor einem Haus stehen geblieben, von dem er dachte, es wäre das von Martin. Doch hatte er sich geirrt, denn Martins Haus kam erst als nächstes. Ein Junge spielte in der Hofeinfahrt mit seinem Basketball und warf ihn immerzu in den Korb, der über der Garage hing. „Meine Eltern sind nicht Zuhause. Kann ich dir vielleicht weiterhelfen?“ „Äh nein… tut mir Leid, hab mich nur am Haus geirrt.“, entschuldigte sich Ricardo und ging weiter. Kurz darauf stand er vor dem richtigen Haus und Rambo begrüßte ihn freudig an der Tür. „Na der Gute hat dich ja inzwischen richtig gern.“, stellte Martin erfreut fest. „Ich hab mich schon gefragt, wann du wieder an meiner Tür klopfst. Hab mich sehr über deinen Anruf gefreut.“ „Hallo Martin.“, begrüßte Ricardo denn Mann ebenfalls. Die Beiden setzten sich auf die Couch, auf der Ricardo schon bei seinem ersten Besuch saß und redeten über die letzten Wochen, während Rambo sich auf den Teppich zusammenrollte und vor sich hin döste. „Also.“, sagte Martin schließlich. „Wann wolltest du mir erzählen, dass du jetzt ins Pornogeschäft eingestiegen bist?“ Ricardo blickte Martin überrascht an. „Komm schon. Dennis Garson und ich stehen in Kontakt.“ Na das hätte sich Ricardo ja denken können. Ricardo erzählte Martin daraufhin alles über den Einstieg ins Pornogeschäft und als er damit fertig war, sagte Martin lediglich. „Das ist deine Entscheidung. Gewagt, aber auch mutig und Barry Gold… hui… da beneide ich dich!“ Martin lächelte fasziniert, bis er sich zu Ricardo vorbeugte und ihn mit einem besorgten Blick ansah. „Aber einen Gesundheitscheck hast du machen lassen, oder?“ Ricardos starrer Blick war Antwort genug.
Manuela – Teil 21 Als Manuela ihre Tochter nach Hause fuhr, herrschte eisernes Schweigen im Auto. Manuela wusste zwar, dass ihre Tochter sauer war, aber dennoch wollte sie das Thema nicht mit einem Verweis auf sich beruhen lassen. „Das dir das andere Mädchen deinen Freund weggeschnappt hat, tut mir Leid Marie, aber dennoch darfst du dich nicht prügeln. Was ist nur los mit dir? Warum tust du das?“ Maries Antwort folgte prompt und zu Manuelas Erstaunen war diese nicht pampig, dafür aber sehr melancholisch. „Ich hab einfach gerade von allem und jedem die Schnauze voll, verstehst du?“ „Das ist doch nicht nur wegen dem Jungen, oder?“, harkte Manuela nach. „Bitte sag die Wahrheit.“ Aus den Augenwinkeln heraus, sah Manuela wie ihre Tochter mit dem Kopf schüttelte. „Der Typ kann mich mal. Der ist für mich gestorben. Ich weiß auch nicht. Irgendwie scheint gerade alles den Bach runterzugehen. Mein Leben, deine Ehe mit Dad, Florian…“ „Florian? Was ist mit Florian?“, fragte Manuela nun besorgt nach. „Er hasst mich, weil ich so gemein zu dir bin.“, erklärte Marie ihr rasch. „Er will nicht verstehen, warum ich so sauer auf dich bin… war…“ „War?“ In Manuelas Gesicht zauberte sich ein Anflug von Lächeln, dennoch wollte sie nicht den Morgen vor dem Abend loben und die Diskussion mit ihrer Tochter fortführen. „Glaub mir bitte, dass ich eurem Vater nie wehtun wollte. Manchmal passieren Dinge im Leben, die lassen sich nicht erklären und dafür gibt es auch keine Entschuldigungen. Es ist wie es ist.“ „Wie auch immer.“, sagte Marie, die sich nach wie vor ihrem Trübsal hingab und ihre rechte Wange an die Fensterscheibe anlehnte. „Weißt du was das Schlimmste an der ganzen Sache ist?“ Manuela blickte ihre Tochter ratlos an, doch musste sie sich wieder schnell auf den Verkehr konzentrieren. Es gab in letzter Zeit genug Idioten, die auf den Straßen unterwegs waren. „Da Dad immer unterwegs ist…“, setzte Marie fort, „… passt Grandma jetzt meistens auf mich auf. Das ist die Hölle!“ Manuela konnte sich ihr Lachen nun leider nicht mehr verkneifen. Sie kannte Gertrud zur Genüge. „Na dann komm ich wohl besser nicht mit rein. Sonst besteht die Gefahr, dass mich deine Grandma mit ihrem Besen davonjagt.“, meinte Manuela und erstmals nach langer Zeit gelang es auch ihr, ihrer Tochter ein Lächeln abzugewinnen. Gertrud die alte Hexe. Das stimmte beide ein wenig fröhlich.
Leonas – Teil 19 Leonas tippte mit seinen Füßen ungeduldig hin und her, während er immer wieder auf die Uhr an der Wand und danach auf sein Handy schaute. Der Unterricht interessierte ihn heute gar nicht, denn er war sehr besorgt. Kai war heute nicht zur Schule erschienen und das, obwohl dieser ihm heute Morgen noch „Bis später!“ als letzte Nachricht zukommen ließ. War ihm vielleicht etwas zugestoßen. Er fragte bei einem Jungen aus Kai´s Clique nach, der Leonas zunächst verwirrt und dann böse ansah. „Keine Ahnung. Wir wissen auch nicht wo er steckt und wenn, dann würden wir es DIR bestimmt nicht sagen. Das geht dich nämlich einen feuchten Scheißdreck an!“ Leonas ignorierte die letzte Aussage und blickte erneut besorgt auf sein Handy. Er hat mehrmals versucht Kai zu kontaktieren, aber er las seine Nachrichten nicht mehr. In der ersten Pause nutzte Leonas schließlich die Gelegenheit und rief ihn auf sein Handy an. Die Überraschung folgte prompt: Kai drückte ihn weg! „Er hat mich weggedrückt.“, sagte Leonas schockiert zu seiner Freundin. „Du willst das vielleicht jetzt nicht hören, aber ich hab dir doch gesagt, dass er ein Arsch ist.“, sagte Sarah, deren Meinung über Kai gerade völlig unangebracht war. Leonas wandte sich anschließend an ihre Klassenlehrerin und fragte, ob sie etwas über Kais Verbleib wusste. Ihre Antwort war aufschlussreich: „Kai hat Grippe. Seine Mutter hat vorhin im Sekretariat angerufen und ihn für die ganze Woche krank gemeldet.“ Endlich wusste Leonas, warum Kai nicht zur Schule erschien. Sein Verhalten war dennoch eigenartig. Leonas war zwar bewusst, dass Kai es nicht mochte, wenn er bei ihm Zuhause aufschlug, aber er wollte unbedingt wissen, warum er ihn weggedrückt hatte und nicht auf seine Nachrichten reagierte. Also marschierte er nach der Schule geradewegs zu Kai, statt zu sich nach Hause. Bereits aus der Ferne konnte Leonas erkennen, dass bei Kai die Vorhänge zugezogen waren. Schlief er vielleicht gerade? Leonas wusste er ging ein Risiko ein, wenn er bei Kai klingelte, aber seine Sorge war größer als alles andere. „Guten Tag Frau Schumann, ich bin ein Klassenkamerad von Kai und wollte ihm die Hausaufgaben vorbeibringen.“, log Leonas, ohne rot zu werden. Frau Schumann blickte ihn zuerst verwirrt, dann skeptisch und schließlich ganz finster an. „Du bist das, richtig?“ Leonas verstand nicht, was sie meinte. „Du bist der Junge, der meinem Sohn den Kopf verdreht hat!“ Nun musste Leonas kräftig schlucken. Hat Kai sich etwa bei seinen Eltern geoutet?
Fortsetzung folgt ... am Samstag, den 22.April 2023!