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#16 RE: Die geheimen Akten von Skystar 18.03.2019 18:01

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Schon wieder ein Montag-Release. Sorry, normalerweise sollten die Teile immer am Sonntag kommen, aber die letzten Sonntage waren immer sehr stressig. Ich versuche dies aber wieder am Sonntag zu schaffen, damit ihr nicht warten müsst ..., sofern einer wartet .


7. Scherben bringen Glück …, oder sieben Jahre Pech – Teil 3
Ich war eigentlich schon länger zu diesem Entschluss gekommen. Fiona und ich waren nicht mehr glücklich miteinander. Ich war nur noch mit ihr zusammen, weil ich sie wertschätzte und respektierte, aber mit Liebe hatte das nichts mehr zu tun. „Es ist das Beste – für uns beide.“
„Bist du dir da sicher?“, fragte Annabelle mich. „Willst du nicht erst einmal mit ihr in Ruhe über alles reden. Ich bin mir sicher, dass …“
„Belle!“, unterbrach ich sie laut und kurz vor einer neuen Heulattacke. „Ich weiß es, ihr wisst es und ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass es Fiona auch weiß: Es ist aus!“ Nun wurde es still im Badezimmer. Es sollte eigentlich eine fröhliche Geburtstagsfeier werden und nun saß ich mit drei meiner besten Freundinnen im Badezimmer und alle zogen betrübte Gesichter. „Tut mir Leid, dass ich euch jetzt so runterziehe …“
„Schon in Ordnung.“, sagte Annabelle augenblicklich.
„Wann hast du es vor Fiona zu sagen?“, fragte Kat mich.
„Schnellstmöglich.“, antwortete ich ihr, als ich das Klirren von zerbrochenem Glas von unten vernahm, gefolgt von einem Protestschrei seitens Fiona. „Doch vermutlich muss ich noch bis morgen warten, wenn sie wieder nüchtern ist …“
Zusammen mit Annabelle, Kat und Caro verließ ich das Badezimmer wieder und wir gingen die Treppe runter, wo sich uns eine kleine Auseinandersetzung bot. „Laaass mich looous.“, zischte Fiona Ryan an, der lediglich versuchte sie zu beruhigen. Roy und Derek versuchten ihm zu helfen, jedoch ohne Erfolg. „Ich will miccchh jetzt nicht hinlääägen.“
„Sei doch vernünftig Fiona.“, meinte Roy zu ihr, während ich zu Fionas Füßen schaute und das zerbrochene Glas entdeckte, welches sie in ihrer Trunkenheit vermutlich fallen ließ.
„Ihr seid alle dooof. Alle seid ihr doof.“, murmelte Fiona vor sich hin.
„Ich glaube Fiona und ich gehen jetzt besser.“, sagte ich schließlich und dabei war es mir ganz egal, was Fiona von meinem Vorschlag hielt.
„Okay, okaaaay …“, sagte Fiona, die anscheinend endlich vernünftig wurde. „Fahren wir eben …“ Fiona kramte den Autoschlüssel aus ihrer Handtasche hervor – dies dauerte leider eine ganze Weile, doch jede Hilfe lehnte sie ab – und wedelte mit den Fingern damit herum.
In Windeseile entriss ich ihr aber den Schlüsselbund und sagte: „Ich glaube es ist besser, wenn ich heute ausnahmsweise mal fahre …“
Fiona stöhnte und sah mich böse funkelnd an. „Immer bevormundest du mich. Du nervst.“
„Wenn ich dir damit das Leben rette, dann soll mir das Recht sein.“, entgegnete ich ihr und das war das Letzte was ich zu ihr sagte, da ich einfach keine Kraft mehr hatte, mich mit ihr zu streiten und in irgendeiner Art und Weise mich mit ihr auseinander zu setzten.
Ryan und Caro halfen Fiona dabei, zum Auto zu kommen, während ich mich noch bei Roy, Annabelle und ihren Eltern für alles entschuldigte. „Mach dir kein Kopf Liebes. Sind nur ein paar Scherben.“, sagte Frau Kirchner, die soeben die Glasscherben aufgesammelt hatte. „Bring Fiona gut nach Hause und fahr vorsichtig.“
„Mach ich … und danke.“, sagte ich beschämend und wandte mich zuletzt noch einmal an Roy. Ich brachte kein Wort heraus, doch Roy war ein Gentleman und umarmte mich zum Abschied, was mir das Gefühl gab, dass alles in Ordnung sei und er mir wegen nichts böse war.

Auf der Heimfahrt sprach ich natürlich kein Wort mit Fiona. Ohnehin musste ich mich auf den Verkehr konzentrieren. Es war dunkel und leichter Nebel verminderte mir die Sicht. Meine Stöckelschuhe hatte ich zum Fahren natürlich ausgezogen. Ich verhielt mich manchmal vielleicht etwas dumm, aber lebensmüde war ich deshalb noch lange nicht.
„Oh Gott …“, murmelte Fiona auf dem Beifahrersitz plötzlich vor sich hin und ich dachte mir nur, bitte lass sie mir jetzt nicht ins Auto kotzen, aber zum Glück kam es ganz anders. „Ich hab Roys Geburtstag ruiniert. Ich schäme mich ja sooo …“ Ich bestrafte Fiona auch weiterhin mit Schweigen. Nicht nur weil ich sauer auf sie war, sondern weil ich auch keinen Sinn darin sah, mich jetzt mit ihr zu unterhalten. Sie war betrunken und morgen wusste sie vielleicht gar nichts mehr von heute Abend. Doch Fiona schien die Stille nicht zu behagen und quasselte ununterbrochen weiter, wie mies es ihr ging und das sie nie wieder Alkohol trinken werde und und und. „Heeey …“, sagte sie irgendwann zu mir. „Redest du jetzt etwa nicht mehr mit mir?“
Ich setzte den Blinker und bog nach rechts ab. Auf Fionas Frage reagierte ich gar nicht. Zuerst dachte ich, sie würde deswegen gleich wieder an die Decke gehen, aber stattdessen atmete sie einmal tief ein und wieder aus – für eine Sekunde glaubte ich, sie müsse sich übergeben – und sah anschließend rechts zum Fenster raus.
Noch fünf Minuten, dann waren wir Zuhause. Mein Handy lag in der Mitte des Autos im Ablagefach, als es zu vibrieren anfing. Natürlich ging ich nicht ran, aber als ich sah, dass Leon mir eine Sprachnachricht geschickt hat, da drückte ich die Abspieltaste: „Hey Maria. Ich hab gerade bei Roy angerufen und ihm alles Gute zum Geburtstag gewünscht. Er hat mir erzählt, was vorgefallen ist und dass du schon wieder auf dem Nachhauseweg bist. Vermutlich kannst du deshalb auch gerade nicht rangehen. Auf jeden Fall wollte ich dir sagen, lass dich nicht hängen. Du kennst Fiona ja. Sie war schon immer etwas … schwierig.“ Bei dem letzten Satz horchte nun auch Fiona auf. Sie sah zu meinem Handy und warf ihm einen bösen Blick zu, als ob es heutzutage möglich wäre, auch böse Blicke zu versenden. „Melde dich doch bitte, wenn du Zuhause angekommen bist. Bye!“
„Na, dein Freund reißt das Maul ja ganz schön weit auf.“, stieß Fiona frei heraus und ich wusste, dass das wieder auf einen Streit hinaus laufen würde. „Kaum ist er in Frankreich, hat der Kerl Eier in der Hose. Hätte er die früher schon gehabt, wären Zack und Max vielleicht nicht abgehauen …“
Mein Mund klappte nun ganz weit auf. Das hatte sie nicht wirklich gesagt oder? „Wow …“, sagte ich zuerst nur, bis ich meinen Wortschatz wieder fand. „Noch ein Wort über Leon und …“
„Und was?!“, warf Fiona ganz schnell dazwischen. Ich schwieg und versuchte mich ganz schnell wieder zu beruhigen. Doch Fiona hatte offenbar genug. „Bleib stehen und lass mich raus.“
„Wir sind gleich da. Jetzt lass den Mist!“, entgegnete ich wütend.
„Du sollst verdammt nochmal stehen bleiben!“, schrie Fiona mich an und griff mir in ihrer Rage und Betrunkenheit ins Lenkrad. Ich schrie, dass sie das lassen soll, doch da war es schon zu spät. Ich kam von der Straße ab und wir knallten gegen eine Straßenlaterne.

Fortsetzung folgt ...!

#17 RE: Die geheimen Akten von Skystar 24.03.2019 20:33

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8. Scherben bringen Glück …, oder sieben Jahre Pech – Teil 4
Ich stand im Badezimmer, mit beiden Händen angelehnt ans Waschbecken, und betrachtete mich im Spiegel. Meine Haare waren zerzaust, meine Lippe angeschwollen und unter meinem rechten Auge konnte ich die Stiche erkennen, an denen mich der Arzt zusammengeflickt hat. Ich war sicherlich keine Konkurrenz für Quasimodo, aber Miss Germany wurde ich bestimmt auch nicht mehr. Ich hätte mich natürlich so lange zu Recht machen können, bis ich wieder wie ein halbwegs ordentlicher Mensch aussah, aber meine Hände zitterten und … und ich wollte es nicht.
„Maria?“
Ich holte tief Luft und atmete einmal kräftig durch. Im Badezimmer war es stickig, also öffnete ich ein Fenster. Anschließend setzte ich mich auf den Rand der Badewanne und versuchte meine Gedanken zu ordnen. Ich wusste was zu tun ist, aber die Umsetzung fiel mir schwer, sehr schwer!
„Maria …?“ Die Badezimmertür öffnete sich einen Spaltbreit und der Kopf von Fiona lugte ins Badezimmer. Sie sah nicht minder miserabler aus als ich, nur dass ihre Lippe normal aussah und sie ein paar Schrammen an den Wangen zu verzeichnen hatte. „Tut mir Leid, störe ich dich …?“ Ich schüttelte den Kopf. Es war soweit. Es gab für mich kein Zurück mehr. „Ich wäre dann soweit.“
„Hast du alles beisammen?“, fragte ich sie und versuchte dabei nicht allzu unhöflich zu wirken.
Fiona nickte und betrachtete sich genauso im Spiegel, wie ich es gerade getan habe. „Mann, ich sehe ja echt grauenvoll aus.“ Dann betrachtete sie mich und schluckte. „Es tut mir wirklich Leid …“
„Ja, dass sagtest du bereits mehrmals.“
Mit einem Mal herrschte Totenstille im Badezimmer. Wir hatten beide Glück, dass wir den Unfall heil überstanden haben, aber für mich war die Grenze erreicht. Ich zog einen Schlussstrich unter unsere Beziehung und wollte, dass sie aus unserer Wohnung auszog. Schuldbewusst ließ Fiona sich ohne zu Motzen darauf ein. Natürlich war mir ihr Schicksal nicht gleichgültig, aber unsere Freunde wussten sie sicherlich in dieser schweren Zeit aufzufangen. Ich konnte einfach nicht mehr die Person für sie sein, die sie in ihren Augen immer sah. Das erste Mal in meinem Leben wollte ich Single sein!
„Also dann … mach´s gut!“ Fiona schenkte mir zum Abschied ein Lächeln. Es war ein trauriges Lächeln und ich konnte mich dazu überwinden, dieses Lächeln in irgendeiner Form zu erwidern. Fiona drehte sich noch ein letztes Mal zu mir um, ehe sie aus dem Badezimmer verschwand. Ein paar Sekunden später hörte ich die Wohnungstür zufallen. Nun war es noch stiller als zuvor. Ich schlich zum Fenster und blickte zur Straße hinunter. Ich sah ein Taxi und Fiona mit ihrem schweren Koffer. Der Taxifahrer nahm ihr netterweise den Koffer ab und packte ihn in den Kofferraum. Fiona stieg ins Taxi, ohne ein letztes Mal aufzusehen. Kurz darauf fuhr das Taxi los. Fiona war fort. Ich war allein.
Erneut kamen mir die Tränen, dabei war ich sogar ganz froh, dass meine Beziehung zu Fiona endlich zu Ende war. Wir haben uns einfach nicht mehr gut getan und dennoch …

Ein Monat später. Ich saß im Auto auf dem Weg in meinen Heimatort. Allerdings zog ich es vor nur Beifahrerin zu sein, denn seit dem Unfall traute ich mich nicht, mich wieder hinters Steuer zu setzen. Immerhin hatte ich eine nette Wegbegleiterin. „Ich glaube Ryan verbringt den Sommer damit, sich noch mehr Bauchmuskeln anzutrainieren. Also ein wenig übertreibt er ja schon …, aber ich lieeebe es! Oh, mein Dad veranstaltet heute ein Barbecue. Wenn du möchtest, kannst du gerne mitkommen. Mein Dad hat gesagt ich soll dich fragen …“
„Sehr gerne.“, antwortete ich, ohne groß darüber nachzudenken.
„Wirklich?“ Caro schien sichtlich überrascht, aber auch besorgt. „Okaaay, aber dann solltest du wissen, dass auch Bobby da ist …“
Bei der Erwähnung von Bobby stellte ich meine Entscheidung kurzfristig in Frage, aber da ich wusste, dass meine Eltern erst Morgen aus ihrem Urlaub in Sizilien zurückkehrten und mir Zuhause die Decke auf den Kopf fallen würde, beließ ich es dabei. „Kein Problem. Wirklich. No problemo!“ Caro sah mich skeptisch an, aber beließ es dabei. Stattdessen wechselte sie lieber das Thema und fragte mich, wer als Nachfolger als neuer Leiter der CODA für Roy in Frage käme.

„Carobienchen!“, rief Herr Beck glückselig, als er seine Tochter in seinem Garten begrüßte und sie dabei innig umarmte. Ich kicherte innerlich in mich hinein, denn Herr Beck trug eine Schürze mit einem Männersixpack.
„Daaad.“, mahnte Caro ihn. Den Spitznamen konnte sie absolut nicht ab.
„Was denn? In meinem eigenen Haus werde ich dich ja wohl noch so nennen dürfen.“, verteidigte Herr Beck sich bei seiner Tochter. „Schade, Ryan ist nicht dabei, aber wie ich sehe, hast du eine andere bezaubernd aussehende Person mitgebracht.“
„Du kennst ja Maria und Ryan trainiert für das, wofür du eine Schürze benötigst.“, sagte Caro zu ihrem Vater und setzte dabei ihre Stirn in Falten. Wie ungesund.
„Natürlich. Herzlich Willkommen Maria. Ich hoffe du liebst Steak.“ Ich schüttelte Herrn Beck zaghaft die Hand. „Wenn nicht, es gibt auch ausreichend Salat.“, fügte er noch schnell hinzu, als er meinen Blick sah. „Bobby ist in der Küche und macht den Gurken- und Tomatensalat fertig. Seine Familie müsste auch bald eintreffen. Macht es euch solange gemütlich.“
„Okay, ich sehe in der Küche mal nach, ob ich Bobby helfen kann.“, meinte Caro, doch hielt ich sie schnell zurück.
„Lass mich das machen.“ Caro starrte mich verwirrt an. „Bitte …“ Caro nickte, setzte sich die Sonnenbrille auf und legt sich in den Liegestuhl, während ich mich in die Küche zu Bobby begab. Sein Gesicht war Gold wert, als er mich erblickte. „Hallo.“, begrüßte ich ihn ganz einfach.
„Was zur Hölle …?!“, stieß Bobby aus und schnitt sich dabei beinahe in die Finger.
„So schlimm gleich? Ich muss bei unseren letzten Begegnung einen wirklich miesen Eindruck bei dir hinterlassen haben.“, sagte ich, wusch mir die Hände im Spülbecken und griff nach den Tomaten.
„Sorry, ich …, ach keine Ahnung.“, sagte Bobby und schnitt die Gurke weiter in Scheiben. „Caro hat dich eingeladen, hm? Keine Sorge, Tobi ist nicht da. Er ist mit ein paar Kumpels zelten.“
„Okay …“ Eigentlich wollte ich das gar nicht wissen. Es interessierte mich auch nicht sonderlich. Ich wollte nur mit Bobby sprechen. „Ich …, ich wollte mich bei dir für mein Verhalten von damals entschuldigen.“ Bobby rutschte erneut mit dem Messer ab und dieses Mal schnitt er sich tatsächlich in den Finger. Er fluchte laut auf und hielt sich den Finger unters kalte Wasser. „Herrje, bist du ein Tollpatsch.“, sagte ich zu ihm und reichte ihm ein Tuch.
„Na du musst gerade reden …“, entgegnete Bobby und musterte die letzten verbliebenen Narben in meinem Gesicht. „Aber ich bin froh, dass dir nichts Schlimmeres widerfahren ist.“
„D-Danke.“, brachte ich gerade so heraus, woraufhin wir uns anschwiegen.
Doch sobald wir Blickkontakt hatten, konnten wir es nicht vermeiden, beide gleichzeitig das Grinsen anzufangen, gefolgt von einem lauten Gelächter. Caro kam zwischenzeitlich besorgt in die Küche gerannt, angelockt von dem Krach. „Oh wow, ihr seid beide verrückt geworden. Klasse!“

Ende von Maria´s Part!
Fortsetzung folgt...!

#18 RE: Die geheimen Akten von Skystar 31.03.2019 18:13

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Marias Part ist zu Ende und endlich, endlich steht mal ein (schwuler) Junge im Vordergrund! Im neusten Kapitel geht es um Roy Kirchner, den Gründer der CODA, Ehemann von Derek und ein begnadeter Pianist. Freut euch auf den Rotschopf!


9. Ein schwerer Schritt – Teil 1
„Gut, dann hätten wir denke ich alles weitere geklärt. Wenn Sie hier bitte noch unterschreiben würden, Herr Kirchner.“ Ich saß in einem Büro, mir gegenüber Gottfried West, der Eigentümer des Gebäudes, in dem die „Community of Dreaming Artist“ – kurz CODA – sich befand. Wir hatten uns über den Fortbestand der CODA in den nächsten Jahren geeinigt. Ich unterschrieb den Vertrag mit meinem Namen – Roy Kirchner. „Vielen Dank.“, sagte Herr West und heftete den unterzeichneten Vertrag in seinen Unterlagen ab, während er mir eine Kopie davon überreichte.
„Nein, ich hab zu danken, Herr West.“, entgegnete ich dankbar. „Ohne Sie gäbe es die CODA schon lange nicht mehr. Sie haben damals Tiberius Tanner das Grundstück abgekauft. Sie haben uns weiterhin dort drin wohnen lassen und Sie haben uns nie irgendwelche Steine in den Weg gelegt.“
„Zuviel der Lobeshymne.“, meinte Herr West beschämt und dann auch etwas rührselig. „Sie vergessen, dass mein Sohn ein Mitglied ihres Clubs war. Ich versuche nur das zu ehren, was er mit Ihnen und all den anderen aufgebaut hat.“ Ich nickte und musste an Oskar, den Sohn von Herrn West, denken, der vor mehr als drei Jahren bei einem schweren Autounfall ums Leben kam. „Haben Sie eigentlich schon einen Nachfolger, der ihre Position im nächsten Semester einnimmt?“
Die Frage kam so unverblümt, dass ich gar nicht wusste, was ich darauf antworten sollte. „Nein, noch nicht.“, antwortete ich Herrn West offen.
„Ihr Studium ist doch dieses Jahr zu Ende, oder?“, harkte Herr West nach.
„Ja und ich bin schon länger auf der Suche nach einem geeigneten Kandidaten, der den Platz als neuer Leiter der CODA einnimmt, aber bislang blieb die Suche erfolglos.“, antwortete ich wahrheitsgetreu. Herr West blickte mich an und ich hatte das Gefühl, als würden seine Augen mich durchbohren. Ich bekam ein mulmiges Gefühl.
„Sollte das weiterhin der Fall bleiben, wüsste ich jemanden, der Ihren Platz einnehmen könnte.“, sagte Herr West und mein mulmiges Gefühl wurde zugleich bestätigt. Ich traute mich gar nicht zu fragen, wen er damit meinte. Das war auch gar nicht nötig, denn Herr West war ein sehr offener Mensch. „Meinen Sohn, beziehungsweise einer ihrer ehemaligen Professoren.“ Ich hob die Augenbrauen. Shane West? Das hatte ich nun wirklich nicht erwartet und je mehr ich darüber nachdachte, desto komischer erschien es mir, dass ausgerechnet er mein Nachfolger werden sollte.
„Wir werden sehen …“, sagte ich lediglich und setzte ein falsches Lächeln auf.
„Denken Sie darüber nach. Lassen Sie sich Zeit und wenn Sie eine Entscheidung getroffen haben, dann kontaktieren Sie mich.“, sagte Herr West und reichte mir zum Abschied die Hand.

„Shane West? Ist das sein verdammter Ernst?!“, stieß Derek laut aus. Etwas zu laut, denn wir befanden uns in der CODA und um uns herum standen einige Studenten. Ich zischte meinen Gatten gleich an, er solle nicht so laut sein, denn das musste nun wirklich nicht gleich jeder wissen. „War der Mann betrunken, als er dir diesen Vorschlag unterbreitet hat?“
„Ich befürchte nein, aber bevor du dich noch weiter aufregst, es war ja nur so ein Gedanke seinerseits.“, sagte ich, wobei ich meinen eigenen Worten keinen Glauben schenkte.
„Sei bitte nicht naiv!“, entgegnete Derek sofort. Er kannte mich einfach viel zu gut. „Zugegeben, Herr West hat dir all die Jahre über viel freie Hand gelassen, aber wer sagt denn, dass sich das nicht ändert, sobald du mit deinem Studium fertig bist?!“
„Und wenn ich einfach weiterhin Leiter der CODA bleibe?“, fragte ich zweifelnd.
Derek verdrehte die Augen. „Oh Mann Roy, ich verstehe wie wichtig dir dieser Club hier ist, aber wir können doch nicht den Rest unseres Lebens hier verbringen! Wir hatten doch bereits ausgemacht, dass wir von hier wegziehen und im Herbst wollten wir außerdem zusammen nach New York.“
„Eigentlich wolltest nur DU nach New York, weil du bisschen Broadway-Duft schnuppern wolltest.“, entgegnete ich und mir war klar, dass ich damit womöglich einen Streit in Gang setzte, den ich später noch bereuen könnte. „Ich hingegen hab dir gesagt, dass ich dieser Metropole nichts abgewinnen kann und lieber ein paar Tage am Strand verbringen möchte.“
„An der Nordsee oder was?!“, griff Derek nun zurück. „Ich hasse das Gefühl, überall Sand an meinem Körper zu haben. Der klebt immer überall.“
„Ach so ein Unsinn. Willst du mir außerdem sagen, du würdest die toxische Luft von New York gegen die frische Luft und einer wohltuenden Meeresbriese eintauschen?“, bot ich nun Paroli.
„Frische Luft? Alles was ich rieche ist Möwendreck und der faulige Geruch von Fischen.“, sagte Derek und zog dabei dasselbe Gesicht, wie wenn er sich übergeben müsste.
Ich war genervt, Derek auch und so schnell würden wir sicherlich zu keiner Einigung kommen. Ich war einfach noch nicht bereit dazu, die CODA jemand anderem zu überlassen. Ich gründete den Club. Zwar waren nur noch Derek, Annabelle und ich von den Erstmitgliedern übrig, dennoch war jeder neue Tag wie der erste Tag. Ich fühlte mich hier wohl und geborgen.
„Tut mir Leid. Ich will mich nicht mit dir streiten.“, sagte Derek plötzlich und griff nach meiner Hand. „Wenn du unbedingt Strandurlaub machen willst, dann machen wir Strandurlaub. Nur lass es bitte nicht die Nordsee sein.“ Das mochte ich so sehr an Derek. Er konnte zwar alles dramatisieren, aber war dann stets zu einem Kompromiss bereit.
Ich lächelte ihn an und wir küssten uns, bis wir dabei unterbrochen wurden. „Also wenn du willst, kann auch ich mit dir an die Nordsee fahren.“ Derek und ich unterbrachen unseren Kuss und starrten den braunhaarigen Jungen an, der an uns herangetreten war. Sein Name war Jeff Brückner und er trat unserer CODA im Herbst letzten Jahres bei. „Dann kann Derek nach New York fliegen. Ich finde diese Chance sollte er sich nicht entgehen lassen. Immerhin ist das der Broadway!“
„Hey, Schmeißfliege, wer hat dich um deine Meinung gebeten?!“, reagierte Derek erbost. Leider mochte Derek Jeff so gar nicht, was wohl daran lag, dass er glaubte, Jeff würde mir schöne Augen machen. Das war natürlich ausgemachter Blödsinn, zumal ich nur Augen für Derek hatte. Manchmal hatte Derek seine Eifersucht einfach nicht in Griff und dann wurde er richtig, richtig bösartig.
„Oh hey sorry, das war nur ein gutgemeinter Vorschlag.“, verteidigte Jeff sich zugleich mit erhobenen Händen. Derek schaute ihn auch weiterhin an, als würde er ihm die Pest an den Hals wünschen, aber schwieg ihn an. „Wie auch immer. Ich bin der Meinung, dass Roy der beste Clubleiter auf der ganzen Welt ist und wenn er diesen Job weiterhin machen möchte, dann sollten wir ihn darin unterstützen.“ Ich blickte zu Derek und rechnete mit einem neuen Tobsuchtsanfall, aber Derek kehrte Jeff lediglich den Rücken und setzte den Wasserkocher auf, um sich einen Tee zu machen. Ich sah kurz zu Jeff, der mich ermutigend anlächelte und dann sah ich mich in der CODA um. Sollte ich vielleicht wirklich der Leiter der CODA bleiben? Die Alternative wäre Shane West …

Fortsetzung folgt ...!

#19 RE: Die geheimen Akten von Skystar 07.04.2019 21:50

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Es geht weiter und für alle Neulinge oder Vergesslichen gibt es seit heute die Wiki-Einträge zu Roy Kirchner und Derek Brunn!


10. Ein schwerer Schritt – Teil 2
„Hey Roy.“, begrüßte mich Jeff schlicht, als wir uns eine Woche später wieder in der CODA zu einem Meeting trafen. Einmal im Monat kamen alle aktuellen Clubmitglieder zusammen, um über die nächsten Projekte, Termine, Veranstaltungen sowie Lebensmittelversorgung zu sprechen. Natürlich ging es dabei auch um die Zukunft der CODA. „Ist Derek heute gar nicht hier?“, fragte Jeff mich.
„Ihm geht es nicht so gut und er wollte sich voll und ganz auf sein Studium konzentrieren.“, antwortete ich Jeff, ohne ihn anzusehen, da ich in meine Unterlagen vertieft war.
„Oh, ich hoffe es ist nicht meine Schuld, dass es ihm nicht gut geht.“, sagte Jeff. „Ich wollte ihm neulich wirklich nicht in die Parade fahren …“
„Schon gut. Das hat mit dir überhaupt nichts zu tun. Ist nur momentan alles sehr stressig und Derek hasst Stress!“, entgegnete ich und sah erstmals zu Jeff auf. Hätte ich das aber mal lieber sein lassen, denn als ich Jeffs Haar erblickte, wich ich erschrocken zurück. „Oh wow …“
„Was? Gefällt es dir? Sieht das an mir scheiße aus?“, fragte Jeff mich besorgt und griff sich mit der Hand durch sein flammenrotes Haar. Er sah damit exakt genauso aus wie ich.
Ich überlegte was ich antworten sollte. Es wäre gelogen, wenn mir die Farbe nicht gefallen würde, schließlich renne ich seit mehreren Jahren selber damit herum, aber an Jeff … und warum?! „Es … sieht ungewohnt an dir aus. Deine braunen Haare haben dir doch gut gestanden.“
„Jaaa naja, ich wollte einfach mal was ausprobieren.“, erklärte Jeff sich. „Und deine Haarfarbe hat mir schon vom ersten Tag an gefallen, als ich deiner CODA beigetreten bin.“
„Naja, dir muss es gefallen.“, sagte ich und hoffte, dass es nicht irgendwie falsch rüber kam.
„Hey Roy, wir wären dann alle soweit.“, sagte meine Schwester Annabelle und zeigte auf die versammelten Clubmitglieder. Beim Anblick von Jeffs Haaren blieb sie im Vergleich zu mir ganz cool, wenngleich sie ein kleines kurzes Räuspern nicht verbergen konnte.
„Ich komm sofort. Ich trink nur noch ein Schluck Wasser.“, sagte ich zu Annabelle.
„Ich hol dir schnell eins.“, sagte Jeff sofort und eilte in die Küche.
Meine Schwester stellte sich neben mich und beide starrten wir Jeff hinterher. „Du warst ja schon immer bei Jungs und Mädchen sehr beliebt, aber so einen Fanboy hattest selbst du noch nicht.“ Ich schüttelte den Kopf. „Derek muss höllisch aufpassen.“
„Was? Nein!“, zischte ich Annabelle an. „So ein Unsinn. Jeffs neue Frisur hat nicht im Geringsten etwas mit mir zu tun.“
Jeff kehrte mit dem Glas Wasser zurück und überreichte es mir. „Extra schön kalt, wie du es magst. Oh und bevor ich es vergesse. Ich wollte dich fragen, ob du mir eventuell mal ein paar Klavierstunden geben könntest. Ich hab vor einiger Zeit damit angefangen, aber bin noch nicht so gut darin … naja, so gut wie du werde ich sowieso nie, aber es macht Spaß und das ist doch die Hauptsache.“
„Ähm … ich überlege es mir.“, antwortete ich Jeff verdutzt und innerlich sogar ein wenig ängstlich.
„Cool.“, sagte Jeff und gesellte sich anschließend zu den anderen Clubmitgliedern.
„Fanboooy.“, flüsterte Annabelle mir ins Ohr. „Und wenn du denkst, dass das alles noch immer nichts mit dir zu tun hat, dann rede dir das nur weiterhin ein, aber wir beide und Derek wissen, dass dieser Junge total auf dich steht. Armer Derek, aber was soll´s.“ In Bezug auf Derek funktionierte Annabelles spitze Zunge noch immer tadellos. Doch ich war geübt darin, so etwas zu ignorieren. Viel mehr musste ich mir Gedanken um Jeff machen, denn so konnte das keinesfalls weiter gehen.

„Ich hab mir überlegt, New York um ein oder zwei Jahre zu verschieben. Ich meine, die Stadt läuft mir ja nun wirklich nicht weg, im Gegensatz zu dir, wenn wir uns weiterhin streiten.“, sagte Derek, als ich nach der Versammlung in der CODA nach Hause kam. Er hatte die freie Zeit nicht nur zum Lernen genutzt, sondern auch zum Kochen. Zudem schien er eine weiße Entscheidung getroffen zu haben. „Hey, alles gut? Du wirkst etwas blass im Gesicht.“
„Ja, alles gut.“, antwortete ich und gab Derek einen besinnlichen, aber langanhaltenden Kuss.
„Oookay Stopp!“, rief Derek und beendete den Kuss abrupt. „Du kannst meinetwegen der beste Küsser im ganzen Universum sein, aber wenn du das Essen kalt werden lässt, welches ich dir extra zubereitet habe, dann kommt es wirklich noch zum Ehestreit!“ Ich grinste Derek an und setzte mich an den Tisch. Normalerweise war ich es immer, der für uns Beide das Essen zubereitete, dass Derek nun mal derjenige war, glich einem Sechser in Lotto. „Hm.“ Derek wollte etwas sagen, kaute aber erst sein Essen runter. „Beinahe vergessen. Herr West hat heute Nachmittag hier angerufen.“
Ich sah von meinem Teller auf. „Was wollte er?“
„Ich weiß nicht, aber er meinte du sollst bei ihm baldmöglichst vorbeischauen, weil er dir etwas zeigen möchte.“, antwortete Derek mir und stach mit der Gabel in sein Essen.
„Und das erzählst du mir erst jetzt?!“, fragte ich erschrocken und aufgewühlt.
„Tut mir Leid, aber ich hatte Migräne vom Lernen und ich wusste, dass du auch viel um die Ohren hast, da wollte ich dir eben etwas Kochen. Dafür musste ich aber vorher noch in den Supermarkt und in all dem Stress hab ich das irgendwie vergessen.“
Ich war Derek nicht böse. Unsere beiden Köpfe waren einfach mit allerlei Dingen voll. Ich war zwar kein Raucher, aber mein Kopf qualmte dennoch wie verrückt. „Ich schau morgen früh gleich noch im Büro bei ihm vorbei.“
„Hast du morgen nicht einen Termin mit deinem Musikdozenten?“, fragte Derek mich skeptisch.
„Ach das schaff ich schon.“, winkte ich problemlos ab.
„Gut, denn bitte vergiss nicht, dass deine Zukunft dabei auf dem Spiel steht.“, sagte Derek mit ernstem Gesichtsausdruck zu mir. „Die CODA ist nur zweitranging. Genaugenommen sogar drittranging, da ich hoffe, dass ich an erster Stelle komm.“
Ich lächelte. „DU wirst für mich immer das Wichtigste sein!“ Derek schien genau das von mir hören zu wollen und trotzdem hatte ich das Gefühl, irgendwas vergessen zu haben.

„Herr Kirchner.“, begrüßte mich Herr West leidenschaftslos. Ich trat in sein Büro und wusste auch zugleich, warum der Mann alles andere als gut gelaunt war. Sein Fenster hatte ein riesiges Loch vorzuweisen. „Meine Putzfrauen haben die Scherben bereits beseitigt, aber das hier, hab ich aufgehoben, wo ich es Ihnen doch unbedingt zeigen wollte.“ Ich blickte Herrn West unwissend an, als er mir einen Stein vor die Nase legte. „Oh stimmt ja, das war noch dabei und zwar um den Stein mit einem Gummi herumgewickelt.“ Herr West überreichte mir noch einen weißen Zettel. „Er ist etwas zerknüllt, weil ich sehr wütend über diese Worte geworden bin.“, rechtfertigte Herr West sich bei mir und sah mich dabei weiterhin an, als hätte ich dieses Verbrechen begangen.
Ich faltete das Papier auseinander und begann den Text zu lesen: „Das ist nur eine Warnung. Wenn sie noch einmal versuchen Roy Kirchner aus der CODA und als Clubleiter zu verdrängen, dann werden wir andere Maßnahmen ergreifen. Sie sind gewarnt!“ Der Brief war noch mit „CODA“ unterzeichnet.
„Herr Kirchner … ich fürchte wir haben nun ein Problem miteinander.“, sagte Herr West.

Fortsetzung folgt...!

#20 RE: Die geheimen Akten von Skystar 14.04.2019 19:36

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11. Ein schwerer Schritt – Teil 3
„Der kann doch nicht ernsthaft glauben, dass du diesen Stein geworfen hast!“, schrie Derek aufgebracht, als ich von meinem Treffen mit Herrn West in unsere Wohnung zurückkehrte und ihn über die neusten Entwicklungen in Kenntnis setze.
„Tut er auch nicht, aber irgendwer aus der CODA muss es gewesen sein.“, erklärte ich Derek. „Er hat mir auch unmissverständlich klar gemacht, dass wenn ich den Schuldigen nicht finde und Konsequenzen ziehe, er sie ziehen wird …“
„Der soll sich nicht so anstellen. Dann lassen wir das Fenster eben reparieren …“, meinte Derek.
„Es geht nicht um das kaputte Fenster!“, entgegnete ich laut und Derek sah mich verständnislos an. „Herrn West wurde gedroht! Ist doch klar, dass er das nicht auf sich sitzen lässt. Wir können von Glück reden, dass er nicht zur Polizei gegangen ist.“
„Und was willst du jetzt tun?“, fragte Derek mich. „Den Stein könnte jeder geworfen haben. Die Anzahl unserer Mitglieder beträgt derzeit 48, minus zwei, wenn wir uns abziehen.“
„Minus drei, denn Annabelle würde so etwas auch nie tun!“, entgegnete ich sofort.
„Hm …“ Derek überlegte kurz, schien dann aber schnell einen Schuldigen gefunden zu haben. „Hey, was ist denn mit dieser Schmeißfliege? Wie hieß er doch gleich …?“
„Jeff und hör auf ihn so zu nennen.“, antwortete ich mehr als mies gelaunt.
„Wie denn? Ich soll ihn nicht Jeff nennen?“
Ich warf meinem Gatten einen vorwurfsvollen Blick zu. Er wusste genau, was ich meinte, aber Jeff hatte er schon lange auf den Kicker. „Ach ich weiß nicht.“, sagte ich schließlich. „Jeff mag vielleicht etwas eigenartig sein, aber ein Stein samt Drohung in Herrn West Büro werfen …?“
„Ich nehme an auf dem Stein waren keine Fingerabdrücke?“, fragte Derek hoffnungslos nach.
Ich schüttelte den Kopf. „Ich hab dir doch gesagt, dass Herr West nicht zur Polizei gegangen ist. Keine Ahnung, ob da Fingerabdrücke drauf sind.“
„Dann müssen wir diesen JEFF eben mit diesem Verdacht offen konfrontieren.“, sagte Derek, der sich zwang, Jeff beim Namen zu nennen. Ich pflichtete dem bei, glaubte aber kaum, dass Jeff, sofern er wirklich der Täter war, seine Tat auch zugab.

„Nein, natürlich war ich das nicht!“, antwortete Jeff uns augenblicklich, als Derek und ich ihn kurz darauf in der CODA zur Rede stellten.
„Ach, natürlich lügt er.“, sagte Derek sofort, von Jeffs Unschuld nicht überzeugt.
„Ach, tu ich das ja?“, entgegnete Jeff angriffslustig. „Wie sieht es denn mit dir aus? Vielleicht hast ja auch du den Stein geworfen!“
Derek verzog empört das Gesicht. „ICH?! Ich war den ganzen Tag mit Migräne zu Hause und hab für mich und meinen Schatz gekocht!“
„Und du warst wirklich den ganzen Tag über Zuhause?“, harkte Jeff noch einmal nach.
Derek wollte zunächst antworten, schwieg dann aber lieber und ich erinnerte mich daran, wie er mir erzählte, dass er unsere Wohnung verließ, um kurz einzukaufen. Was wenn er einen Abstecher bei Herrn West gemacht hatte? Unsinn. So etwas würde Derek nie tun! Das ich überhaupt daran dachte, war mir selbst mehr als unangenehm.
„Ich war es nicht.“, zischte Derek Jeff wiederholt an. „Und mir reicht es langsam mit dir. Was soll dieser Affenzirkus? Du versuchst mir die Schuld in die Schuhe zu schieben, in der Hoffnung bei Roy freie Bahn zu haben, aber da hast du dich verkalkuliert Freundchen – nicht mit mir!“
„Derek, beruhig dich doch bitte …“, bat ich ihn freundlich, da viele andere Clubmitglieder uns bereits aufmerksam belauschten.
„Nein Roy!“, entgegnete Derek laut. „Siehst du denn nicht, wie die Schmeißfliege sich an dich ranzeckt? Vor allem: Siehst du DAS nicht?!“ Derek packte Jeff an den Haaren, die wie meine feuerrot waren. Jeff stieß einen lauten Schrei aus und wehrte sich, indem er Derek in die Rippe boxte. Derek ließ Jeff daraufhin los und brach schmerzerfüllt auf dem Boden zusammen.
„Ich hab mich nur gewehrt!“, schrie Jeff mit erhobenen Händen.
„Derek, ist alles in Ordnung?“, fragte ich meinen Ehemann besorgt, doch Derek jauchzte nur.
„Es tut mir Leid, dass ich ihn geschlagen habe. Soweit hätte es nicht kommen müssen, aber du hast ja selber gesehen und gehört, wie er mit mir umgesprungen ist. Ich musste mich wehren!“, erklärte Jeff sich. Obwohl er damit wohl Recht behielt, war ich gerade nur stocksauer auf Jeff. Dies schien er selbst zu merken. „Okay …, okay, ich weiß wenn ich hier unerwünscht bin. Ich trete aus der CODA aus!“ Mit diesen letzten Worten verschwand Jeff. Den Täter, der den Stein samt der Drohung warf, hatten wir immer noch nicht, dafür aber noch mehr Ärger als zuvor.

„Wie geht es Derek?“, fragte Annabelle mich tatsächlich besorgt, als ich aus unserem Schlafzimmer, in dem Derek sich von dem Schlag erholte, in die Küche zurückkehrte.
„Besser. Er kann schon wieder meckern ohne Ende.“, antwortete ich ihr und setzte mich zu ihr an den Tisch. Sie schob mir eine Tasse Tee entgegen, den ich nur allzu gerne annahm.
„Derek ist die geborene Dramaqueen.“, meinte Annabelle mit einem süffisanten Lächeln.
„Naja, du hättest mal sehen sollen, wie Jeff ihm eine reingehauen hat.“, verteidigte ich Derek vor meiner Schwester.
„Und Jeff ist einfach gegangen?“, fragte Annabelle mich weiter aus. „Hm … dann hab ich mich wohl geirrt.“
„Mit was?“, fragte ich verwirrt.
„Na das er in dich vernarrt ist. Wenn er wirklich in dich verknallt wäre, wäre er nicht einfach gegangen und hätte dich kampflos aufgegeben.“, erklärte Annabelle mir „Vielleicht warst du wirklich nur eine Art Vorbild für ihn.“
„Ist mir egal was ich in seinen Augen bin oder war. Er sollte sich bei Derek entschuldigen!“
„Ja klar, als ob Derek diese Entschuldigung annehmen würde. Der würde doch nur weiterhin auf Jeff rumhacken.“, meinte Annabelle, womit sie wahrscheinlich sogar Recht hatte.
„Meinst du, ich sollte zu Jeff gehen und nochmal mit ihm reden?“, fragte ich Annabelle unsicher, was ich als nächstes tun sollte. „So gesehen war er ja schon ein netter Kerl.“
„Das musst du wissen, aber viel wichtiger ist doch die Frage, wer denn jetzt den Stein geworfen hat.“ Annabelle und ich blickten uns ratlos an.
„Egal wer ihn geworfen hat …“, sagte ich nach einer Weile, „… er hat damit einen Stein ins Rollen gebracht, von dem die Zukunft unserer CODA abhängt.“

Fortsetzung folgt ...!

#21 RE: Die geheimen Akten von Skystar 21.04.2019 21:55

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12. Ein schwerer Schritt – Teil 4
Es war das erste Mal, dass ich Jeff bei sich zuhause besuchte. Ich hatte ein mulmiges Gefühl, als ich die Treppen zu seiner Wohnung empor stieg und schließlich an seiner Tür klingelte. Jeff öffnete mir die Tür und blickte mich mehr als überrascht an. Klar, damit hatte er wohl nicht gerechnet. „Hey Jeff, sorry das ich unangemeldet hier reinschneie, aber ich muss mit dir reden.“
Jeff blickte mich nach wie vor wortlos an. Ihm schien es irgendwie die Sprache verschlagen zu haben, doch mit einer Handbewegung gab er mir die Erlaubnis, seine Wohnung zu betreten. Ich sah mich ein wenig um, denn im Flur standen mehrere Kartons, sodass nur wenig Platz zum Stehen und Gehen vorhanden war. „Bist du am Umziehen?“, fragte ich neugierig.
Jeff schüttelte den Kopf. „Ich leb quasi aus den Kartons. Ich bin ein ziemlicher Chaot was das angeht.“
„Oh.“, sagte ich und folgte Jeff schließlich in die Küche. Immerhin da sah es etwas ordentlicher aus. Offenbar war Jeff gerade mit dem Abwasch beschäftigt gewesen, als ich an der Tür klingelte, denn im Waschbecken stapelte sich das dreckige Geschirr im Schaumwasser. „Ich will auch wirklich nicht lange stören.“, sagte ich. „Aber ich hatte das Gefühl, als müsste ich mit dir reden.“
„Du hattest das Gefühl mit mir reden zu müssen?“, fragte Jeff mich erstaunt.
Ich nickte dezent. „Jaaa, das was heute in der CODA passiert ist, tut mir wirklich leid. Derek hätte dich nicht so grob behandeln dürfen …“ Jeff sah mich an. Ich konnte seinen Blick nicht ganz zuordnen. „Ich weiß ja wie er manchmal ist, wenn er eifersüchtig ist. Was natürlich ausgemachter Blödsinn ist. Ich fände es schade, wenn wir dich wegen dieses Streites verlieren würden …“
„Du hast mich nicht verloren.“, stieß Jeff pfeilschnell aus.
„Naja, du hast gesagt, dass du aus der CODA austrittst …“, entgegnete ich verwirrt.
„Wenn du möchtest, dass ich zurückkehre, dann tu ich das. Für dich!“, erklärte Jeff mir und in seiner Stimme lag ein Hauch von Wahnsinn. Mein mulmiges Gefühl, mit dem ich hierhergekommen war, wurde von Sekunde zu Sekunde größer.
„Also … ich, also wir, würden uns jedenfalls sehr darüber freuen, wenn du …“ Ich versuchte sachlicher an die Sache ranzugehen, doch Jeff wirkte mit einem Mal wie ausgewechselt. Ich fühlte mich völlig überrumpelt, als er auf mich zukam, mich gegen die Wand drückte und mir keine Chance ließ, mich zu wehren, oder mich aus seinem festen Griff zu befreien. „Jeff, was tust du …“
„Schhhh …“ Jeff legte mir seine linke Hand auf den Mund und brachte mich so zum Schweigen. Angst überkam mich. Annabelle und Derek schienen mit ihrem Verdacht doch Recht behalten zu haben. „Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie glücklich es mich macht, dass du meinetwegen hierhergekommen bist.“, sagte Jeff ganz leise zu mir, während seine Augen wie Irre funkelten. „Solange hab ich darauf gewartet. Du und ich, ganz alleine. Du willst mich wieder haben? Du willst mich bei dir haben?“ Jedes Wort von Jeff klang so irre, dass ich selbst nicht glauben konnte, wie ein Mensch die Realität nur so stark aus den Augen verlieren konnte. „Wir werden zusammen sein. Ich werde für immer bei dir bleiben. Wir werden eins. Du und ich.“, sagte Jeff und wirkte dabei endgültig wahnsinnig auf mich. Worauf hatte ich mich da nur eingelassen? „Und ich werde dafür Sorge tragen, dass dieser inkompetente West dich nicht als Leiter der CODA absetzt. Der Stein und die Drohung waren nur das Vorspiel. Jetzt werde ich richtig Ernst machen!“ Also war es tatsächlich Jeff. Inzwischen kam ich mir ausgesprochen dämlich vor. Alle Indizien hatten für ihn gesprochen, doch wollte ich es einfach nicht wahrhaben. Jeff nahm seine Hand von meinem Mund und küsste mich ungefragt. Ich riss erschrocken meine Augen weit auf. Der Kuss gab mir die nötige Kraft meine Angst zu überwinden und mich endlich gegen Jeff zu wehren. Ich löste mich von seinem Griff, schubste ihn von mir weg und trat ihm anschließend mit meinem rechten Bein in die Eier. Jeff schrie auf und kippte vornüber zu Boden. „Waaaruuum?“, fragte er jauchzend.
„Weil du ein geisteskranker Irrer bist. Du und ich – das gab es nie und wird es auch nie. Du lebst in einer Traumwelt. Doch damit ist es jetzt Schluss.“, antwortete ich ihm wütend, aber auch ernsthaft. „Lass dich bei mir oder in der CODA nie wieder blicken, sonst bereust du das.“ Ich war drauf und dran zu gehen, bis mir noch etwas einfiel: „Ach und noch etwas: Rot steht dir absolut nicht!“

„Sie können mir also keinen Schuldigen präsentieren?“, fragte Herr West mich einen Tag später, als ich ihn zusammen mit Derek in seinem Büro aufsuchte.
„Haben Sie gerade nicht zugehört?“, fragte Derek ihn erbost. „Den Stein samt der Drohung hat dieser irre Jeff Brückner geworfen. Roy hatte mit der ganzen Sache nichts am Hut. Er ist unschuldig!“
„Ja und wo ist dieser Herr Brückner jetzt?“, fragte Herr West. „Warum ist er nicht hier und sagt mir das alles selber ins Gesicht?“
„Glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage, dass es besser ist, wenn Sie ihn nie begegnen werden.“, antwortete ich Herrn West. „Und wenn er schlau ist, wovon ich leider ausgehe, dann lässt er sich weder bei Ihnen, in der CODA, noch bei mir oder bei meinem Ehemann jemals wieder blicken.“
Herr West blickte mich mit beiden Augen eindringlich an. Er schien noch nicht ganz so zufriedengestellt zu sein, doch außer dieser Erklärung konnte ich ihm leider nicht mehr bieten. „Also schön, vergessen wir das Ganze.“, sagte er schließlich und der Fall schien ad acta gelegt worden zu sein. „Jetzt bleibt nur noch zu klären, wer ihr Nachfolger als Leiter der CODA werden wird.“
„Was das angeht, haben wir bereits auch so unsere Gedanken dazu gemacht.“, sagte ich und blickte dabei zu Derek, der einvernehmlich nickte. „Wir wissen keinen geeigneten Nachfolger, aber wir haben uns darüber beraten, was für und gegen Professor West, also ihren Sohn, sprechen würde.“
„Ich bin ganz Ohr.“, sagte Herr West, nun wieder etwas zufriedener gestimmt.
„Dagegen spricht eindeutig, dass der Club ein Ort ist, an dem junge Menschen ihre Träume verwirklichen sollen und können. Shane West ist alles andere als jung und hat seine Träume wohl schon erfüllt. Allerdings war sein klein Bruder …, ihr Sohn, auch ein Mitglied unserer CODA. Oskar konnte seine Träume nie verwirklichen und vielleicht vermag es Shane West, Oskars Träume in irgendeiner Form zu verwirklichen.“ Mit einem Mal wurde es ganz still im Büro. Mir war klar, dass ich Herrn West gerade an den traurigen Verlust seines Sohnes erinnerte, doch auch wenn Oskar nicht mehr am Leben war, so war er immer ein fester Bestandteil unserer CODA geblieben. „Ich will mich kurz fassen: Wir würden Shane West gerne eine Chance geben, sofern er selber das auch möchte.“
Herr West lächelte mit einem Hauch von Traurigkeit. „Ich werde ihn gleich anrufen.“

Jeff stieg mit einem Rucksack und einer vollbepackten Tasche in einen Zug ein. Auf der Suche nach eine freien Platz wurde er bei einem gleichaltrigen Jungen fündig. „Hallo, ist dieser Platz noch frei?“
„Ja klar, setz dich.“, antwortete der fremde Junge ihm freundlich.
„Dankeschön.“ Jeff lächelte den Jungen ebenfalls an. „Das wird eine lange Fahrt. Ich freu mich schon auf Paris. Die Menschen behaupten immerzu, dass wäre die Stadt der Liebe.“
„Ist sie auch.“, schmunzelte der fremde Junge und betrachtete Jeffs rote Mähne. „Coole Haare.“
„Danke! Ich denke die Zugfahrt wird interessant.“, sagte Jeff mit einem Blick in die Zukunft.

Ende von Roy´s Part!
Fortsetzung folgt ...!

#22 RE: Die geheimen Akten von Skystar 28.04.2019 20:03

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Heute wird es keinen neuen Teil geben, aber ich werde versuchen, ihn morgen zu posten!

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