#1 Verworfene Szenen von "Eine Weihnachtsgeschichte" von Skystar 28.12.2017 18:12

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Hallo zu diesem kleinen Extra meiner Geschichte "Eine Weihnachtsgeschichte".

Vielleicht können das andere Autoren wie ich nachempfinden. Man hat eine Idee, schreibt sie sogar auf, doch später fühlt sie sich nicht mehr richtig an, oder will sich richtig ins Geschehen eingliedern. Mir passiert das recht häufig und irgendwann dachte ich mir, warum all das löschen, für was man keine Verwendung mehr hat? Denn zum Teil sind da interessante und gute Szenen dabei, um die es irgendwie schade ist, auch wenn sie nicht Bestandteil der Geschichte geworden sind. Aus diesem Grund gibt es nun unveröffentlichte Szenen zu meiner Geschichte "Eine Weihnachtsgeschichte". Ich hab erst in der letzten Weihnachtsgeschichte angefangen, die verworfenen Szenen aufzuheben, weshalb es nur von dieser welche gibt. Kommen wir also zur ersten nicht verwendeten Szene.


#1 - In Kapitel 19 ("Hoffnung an Weihnachten") gibt es ein CODA-Clubtreffen, welches Shane West einberufen hat. Dort verkündet er, dass es dieses Jahr wieder eine Weihnachtsfeier gäbe und er eine Überraschung geplant habe. Diese Szene hab ich aber gänzlich umgeschrieben. Zuvor hatte ich nämlich die Idee, dass die CODA in finanziellen Schwierigkeiten steckte. Da dieser Handlungsstrang aber später sehr viel Platz eingenommen hätte, hab ich diese Idee verworfen. Außerdem hätte das Herrn West in kein gutes Licht gerückt, der ja sonst eher sehr bedacht und organisiert ist.

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„Danke, dass ihr alle gekommen seid…, zumindest die, die noch von uns übrig geblieben sind.“, sagte Herr West, dessen Ansprachen auch schon einmal zuversichtlicher klangen. Zurzeit hatte die CODA mit ein paar Problemen zu kämpfen. Dieses Jahr hatten sich kaum noch neue Mitglieder für die „Community of Dreaming Artist“ eingetragen. Zudem stapelten sich die Rechnungen und uns drohte allen der Rauswurf aus dem Wohnkomplex. „Wie ihr alle bereits wisst, steht es derzeit nicht allzu gut um unseren Club. Das tut mir ehrlich Leid, weil ich eine gewisse Mitschuld daran trage. Ich gebe zu, mich in den letzten Monaten nicht mehr so gut um die CODA gekümmert zu haben, aber das möchte ich nun ändern, indem ich eine Aktion ins Leben rufe, ähnlich der vor drei Jahren.“
„Sie meinen, als wir Obdachlosen Unterschlupf hier gewährt haben?“, fragte ich nach. Herr West nickte mir zu und ich gab meine Meinung kund: „Schöner Gedanke, aber leider sind wir inzwischen viel zu wenig Leute dafür und leisten können wir uns das auch nicht.“
„Das ist mir bekannt Lukas, deshalb sprach ich ja auch von einer ähnlichen Aktion. Sie sollte zwar möglichst wenig kosten, aber dennoch so wirksam sein, dass die Stadtbehörde und die Uni sich gezwungen sehen, unseren Club weiterhin finanzielle Unterstützung zu gewähren. Also: Hat irgendwer eine Idee, die realisierbar ist?“ Herr West blickte sich im Clubraum um, doch keiner der hier Anwesenden schien eine Idee zu haben. Verzweiflung breitete sich aus und ich wusste genau, dass wenn uns nicht bald ein rettender Gedanke kam, es die CODA nicht mehr lange gab.




#2 - Die nachfolgende Szene gibt es auch in der Geschichte zu lesen, nur fällt sie dort ganz anders aus. Was hab ich alles geändert und warum? Die verworfene Szene stellt Herrn West erneut in keinem guten Licht dar, der behauptet, er hätte keine Zeit gehabt, um auf Julius`Beerdigung zu gehen. Außerdem wurden die finanziellen Probleme wieder angesprochen, die ich aber wie schon gesagt aus Platzmangel wegließ. Zudem wird Leon kurz erwähnt, aber auch das fehlt in der Endfassung.

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„Lukas…“ Herr West kam auf mich zu und drückte mich fest an sich. „Es tut mir schrecklich Leid, was mit Julius geschehen ist. „Verzeih bitte, dass ich nicht auf seiner Beerdigung war, aber ich konnte leider nicht kommen.“
„Schon gut.“, entgegnete ich lediglich, während Herr West mich und Lexi in den Wohnraum der CODA begleitete. „Ich hab gehört, dass es noch immer keine Rettung für die CODA gibt.“
„Leider nein und in einer Woche ist bereits Weihnachten.“, sagte Herr West, während er und ich uns auf die Couch setzten und Lexi uns einen heißen Kakao zubereitete. „Ich bin wirklich allerlei Ideen durchgegangen, aber nichts, was in der kurzen Zeit noch umsetzbar oder finanzierbar wäre…“
„Ich fände es wirklich schade, wenn die CODA für immer dicht macht.“, sagte ich und sah mich in dem Raum um, der wie eine zweite Heimat für mich war. Was sagt denn ihr Freund Leon dazu?“
Shane räusperte sich kurz, ehe er mir antwortete. „Ich habe es ihm gar nicht gesagt. Er und seine Freunde haben den Club gegründet und mir die Verantwortung dafür übertragen. Sie wären sehr enttäuscht, wenn sie wüssten, dass ich das Ganze gegen die Wand gefahren hätte.“
Ich schüttelte verständnislos den Kopf. „Sie müssen es ihnen sagen. Ich bin mir sicher, sie verstehen es. Wer weiß, vielleicht haben sie ja eine rettende Idee.“
„Vermutlich hast du Recht.“ Ich sah Herrn West eindringlich an. „Mit Sicherheit hast du Recht. Ich bin wirklich ein selten dummer Esel.“
„Wir machen alle Fehler.“, sagte ich, woraufhin ich erneut an Julius denken musste. Plötzlich fiel mir ein, dass noch all meine Fotos bei Julius Zuhause herumlagen, mit denen ich eine Fotocollage als Weihnachtsgeschenk zusammenbasteln wollte. „Entschuldigen Sie bitte, aber mir ist gerade eingefallen, dass ich noch etwas Dringendes zu erledigen habe.“
Ohne zu Zögern stand ich auf und rannte davon. Lexi kehrte gerade mit drei Tassen heißem Kakao zurück und blickte mir irritiert nach. „Lukas, wo rennst du denn hin?!“




#3 - Die nachfolgende Szene wurde vollständig aus der Geschichte entfernt. In der Szene besucht Lukas Frau Bruck, um sich seine Fotos abzuholen. In der Endfassung, taucht Frau Bruck im Clubhaus auf und überreicht Lukas den Karton mit den Fotos (Nebenbei bemerkt, gab es keine Szene, wo Lukas das selbstgebastelte Fotoalbum seiner Familie überreichte.). Diese Szene schließt an die vorangegangene Szene an. In der Szene kehrt Lukas zudem ein erstes Mal in Julius Zimmer zurück. Eigentlich eine recht schöne, wenn auch kurze Szene. Warum habe ich sie also entfernt? Das Kapitel war meines Erachtens viel zu lang. Ich beharre darauf, nur das Nötigste in meine Geschichten zu packen.

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„Lukas.“, sagte Frau Bruck überrascht, als ich vor ihrer Haustür stand. Es war zwar fünf Uhr nachmittags, aber bereits dunkel und die Weihnachtsdeko an den Häusern war hell beleuchtet. Ich war leicht außer Atem, denn ich hatte mich sehr beeilt, hierher zu kommen. Erst auf den letzten Metern wurde ich langsamer, als mir bewusst wurde, dass ich gleich in Julius Zimmer zurückkehren würde. Der Ort, an dem ich ihn das letzte Mal sah. Der Ort, an dem ich ihn…“
„Verzeihen Sie bitte die Störung, Frau Bruck.“, entschuldigte ich mich, doch Julius Mutter nahm mir mein unerlaubtes Auftauchen keinesfalls übel. „Mir ist eingefallen, dass noch all meine Fotos in Julius Zimmer herumliegen…“
„Ja, das stimmt. Ich wollte sie dir eigentlich schon längst vorbeibringen, aber irgendwie bin ich einfach nicht dazu gekommen.“, meinte Frau Bruck, der der Verlust ihres Sohnes noch immer ins Gesicht geschrieben stand. Verständlich. Mir ging es nicht viel anders. „Geh ruhig hinauf und hol dir was du brauchst. Lass dir so viel Zeit, wie du benötigst.“
„Danke Frau Bruck.“ Ich zog Schuhe und Jacke aus und stieg die Treppe in den ersten Stock hinauf. Vor Julius Zimmertür jedoch blieb ich kurz stehen. Ich schloss meine Augen und atmete einmal kräftig durch. Dann öffnete ich die Tür und betrat sein Zimmer. Es sah alles noch genauso aus, wie an dem Tag, als ich ihn das letzte Mal besucht hatte. Lediglich sein Bett wurde gemacht und seine Kleidung ordentlich zusammengelegt. Hat Frau Bruck die Kleidung deshalb noch nicht gewaschen, um sich an Julius Geruch zu erinnern? Julius hat immer sehr angenehm gerochen.
Auf dem Boden lag ein Karton mit all meinen Fotos. Ich setzte mich auf den Teppich und zog ein paar Fotos heraus. Doch nur ein Foto war es, nachdem ich suchte und nach nur wenigen Sekunden wurde ich auch fündig. Ich hielt das Foto vor meine Augen und lächelte.




#4 - Und auch diese verworfene Szene schließt an die davorliegende an, also an der Szene, wo Lukas sich in Julius Zimmer befindet. Lukas erinnert sich an einen "Streit" mit Julius, den er mal mit ihm hatte, als dieser bei ihm übernachtete. Die Szene ist eigentlich sehr humorvoll. Zudem bot sich mir hier die Gelegenheit, Lukas Eltern miteinzubauen, für die ich sonst überhaupt keinen Platz hatte. Am Ende hab ich mich aber gegen diese Szene entschieden und stattdessen eine Erinnerung eingebaut, in der sich Lukas daran erinnert, wie Julius ihn das erste Mal in die CODA schleppt. Das fand ich viel treffender und wichtiger, als eine Szene, wo sich die beiden Jungs wegen eines Puddings streiten (egal wie süß das auch sein mag).

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„Was soll das heißen, du hast meinen Vanillepudding aufgegessen?“, fragte Julius mich sauer, als er und ich acht Jahre alt waren und er wieder einmal bei mir übernachtete. „Du weißt doch genau, dass ich Vanillepudding über alles liebe und du hattest die Wahl zwischen Vanille- und Schokopudding.“
„Und warum soll immer ich den Schokopudding essen? Schon einmal daran gedacht, dass ich auch mal den Vanillepudding haben will?“, fragte ich nun ebenso sauer. In meinen Augen war Julius Verhalten kindisch und egoistisch. Wobei ich zugeben musste, dass ich sehr wohl wusste, wie sauer Julius werden würde, wenn ich seinen heißgeliebten Vanillepudding essen würde.
„Das war aber der Letzte!“, entgegnete Julius sichtlich wütend.
„Streitet ihr euch jetzt wirklich wegen einem Pudding?“, fragte meine große Schwester Lena uns verwirrt. „Jungs sind wirklich komisch und deshalb will ich auch nie einen von euch heiraten.“
„Irgh… du bist meine Schwester.“, reagierte ich angewidert.
„Ich meinte von allen Männern auf dieser Welt, nicht von euch zwei Grünschnäbeln.“, entgegnete Lena sofort, doch Julius und ich grinsten dennoch vor uns hin.
„Also…, wie willst du die Sache mit dem Pudding wieder geradebiegen?“, fragte Julius mich ungeduldig. War er wirklich noch sauer auf mich, oder tat er inzwischen nur noch so, um sich an mir zu rächen?
„Ich könnte ihn wieder ausspucken…“, meinte ich scherzhaft, doch Julius blickte mich böse an. Also wandte ich mich an meine Mutter. „Muuum, haben wir noch Pudding im Schrank verstaut?“
„Nein, tut mir Leid.“, antwortete meine Mutter mir, die gerade mit Staubsauger beschäftigt war.
„Du bist sowas von erledigt.“, meinte Julius drohend. „Dafür kitzle ich dich bis zum Erliegen!“ Julius stürzte sich auf mich und kitzelte mich am ganzen Körper aus. Ich lachte und schrie nach Hilfe und suchte Erbarmen, aber selbstverständlich kam mir niemand zu Hilfe und Erbarmen durfte ich auch keines mehr erwarten.
Schließlich war Julius doch noch milde gestimmt, aber der Retter des Tages war mein Vater, als er vom Einkaufen nach Hause kam. „Milch, Käse, Eier, Kopfsalat… oh und Pudding hab ich gekauft.“
„Vanille?“, fragten Julius und ich zugleich, woraufhin mein Vater leicht erschrak, aber dennoch nickte. Daraufhin brachte Julius in Freudentaumel aus.




#5 - Die Szene die nun folgt, schließt an die verworfene Erinnerungsszene an. Ihr seht schon, in Kapitel 22 ("Erinnerungen an Weihnachten") hab ich viel abgeändert und gelöscht (zum Vergleich könnt ihr ja noch einmal in die fertige Fassung schauen). Hier verabschiedet sich Lukas noch von Frau Bruck, die sich bei ihm dafür bedankt, immer für Julius dagewesen zu sein. Außerdem bietet sie ihre Hilfe an, was im Hinblick auf die nächste verworfene Szene, gleich aufgegriffen wurde.

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Was waren wir damals doch für Hitzköpfe, dachte ich mir und betrachtete das Foto sehr genau, dass Julius dabei zeigte, wie er Vanillepudding aß, kurz nachdem er mir einen Löffel davon ins Gesicht klatschte. Klar, dass ich mich dafür später nun an ihm rächte, indem ich ihn mit einem Kissen bewarf, als wir zu Bett gingen. Der Abend endete mit einer heißumkämpften Kissenschlacht, bei der keiner von uns beiden als Sieger hervorging und wir lediglich völlig erschöpft nebeneinander einschliefen.
Ich legte das Foto zurück zu den anderen und verließ Julius Zimmer wieder, welches ich womöglich ein letztes Mal zu Gesicht bekam. Danach verabschiedete ich mich auch von Frau Bruck, die mir aber noch etwas mit auf den Weg gab. „Ich kann dir gar nicht genug dafür danken, dass du Julius ein so guter Freund warst, Lukas.“ Ich wies Frau Bruck daraufhin, dass sie sich dafür nicht bedanken müsste, denn Julius war ebenso mein bester Freund und immer für mich dagewesen. „Ich weiß.“, sagte sie. „Und solltest du mal meine Hilfe benötigen, scheue dich nicht, mich zu fragen.“
„Ich danke Ihnen sehr für das Angebot, Frau Bruck.“ Und mit diesen Worten verabschiedete ich mich wieder von ihr.




#6 - Lukas hatte die Idee, den Kindern aus dem Waisenhaus eine Freude zu bereiten. Dies sollte auch zur Rettung der CODA beitragen, die in finanziellen Schwierigkeiten steckte. Da ich die ganze Idee später aber nicht mehr so gut fand, musste auch die nachfolgende Szene der Endfassung weichen. Die Szene zeigt sehr gut den Zusammenhalt aller Charaktere, aber irgendwie passte es nicht, dass alle Geld für Waisenkinder ausgeben, was zur Rettung der CODA beigetragen hätte (Geld ausgeben, was man nicht hat?). Oder was meint ihr?

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„Wir sollen was machen?!“, fragte mich Herr West ganz laut, als ich spätabends in die CODA zurückkehrte und ihm von meiner Entdeckung des Kinderheims berichtete.
„Wir verteilen Geschenke an ein Kinderheim!“, rief ich voller Euphorie.
„Klingt gut. Warum bin ich da nicht selber draufgekommen.“, gab Herr West leicht ironisch von sich. „Ach genau, weil wir nicht die finanziellen Mittel haben, um Geschenke für all die vielen Kinder zu kaufen.“
„Kaufen, kaufen. Basteln!“, entgegnete ich augenblicklich. „Vergesst den ganzen Ramsch in den Läden. Wir könnten doch für die Kinder etwas basteln, Bilder malen, etwas was aus unsere Händen entsteht und sie glücklich macht.“, erklärte ich allen mein Plan, als auch andere CODA-Mitglieder von meiner Idee hörten. „Wir könnten Plätzchen backen und an diejenigen verteilen, Gedichte verfassen und den Kindern vorlesen. Es ist Weihnachten. Das Fest der Wunder und der Fantasie!“
„Okay, okay…“, sagte Herr West, der die Idee inzwischen immer besser fand, „…aber wieso glaubst du, dass wir das alles innerhalb einer Woche noch schaffen könnten?“
„Herr West, an Weihnachten können Wunder geschehen und glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage, dass wir das schaffen können.“ Herr West blickte mich noch immer etwas negativ eingestellt an, aber ich wusste schon, wie ich ihn zu überzeugen wusste. „Zumal ich tatkräftige Unterstützung angefordert habe.“, sagte ich und zeigte zur Tür, wo wie aufs Stichwort Freunde, Bekannte und Verwandte das Clubhaus stürmten: Lexi und Yasin, Lexis Eltern, Lena und Christoph, die Zwillinge, ein paar ihrer Schulfreunde, darunter auch Noel, Alec und Yuki, Frau Bruck und Dr. Lazarus, sowie Arti und seine Straßengang, die die Meinung vertraten, sich für unser Engagement von vor drei Jahren erkenntlich zeigen zu müssen.
„Bringen wir die Hütte zum Beben!“, rief Arti ganz erfreut. „Das wird ein Weihnachtsfest, das wir alle – insbesondere die Kinder in dem Kinderheim – noch nie erlebt haben!“




#7 - Lukas trifft auf der Weihnachtsfeier auch seine alte Kindergärtnerin Fee wieder. Ursprünglich sollte er sie dort aber nicht antreffen, sondern erst im letzten Kapitel im Kindergarten (am ersten Weihnachtsfeiertag... findet den Fehler...). Lukas kehrte nämlich spätabends in den Kindergarten zurück, um die Kiste auszugraben, die er mit Julius einst vergraben hat. In der Endfassung existiert diese Szene nicht. Lukas hat die Kiste im Epilog einfach schon ausgegraben und war dabei sie zu öffnen.

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„Hey, was treibst du hier?!“ Ich bekam fast einen Herzstillstand, als plötzlich eine Frau hinter mir stand. „Zu dieser Zeit hat hier keiner was zu suchen.“
„Ehm… und was machen Sie dann hier?“, fragte ich die Frau und nach ein paar Sekunden erkannte ich sie erst. Sie war zwar älter geworden und trug eine neue Frisur, aber sie war es ohne jeden Zweifel. „Guten Tag… Fee.“
Meine alte Kindergärtnerin blickte mich verwirrt an. „Kennen wir uns?“
„Ich bin es. Lukas Hader. Dass sie mich nicht erkennen, kann ich ihnen nicht übel nehmen. Ich sehe heute viel besser aus, als damals.“, antwortete ich und lächelte dabei verschmitzt. „Ich war der Junge, der ständig mit Julius Bruck den Kindergarten unsicher gemacht hat.“
Endlich erkannte mich meine alte Kindergärtnerin. Mit Augen so groß wie Tennisbällen sah sie mich an. „Lukas. Was machst du denn hier? Heute ist der erste Weihnachtsfeiertag.“
„Ich weiß, aber ich muss was erledigen, was ich nicht länger aufschieben wollte.“, meinte ich mit einer Schaufel in der Hand und gab dieselbe Frage zurück.




#8 - Und noch eine verworfene Szene bezüglich der Kiste mit den Versprechen. Hier buddelt Lukas die Kiste aus:

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Ich stapfte leise durch den Matsch, damit mich niemand hörte. Es gab wirklich bessere Tage, um das was ich gerade vorhatte, in die Tat umzusetzen, aber ich hatte das Gefühl, als müsste ich es jetzt tun. Zumindest bestand keine Gefahr, dass mich heute jemand erwischen könnte. Ich trug eine Schaufel mit mir herum, mit der ich nun anfing, ein Loch neben einem Baum zu buddeln. Der Boden war zwar hart, aber das brachte mich nicht von meinem Vorhaben ab. Ich schaufelte unentwegt weiter, bis ich mit meiner Schaufel auf etwas stieß, was nicht aus Erde war. Mit Handschuhen schaufelte ich die restliche Erde zur Seite, bis der Deckel einer kleinen Holzschachtel zum Vorschein kam. Ich hätte es ja eigentlich nicht für möglich gehalten, aber sie war tatsächlich noch da.




#9 - Die letzte verworfene Szene, die ich euch anbieten kann, ist eine weitere Rückblende mit Lukas und Julius. Sie zeigt die beiden Freunde, wie sie gemeinsam die Kiste mit den Versprechen mitten in der Nacht im Kindergarten vergraben. In dieser Szene sind sie bereits zehn Jahre alt, während sie in der Endfassung die Kiste noch im Kindergartenalter bzw. kurz vor Schulantritt (also mit sechs Jahren) vergraben haben. Ich dachte mir, die beiden müssen schon schreiben können, bis sie die Versprechen auch aufschreiben können, aber in der Endfassung haben das dann Lena für Lukas und Fee für Julius übernommen. Die verworfene Szene zeigt wieder einmal, wie neckisch die beiden sich behandeln. Der letzte Satz Julius wurde dann aber in die Endfassung übernommen.

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„Jules, ich habe Angst…“, sagte ich ganz leise und klammerte mich ängstlich an den Arm meines besten Freundes, als wir spätabends über den Kindergartenzaun kletterten. Normalerweise durften wir gar nicht hier sein, aber ich hatte meinen Eltern erzählt, ich würde heute Nacht bei Julius übernachten und er hatte genau dasselbe seiner Mutter erzählt, nur umgekehrt.
„Jetzt klammer dich nicht so fest an mich. Du zerdrückst mich ja noch, du kleiner Feigling!“, schimpfte Julius mit mir, lächelte mich dabei aber vergnügt an.
„Ich bin erst Zehn! Da darf man noch Angst haben!“, entgegnete ich laut und mürrisch.
„Pssscht!“, zischte Julius mich an. „Willst du, dass wir erwischt werden? Hast du dein Versprechen aufgeschrieben, so wie wir es besprochen haben?“
„Natürlich.“, antwortete ich. „Willst du es lesen?“
„Nein, erst wenn wir es eines Tages wieder ausbuddeln, aber bis dahin vergeht hoffentlich viel Zeit.“, antwortete Julius mir. „Außerdem… bei deiner krakeligen Schrift, kann ich vermutlich ohnehin nicht lesen, was du geschrieben hast.“
„Wieso bist du immer so gemein zu mir, Jules?“, fragte ich beleidigt und traurig zugleich.
„Wie soll sonst mal ein anständiger Mann aus dir werden?!“, entgegnete Julius breit lächelnd. „Sieh dich an. Dir schlottern die Knie und klammerst dich an mich, als wären wir fest zusammen.“ Ich ließ Julius abrupt los. Fest zusammen? Was für ein absurder Gedanke… „Leg deinen Zettel nun in die Holzkiste.“, sagte Julius und folgte seiner Anweisung, indem ich meinen Zettel zu seinem dazu legte. „Also abgemacht. In fünfzig Jahren oder so, kommen wir wieder hierher, buddeln die Kiste aus und schauen, ob wir unsere Versprechen eingehalten haben. Sollte aber einer von uns schon eher den Löffel abgeben, erhält der andere die Erlaubnis, die Kiste vorher wieder auszubuddeln.“




Das waren alle verworfenen Szenen.

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